Wissenschaft umgeben von Infantilismus & Ideologien


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Liste deutscher Dissertationen mit Plagiaten

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"... the world population can exceed easily 8 billion by the year 2020. This was a major subject of discussion at the conference in Rio de Janeiro on the environment two years ago. It was pointed out at the conference that growth is most efficiently managed by the private sector, but regulation of the process by national governments and international bodies is also needed. And once again, United Nations can certainly be among the catalysts and coordinators of this process.”

 - David Rockefeller, Annual UN Ambassadors' Dinner Sep. 14, 1994












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Mme Prof. M. Augère 

Nicole Höchst  ( Interview und Kolumne ) 

Prof. Dr. Rainer Mausfeld ( emeritierter Prof. Uni Kiel )

Prof. Dr. Dr. Jean-Luc Fournet ( Frankreich, Bordeaux ) 



S. Hab ( M. Sc. ) Master of Science


Dr. rer. agr. J. P. Biehler

Dr. sc. phil. W. Berger

Dr. rer. nat. R. Ebert

Dr. rer. pol. R. Mangold







KLIMAWANDEL IM  NOTSTANDSLAND -  BIOLOGISCHE  REALITÄTEN   -   WIDERLEGEN   POLITISCHE   UTOPIEN   - 


DIE   CORONAKRISE   HAT   DEN  HOMO   -   SAPIENS   ZU   EINER   SPEZIES   "GEFORMT",   DIE ALLES   HINTER   SICH   GELASSEN   HAT,   WAS   UNS   ALS   TRANSZENDENTALE   FÜHLENDE,  LIEBENDE   -   INDIVIDUEN   EINMAL   AUSMACHTE ...,...







"WIR LEBEN IM POSTFAKISCHEN ZEITALTER, WO FAKTEN IMMER MEHR  VON  IDEOLOGIEN  ÜBERLAGERT  WERDEN"






Das Landgericht Kassel hat den Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Kassel) vom Vorwurf freigesprochen, sich in einem Interview 2017 beleidigend und volksverhetzend über Schwule und Lesben geäußert zu haben. Eine gute Nachricht für diejenigen, denen die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.


Prof. Dr. Ulrich Kutschera war nach seiner Verurteilung in Berufung (Revision) gegangen. Auch die Staatsanwaltschaft rief die zweite Instanz an. Damit habe erreicht werden sollen, dass der Professor auch wegen Volksverhetzung verurteilt wird, erläuterte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Das Berufungsgericht in der nächsten Instanz war somit das Landgericht.



Die Richter verwarfen die Berufung der Anklage. Die Entscheidung des Landgerichtes ist nunmehr rechtskräftig. Prof. Dr. Kutschera somit endgültig in 2. Instanz (LG.) freigesprochen.






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Voltaires „Dictionnaire philosophique portatif“, 1764 erschienen, ist eine Abrechnung mit Dummheit, Fanatismus, Borniertheit und Intoleranz. In 73 Stichwörtern lehrt das „Philosophische Taschenwörterbuch“, was eine kritische, undogmatische Geisteshaltung ausmacht.



Zu seiner Zeit wurde es verboten und verbrannt. Jetzt erscheint der Grundtext der Aufklärung zum ersten Mal komplett auf Deutsch. Herausgeber R. Bauer, Begründer der Voltaire-Stiftung und des Blogs Correspondance-Voltairehttps://www.correspondance-voltaire.de/



Dieser erklärt, was dieses Buch heute mit Blick auf die Islamismus-Debatte, Madeleine Albright, und Allerheiligen, so brandaktuell macht.

 
Erstmals wurde das „Philosophische Taschenwörterbuch“ des großen Philosophen und Schriftstellers Voltaire erstmals komplett aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt auf den deutschen Büchermarkt gebracht. Was macht dieses 1764 erstmals erschienene Buch gut 250 Jahre nach seinem ersten Erscheinen so bedeutsam, dass es jetzt dank dieses Mannes und Engagements bei Reclam in einer bibliophilen Ausgabe veröffentlicht worden ist ?



