Wissenschaft umgeben von Infantilismus & Ideologien


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Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von,...

Veronica Saß (geb. Stoiber) jetzt Direktorin "Recht" beim FC Bayern, Edmund Stoiber sitzt im Aufsichtsrat | Silvana Koch-Mehrin | Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg |


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"... the world population can exceed easily 8 billion by the year 2020. This was a major subject of discussion at the conference in Rio de Janeiro on the environment two years ago. It was pointed out at the conference that growth is most efficiently managed by the private sector, but regulation of the process by national governments and international bodies is also needed. And once again, United Nations can certainly be among the catalysts and coordinators of this process.”

 - David Rockefeller, Annual UN Ambassadors' Dinner Sep. 14, 1994





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Autoren: 

Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Ph.D.)

Nicole Höchst  ( Interview und Kolumne ) 

Dr. rer. agr. J. P. Biehler

Dr. sc. phil. W. Berger

S. Hab ( M. Sc. ) Master of Science






Prof. Dr. Kutschera schätzt sich selbst (wie auch wir uns im Übrigen) als einen Menschen ein, der streng logisch und rational denkt sowie argumentiert und eingesteht, dass er dachte, dass andere auch ähnlich gestrickt seien und dabei irrte. Viele Menschen seien eher emotional als rational veranlagt.


Am 5. Juni 2019 musste Prof. Ulrich Kutschera zum Gerichtstermin am Amtsgericht in Kassel wegen „Volksverhetzung“ antreten, Homosexuelle und ein Vertreter der AStA haben den Biologen angezeigt. Es wird in den Medien so dargestellt, als wollte er Homosexuelle beleidigen. Dies sei, laut Prof. Kutschera nicht der Fall, es ginge ihm um das Kindeswohl und um das natürliche Recht eines Kindes, auf einen Vater und eine Mutter, das er anhand der Eltern-Kind-Bindung belegte.


Kutscheras Verteidiger stellte 14 Beweisanträge. Durch die Anhörung anderer Wissenschaftler und einem Kinderarzt wurde belegt, dass Kutscheras Äußerungen auf biowissenschaftlichen Grundlagen beruhen und keine persönliche Meinungsäußerung mit beleidigendem Inhalt darstellen.


Im Berufungsprozess wurde Prof. Kutschera zu einer Geldstrafe von 6000 € verurteilt. Daß Schlußfolgerungen aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnis bzw. auch Meinungsäußerungen als Volksverhetzung geahndet werden bzw. in diesem Fall geahndet wurden, ist völlig absurd !


Deutschland 2021 – die effizienteste Tiefenindoktrination (Meinungsdiktatur) die je existiert hat. 



https://www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzept-hintergrund/




Der Arbeitskreis Evolutionsbiologie wurde 2002 mit Unterstützung des Harvard - Professors Ernst Mayr im damaligen Verband Deutscher Biologen (vdbiol) gegründet. Seit 2017 agiert der AK Evolutionsbiologie eigenständig. Der AK ist eine Vereinigung von Evolutionswissenschaftlern & Physiologen, welche die Stammesentwicklung und Funktion der Organismen erforschen oder biologiehistorisch / wissenschaftstheoretisch arbeiten.


Der AK Evolutionsbiologie vertritt eine naturalistische Weltsicht. Wir kooperieren mit dem National 

Center for Science Education (NCSE) in Oakland, CA, USA, der Systems Biology Group, Inc., in Palo Alto, CA, USA und der Biotech-Research Company I-Cultiver Inc., in San Francisco, CA, USA. Dort ist Dr. U. Kutschera ab 01.04.2021 per Vertrag als "Professor of Biology" und "Scientific Advisor"tätig (Projekt W. R. Briggs/Stanford-019).


Wir setzen uns kritisch mit anti-naturwissenschaftlichen (irrationalen) Ideologien auseinander, wie z. B. Kreationismus, Genderismus, Gentechnik-Angst, Klimawandel-Hysterie, Homöopathie usw., nach dem  Motto:

„Biologisches Wissen befreit den Menschen aus dem Würgegriff unvernünftiger Glaubens-Verirrungen.“  (U. Kutschera: Physiologie der Pflanzen. Berlin 2019, S. 7).



"Wir stammen alle aus einem Präkambrischen Urbilaterium ab, und dieser Urwurm in uns war Regenwurm ähnlich"


„Die Gender-Wissenschaft ist eine politische Ideologie.“ Mann und Frau sind nicht gleich und können von der Politik demzufolge auch nicht gleich gemacht werden. Das unterschiedliche Handeln und Denken von Männern und Frauen ist nicht in erster Linie das Produkt von Erziehung, wie es die Moneyistische Ideologie vorsieht, sondern das Ergebnis ihrer unterschiedlichen Biologie.


Prof. Dr. Ulrich Kutschera ist Evolutionsbiologe und Physiologe aus Freiburg i. B. Er war lange Zeit an deutschen Universitäten tätig und hat zahlreiche Forschungsarbeiten zur Biologie und Evolution von Bakterien veröffentlicht. Seit 2007 arbeitet er als Visiting Scientist in Palo Alto, Kalifornien, USA. 2019 erschien das Fachbuch „Physiologie der Pflanzen. Sensible Gewächse in Aktion.“ 


Und 2020 sein Sachbuch:

 „Klimawandel im Notstandsland. Biologische Realitäten widerlegen Politische Utopien.“ 




„Das Geschlecht ist in jeder einzelnen Zelle des Körpers eingeschrieben“, erklärt Prof. Kutschera. Wir können unserer Natur nicht entkommen. Kulturelle Faktoren wie Erziehung, das Lebensumfeld und die Gewohnheit dürfen selbstverständlich nicht vernachlässigt werden. Doch eine Theorie, die die Geschlechtlichkeit der Menschen in erster Linie als sozial konstruiert sieht, verläßt den Boden seriöser Wissenschaft.




https://biology.mit.edu/profile/david-c-page/



Copyright David C. Page, 2013


https://www.researchgate.net/profile/David-Page-13


https://www.researchgate.net/institution/Massachusetts-Institute-of-Technology



Prof. Ulrich Kutschera gelingt es, wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig für Laien verständlich auszuführen, daß das Vorhaben, eine geschlechtslose Gesellschaft zu begründen, vor diesem Hintergrund zum Scheitern verurteilt ist. 


Denn


Wer über Menschen redet, dürfe über die Biologie nicht schweigen. Und die erteilt dem durch und durch ideologisch motivierten, mit Euro-Milliarden gefüttertem Programm, „Gender-Mainstreaming“, eine klare Absage.


Es  gibt  kein  drittes  Geschlecht!  Es  gibt  nur  zwei  Geschlechter  und  den  Zustand   “ i n t e r ”.

Das sind entwicklungsgestörte Menschen, bei denen die Geschlechtsausbildung nicht funktioniert hat. Mann und Frau unterscheiden sich hinsichtlich proteincodierender Gene, wie Schimpanse und Mensch. 


Prof. Dr. U. Kutschera, Das Gender-Paradoxon
– „Schwule Käfer gibt es nicht.“


Sex und Gender sind Schlüsselbegriffe der Evolutionsbiologie. Sie werden jedoch zur Verbreitung einer radikal-feministischen "Geschlechter-Theorie" bzw. der Politikagenda des "Gender Mainstreaming" (GM), eine "Frau-gleich-Mann-Ideologie", sinnentstellend verwendet. 


Prof. Dr. Ulrich Kutschera legt dar, dass GM bzw. die soziologischen "Gender Studies" auf die Irrlehren des US-Psycho-Erziehers John Money (1921 - 2006) zurückführbar sind. 



Dieser Moneyismus wird den Erkenntnissen der Geschlechtergerechten Biomedizin (GB) gegenübergestellt, die auf den evolutionär herausgebildeten Unterschieden zwischen Mann und Frau basiert und zur Etablierung eines neuen Ganzkörper XY- bzw. XX-Menschenbildes geführt hat. In der Neuauflage wurden aktuellste Forschungsergebnisse aufgenommen; die Aussagen dieses Aufklärungstextes konnten durch weitere Belege untermauert werden.



„Das Gender-Paradoxon“ wird viele Ideologen provozieren. Kunststück: Es beinhaltet sowohl Kritik am Feminismus/Gender Mainstreaming als auch am Kreationismus. Damit schafft sich das Buch Gegner in zwei mächtigen Lagern. Problematisch ist hierbei wiederum, dass ausgerechnet diese beiden Lager nichts mit Wissenschaft und fundierten Erkenntnissen anfangen können.


Dass Kutschera auch keineswegs ein Gegner von Frauenthemen und der Gleichberechtigung ist, wird an der Erwähnung der „Anti-Leihmutterschafts-Kampagne“ der EMMA und einer konkreten Stellungnahme zur Gleichberechtigung deutlich.


Selbstverständlich darf weder an Universitäten noch in anderen Arbeitsbereichen Deutschlands kein Mensch, ob Mann, Frau, homo- oder heteroerotisch veranlagt, benachteiligt werden. Vor dem Grundgesetz sind alle Bürger gleich, und zum Einhalten dieser zentralen Aufgabe sind alle Arbeitgeber und Mitarbeiter verpflichtet.



