Widersprüche in Kants moralphilosophischer Ansicht


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"... the world population can exceed easily 8 billion by the year 2020. This was a major subject of discussion at the conference in Rio de Janeiro on the environment two years ago. It was pointed out at the conference that growth is most efficiently managed by the private sector, but regulation of the process by national governments and international bodies is also needed. And once again, United Nations can certainly be among the catalysts and coordinators of this process.”

 - David Rockefeller, Annual UN Ambassadors' Dinner Sep. 14, 1994












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Stand: 11/2022




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Die Aufklärung, das Zeitalter Kants und Goethes 

"Zwei geistige Antipoden"

- und unsere philosophische Abrechnung mit der tiefgreifenden"Zäsur"







Die Autoren:


Dr. sc. phil. W. Berger 

Univ. - Prof. mult. Mag. Dr. Weiss

S. Hab  ( M. Sc. ) Master of Science 





Philosophischer Essay


[...,... Worüber wir also nichts wissen können: das zaubert Kant aus dem moralischen Glauben an die Stimme der Pflicht hervor. Die Hochachtung vor dem Pflichtgefühl war das, was ihm eine wirkliche Welt wieder aufrichtete, als unter Humes' Einfluss die Beobachtungswelt zur bloßen Innenwelt herabsank. So fühlt sich Kant gedrängt, für das selbstbewusste Ich und auch für die damit zusammenhängende "Geisteswelt" etwas zu schaffen, was kein Wissen ist und doch Gewissheit gibt. 


In schönen Worten kommt in seiner »Kritik der praktischen Vernunft »diese Hochachtung zum Ausdruck: »Pflicht! du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst», der du »ein Gesetz aufstellst ... vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich im Geheimen ihm entgegenwirken ...» Dass die höchsten Wahrheiten keine Erkenntniswahrheiten, sondern moralische Wahrheiten seien, das hielt Kant für seine Entdeckung.

Auf Einsichten in eine übersinnliche Welt muss der Mensch verzichten; aus seiner moralischen Natur entspringt ihm Ersatz für die Erkenntnis. Kein Wunder, dass Kant in der unbedingten, rückhaltlosen Hingabe an die Pflicht die höchste Forderung an den Menschen sieht. Eröffnete diesem die Pflicht nicht einen Ausblick aus der Sinnenwelt hinaus: er wäre sein ganzes Leben hindurch in diese eingeschlossen.

Der Glaube, dass dieses Sittengesetz in erhabener Höhe über allem anderen Weltgeschehen schwebe und durch ein göttliches Wesen in der Welt verwirklicht werde, das ist nach Kants Meinung wahre Religion. Sie entspringt aus der Moral. Der Mensch soll nicht gut sein, weil er an einen "Gott" glaubt, der das Gute will; er soll gut einzig und allein aus Pflichtgefühl sein; aber er soll an Gott glauben, weil Pflicht ohne Gott sinnlos ist. Das ist » Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft »; so nennt Kant sein Buch über religiöse Weltanschauung.


In der Dezemberausgabe der Zeitschrift Berlinische Monatsschrift von 1783 veröffentlichte der Berliner Pfarrer Johann Friedrich Zöllner den Artikel: Ist es rathsam, das Ehebündniß nicht ferner durch die Religion zu sanciren? In einer Fußnote stellte er die provozierende Frage: „Was ist Aufklärung?“ Zöllner spielte mit der Frage auf die Tatsache an, dass es noch keine eindeutige Definition der Bewegung gab, obwohl diese schon seit Jahrzehnten bestand. 


Diese Frage des protestantischen Berliner Pfarrers, versteckt in einer Fußnote, war als Replik gedacht auf den anonym mit „E. v. K.“ gezeichneten und erschienenen Beitrag des Mitherausgebers der Berlinischen Monatsschrift Johann Erich Biester im Septemberstück 1783, mit dem als ketzerisch empfundenen Titel Vorschlag, die Geistlichen nicht mehr bei Vollziehung der Ehen zu bemühen. 


Damit wurde die so genannte Aufklärungsdebatte eröffnet, die sich als äußerst folgenreich und fruchtbar für die Geschichte der Philosophie, besonders in Preußen, erwies. In der Septemberausgabe der Berlinischen Monatsschrift von 1784 veröffentlichte der Philosoph Moses Mendelssohn (jüdische Kaufmanns-, Gelehrten- und Künstlerfamilie Mendelssohn aus Jever)  als Antwort einen Aufsatz mit dem Titel Ueber die Frage: was heißt aufklären?. 