An der Publikation hat der Autor fast 12 Jahre, hauptsächlich mit der Übersetzerin Angelika Oppenheimer gearbeitet. Sie hatte bereits das Testament des Abbé Meslier aus dem Französischen übersetzt und das Buch von Condillac, „Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis“. Sie ist eine Spezialistin für die französische Sprache des 18. Jahrhunderts und die Übersetzung kommt dem Werk von Voltaire sehr nahe.



Das Philosophische Taschenwörterbuch ist so etwas wie die Mao-Bibel der Aufklärung, die erste große Abrechnung mit dem Christentum und seiner Kirche – der Infamen, wie Voltaire sie nennt. Die Kirche und ihre Ideologie werden auf allen Ebenen scharf kritisiert. Voltaire entwickelte dazu eine Art dialogische Methode. Liest man die Artikel, ist es wie ein Gespräch 




mit einem Geistesverwandten, der uns auch heute noch lehrt, wie man gegen die Autoritäten und ihre Doktrinen den eigenen Verstand einsetzen sollte. Das Buch ist in der Form seiner Erstausgabe bisher nie vollständig ins Deutsche übersetzt worden, einige Artikel daraus erschienen hier und da, meist vermengt mit anderen Texten Voltaires. Daher ist es schon ein Ereignis, und Bauer ist froh darüber, dass dieses Buch jetzt tatsächlich bei Reclam 2020 veröffentlicht wurde.



Voltaire, bekannt für seine fulminante Religionskritik und Blasphemie, war als Vordenker der Aufklärung auch ein Wegbereiter der Französischen Revolution. Warum ist die Antihaltung Voltaires zu den großen monotheistischen Religionen so wichtig ?



Zu Voltaires Lebzeiten wurden noch Menschen wegen „Gotteslästerung“ verbrannt, so der Chevalier de la Barre in Abbéville, oder wie Jean Calas in Toulouse wegen abweichender Religion gerädert. Voltaire hat seine ganze Kraft, seine Beziehungen und auch viel Geld eingesetzt, um der Kirche und ihrer Inquisition Einhalt zu gebieten. Und es ist ihm gelungen!



Seine Hauptkritik betrifft die Offenbarungsbehauptung selbst, dass also zu "Propheten" aufgestiegene wie 
Moses ( Auferstehungslehre erst seit den Evangelien, Konzil von Nizäa 325 n. Jesus 0, gemäß dem Neuen Testament), | Mohammed – behaupten, mit Gott gesprochen zu haben und daraus ihre Berechtigung ableiten, den allein richtigen Glauben zu verkünden. 


Wenn das nicht auf Lug und Trug, Machtinstinkt und anderen sehr weltlichen Dingen gegründet ist, dann ist es zumindest ein Wahn, der leider oft genug zu pflichtgetreuem und blutigen Fanatismus führte.



Die Stimme der Pflicht: Dieser » kategorische Imperativ » legt uns eine Verbindlichkeit auf, der wir uns nicht entziehen können. Aber wie waren wir imstande, einer solchen Verbindlichkeit nachzukommen, wenn wir nicht einen freien Willen hätten? Wir können die Beschaffenheit unseres Bewusstseins zwar nicht erkennen, aber wir müssen glauben, dass es frei sei, damit es der inneren Stimme der Pflicht nachkommen könne. 



Wir haben somit über die Freiheit keine Erkenntnisgewissheit wie über die Gegenstände der Mathematik und (Dualismus) der Naturwissenschaft; aber wir haben dafür eine moralische Gewissheit. Die Befolgung des kategorischen Imperativs führt zur Tugend.



Und weil ein " sinnliches " Wesen, wie es der Mensch ist, die vollendete Glückseligkeit nicht in dieser unvollkommenen Welt erreichen kann, so muss sein Dasein über dies Sinnendasein hinausreichen, das heißt die 
vermeintliche "Seele" muss unsterblich sein. Diese Verdopplung der Welt geht bis auf Platon zurück, der die Welt in eine der » real existierenden » Ideen und in die » unsere » geteilt hatte. 