U. Kutschera, Das Gender-Paradoxon, S. 122



Diese Aussage ist nur an dieser Stelle auf den Bereich der Arbeit beschränkt. In weiteren Auslassungen wird deutlich, dass die Aussage auf andere Lebensbereiche ebenso zutrifft und zutreffen muss.


Das Buch liest sich flüssig. An vielen Stellen wird allerdings die Neugier auf weitere Tatsachen geweckt. Einem jeden Leser ist es überlassen, weitere Recherchen zwischendurch anzustellen. Mir kam zugute, dass ich offenbar eine (damals wenig geschätzte) Biologielehrerin im Grundkurs der gymnsialen Oberstufe hatte, die mir z. B. Wissen über haploide und diploide Zellen dauerhaft vermittelt hat.


Diese Begriffe erläutert Kutschera allerdings verständlich. Bei der Lektüre des Buches ist mir kein wissenschaftlicher Ausdruck begegnet, den ich zum Verständnis durch weitere Information hätte ergänzen müssen. Der Autor schafft es hervorragend, Fakten und Wissen zu vermitteln. Seine Sprache ist durchgängig in einem verständlichen Ton gehalten, der auch außerhalb akademischer Kreise gut verständlich ist.


Dem Autor ist es daran gelegen, Fakten zu vermitteln, die über Jahrhunderte in akribischer Kleinarbeit durch Biologen ermittelt wurden. Dabei berücksichtigt er Biologen und Botaniker wie Charles Darwin, August Weismann und Julius Sachs. Gerade Charles Darwin wird – aus der zeitlichen Perspektive – auch kritisch betrachtet. Die Zeit lehrte andere Schlussfolgerungen, was allerdings nichts am Wert der Forschung von Darwin ändert.



Da der Autor bereits viele Jahre als Professor der Biologie auch in der Forschung tätig ist, kann er auf viele eigene Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen verweisen. Der wissenschaftliche Bezug des Buches, hindert die genannten Gegner allerdings nicht an unsachgemäßer und ideologischer Kritik - fernab von Fakten.



Kutschera macht selbst auf die Gefahr der Nazikeule aufmerksam, als er beschreibt, dass es neben einer „Gendermedizin(Gender als biologischer Begriff für Geschlecht) auch eine „Rassenmedizin„, die nach der Rasse des Menschen unterscheidet, gegeben hat.



Seine biologischen Erkenntnisse wendet Kutschera nun auf das Gender Mainstreaming und den Kreationismus an. Dies geschieht fundiert und belesen. Er hat sich mit den wichtigsten Quellen aus diesen Bereichen beschäftigt. Die Bibel wird ebenso zitiert wie Degele, Alice Schwarzer, John Money etc. Auch Dale O’Leary  (oder hier) kommt mit diversen anderen zu Wort. So ist der Autor in der Lage, wissenschaftlich fundiert die Aussagen der beiden kritisierten Strömungen in seinem Buch zu betrachten und zu bewerten.



Peter Tschaikowsky wird unaufgeregt im Zusammenhang mit einer angeborenen Homoerotik betrachtet. An dieser Stelle geht der Autor auch auf die Begriffe der Homophobie und der (in der gesellschaftlichen Betrachtung vernachlässigten) Heterophobie ein. Die Blicke über den Tellerand zeigen, dass der Professor der Biologie kein s. g. Fachidiot ist. Er vermag es sein wissenschaftliches Fach in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Phänomenen zu setzen. 



Intensiv beschäftigt sich der Autor mit dem „SexualwissenschaftlerJohn Money, der zwar mittlerweile kaum noch zitiert wird, dennoch aber die Grundlagen für das Gender Mainstreaming gelegt hat.

Eine Webseite über John Money. ( LINK )

John Money vertrat die These, dass es keinerlei wesensmäßige Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen gäbe und Männlichkeit und Weiblichkeit nur erlernte Geschlechtsrollen seien.


Kutschera zeigt deutlich auf, dass diese These gegenstandslos und schädlich ist. Dieser These ist es zu verdanken, dass körperliche Geschlechtsmerkmale mittlerweile sogar als „sozial konstruiert“ dargestellt werden. Die Philosophin Judith Butler kommt in diesem Zusammenhang ebenfalls zu Wort.


Ein Artikel über Judith Butler in der Welt.

Womit wir bei der Philosophin Judith Butler wären


, die in diesem Jahr den Theodor-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt erhalten soll. Butler ist berühmt für ihre komplizierten Sätze. Dafür hat sie sogar den ersten Preis im „Wettbewerb für schlechtes Schreiben“ erhalten, der von der Zeitschrift „Philosophy and Literature“ veranstaltet wird. Der in der Laudatio zitierte Satz Butlers geht so:



„The move from a structuralist account in which capital is understood to structure social relations in relatively homologous ways to a view of hegemony in which power relations are subject to repetition, convergence, and rearticulation brought the question of temporality into the thinking of structure, and marked a shift from a form of Althusserian theory that takes structural totalities as theoretical objects to one in which the insights into the contingent possibility of structure inaugurate a renewed conception of hegemony as bound up with the contingent sites and strategies of the rearticulation of power.“



Auf Deutsch: Ganz so leicht, wie sich die Marxisten die Welt erklären, ist sie nicht.


Das Buch ist auf den Punkt geschrieben. Neben den angesprochenen Inhalten geht es u. a. um Geschlechterunterschiede im Phänotyp (Erscheinungsbild) und im kulturellen Bereich (Musik, Literatur). Soziale Themen wie Homoehe, Leihmutterschaft, Intersexualität werden ebenso angesprochen. Diese Dinge werden konzentriert, spannend und auf den Punkt behandelt.

Unterhaltsam ist der Satz


"Es gibt keine schwulen Käfer".

Dieser fällt in Zusammenhang mit der Behauptung, es gäbe keine nachweisbare Homoerotik im Tierreich. Die beobachtete Homoerotik ist insgesamt ein Vorkommen, das entweder nicht im natürlichen Umfeld vorkommt oder eine extreme Ausnahmeerscheinung darstellt. 


Homoerotik ist dementsprechend eher eine menschliche Erscheinungsform von erotischen Handlungen. Kutschera stellt diese Tatsache aufgrund empirischer Belege ohne weitere Wertung fest. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf das o. g. Zitat hinweisen.


Die Feststellung, dass Männer und Frauen sich genetisch in etwa soweit voneinander unterscheiden, wie der Schimpanse vom Menschen, wird für Weiteres Aufsehen sorgen. Dieses Aufsehen beruht allerdings auf dem eigenen Sexismus, wenn man das eine Geschlecht näher dem Affen zuordnet als das andere. Eben dies tut Professor Kutschera eben nicht. Er weißt lediglich daraufhin, dass es bereits genetische Unterschiede der Geschlechter gibt, die die These der sozialen Konstruktion entkräften.

Weitere Protagonisten des Buches:

  • die „Biologin“ und Feministin Ah-King aus Schweden
  • Wallace
  • eine Antje Lann H.
  • und viele weitere.


Ich habe das Buch als konzentrierte Vermittlung von Wissen aus der Biologie und auch der feingeistigen, kulturellen Seite des Menschens gelesen. Kutschera gewährt in seinem Buch einen umfassenden Blick auf die Gesellschaft mit ihren biologischen, sozialen und künstlerischen Aspekten. Dieser Blick war für mich lehrreich und spannend.




Die Buchvorstellung: 


Vorwort zur 2. Auflage 

Vor sechzig Jahren (1948) hat Alfred C. Kinsey (1894–1956) einen Report publiziert, der zwei Irrtümer enthält, die bis heute fortleben. Jeder 10. Mann soll schwul sein, und es gäbe einen 

Gradienten zwischen „vollkommen homosexuell“, über Zwischenstufen, bis „komplett heteronormal“ (Kinseys Regenbogen-skala). 


Beide Mythen wurden in diesem Text unter Verweis auf biologische Fakten widerlegt.Obwohl dieses Aufklärungsbuch für Personen verfasst worden ist, die an den Ursachen und Folgen der 

evolvierten Zweigeschlechtlichkeit des Menschen interessiert sind, waren die öffentlichen Reaktionen vorwiegend negativ.


Kürzlich ist die folgende juristische Einsicht publiziert worden: „Ein Forschungsergebnis mag richtig, falsch oder umstritten sein; es ist aber nicht rechtswidrig oder rechtmäßig“ (Gärditz 2018). Da dieses Buch im Wesentlichen auf den Ergebnissen biomedizinischer Forschung basiert, gebe ich die aktualisierte Neuauflage mit Zuversicht in den Druck. Naturwissenschaftliche Wahrheiten sind oft unbequem, aber man wird sie nicht auf Dauer unterdrücken können.


Kassel, im April 2018                U. Kutschera



Vorwort zur 1. Auflage

Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglaubensondern auch mit der Gender-Ideologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser „Geschlechter-Weltanschauung lassen sich wie folgt verdeutlichen. Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste  warum? 


 

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die 

Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa 95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. 


Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat. Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im Weismann-Jahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema. Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden Sex/Gener-Geburtstagen in 


Verbindung gebracht werden: 1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste Sex-Gender-Definition niedergeschrieben war. 2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist. 3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren. 4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. 


Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen 

umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord. 5. Vor 30 Jahren (1985) ist ein Artikel „Sex and Gender“ in der Serie Annual Review of Psychology erschienen, wo diese Begriffe präzise definiert worden sind, mit Kritik an der feministischen Gleichmacher-Ideologie. Im selben Jahr hat John Money in einem Fachbeitrag dargelegt, dass der biblische Schöpfer ein Hermaphrodit sei („manwoman God“), d. h. seine Lehre hat vermutlich auch eine religiöse Komponente. 6. Vor 20 Jahren (1995) ist auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz (Beijing, China) die „Gender-Agenda“ beschlossen worden (Macht-Gleichstellung von Mann und Frau). Diese auf Moneys Geschlechter-Dogmatik basierende Lehre ist daraufhin unter dem Pseudonym „Gender Mainstreaming“ (GM) von der damaligen rot/grünen Bundesregierung als verbindliche Leitlinie umgesetzt worden. 


Das Doppelwort GM wird oft fälschlicherweise mit „Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung“ 

übersetzt. Dahinter verbirgt sich jedoch ein radikal-feministisches Umerziehungsprogramm, basierend auf dem Moneyistischen Glaubenssatz, das Geschlecht des Menschen sei nicht primär biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich-sozial konstruiert und daher form- und wandelbar. 


Diese Sicht ist mit dem biblischen Kreationismus geistesverwandt. 7. Vor zehn Jahren (2005) wurde entdeckt, dass sich Mann und Frau, wie die Säugerarten Schimpanse/Mensch, um ca. 1,5 % genetisch voneinander unterscheiden. Dieser „große Erbgut-Unterschied“ basiert auf einer evolutionär herausgebildeten Geschlechter-Verschiedenheit (Sexual-Dimorphismus), die wiederum auf die unterschiedlichen Größen und Funktionen der Geschlechtszellen (XY- bzw. XX-Gameten) zurückgeführt werden kann (Anisogamie). Diese gravierenden Mann-Frau-Unterschiede resultierten 2005 in der Konsolidierung der bereits 1993 eingeführen geschlechtergerechten Tier- bzw. Menschen-Forschung, die international als Gender Biomedizin (GB) bezeichnet wird. 8. Vor einem Jahr (2014) wurde die GB als neue, der soziologisch begründeten GM-Ideologie (Moneyismus) entgegengerichtete  Wissenschafts - disziplin auf internationaler Ebene etabliert.


In diesem Fachbuch, das stellenweise den Charakter einer Fakten- bzw. Textesammlung zeigt, wird zunächst dargelegt, was Biologen seit ca. 1735 unter „Sex“ verstehen, und dass dieses Wort von Erziehungs- bzw. Sozialwissenschaftlern im Sinne von „erotische Akte“ verwendet wird. In verschiedenen Kapiteln wird die Entwicklung der Gender-Ideologie in all ihren Facetten beleuchtet, wobei auch Erlebnisberichte des Autors aufgenommen worden sind. Das Buch ist als Nachfolge-Titel meiner Monographie Design-Fehler in der Natur konzipiert und steht daher in der bewährten Tradition der LIT-Serie „Naturwissenschaft und Glaube“. 


Die in diesem Text zusammengetragenen Fakten, Theorien und Modelle sind weder religiös noch politisch motiviert (ich bin ein ungläubiger Nichtwähler und Kriegsdienstverweigerer). Wie in meinen Büchern zur Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie wurden sämtliche Aussagen mit soliden Quellen belegt. Die Schlussfolgerungen stellen somit nicht meine persönliche Meinung dar, sondern reflektieren den Erkenntnisstand der internationalen Biowissenschaften. In diesem Aufklärungstext ist unser aktuelles Bild von Mann und Frau als evolvierte XY- bzw. XX-Menschentypen dargelegt, wobei, entwicklungsbiologisch, das Weibliche als „primäres Geschlecht“ interpretiert wird. Das Buch soll u. a. dazu beitragen, biologische Sachinformationen in die aktuelle Gender-Debatte einzubringen und damit einen interdisziplinären Diskurs auf rational-naturwissenschaftlicher Ebene anregen.

 

Kassel, im Dezember 2015                                                                                         U. Kutschera 




Inhalt 
1. Einleitung: Was ist Sex? Darwinischer Feminismus und die Moneyistische Gender-Ideologie
Charles Darwins Artenbuch-Trilogie und die evolutionäre Psychologie. Eine Darwin’sche Dorfschule 1848 in bildhafter Darstellung Bio-Unterricht in einer Engels’schen Stadtschule 2014 Kurze Geschichte der Sex-Forschung Der Sexualakt und die biologische Gender-Definition A-sexuelle erotische Akte beim Menschen Darwins Zwitter-Hypothese und der Feminismus Aquatische Selbstbefruchter und der tierische „Homosex“ Gender-Agenda und Unisex-Menschen Analoge Entwicklung der GM- und Intelligent Design-Ideologie Gender-Ideologie Made in Germany als Scheinwissenschaft Moneyismus als Grundlage der Gender-Weltanschauung Humankapital Kind und die Macht-Gleichstellung der Frau 2. Leihmutter-Menschenzucht, Gender-Kreationismus und die Ideologisierung der Biologie Stanford-Gender und Biomedizin: Eine paradoxe Verwirrung Genderistische Menschenzucht Made in California und die Vater-Frage Anti-Leihmutterschafts-Kampagne in der Emma.


Retortenbabys: Mittelalterliche Männerdominanz 
Alters-Scheinmutterschaft ohne Verwandtschaftsgrad Universitäre Pseudowissenschaft: 
Humanistische Zensur 2015 Exkurs: Kreationistische Ideologie contra Evolution Proteste gegen U. Kutschera und das hpd-Rechtfertigungsschreiben Das Bibel-Paradoxon: Christliche Kritik an den Gender Studies Genderismus und die Ideologisierung der Biologie Schlussfolgerungen und die Harvard-Stanford-Kontroverse 
 
3. Alfred Russel Wallace als Frauenrechtler und hessische Gender Studies in Aktion Pro-Professur: Mentoring für hessische Wissenschaftlerinnen Ein Zufall, den es eigentlich nicht geben sollte Das Wesen wissenschaftlicher Forschung: Drei Fallbeispiele Diffuse Problemstellungen und die Beforschung fragwürdiger Gender-Probleme Gender-Curricula für Bachelor und Master Das Marburger Quallen-Buch: Hessische Genderperspektiven in der Biologie Gender und Vielfalt in Studium und Lehre Gender-kompetent: Der Bologna-Prozess an deutschen Hochschulen Kreative Leistungen von Frauen contra Uni-Funktionärswesen  



4. Die Schopenhauer-Darwin’sche Weiber-Analyse, akademische Gender-Frauen 2015 und die
 männliche Vererbungskraft Mann und Frau: Das eheliche Leben in der guten alten Zeit Arthur Schopenhauers Weiber-Analyse Charles Darwins anti-feministische Position Leipzig 1865: Zwei Ereignisse mit weitreichenden Folgen Exkurs: Die akademische Gender-Frau 2015 


Darwinischer Feminismus und maskuline Vererbung: Fragwürdige Konzepte 5. August Weismanns Freiburger Sex-Theorie und die Neo-Darwin’sche Gleichwertigkeit von Mann und Frau Vom Frankfurter Schmetterlings-Sammler zum Freiburger Uni-Zoologen Weismann als Zellforscher und die Berechtigung der Darwin’schen Theorie Das Darwin-Lamarck’sche Vererbungsprinzip und die egoistischen Gene Altern, Tod und die Zellteilungs-Grenze 
Vererbungskraft von Mann und Frau: Geschlechter-Gerechtigkeit a la Weismann Max Hartmann und die Intersex-Hühner  Charakterunterschiede zwischen Mann und Frau 1883 vs. 2015 Biologie contra Philosophie: Genderistische Ungleichbehandlungen Uni Freiburg im Weismann - Jahr 2014 und das Professx Eine ungelöste Gender-Frage: Wo sind die kreativen Frauen? 6. Vom Körperbau zum Genom: Mann und Frau als evolvierte Menschentypen mit ausgeprägtem Sexual-Dimorphismus Weder Mann noch Frau? 


Das evangelische Online-Magazin 2013 Allgemeine Unterscheidungsmerkmale und Stoffwechselrate Körperhöhe und Hetero - Familie: Warum Jäger größer sind als Sammlerinnen 
Körperfett und Muskelmasse während der Entwicklung von Mann und Frau Sexualhormone, Barr-Körper und die Mosaik-Gewebe der Frau Geschlechtschromosomen und Intersex-Menschen Genetische Unterschiede zwischen Mann und Frau: Artverschiedene Wesen? 
Biochemischer Sexual-Dimorphismus im ganzen Körper Jugend-Generation LGBT und das Nature-Paradoxon Das männliche und weibliche Gehirn: Ein Vergleich Ganzkörper-Sexualdimorphismus beim Menschen 


7. Geschlechterspezifische Embryonen, das Kleinkind-Verhalten und die vorgeburtlich

festgelegte erotische Veranlagung Brustwarzen-Paradoxon: 


Das primäre Geschlecht des Menschen ist weiblich 

Die Auto- bzw. Puppen-Manie von Kleinkindern Männliche Homosexualität und der Hirschfeld’sche Regenbogen Angeborene Homophilie: Das Peter & Antonia-Experiment 


Der geniale heterophobe Homoerotiker und die Psycho-Krankenschwestern Lesbische Frauen und deren Darwin’sche Fitness Homosexualität im Tierreich mit Bezug zur Evolution Philosophische Homophobie eines heteroerotischen Denkers 

Hypergamie-Prinzip und Partnerwahl von Mann vs. Frau 


Das Männerkaufhaus: Evolutionäre Psychologie für Laien 8. Erzwungene Geschlechter-Identität: David Reimer (19652004) als Opfer auf dem Altar der    Moneyistischen Gender-Religion 2015 Der pädophile Kindesmisshandler John Money Die Gender-Theorie von John Money und ihre Gegner Die Geschichte vom Leiden und Freitod des Gender-Opfers David Reimer Moneyisitischer Kindesmissbrauch im Namen der Psycho-Erziehungswissenschaften Die Moneyistische Sexualpädagogik der Vielfalt Geschlechts-Rückumwandlung und Selbstmord John Money und die misshandelten Zwillingsbrüder Reimer: Rechtsradikale Kritiker? 