Zwei Monate später erschien in der Dezemberausgabe dann der Aufsatz von Immanuel Kant Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? mit der Definition der Aufklärung:


„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude!
Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes),denoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen "Seel"sorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u. s. w, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.

 

In einer später hinzugefügten Anmerkung am Schluss schreibt Kant, dass ihm der Aufsatz von Moses Mendelssohn noch nicht bekannt war und er ansonsten den seinigen zurückgehalten hätte. (!)





Seit dem Aufblühen der Naturwissenschaften hat der Weg, den diese genommen haben, bei vielen Menschen das Gefühl hervorgerufen, aus dem Bild, das sich das Denken von der Natur gestaltet, müsse alles entfernt werden, was nicht den Charakter strenger Notwendigkeit trägt. 


Auch Kant hatte dieses Gefühl. Er hatte in seiner » Naturgeschichte des Himmels » sogar für ein bestimmtes Naturgebiet ein solches Bild entworfen, das diesem Gefühl entspricht. In einem solchem Bild hat keinen Platz die Vorstellung des selbstbewussten Ich, welche sich der Mensch des achtzehnten Jahrhunderts machen musste. Vom Bild der Natur, der heutigen Forschung, führt nichts zu der Vorstellung der selbstbewussten "Seele".

Kant hatte die Empfindung: es biete sich ihm in dem Naturbilde nichts dar, worauf er die Gewissheit des Selbstbewusstseins begründen könne. Diese Gewissheit musste geschaffen werden. Denn die neuere Zeit hatte dem Menschen das selbstbewusste Ich als Tatsache hingestellt. Es musste die Möglichkeit geschaffen werden, diese Tatsache anzuerkennen. Aber alles, was der Verstand als Wissen anerkennen kann, verschlingt das Naturbild ...,...] 


Zu zwei geistigen Instanzen, blickt am Ende des achtzehnten Jahrhunderts derjenige auf, der nach Klarheit über die großen Fragen der Welt- und Lebensanschauung rang, zu Kant und Goethe


Einer, der am gewaltigsten nach solcher Klarheit rang, ist Johann Gottlieb Fichte. Als er Kants «Kritik der praktischen Vernunft» kennengelernt hatte, schrieb er: "Ich, lebe in einer neuen Welt ... Dinge, von denen ich glaubte, sie könnten mir nie bewiesen werden, zum Beispiel der Begriff der absoluten Freiheit, der Pflicht usw., sind mir bewiesen, und ich fühle mich darum nur um so froher. Es ist unbegreiflich, welche Achtung für die Menschheit, welche Kraft uns dieses System gibt! ... Welch ein Segen für ein Zeitalter, in welchem die Moral von ihren Grundfesten aus zerstört und der Begriff Pflicht in allen Wörterbüchern durchstrichen war.» Und als er auf Grundlage der Kantschen die eigene Anschauung in seiner «Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre» aufgebaut hatte, da sandte er das Buch an Goethe mit den Worten: "Ich betrachte Sie, und habe Sie immer betrachtet, als den Repräsentanten der reinsten Geistigkeit des Gefühls auf der gegenwärtig errungenen Stufe der Humanität. An Sie wendet mit Recht sich die Philosophie. Ihr Gefühl ist derselben Probierstein."


In einem ähnlichen Verhältnis zu beiden Geistern stand Schiller. Über Kant schreibt er am 28. Oktober 1794: "Es erschreckt mich gar nicht, zu denken, dass das Gesetz der Veränderung, vor welchem kein menschliches und kein göttliches Werk Gnade findet, auch die Form dieser (der Kantschen) Philosophie so wie jede andere zerstören wird; aber die Fundamente derselben werden dies Schicksal nicht zu fürchten haben, denn so alt das Menschengeschlecht ist, und so lange es eine Vernunft gibt, hat man sie stillschweigend anerkannt, und im ganzen danach gehandelt.» Goethes Anschauung schildert Schiller am 23. August 1794 in einem Briefe an diesen: "Lange schon habe ich, obgleich aus ziemlicher Ferne, dem Gang Ihres Geistes zugesehen, und den Weg, den Sie sich vorgezeichnet haben, mit immer erneuter Bewunderung bemerkt. Sie suchen das Notwendige in der Natur, aber Sie suchen es auf dem schwersten Wege, vor welchem jede schwächere Kraft sich wohl hüten wird. Sie nehmen die ganze Natur zusammen, um über das Einzelne Licht zu bekommen; in der Allheit ihrer Erscheinungsarten suchen Sie den Erklärungsgrund für das Individuum auf.