Auch Zoroaster und die Israeliten dachten dual, die Christen und Muslimen tun es in unheiliger Allianz mit Platon und Moses, den Essenern, Jesus und Mohammed. Vulgärisiert schöpft Gott (als » real existierender » ) in solchem Denken die Welt, prüft er den Menschen, straft er ihn etc. Das ganz andere Voraussetzende wird im Dualismus zur kausalen Ursache (zum » Jenseitigen » ) des Weltlichen (» Diesseitigen » ). Es handelt sich dabei um die theologische Methode par excellence.



Worüber wir also nichts wissen können: 
das zaubert Kant aus dem moralischen Glauben an die Stimme der Pflicht hervor. Die Hochachtung vor dem Pflichtgefühl war das, was ihm eine wirkliche Welt wieder aufrichtete, als unter Humes' Einfluss die Beobachtungswelt zur bloßen Innenwelt herabsank. In schönen Worten kommt in seiner » Kritik der praktischen Vernunft » diese Hochachtung zum Ausdruck: » Pflicht! du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst», der du » ein Gesetz aufstellst ... vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich im Geheimen ihm entgegenwirken ...» Dass die höchsten Wahrheiten keine Erkenntniswahrheiten, sondern moralische Wahrheiten seien, das hielt Kant für seine Entdeckung.



Auf Einsichten in eine übersinnliche Welt muss der Mensch verzichten; aus seiner moralischen Natur entspringt ihm Ersatz für die Erkenntnis. Kein Wunder, dass Kant in der unbedingten, rückhaltlosen Hingabe an die Pflicht die höchste Forderung an den Menschen sieht. Eröffnete diesem die Pflicht nicht einen Ausblick aus der Sinnenwelt hinaus: er wäre sein ganzes Leben hindurch in diese eingeschlossen. Was also auch die Sinnenwelt verlangt: es muss zurücktreten hinter den Anforderungen der Pflicht. Und die Sinnenwelt kann aus sich selbst heraus nicht mit der Pflicht übereinstimmen. Sie will das Angenehme, die Lust. Ihnen muss die Pflicht entgegentreten, damit der Mensch seine Bestimmung erfülle. Was der Mensch aus Lust vollbringt, ist nicht tugendhaft; nur was er in der selbstlosen Hingabe an die Pflicht vollführt.



Unterwerfe deine Begierden der Pflicht: das ist die strenge Aufgabe der Kantschen Sittenlehre. Wolle nichts, was dich in deiner Selbstsucht befriedigt, sondern handle so, dass die Grundsätze deines Handelns die aller Menschen werden können. In der Hingabe an das Sittengesetz erreicht der Mensch seine Vollkommenheit. 



Der Glaube, dass dieses Sittengesetz in erhabener Höhe über allem anderen Weltgeschehen schwebe und durch ein göttliches Wesen in der Welt verwirklicht werde, das ist nach Kants Meinung wahre Religion.



Sie entspringt aus der Moral. Der Mensch soll nicht gut sein, weil er an einen Gott glaubt, der das Gute will; er soll gut einzig und allein aus Pflichtgefühl sein; aber er soll an Gott glauben, weil Pflicht ohne Gott sinnlos ist. Das ist » Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft »; so nennt Kant sein Buch über religiöse Weltanschauung.



Seit dem Aufblühen der Naturwissenschaften hat der Weg, den diese genommen haben, bei vielen Menschen das Gefühl hervorgerufen, aus dem Bild, das sich das Denken von der Natur gestaltet, müsse alles entfernt werden, was nicht den Charakter strenger Notwendigkeit trägt. Auch Kant hatte dieses Gefühl. Er hatte in seiner » Naturgeschichte des Himmels » sogar für ein bestimmtes Naturgebiet ein solches Bild entworfen, das diesem Gefühl entspricht. In einem solchem Bild hat keinen Platz die Vorstellung des selbstbewussten Ich, welche sich der Mensch des achtzehnten Jahrhunderts machen musste. 



Der platonische, auch der aristotelische Gedanke konnte als die "Offenbarung" sowohl der Natur, wie diese im Zeitalter seiner Wirksamkeit genommen werden musste, wie auch der menschlichen "Seele" angesehen werden. Im Gedankenleben trafen sich da Natur und "Seele". Von dem Bilde der Natur, wie es die Forschung der neuen Zeit zu fordern scheint, führt nichts zu der Vorstellung der selbstbewussten "Seele".