Bibliometrische Analyse des doppelten Gender-Begriffs Gender Mainstreaming 2015: 

Warum der Moneyismus Menschen krank macht

Moneyismus im deutschen Schulunterricht 2015

 

Kinderarzt angeklagt: Sind pädophile Handlungen akzeptabel? Feministische Biophobie und Pandoras Money-Box 9. Die Berliner Gender-Debatte 2015 und der pflanzliche Super-Homosex

Inforadio rbb: Gender Mainstreaming  Unfug, Religion, feministische Sekte Von Sozialdarwinistisch-reaktionären Pöbeleien zum rbb-Beitrag des Jahres Das besorgte Landwirbeltier U. Kutschera in der Kolumne Luft und Liebe Gender Studies: Wer hat Angst vor einem anderen Leben? Die Moneyistischen Grundannahmen der Gender Studies 2015 

Die pflanzenlose Genderwelt im Internet-Radio Die Stuttgarter Geschlechter-Erklärung und das Platonische Ideal  Homosex und Gender im Pflanzenreich 


10. Epilog: Gender Biomedizin und der Psychoterror der Moneyistisch indoktrinierten 
Mann-Weiber Die Frau als das primäre Geschlecht und die Gender Biomedizin Mann vs. Frau: Gender-Pricing und inkompetente Alpha-Frauen Kinderlosigkeit als Life Style und Freudenhäuser für Gender-Damen Gender-Ideologie als kreationistisches Gedankengut:


Unabhängige Belege Sozial-Kontruktivismus und surrealer biblischer Schöpfungsglaube Der Psychoterror vermännlichter Feministinnen und die Krebsgeschwür-Analogie Opportunistisches Gegendere als Leitprinzip: Money, Money, Money...  


Literatur Anhang 1: 

Kleines Sex & Gender-ABC Anhang 2:

 Internet-Adressen Register 


Videos

             

27.11.2013
Neues Video "Video 2 - Was sind intelligent geplante Grundtypen?"
Im November 2013, zeitgleich mit der Evokids-Kampagne der Giordano Bruno Stiftung (gbs) "Evolution in der Grundschule", ist die 7. Auflage des „Evolutionskritischen (kreationistischen) Lehrwerks" von Reinhard Junker und Siegfried Scherer erschienen. In diesem bunten Bilderbuch der evangelikalen Studiengemeinschaft Wort und Wissen (W+W) wird das Faktum Makroevolution geleugnet. Stattdessen werden, gemäß dem biblischen Adam- und Eva-Modell, „erschaffene Grundtypen" präsentiert. Aus diesem Anlass hat der Arbeitskreis (AK) Evolutionsbiologie dieses neue Video im YouTube-Kanal 
evolutionsbiologenDE veröffentlicht. In der Wissenschaftsdisziplin Evolutionsbiologie gibt es Arten (Biospezies), Organismenreiche und Domänen, aber keine „erschaffenen Grundtypen". Die Unterwanderung des Biologie-Unterrichts an evangelischen Bekenntnisschulen und anthroposophischen Waldorf-Einrichtungen durch W+W ist ein wachsendes Problem, das im aktuellen Lehr-Video thematisiert wird, und dem die Evokids-Kampagne der gbs öffentlichkeitswirksam entgegentreten soll.


Video 2 - Was sind intelligent geplante Grundtypen?


07. Feb. 2012
Neue Video-Serie: Evolution ist überall auf dem YouTube-Kanal "evolutionsbiologenDE"
Die im Juli 2010 mit dem 10-Minuten-Kurzfilm "Was ist Evolution?" eröffnete Video-Serie Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte besteht derzeit aus 8 Folgen und wird demnächst mit dem Video Nr. 9 "Was ist Symbiogenese?" fortgeführt. Diese vom Evolutionsbiologen-Team Prof. Ulrich Kutschera (Universität Kassel/Stanford, USA), Dipl. Biol. Lena Dörges und Dr. Stefan Schauer (beide Universität Kassel) angefertigten Lehr-Videos sind von Anfang bis Ende durchkonzipiert. Obwohl Lehrbuch-Texte bzw. -Grafiken umgesetzt werden, sind diese Produktionen sehr zeitaufwändig.


Mit der im Februar 2012 eröffneten zweiten Video-Serie Evolution ist überall wird eine neue Serie begonnen, in der kürzere Präsentationen zu verschiedenen Aspekten der Stammesentwicklung der Organismen dargestellt werden. Zur Eröffnung dieser neuen Video-Reihe wurde am 7. Februar 2012 das Musik-Video "Stanford Impressions" (Prof. Ulrich Kutschera) auf YouTube veröffentlicht, in dem u. a. die auf dem Campus der kalifornischen Elite-Universität heimischen Baumsalamander (Aneides lugubris) vorgestellt werden. Diese Amphibien benötigen verrottende Baumstämme, wie z. B. Kalifornische Eichen (Quercus agrifolia), um sich fortzupflanzen.


Das gleichzeitig veröffentlichte Video 2 mit dem Titel "Vom Zufall und der Notwendigkeit in der Evolution" ist eine kommentierte Kurzversion eines Vortrages des Konstanzer Evolutionsbiologen Prof. Axel Meyer. Wir haben die wesentlichen Inhalte dieser langen Präsentation zu einer ansprechenden Kompakt-Fassung zusammengetragen, die von allgemeinem Interesse sein sollte.


Diese informelle Serie von Videos (Playlist 2) wird neben der zeitintensiven Reihe Tatsache Evolution (Playlist 1) in unregelmäßigen Abständen mit weiteren Titeln fortgeführt. Die renommierten Biologen Prof. Uwe Hoßfeld und Prof. Lennart Olsson (Universität Jena) haben Video-Beiträge zu ihren Fachgebieten zugesagt.


Lehr-Video-Serie 2: Evolution ist überall.


 23. Dez. 2011

Neues Video "Video 8 - Was sind Evolutionstheorien?"
Theologen, Soziologen, Historiker u. a. Geisteswissenschaftler, die keine praktischen Erfahrungen als forschende Biologen haben, verwenden noch heute das Wortpaar "Die Evolutionstheorie". Im 19. Jahrhundert wurde in der Tat angenommen, eine Evolution der Lebewesen sei theoretisch möglich, aber nicht tatsächlich zu belegen. Heute wissen wir, dass die Evolution ein realer Vorgang ist, der stattgefunden hat, andauert und somit erforscht werden kann. In diesem Lehr-Video Nr. 8 "Was sind Evolutionstheorien?" hat das Evolutionsbiologen-Team Prof. Ulrich Kutschera (Universität Kassel/Stanford, USA), Dipl.-Biol. Lena Dörges und Dr. Stefan Schauer (beide Universität Kassel) zunächst dargelegt, was naturwissenschaftliche Theorien sind. Danach werden die folgenden Konzepte erklärt:


1. die Theorie von J. Lamarck 1809 ("Lamarckismus"),
2. die Theorien von C. Darwin und A. R. Wallace 1858/59 ("Darwinismus"),
3. die Theorie von A. Weismann 1914 ("Neodarwinismus"),
4. die Synthetische Theorie von T. Dobzhansky, E. Mayr u. a. Biologen 1950 ("Modern Synthesis") und
5. die Erweiterte Synthetische Theorie des 21. Jahrhunderts ("Expanded Synthesis"), die auch als "Wissenschaftsdisziplin Evolutionsbiologie" bezeichnet werden kann.


Die Evolutionsbiologie ist eine Realwissenschaft mit praktischen Anwendungen, z. B. in der Medizin oder der Tier- und Pflanzenzucht. Es gibt zahlreichen Theorien, die Teilaspekte der Evolution ausgewählter Organismen erklären. So kann z. B. über die Theorie der gerichteten natürlichen Selektion die Anpassung der Organismen an ihren Lebensraum erklärt werden, während die Theorie der primären Endosymbiose den Ursprung kernhaltiger Zellen, sogenannter Eucyten, verdeutlicht.


Obwohl heute viele Teilaspekte der Evolution einer kausalen Erklärung zugänglich sind, gibt es im "Theoriensystem Evolutionsbiologie" noch viele offene Fragen. Das ist aber ein Kennzeichen einer lebendigen, sich selbst korrigierenden Naturwissenschaft. Antworten werfen neue Fragen auf, und die Forscher gewinnen immer tiefere Einblicke in die den Verlauf und die Antriebskräfte der Makro-Evolution der Organismen unserer dynamischen Erde.



Video 8 - Was sind Evolutionstheorien?