Kant hatte die Empfindung: es biete sich ihm in dem Naturbilde nichts dar, worauf er die Gewissheit des Selbstbewusstseins begründen könne. Diese Gewissheit musste geschaffen werden. Denn die neuere Zeit hatte dem Menschen das selbstbewusste Ich als Tatsache hingestellt. Es musste die Möglichkeit geschaffen werden, diese Tatsache anzuerkennen. Aber alles, was der Verstand als Wissen anerkennen kann, verschlingt das Naturbild.



So fühlt sich Kant gedrängt, für das selbstbewusste Ich und auch für die damit zusammenhängende Geisteswelt etwas zu schaffen, was kein Wissen ist und doch Gewissheit gibt.

Die selbstlose Hingabe an die Stimme des " Geistes " hat Kant zur Grundlage der Moral gemacht. Auf dem Gebiet des tugendhaften Handelns verträgt sich eine solche Hingabe nicht mit derjenigen an die Sinnenwelt.



Es gibt aber ein Feld, auf dem das Sinnliche so erhöht ist, dass es wie ein unmittelbarer Ausdruck des Geistigen erscheint. 
Dies ist das Gebiet des Schönen und der Kunst. 



Voltaire ist der Verfechter der religiösen Toleranz, das heißt, dass jeder seine Religion haben können soll. Oder auch gar keine. Und dass keine Religion und ihre Priester so viel Macht erlangen sollte, dass sie Andersdenkende verfolgen kann.



In Frankreich ist gerade der Pädagoge Samuel Paty von einem Islamisten brutal ermordet worden, weil er seine Schüler die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben, gelehrt hatte und dafür im Unterricht unter anderem Karikaturen vom Propheten Mohammed gezeigt hatte, die in der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlicht worden waren. Müsste Voltaire heute unter Polizeischutz leben wie das Redaktionsteam von „Charlie Hebdo“ oder der Karikaturist Kurt Westergaards in Dänemark?



Voltaire hat sich dazu sehr konkret in dem Artikel „Fanatismus“ im Philosophischen Taschenwörterbuch geäußert. Er meinte, gegen Fanatiker würden keine Gesetze helfen, weil sie ihren Glauben höher stellen als das bürgerliche, weltliche Recht. Sie erwürgen einen und glauben, dadurch in den Himmel zu kommen! 



Wenn der Fanatismus erst einmal zu einer Epidemie geworden sei, meint Voltaire, helfe nur die Aufklärung, die von Mund zu Mund weitergegeben, die Sitten mildere. Wenn aber das Übel des Fanatismus trotzdem zunehme, müsse man fliehen und abwarten, bis die Luft wieder rein ist. Genau das hat er ja auch getan. Er hat sich in Ferney niedergelassen, von wo aus er jederzeit in die Schweiz hätte fliehen können.



Gleichzeitig hat Voltaire immer wieder für Toleranz geworben. Im gleichnamigen Kapitel schreibt er: „Toleranz ist ein Pfand der Humanität. Wir alle sind voller Schwächen und Irrtümer; vergeben wir uns gegenseitig unsere Torheiten, dies ist das erste Gesetz der Natur.“ Aber auch: „Habt ihr bei euch zwei Religionen, werden sie sich die Kehle durchschneiden, habt ihr dreißig, leben sie miteinander in Frieden. Seht den Großtürken:



Er herrscht über Parsen, Banianen, griechisch-katholische Christen, Nestarianer und römisch-katholische Christen. Der Erste, der es unternimmt, Unruhe zu stiften, wird gepfählt, und ein jeder hat seinen Frieden. “ Was heißt das übertragen auf heute im Umgang mit dem politischen Islam und islamistischen Terrorismus vor dem Hintergrund, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron frontal attackiert, weil der sich für Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Karikaturen einsetzt,  auch wenn Bauer Mohammed zum Thema hat ? 



Ob Macron wirklich für das Recht eintritt, die Religion kritisieren zu dürfen, ist für Bauer eher fraglich, Voltaires Übersetzung würde heute dazu führen, die Staatskirchen abzuschaffen, die Kirchensteuer, die versteckten Finanzierungen ihrer Einrichtung mit Steuergeldern zu beenden, konfessionelle Schulen und Universitäten aufzulösen. 




Gerade das macht Macron nicht, im Gegenteil, seine Parteimitglieder sind oft mit dabei, wenn aus Saudi-Arabien finanzierte Moscheen, staatlicherseits zusätzlich subventioniert, geplant, gebaut und gefördert werden. In den Gymnasien hat seine Regierung den arabischen Sprachunterricht durch Lehrer aus den arabischen Staaten durchführen lassen. Sie lehren die

 Sprache auf der Basis des Koran.



Was ist nun aber von Schriftstellern wie Pascal Bruckner zu halten, die nach den Boykottaufrufen Erdogans gegen Frankreich ein selbstbewussteres Auftreten der europäischen Demokratien gegenüber der Türkei fordern?



In der FAZ bezeichnet der französische Essayist die Türkei als „expansives Imperium“, das Europa für vergangene Verbrechen schuldig spreche und sich gleichzeitig weigere, die eigenen anzuerkennen. Der türkische Präsident bewaffne überall Dschihadisten und treibe sie an. Zusammen mit Qatar fördere die Türkei zudem ein starkes Netzwerk der islamistischen Muslimbrüder in Europa. Und an die Adresse der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel erklärte Bruckner:



 „Ich bedaure, dass Deutschland der Türkei so furchtsam gegenübertritt.“ – Soweit, so richtig. Gleichwohl, Bruckner gehört in Frankreich mit Bernard-Henri Lévy, Alain Finkielkraut und André Glucksmann zu den Vertretern der „Nouvelle Philosophie“. Diese „neuen Philosophen“ gehören seit dem völkerrechtswidrigen NATO-Krieg gegen Jugoslawien zu den schlimmsten Stichwortgebern imperialistischer Interventionspolitik. Wie positioniert sich da eine an Voltaire orientierte Linke ?



Die Position dieser Leute ist nicht schwer zu verstehen, sie ist ganz einfach „Pro NATO“. Alles, was aus den USA kommt, begrüßen sie. Und weil Erdogan, obwohl die Türkei NATO-Mitglied ist, das Imperium tatsächlich ein wenig gegen den Stiefel tritt, bekämpfen sie ihn. Obwohl Erdogan jetzt sogar die Türksiche Lira für den Dollar aufgibt.



In Deutschland haben wir eine ganz andere Situation, hier leben einige Millionen türkischstämmige Menschen. Und viele von ihnen sehen in Erdogan einen „Rächer der Entrechteten“, sie freuen sich über seine Schimpftiraden. Ich sehe es als riesiges Versäumnis an, dass die Restlinke hier in Deutschland zu den vernünftigen unter ihnen so wenig Beziehungen aufgebaut hat und dass es so wenig Solidarität mit den Verfolgten in der Türkei gibt. Mit Voltaire gehen, würde bedeuten, unter ihnen Bündnispartner zu suchen, auch in den Elendsquartieren der Asylbewerber.



Nehmen wir Kevin Kühnert vom damaligen SPD – Vorstand. Der konstatierte am 21. Oktober 2020 in einem Gastbeitrag im Spiegel: „In Frankreich wird ein Lehrer enthauptet – und wir finden keine Worte. Wenn die politische Linke den Kampf gegen Islamismus nicht länger Rassisten überlassen will, muss sie sich endlich mit diesem blinden Fleck beschäftigen.“ Die „politische Linke“ müsse „klarstellen, dass in ihrer Idee von der gerechten Gesellschaft, der Glaube eine Sache zwischen dem Einzelnen und seinem "Gott" ist.



Niemals jedoch kann sie Glaube als eine die Freiheit einschränkende Sache zwischen einzelnen Individuen akzeptieren. Zumal wenn diese im behaupteten Auftrag eines "Gottes" oder einer, wie auch immer gearteten Ideologie meinen, Recht sprechen und exekutieren zu können.