25. Aug. 2011
Neues Video "Was ist Sex und Rekombination?"
August Weismann (1834 — 1914) erkannte in der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung, auch sexuelle Reproduktion genannt, die Hauptursache der biologischen Variabilität. Diese "Neodarwin'schen Theorie" aus dem Jahr 1900 konnte bestätigt und erweitert werden. Evolutionsforscher diskutieren aber noch 2011 die Frage, warum bei 99 % aller Tier- und Pflanzenarten die aufwändige sexuelle Fortpflanzung durchlaufen wird, obwohl hierbei nur die Weibchen über befruchtete Eizellen Nachkommen gebären, während die Männchen kinderlos sterben. Die Männer erzeugen aber über ihre Keimzellen (Spermien) variable Nachkommen und sind, zumindest bei Säugetieren, die eigentlichen Variationen-Generatoren der Evolution.
Bei negativen Umwelteinflüssen oder Parasiten-Befall ist die biologische Variabilität überlebensnotwendig, da während dieser Krisen nur wenige Individuen überdauern, sich fortpflanzen und die Population in der Generationen-Abfolge erhalten.
Im Video wird auch die sexuelle Selektion ("Damenwahl im Tierreich") behandelt und die folgende aktuelle Schlussfolgerung gezogen: Weibchen gebären und erhalten somit die Art, Männchen schaffen Vielfalt.
Die Weiterentwicklung des "Neodarwinismus" wird in unserem Video Nr. 8 "Was sind Evolutionstheorien?" (ca. November 2011) beschrieben, wobei wir dort u. a. auch auf die Epigenetik eingehen.



Video 7 - Was ist Sex und Rekombination?

21. Jul. 2011
Neues Video "Was ist Darwinismus?"
Das Wort "Darwinismus" ist ein Lieblingsbegriff der Kreationisten, Intelligent Design-Anhänger und vieler Theologen, d. h. Personen, die noch heute an biblische Wundergeschichten von übernatürlichen Erschaffungen der Tier- und Pflanzenarten glauben. Die Vertreter dieser christlichen Dogmatik nehmen fälschlicherweise an, Evolutionsbiologie sei eine von Charles Darwin (1809 – 1882) ausgedachte Ein-Mann-Ideologie aus dem 19. Jahrhundert, die sich, ähnlich wie biblische Lehrsätze, nicht weiterentwickelt hätte.


In diesem Video wird gezeigt, dass dies unzutreffend ist. Darwins fünf Theorien zum Artenwandel werden, nach dem Originaltext des Hauptwerks 'On the Origin of Species' (1859), im Detail vorgestellt – sie konnten im Prinzip bestätigt werden, d.h. Charles Darwin hat in seinem "Artenbuch" die Grundlagen für die Evolutionsbiologie gelegt.


Sein größter Verdienst bestand jedoch darin, die Biologie aus dem "Würgegriff der christlichen Religionen" befreit zu haben. Darwin hat eine Trennung zwischen nicht überprüfbaren Glaubensinhalten und wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgenommen und klar erkannt, dass religiöse Dogmen in der atheistischen Evolutionsforschung nichts verloren haben.


Da das Wissen zur Vererbung und Zellbiologie im "Dampfmaschinen-Zeitalter" noch sehr lückenhaft war, hat sich Darwin in vielen Details geirrt. In unserem Lehr-Video Nr. 7 "Was ist Sex und Rekombination?" (August 2011) werden die Weiterentwicklungen der Darwin'schen Grundideen dargelegt.

Video 6 - Was ist Darwinismus?


28. Jan. 2011
Ursprungstheorien im Kreuzverhör
Mit dem Wort Ursprungsfrage assoziiert man in der Regel christlich-religiöse Glaubensinhalte. So bezeichnen z.B. die deutschen Kreationisten die "Ursprungsforschung" als "Königsdisziplin der Biologie". Als Alternative zur atheistischen "Makroevolutionslehre" bieten sie ihren von der biblischen Offenbarung motivierten Schöpfungsglauben an - die Ursprungsfrage wird somit auf biblische Wunder zurück geführt und im Sinne des Intelligent Design-Kreationismus interpretiert. Diese inhaltsleere Schein-Erklärung eignet sich für kirchliche Sonntagsreden - sie hat jedoch in der Evolutionsbiologie nichts verloren.


Nachdem das Team Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Universität Kassel/Stanford, USA), Dipl. Biol. Lena Dörges und Dr. Stefan Schauer (beide Universität Kassel) mit dem im Dezember 2010 veröffentlichten vierten Lehr-Video "Was ist Lebensentstehung?" die Grundlagen für ein naturalistisches Verständnis dieses Schlüsselprozesses auf der jungen Erde gelegt haben, folgt nun das bereits angekündigte Video Nr. 5 mit dem Titel: "Was sind Ursprungstheorien?". 


Dabei wird ausführlich auf die drei wichtigsten erklärenden Theorien zur chemischen Evolution eingegangen, um dann die Viren (Aggregate aus einer Nucleinsäure, umschlossen von einer Proteinhülle) vorzustellen. Diese "Zwischenstufen zum zellulären Leben" können im Reagenzglas zerlegt werden (Chaos) und lagern sich dann wieder spontan zu ihrer geordneten Struktur zusammen. Nach diesem Prinzip der Selbst-Zusammenlagerung von Biomolekülen in wässrigen Lösungen sind vor etwa 4.000 Millionen Jahren in den warmen Ozeanen der Ur-Erde auch die ersten bakterienartigen Vorläufer-Zellen ("das Leben") entstanden, wobei möglicherweise Lipid-Vesikel aus Meteoriten-Gestein als Hüllmembranen gedient haben.


Die Gesetze der Physik und Chemie reichen somit aus, um im Prinzip den Ursprung der ersten Vorläufer-Zellen zu verstehen, obwohl noch viele Detailfragen zur chemischen Evolution ungelöst und daher Gegenstand der Forschung sind.


Video 5 - Was sind Ursprungstheorien?

23. Dez. 2010
Neues Lehr-Video zur Lebensentstehung auf YouTube
Die Frage nach dem Ursprung des Lebens wird seit über 200 Jahren von Theologen und Biologen kontrovers diskutiert.
Populäre Antworten, die auf biblischen Schöpfungsmythen basieren, sind keine Erklärungen, sondern Verweise auf unbelegbare christlich-religiöse Glaubensinhalte ohne faktische Basis. Nur die Naturwissenschaften, insbesondere die Astrophysik, Geologie und Biologie liefern gesicherte Befunde, auf deren Grundlage das Problem der Lebensentstehung naturalistisch analysiert werden kann.
In diesem Video wird die Problematik der Lebensentstehung diskutiert und als das Aufkommen der ersten Ur-Mikroben definiert. Die Merkmale urtümlicher Zellen werden dargelegt und die ältesten, ca. 3.500 Millionen Jahre alten versteinerten Bakterien vorgestellt. Das Video endet mit einer Darstellung der Umweltbedingungen auf der jungen Erde, wo vor ca. 4.000 Millionen Jahren in den warmen Ozeanen die ersten Zellen entstanden sind.
Das zugehörige Video Nr. 5 "Was sind Ursprungstheorien?" wird im Januar 2011 veröffentlicht.



Video 4 - Was ist Lebensentstehung? 


20. Aug. 2010
Lehr-Videos 2 (Was ist Kreationismus?) & 3 (Was ist Intelligentes Design?) zum Thema Evolution auf YouTube veröffentlicht
Der wörtlich verstandene, auf biologische Phänomene übertragene biblische Schöpfungsglaube (Kreationismus) breitete sich nach der Veröffentlichung von Charles Darwins Hauptwerk (On the Origin of Species, 1859) in Europa aus und ist noch heute in Deutschland und den USA, wo es keinen staatlichen Religionsunterricht gibt, weit verbreitet.

In den beiden Lehr-Videos Nr. 2 und 3 werden nach Darlegung einiger Grundbegriffe die folgenden Themen behandelt:
- Versionen des biblischen Schöpfungsglaubens: Vom flache Erde-Kreationismus über den Amtskirchen-Kompromiss zum Konzept der Naturalistischen Evolution;
- Kreationistische Organisationen in Deutschland;
- Die Behauptungen der Kreationisten bzw. Intelligent Design-Vertreter und deren Widerlegung;
- Das Grundtypen-Dogma der Kreationisten R. Junker und S. Scherer (Studiengemeinschaft Wort und Wissen): Pseudowissenschaft unter dem Deckmantel der Biologie;
- Das Intelligent Design-Argument und dessen Widerlegung am Beispiel der Augen- und Flagellen-Evolution;
- Propaganda-Strategien der deutschen Kreationisten und der Missbrauch akademischer Institutionen;
- Bewertung des (Intelligent Design) Kreationismus aus der Perspektive der Evolutionsbiologie: Glauben heißt nicht wissen!


Lehr-Video zum Thema Evolution auf YouTube veröffentlicht
Ausgehend von populären Irrtümern zum Thema Evolution, soll dieses Video aus dem Arbeitskreis Evolutionsbiologie im VBiO anschaulich zum Thema hinführen und die folgenden Schwerpunkte behandeln:


- Allgemeine Definitionen des Evolutionsbegriffs;
- Populationen als Einheiten der Evolution;
- Artbildung, das Aussterben und Stammbäume;
- die Zellen-Regel und der Evolutionsbeweis;
- Evolutionsbiologie als Theoriensystem und angewandte Naturwissenschaft;
- der doppelte Beleg zur Abstammung des Schimpansen und Menschen aus einer gemeinsamen afrikanischen Zwischenform.





KLIMAWANDEL IM  NOTSTANDSLAND -  BIOLOGISCHE  REALITÄTEN   -   WIDERLEGEN   POLITISCHE   UTOPIEN   - 


DIE   CORONAKRISE   HAT   DEN  HOMO   -   SAPIENS   ZU   EINER   SPEZIES   "GEFORMT",   DIE ALLES   HINTER   SICH   GELASSEN   HAT,   WAS   UNS   ALS   TRANSZENDENTALE   FÜHLENDE,  LIEBENDE   -   INDIVIDUEN   EINMAL   AUSMACHTE ...,...







"WIR LEBEN IM POSTFAKISCHEN ZEITALTER, WO FAKTEN IMMER MEHR  VON  IDEOLOGIEN  ÜBERLAGERT  WERDEN"






Das Landgericht Kassel hat den Evolutionsbiologen Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Kassel) vom Vorwurf freigesprochen, sich in einem Interview 2017 beleidigend und volksverhetzend über Schwule und Lesben geäußert zu haben. Eine gute Nachricht für diejenigen, denen die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist.


Prof. Dr. Ulrich Kutschera war nach seiner Verurteilung in Berufung (Revision) gegangen. Auch die Staatsanwaltschaft rief die zweite Instanz an. Damit habe erreicht werden sollen, dass der Professor auch wegen Volksverhetzung verurteilt wird, erläuterte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Das Berufungsgericht in der nächsten Instanz war somit das Landgericht.



Die Richter verwarfen die Berufung der Anklage. Die Entscheidung des Landgerichtes ist nunmehr rechtskräftig. Prof. Dr. Kutschera somit endgültig in 2. Instanz (LG.) freigesprochen.






https://www.correspondance-voltaire.de/





Voltaires „Dictionnaire philosophique portatif“, 1764 erschienen, ist eine Abrechnung mit Dummheit, Fanatismus, Borniertheit und Intoleranz. In 73 Stichwörtern lehrt das „Philosophische Taschenwörterbuch“, was eine kritische, undogmatische Geisteshaltung ausmacht.



Zu seiner Zeit wurde es verboten und verbrannt. Jetzt erscheint der Grundtext der Aufklärung zum ersten Mal komplett auf Deutsch. Herausgeber R. Bauer, Begründer der Voltaire-Stiftung und des Blogs Correspondance-Voltairehttps://www.correspondance-voltaire.de/



Dieser erklärt, was dieses Buch heute mit Blick auf die Islamismus-Debatte, Madeleine Albright, und Allerheiligen, so brandaktuell macht.

 
Erstmals wurde das „Philosophische Taschenwörterbuch“ des großen Philosophen und Schriftstellers Voltaire erstmals komplett aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt auf den deutschen Büchermarkt gebracht. Was macht dieses 1764 erstmals erschienene Buch gut 250 Jahre nach seinem ersten Erscheinen so bedeutsam, dass es jetzt dank dieses Mannes und Engagements bei Reclam in einer bibliophilen Ausgabe veröffentlicht worden ist ?



An der Publikation hat der Autor fast 12 Jahre, hauptsächlich mit der Übersetzerin Angelika Oppenheimer gearbeitet. Sie hatte bereits das Testament des Abbé Meslier aus dem Französischen übersetzt und das Buch von Condillac, „Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis“. Sie ist eine Spezialistin für die französische Sprache des 18. Jahrhunderts und die Übersetzung kommt dem Werk von Voltaire sehr nahe.



Das Philosophische Taschenwörterbuch ist so etwas wie die Mao-Bibel der Aufklärung, die erste große Abrechnung mit dem Christentum und seiner Kirche – der Infamen, wie Voltaire sie nennt. Die Kirche und ihre Ideologie werden auf allen Ebenen scharf kritisiert. Voltaire entwickelte dazu eine Art dialogische Methode. Liest man die Artikel, ist es wie ein Gespräch 




mit einem Geistesverwandten, der uns auch heute noch lehrt, wie man gegen die Autoritäten und ihre Doktrinen den eigenen Verstand einsetzen sollte. Das Buch ist in der Form seiner Erstausgabe bisher nie vollständig ins Deutsche übersetzt worden, einige Artikel daraus erschienen hier und da, meist vermengt mit anderen Texten Voltaires. Daher ist es schon ein Ereignis, und Bauer ist froh darüber, dass dieses Buch jetzt tatsächlich bei Reclam 2020 veröffentlicht wurde.



Voltaire, bekannt für seine fulminante Religionskritik und Blasphemie, war als Vordenker der Aufklärung auch ein Wegbereiter der Französischen Revolution. Warum ist die Antihaltung Voltaires zu den großen monotheistischen Religionen so wichtig ?



Zu Voltaires Lebzeiten wurden noch Menschen wegen „Gotteslästerung“ verbrannt, so der Chevalier de la Barre in Abbéville, oder wie Jean Calas in Toulouse wegen abweichender Religion gerädert. Voltaire hat seine ganze Kraft, seine Beziehungen und auch viel Geld eingesetzt, um der Kirche und ihrer Inquisition Einhalt zu gebieten. Und es ist ihm gelungen!



Seine Hauptkritik betrifft die Offenbarungsbehauptung selbst, dass also zu "Propheten" aufgestiegene wie 
Moses ( Auferstehungslehre erst seit den Evangelien, Konzil von Nizäa 325 n. Jesus 0, gemäß dem Neuen Testament), | Mohammed – behaupten, mit Gott gesprochen zu haben und daraus ihre Berechtigung ableiten, den allein richtigen Glauben zu verkünden. 


Wenn das nicht auf Lug und Trug, Machtinstinkt und anderen sehr weltlichen Dingen gegründet ist, dann ist es zumindest ein Wahn, der leider oft genug zu pflichtgetreuem und blutigen Fanatismus führte.



Die Stimme der Pflicht: Dieser » kategorische Imperativ » legt uns eine Verbindlichkeit auf, der wir uns nicht entziehen können. Aber wie waren wir imstande, einer solchen Verbindlichkeit nachzukommen, wenn wir nicht einen freien Willen hätten? Wir können die Beschaffenheit unseres Bewusstseins zwar nicht erkennen, aber wir müssen glauben, dass es frei sei, damit es der inneren Stimme der Pflicht nachkommen könne. 



Wir haben somit über die Freiheit keine Erkenntnisgewissheit wie über die Gegenstände der Mathematik und (Dualismus) der Naturwissenschaft; aber wir haben dafür eine moralische Gewissheit. Die Befolgung des kategorischen Imperativs führt zur Tugend.



Und weil ein " sinnliches " Wesen, wie es der Mensch ist, die vollendete Glückseligkeit nicht in dieser unvollkommenen Welt erreichen kann, so muss sein Dasein über dies Sinnendasein hinausreichen, das heißt die 
vermeintliche "Seele" muss unsterblich sein. Diese Verdopplung der Welt geht bis auf Platon zurück, der die Welt in eine der » real existierenden » Ideen und in die » unsere » geteilt hatte. 



Auch Zoroaster und die Israeliten dachten dual, die Christen und Muslimen tun es in unheiliger Allianz mit Platon und Moses, den Essenern, Jesus und Mohammed. Vulgärisiert schöpft Gott (als » real existierender » ) in solchem Denken die Welt, prüft er den Menschen, straft er ihn etc. Das ganz andere Voraussetzende wird im Dualismus zur kausalen Ursache (zum » Jenseitigen » ) des Weltlichen (» Diesseitigen » ). Es handelt sich dabei um die theologische Methode par excellence.



Worüber wir also nichts wissen können: 
das zaubert Kant aus dem moralischen Glauben an die Stimme der Pflicht hervor. Die Hochachtung vor dem Pflichtgefühl war das, was ihm eine wirkliche Welt wieder aufrichtete, als unter Humes' Einfluss die Beobachtungswelt zur bloßen Innenwelt herabsank. In schönen Worten kommt in seiner » Kritik der praktischen Vernunft » diese Hochachtung zum Ausdruck: » Pflicht! du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst», der du » ein Gesetz aufstellst ... vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich im Geheimen ihm entgegenwirken ...» Dass die höchsten Wahrheiten keine Erkenntniswahrheiten, sondern moralische Wahrheiten seien, das hielt Kant für seine Entdeckung.



Auf Einsichten in eine übersinnliche Welt muss der Mensch verzichten; aus seiner moralischen Natur entspringt ihm Ersatz für die Erkenntnis. Kein Wunder, dass Kant in der unbedingten, rückhaltlosen Hingabe an die Pflicht die höchste Forderung an den Menschen sieht. Eröffnete diesem die Pflicht nicht einen Ausblick aus der Sinnenwelt hinaus: er wäre sein ganzes Leben hindurch in diese eingeschlossen. Was also auch die Sinnenwelt verlangt: es muss zurücktreten hinter den Anforderungen der Pflicht. Und die Sinnenwelt kann aus sich selbst heraus nicht mit der Pflicht übereinstimmen. Sie will das Angenehme, die Lust. Ihnen muss die Pflicht entgegentreten, damit der Mensch seine Bestimmung erfülle. Was der Mensch aus Lust vollbringt, ist nicht tugendhaft; nur was er in der selbstlosen Hingabe an die Pflicht vollführt.