Die Durchsetzung dieses Prinzips ist noch keine hinreichende, wohl aber eine notwendige Voraussetzung für linke Politik.“ Kein Wort verliert der scheidende Juso-Vorsitzende darüber, dass die im Bund mitregierende SPD Erdogan in der Türkei in den vergangenen zwei Jahren zum Spitzenempfänger deutscher Kriegswaffenexporte gemacht hat und auch 



das gerne „Königreich“ genannte Kopf-Abschneider-Regime in Saudi-Arabien über Jahre zum „Stabilitätsanker“ aufgerüstet wurde, Despoten, die ihrerseits islamistische Terrorbanden unterstützen. Was lehrt uns Voltaire im Umgang mit jenen, die den Islamismus geißeln, während sie staatliche Islamisten bewaffnen?



Voltaire lehrt uns, diejenigen zu verachten, die links blinken und rechts fahren. Er würde uns raten, unsere Freunde gut auszuwählen, solche, die aufrecht und ehrlich sind, der Wahrheit verbunden. Unter Leuten, die von Jugend an ihre Karriere in politischen Parteien geplant haben, wird man solche nur selten finden.



Die Verwirrung reicht weiter.
 
Das Jüdische Museum Berlin ehrt an diesem Wochenende neben dem Pianisten Igor Levit die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright mit dem „Preis für Verständigung und Toleranz“. Letzteres ist an Zynismus nur schwer zu überbieten.



Zur Erinnerung: Die Toleranz von Madeleine Albright beim Massenmord an irakischen Kindern war grenzenlos. In der CBS-Fernsehshow „60 Minutes“ am 12. Mai 1996 fragte Lesley Stahl die prominente Politikerin mit Blick auf die US-Sanktionen gegen den Irak:



„Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und – sagen Sie, ist es den Preis wert?”



Die von US-Präsident Bill Clinton berufene Außenministerin Madeleine Albright antwortete: Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis – wir glauben, es ist den Preis wert.







In ihrer Autobiographie sprach sie später von einem „politischen Fehler“, bezüglich ihrer Antwort, nicht der massenmörderischen Sanktionen. Soviel Verständigung muss sein …



Die Preisverleihung an Madeleine Albright hat auch Bauer sehr irritiert. Vielleicht war auch Gevatter Josef, der Fischer, mit dabei ? Aber: Wer hat  nicht alles den Friedens-Nobelpreis erhalten? ... Obama, Kissinger, q. e. d. ...



Voltaire wird immer wieder auch Antisemitismus vorgeworfen. Gleich im ersten Kapitel „Abraham“ nennt er Juden „unsere Meister und unsere Feinde, (…) denen wir glauben und die wir verachten“ …



... Ja, das stimmt. Bauer hat auf den Voltaire-Seiten zahlreiche Stellen aus seinen Schriften analysiert. Die genannte aus dem Artikel „Abraham“ ist auch darunter. Hier fällt es einem sozusagen geradezu ins Gesicht, dass er damit die katholische Kirche ironisiert, die im jüdischen Volk ihre Vorfahren sieht, die bloß den einen Fehler haben, um das Jahr Null herum nicht verstanden zu haben, dass jetzt ein neuer Prophet, Jesus Christus eben, den richtigen Glauben verkündet.



Und weil das ganze Bild des Erlösers - eine umgebungsbedingte Wahrheit ist, deren Gültigkeit sich nur » soweit »  erstrecken kann, als sie auch für wahr gehalten wird. Dabei muss »soweit » keine Entfernungsangabe bedeuten: bekanntlich hält Jesu eigenes Volk ihn nicht für den Erlöser!



- Erfunden allerdings wurde Jesus als » wahrer Mensch und » Sohn » Gottes » (im Originaltext » filioque») erst über 300 Jahre nach seinem Tod - im Konzil von Nicäa (im Mai 325) nämlich: als » Gott » zum Anfassen sozusagen, dem man - zu seinen Lebzeiten - hätte begegnen können. In welchem geistigen Haus jemand »leben» möchte ist jedem selber überlassen !


An den allermeisten Stellen kritisiert Voltaire die Juden in ihrer alttestamentarischen Existenzweise, er kritisiert die Bibel, die fünf Bücher Mose. Es gibt jedoch keine einzige Stelle, an der er einen Juden persönlich angreift, ganz im Gegenteil. In seiner „Predigt des Rabbi Akib“ verteidigt er die Juden vehement gegen die Verfolger der spanischen Inquisition.



Aber das Judentum ist eine Offenbarungsreligion, die Juden behaupten, Gottes einzigartiges, auserwähltes Volk zu sein, und das hält Voltaire, um es gelinde zu sagen, für eine antihumane Anmaßung, ähnlich bei den Christen und den Mohammedanern – deshalb hat man ihn auch als Islamophoben beschimpft. Wie immer es auch passt.



Bauer hatte zuletzt eine Zuschrift erhalten mit einem Essay, in dem Voltaire als Freund der Juden bezeichnet wird. Das war er nach seiner Auffassung nicht, für ihn waren sie ganz einfach die Vorläufer der intoleranten Christen, die er, indem er die intoleranten Juden des alten Testaments kritisierte, in eine gemeinsame, vernunft- und menschenfeindliche Geschichte einordnet.



Voltaire steht auch von links unter Beschuss. Er habe am Kolonialhandel mitverdient, wird ihm vorgeworfen. In Paris wurde zuletzt im Juni die Statue des Mannes, der die heutigen Grundlagen der freien Meinungsäußerung legte, beschädigt und mit roter Farbe übergossen. Danach wurde das Denkmal von der Stadtverwaltung demontiert. Was ist dran an den Vorwürfen? Ist Voltaire der Abraham Lincoln der Philosophie, der sich für Freiheit und Toleranz einsetzt, gleichzeitig aber persönlich von Kolonialismus und Sklaverei profitiert?



Ach ja, was heißt da schon links: Ähnlich, wie man die DDR madig macht, weil es auf diesem oder jenem Posten ein früheres NSDAP-Mitglied gab, gleichzeitig die BRD, in der 80 Prozent der Richter eine NSDAP-Vergangenheit hatten, von jeder Kritik ausnimmt, so ist es auch hier. Für Voltaire war die Kirche, die katholische, der Hauptfeind. Auf die Auseinandersetzung mit ihr richtete er sein Augenmerk. Den Sklavenhandel hat er niemals begrüßt, wie man in seinem Artikel „Esclaves“ in den „Questions sur l’Encyclopédie“ nachlesen kann.



Bei den Attacken gegen die Voltaire-Statue wegen „Kolonialismus“ geben die Akteure vor, Freunde der ehemaligen Kolonialstaaten zu sein. Wie viele von ihnen sind unter ihnen, die getaufte Mitglieder des größten Kolonialismus-Befürwortervereins der Geschichte sind? Wie viele sind auch Muslime, deren Vorfahren den Sklavenhandel in ganz Afrika organisiert haben? Bauer ist davon überzeugt, dass diese Leute der Hass und die Wut auf die Freiheit des Geistes, der Sexualität und die antiautoritäre Grundhaltung, die für Voltaire & seine Verbündeten 
typisch war, antreibt.



Die Behauptung, er habe „am Kolonialhandel“ verdient, reiht sich ein in viele ähnliche Vorwürfe, wie etwa den, dass er reich war. Damit wird ausgerechnet der Punkt angegriffen, der es ihm ermöglichte, anders als Leibniz, Kant und andere in Deutschland, unabhängig vom Adel zu sein.



Im Gegenteil, Voltaire hatte einigen Fürsten sogar Geld ausgeliehen und dann gute Zinsen eingenommen. War er also Profiteur der Missetaten dieser Fürsten? Ist heute jemand, der einen BMW fährt, Unterstützer der Quandts und Klattens? Das ist nicht einfach nur lächerlich. 



Es ist eine Strategie, die darauf abzielt, den wichtigsten Vertreter der Aufklärung, und diese mit ihm, aus unserem Denken zu verbannen. Gegen diese Tendenz hat Bauer die Voltaire – Internet Seite aufgebaut und das Philosophische Wörterbuch herausgegeben. Er will Menschen, die wissen wollen, wie Voltaire wirklich schrieb, wie er nachdachte, Gelegenheit geben, das selbst zu überprüfen.




Voltaire: Philosophisches Taschenwörterbuch. Nach der Erstausgabe von 1764 erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt von Angelika Oppenheimer. Herausgeber: Rainer Bauer. Reclam - Verlag 2020.