Unterwerfe deine Begierden der Pflicht: das ist die strenge Aufgabe der Kantschen Sittenlehre. Wolle nichts, was dich in deiner Selbstsucht befriedigt, sondern handle so, dass die Grundsätze deines Handelns die aller Menschen werden können. In der Hingabe an das Sittengesetz erreicht der Mensch seine Vollkommenheit. 



Der Glaube, dass dieses Sittengesetz in erhabener Höhe über allem anderen Weltgeschehen schwebe und durch ein göttliches Wesen in der Welt verwirklicht werde, das ist nach Kants Meinung wahre Religion.



Sie entspringt aus der Moral. Der Mensch soll nicht gut sein, weil er an einen Gott glaubt, der das Gute will; er soll gut einzig und allein aus Pflichtgefühl sein; aber er soll an Gott glauben, weil Pflicht ohne Gott sinnlos ist. Das ist » Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft »; so nennt Kant sein Buch über religiöse Weltanschauung.



Seit dem Aufblühen der Naturwissenschaften hat der Weg, den diese genommen haben, bei vielen Menschen das Gefühl hervorgerufen, aus dem Bild, das sich das Denken von der Natur gestaltet, müsse alles entfernt werden, was nicht den Charakter strenger Notwendigkeit trägt. Auch Kant hatte dieses Gefühl. Er hatte in seiner » Naturgeschichte des Himmels » sogar für ein bestimmtes Naturgebiet ein solches Bild entworfen, das diesem Gefühl entspricht. In einem solchem Bild hat keinen Platz die Vorstellung des selbstbewussten Ich, welche sich der Mensch des achtzehnten Jahrhunderts machen musste. 



Der platonische, auch der aristotelische Gedanke konnte als die "Offenbarung" sowohl der Natur, wie diese im Zeitalter seiner Wirksamkeit genommen werden musste, wie auch der menschlichen "Seele" angesehen werden. Im Gedankenleben trafen sich da Natur und "Seele". Von dem Bilde der Natur, wie es die Forschung der neuen Zeit zu fordern scheint, führt nichts zu der Vorstellung der selbstbewussten "Seele".



Kant hatte die Empfindung: es biete sich ihm in dem Naturbilde nichts dar, worauf er die Gewissheit des Selbstbewusstseins begründen könne. Diese Gewissheit musste geschaffen werden. Denn die neuere Zeit hatte dem Menschen das selbstbewusste Ich als Tatsache hingestellt. Es musste die Möglichkeit geschaffen werden, diese Tatsache anzuerkennen. Aber alles, was der Verstand als Wissen anerkennen kann, verschlingt das Naturbild.



So fühlt sich Kant gedrängt, für das selbstbewusste Ich und auch für die damit zusammenhängende Geisteswelt etwas zu schaffen, was kein Wissen ist und doch Gewissheit gibt.

Die selbstlose Hingabe an die Stimme des " Geistes " hat Kant zur Grundlage der Moral gemacht. Auf dem Gebiet des tugendhaften Handelns verträgt sich eine solche Hingabe nicht mit derjenigen an die Sinnenwelt.



Es gibt aber ein Feld, auf dem das Sinnliche so erhöht ist, dass es wie ein unmittelbarer Ausdruck des Geistigen erscheint. 
Dies ist das Gebiet des Schönen und der Kunst. 



Voltaire ist der Verfechter der religiösen Toleranz, das heißt, dass jeder seine Religion haben können soll. Oder auch gar keine. Und dass keine Religion und ihre Priester so viel Macht erlangen sollte, dass sie Andersdenkende verfolgen kann.



In Frankreich ist gerade der Pädagoge Samuel Paty von einem Islamisten brutal ermordet worden, weil er seine Schüler die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben, gelehrt hatte und dafür im Unterricht unter anderem Karikaturen vom Propheten Mohammed gezeigt hatte, die in der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlicht worden waren. Müsste Voltaire heute unter Polizeischutz leben wie das Redaktionsteam von „Charlie Hebdo“ oder der Karikaturist Kurt Westergaards in Dänemark?



Voltaire hat sich dazu sehr konkret in dem Artikel „Fanatismus“ im Philosophischen Taschenwörterbuch geäußert. Er meinte, gegen Fanatiker würden keine Gesetze helfen, weil sie ihren Glauben höher stellen als das bürgerliche, weltliche Recht. Sie erwürgen einen und glauben, dadurch in den Himmel zu kommen! 



Wenn der Fanatismus erst einmal zu einer Epidemie geworden sei, meint Voltaire, helfe nur die Aufklärung, die von Mund zu Mund weitergegeben, die Sitten mildere. Wenn aber das Übel des Fanatismus trotzdem zunehme, müsse man fliehen und abwarten, bis die Luft wieder rein ist. Genau das hat er ja auch getan. Er hat sich in Ferney niedergelassen, von wo aus er jederzeit in die Schweiz hätte fliehen können.



Gleichzeitig hat Voltaire immer wieder für Toleranz geworben. Im gleichnamigen Kapitel schreibt er: „Toleranz ist ein Pfand der Humanität. Wir alle sind voller Schwächen und Irrtümer; vergeben wir uns gegenseitig unsere Torheiten, dies ist das erste Gesetz der Natur.“ Aber auch: „Habt ihr bei euch zwei Religionen, werden sie sich die Kehle durchschneiden, habt ihr dreißig, leben sie miteinander in Frieden. Seht den Großtürken:



Er herrscht über Parsen, Banianen, griechisch-katholische Christen, Nestarianer und römisch-katholische Christen. Der Erste, der es unternimmt, Unruhe zu stiften, wird gepfählt, und ein jeder hat seinen Frieden. “ Was heißt das übertragen auf heute im Umgang mit dem politischen Islam und islamistischen Terrorismus vor dem Hintergrund, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron frontal attackiert, weil der sich für Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Karikaturen einsetzt,  auch wenn Bauer Mohammed zum Thema hat ? 



Ob Macron wirklich für das Recht eintritt, die Religion kritisieren zu dürfen, ist für Bauer eher fraglich, Voltaires Übersetzung würde heute dazu führen, die Staatskirchen abzuschaffen, die Kirchensteuer, die versteckten Finanzierungen ihrer Einrichtung mit Steuergeldern zu beenden, konfessionelle Schulen und Universitäten aufzulösen. 




Gerade das macht Macron nicht, im Gegenteil, seine Parteimitglieder sind oft mit dabei, wenn aus Saudi-Arabien finanzierte Moscheen, staatlicherseits zusätzlich subventioniert, geplant, gebaut und gefördert werden. In den Gymnasien hat seine Regierung den arabischen Sprachunterricht durch Lehrer aus den arabischen Staaten durchführen lassen. Sie lehren die

 Sprache auf der Basis des Koran.



Was ist nun aber von Schriftstellern wie Pascal Bruckner zu halten, die nach den Boykottaufrufen Erdogans gegen Frankreich ein selbstbewussteres Auftreten der europäischen Demokratien gegenüber der Türkei fordern?



In der FAZ bezeichnet der französische Essayist die Türkei als „expansives Imperium“, das Europa für vergangene Verbrechen schuldig spreche und sich gleichzeitig weigere, die eigenen anzuerkennen. Der türkische Präsident bewaffne überall Dschihadisten und treibe sie an. Zusammen mit Qatar fördere die Türkei zudem ein starkes Netzwerk der islamistischen Muslimbrüder in Europa. Und an die Adresse der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel erklärte Bruckner:



 „Ich bedaure, dass Deutschland der Türkei so furchtsam gegenübertritt.“ – Soweit, so richtig. Gleichwohl, Bruckner gehört in Frankreich mit Bernard-Henri Lévy, Alain Finkielkraut und André Glucksmann zu den Vertretern der „Nouvelle Philosophie“. Diese „neuen Philosophen“ gehören seit dem völkerrechtswidrigen NATO-Krieg gegen Jugoslawien zu den schlimmsten Stichwortgebern imperialistischer Interventionspolitik. Wie positioniert sich da eine an Voltaire orientierte Linke ?



Die Position dieser Leute ist nicht schwer zu verstehen, sie ist ganz einfach „Pro NATO“. Alles, was aus den USA kommt, begrüßen sie. Und weil Erdogan, obwohl die Türkei NATO-Mitglied ist, das Imperium tatsächlich ein wenig gegen den Stiefel tritt, bekämpfen sie ihn. Obwohl Erdogan jetzt sogar die Türksiche Lira für den Dollar aufgibt. (oder besser aufgeben wollte)



In Deutschland haben wir eine ganz andere Situation, hier leben einige Millionen türkischstämmige Menschen. Und viele von ihnen sehen in Erdogan einen „Rächer der Entrechteten“, sie freuen sich über seine Schimpftiraden. Ich sehe es als riesiges Versäumnis an, dass die Restlinke hier in Deutschland zu den vernünftigen unter ihnen so wenig Beziehungen aufgebaut hat und dass es so wenig Solidarität mit den Verfolgten in der Türkei gibt. Mit Voltaire gehen, würde bedeuten, unter ihnen Bündnispartner zu suchen, auch in den Elendsquartieren der Asylbewerber.



Nehmen wir Kevin Kühnert vom damaligen SPD – Vorstand. Der konstatierte am 21. Oktober 2020 in einem Gastbeitrag im Spiegel: „In Frankreich wird ein Lehrer enthauptet – und wir finden keine Worte. Wenn die politische Linke den Kampf gegen Islamismus nicht länger Rassisten überlassen will, muss sie sich endlich mit diesem blinden Fleck beschäftigen.“ Die „politische Linke“ müsse „klarstellen, dass in ihrer Idee von der gerechten Gesellschaft, der Glaube eine Sache zwischen dem Einzelnen und seinem "Gott" ist.



Niemals jedoch kann sie Glaube als eine die Freiheit einschränkende Sache zwischen einzelnen Individuen akzeptieren. Zumal wenn diese im behaupteten Auftrag eines "Gottes" oder einer, wie auch immer gearteten Ideologie meinen, Recht sprechen und exekutieren zu können.



Die Durchsetzung dieses Prinzips ist noch keine hinreichende, wohl aber eine notwendige Voraussetzung für linke Politik.“ Kein Wort verliert der scheidende Juso-Vorsitzende darüber, dass die im Bund mitregierende SPD Erdogan in der Türkei in den vergangenen zwei Jahren zum Spitzenempfänger deutscher Kriegswaffenexporte gemacht hat und auch 



das gerne „Königreich“ genannte Kopf-Abschneider-Regime in Saudi-Arabien über Jahre zum „Stabilitätsanker“ aufgerüstet wurde, Despoten, die ihrerseits islamistische Terrorbanden unterstützen. Was lehrt uns Voltaire im Umgang mit jenen, die den Islamismus geißeln, während sie staatliche Islamisten bewaffnen?



Voltaire lehrt uns, diejenigen zu verachten, die links blinken und rechts fahren. Er würde uns raten, unsere Freunde gut auszuwählen, solche, die aufrecht und ehrlich sind, der Wahrheit verbunden. Unter Leuten, die von Jugend an ihre Karriere in politischen Parteien geplant haben, wird man solche nur selten finden.



Die Verwirrung reicht weiter.
 
Das Jüdische Museum Berlin ehrt an diesem Wochenende neben dem Pianisten Igor Levit die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright mit dem „Preis für Verständigung und Toleranz“. Letzteres ist an Zynismus nur schwer zu überbieten.



Zur Erinnerung: Die Toleranz von Madeleine Albright beim Massenmord an irakischen Kindern war grenzenlos. In der CBS-Fernsehshow „60 Minutes“ am 12. Mai 1996 fragte Lesley Stahl die prominente Politikerin mit Blick auf die US-Sanktionen gegen den Irak:



„Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und – sagen Sie, ist es den Preis wert?”



Die von US-Präsident Bill Clinton berufene Außenministerin Madeleine Albright antwortete: Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis – wir glauben, es ist den Preis wert.







In ihrer Autobiographie sprach sie später von einem „politischen Fehler“, bezüglich ihrer Antwort, nicht der massenmörderischen Sanktionen. Soviel Verständigung muss sein …



Die Preisverleihung an Madeleine Albright hat auch Bauer sehr irritiert. Vielleicht war auch Gevatter Josef, der Fischer, mit dabei ? Aber: Wer hat  nicht alles den Friedens-Nobelpreis erhalten? ... Obama, Kissinger, q. e. d. ...



Voltaire wird immer wieder auch Antisemitismus vorgeworfen. Gleich im ersten Kapitel „Abraham“ nennt er Juden „unsere Meister und unsere Feinde, (…) denen wir glauben und die wir verachten“ …



... Ja, das stimmt. Bauer hat auf den Voltaire-Seiten zahlreiche Stellen aus seinen Schriften analysiert. Die genannte aus dem Artikel „Abraham“ ist auch darunter. Hier fällt es einem sozusagen geradezu ins Gesicht, dass er damit die katholische Kirche ironisiert, die im jüdischen Volk ihre Vorfahren sieht, die bloß den einen Fehler haben, um das Jahr Null herum nicht verstanden zu haben, dass jetzt ein neuer Prophet, Jesus Christus eben, den richtigen Glauben verkündet.



Und weil das ganze Bild des Erlösers - eine umgebungsbedingte Wahrheit ist, deren Gültigkeit sich nur » soweit »  erstrecken kann, als sie auch für wahr gehalten wird. Dabei muss »soweit » keine Entfernungsangabe bedeuten: bekanntlich hält Jesu eigenes Volk ihn nicht für den Erlöser!



- Erfunden allerdings wurde Jesus als » wahrer Mensch und » Sohn » Gottes » (im Originaltext » filioque») erst über 300 Jahre nach seinem Tod - im Konzil von Nicäa (im Mai 325) nämlich: als » Gott » zum Anfassen sozusagen, dem man - zu seinen Lebzeiten - hätte begegnen können. In welchem geistigen Haus jemand »leben» möchte ist jedem selber überlassen ! Und so mancher hat einen Zweitwohnsitz.


An den allermeisten Stellen kritisiert Voltaire die Juden in ihrer alttestamentarischen Existenzweise, er kritisiert die Bibel, die fünf Bücher Mose. Es gibt jedoch keine einzige Stelle, an der er einen Juden persönlich angreift, ganz im Gegenteil. In seiner „Predigt des Rabbi Akib“ verteidigt er die Juden vehement gegen die Verfolger der spanischen Inquisition.



Aber das Judentum ist eine Offenbarungsreligion, die Juden behaupten, Gottes einzigartiges, auserwähltes Volk zu sein, und das hält Voltaire, um es gelinde zu sagen, für eine antihumane Anmaßung, ähnlich bei den Christen und den Mohammedanern – deshalb hat man ihn auch als Islamophoben beschimpft. Wie immer es auch passt.



Bauer hatte zuletzt eine Zuschrift erhalten mit einem Essay, in dem Voltaire als Freund der Juden bezeichnet wird. Das war er nach seiner Auffassung nicht, für ihn waren sie ganz einfach die Vorläufer der intoleranten Christen, die er, indem er die intoleranten Juden des alten Testaments kritisierte, in eine gemeinsame, vernunft- und menschenfeindliche Geschichte einordnet.



Voltaire steht auch von links unter Beschuss. Er habe am Kolonialhandel mitverdient, wird ihm vorgeworfen. In Paris wurde zuletzt im Juni die Statue des Mannes, der die heutigen Grundlagen der freien Meinungsäußerung legte, beschädigt und mit roter Farbe übergossen. Danach wurde das Denkmal von der Stadtverwaltung demontiert. Was ist dran an den Vorwürfen? Ist Voltaire der Abraham Lincoln der Philosophie, der sich für Freiheit und Toleranz einsetzt, gleichzeitig aber persönlich von Kolonialismus und Sklaverei profitiert?



Ach ja, was heißt da schon links: Ähnlich, wie man die DDR madig macht, weil es auf diesem oder jenem Posten ein früheres NSDAP-Mitglied gab, gleichzeitig die BRD, in der 80 Prozent der Richter eine NSDAP-Vergangenheit hatten, von jeder Kritik ausnimmt, so ist es auch hier. Für Voltaire war die Kirche, die katholische, der Hauptfeind. Auf die Auseinandersetzung mit ihr richtete er sein Augenmerk. Den Sklavenhandel hat er niemals begrüßt, wie man in seinem Artikel „Esclaves“ in den „Questions sur l’Encyclopédie“ nachlesen kann.



Bei den Attacken gegen die Voltaire-Statue wegen „Kolonialismus“ geben die Akteure vor, Freunde der ehemaligen Kolonialstaaten zu sein. Wie viele von ihnen sind unter ihnen, die getaufte Mitglieder des größten Kolonialismus-Befürwortervereins der Geschichte sind? Wie viele sind auch Muslime, deren Vorfahren den Sklavenhandel in ganz Afrika organisiert haben? Bauer ist davon überzeugt, dass diese Leute der Hass und die Wut auf die Freiheit des Geistes, der Sexualität und die antiautoritäre Grundhaltung, die für Voltaire & seine Verbündeten typisch war, antreibt.



Die Behauptung, er habe „am Kolonialhandel“ verdient, reiht sich ein in viele ähnliche Vorwürfe, wie etwa den, dass er reich war. Damit wird ausgerechnet der Punkt angegriffen, der es ihm ermöglichte, anders als Leibniz, Kant und andere in Deutschland, unabhängig vom Adel zu sein.



Im Gegenteil, Voltaire hatte einigen Fürsten sogar Geld ausgeliehen und dann gute Zinsen eingenommen. War er also Profiteur der Missetaten dieser Fürsten? Ist heute jemand, der einen BMW fährt, Unterstützer der Quandts und Klattens? Das ist nicht einfach nur lächerlich. 



Es ist eine Strategie, die darauf abzielt, den wichtigsten Vertreter der Aufklärung, und diese mit ihm, aus unserem Denken zu verbannen. Gegen diese Tendenz hat Bauer die Voltaire – Internet Seite aufgebaut und das Philosophische Wörterbuch herausgegeben. Er will Menschen, die wissen wollen, wie Voltaire wirklich schrieb, wie er nachdachte, Gelegenheit geben, das selbst zu überprüfen.




Voltaire: Philosophisches Taschenwörterbuch. Nach der Erstausgabe von 1764 erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt von Angelika Oppenheimer. Herausgeber: Rainer Bauer. Reclam - Verlag 2020.