Wären Sie als ein Grieche, ja nur als ein Italiener geboren worden, und hätte schon von der Wiege an eine auserlesene Natur und eine idealisierende Kunst Sie umgeben, so wäre Ihr Weg unendlich verkürzt, vielleicht ganz überflüssig gemacht worden. Schon in die erste Anschauung der Dinge hätten Sie dann die Form des Notwendigen aufgenommen, und mit Ihren ersten Erfahrungen hätte sich der große Stil in Ihnen entwickelt. Nun, da Sie als ein Deutscher geboren sind, da Ihr griechischer Geist in diese nordische Schöpfung geworfen wurde, so blieb Ihnen keine andere Wahl, als entweder selbst zum nordischen Künstler zu werden, oder Ihrer Imagination das, was ihr die Wirklichkeit vorenthielt, durch Nachhilfe der Denkkraft zu ersetzen, und so gleichsam von innen heraus und auf einem rationalen Wege ein Griechenland zu gebären." Kant und Goethe können, von der Gegenwart aus gesehen, als Geister betrachtet werden, in denen die Weltanschauungsentwicklung der neueren Zeit sich wie in einem wichtigen Momente ihres Werdeprozesses dadurch enthüllt, dass von diesen Geistern die Rätselfragen des Daseins intensiv empfunden werden, die sich vorher mehr in den Untergründen des "Seelenlebens" vorbereiten.


Um die Wirkung des ersteren auf sein Zeitalter zu veranschaulichen, seien noch die Aussprüche zweier Männer über ihn angeführt, die auf der vollen Bildungshöhe ihrer Zeit standen. Jean Paul schrieb im Jahre 1788 an einen Freund: «Kaufen Sie sich um Himmels willen zwei Bücher, Kants Grundlegung zu einer Metaphysik der Sitten und Kants Kritik der praktischen Vernunft. Kant ist kein Licht der Welt, sondern ein ganzes strahlendes Sonnensystem auf einmal.» Und Wilhelm von Humboldt sagt: «Kant unternahm und vollbrachte das größte Werk, das vielleicht je die philosophierende Vernunft einem einzelnen Manne zu danken hat ... 


Dreierlei bleibt, wenn man den Ruhm, den Kant seiner Nation, den Nutzen, den er dem spekulativen Denken verliehen hat, bestimmen will, unverkennbar gewiss: 


Einiges, was er zertrümmert hat, wird sich nie wieder erheben, einiges, was er begründet hat, wird nie wieder untergehen, und was das Entscheidende ist, so hat er eine "Reform "gestiftet", und mit ihr eine tiefgreifende Zäsur verursacht, wie die gesamte Geschichte des menschlichen Denkens keine ähnliche aufweist. Man sieht, in Kants Tat sahen seine Zeitgenossen eine erschütternde Wirkung innerhalb der Weltanschauungsentwicklung. Er selbst aber hielt sie für diese Entwicklung so wichtig, dass er ihre Bedeutung derjenigen gleichsetzte, die Kopernikus' Entdeckung der Planetenbewegung für die Naturerkenntnis hatte.


Manche Erscheinungen der Weltanschauungsentwicklung in den vorangegangenen Zeiten wirken in Kants Denken weiter und bilden sich in diesem zu Rätselfragen um, welchen Charakter seine Weltanschauung bestimmen. Wer in den, für diese Anschauung, bedeutsamsten Schriften Kants die charakteristischen Eigentümlichkeiten empfindet, dem zeigt sich als eine derselben sogleich eine besondere Schätzung, welche Kant der mathematischen Denkungsart angedeihen lässt. Was so erkannt wird wie das mathematische Denken erkennt, das trägt in sich die Gewissheit seiner Wahrheit, das empfindet Kant. 


Dass der Mensch Mathematik haben kann, beweist, dass er Wahrheit haben kann. Was man auch alles bezweifeln mag, die Wahrheit der Mathematik kann man nicht bezweifeln.


Mit dieser Schätzung der Mathematik tritt in Kants "Seele" - diejenige Gesinnung der neueren Weltanschauungsentwicklung auf, die den Vorstellungskreisen Spinozas die Prägung gegeben hat. Spinoza will seine Gedankenreihen so aufbauen, dass sie sich wie die Glieder der mathematischen Wissenschaft streng auseinander entwickeln. Nichts anderes als das nach mathematischer Art Gedachte gibt die feste Grundlage, auf der sich im Sinne Spinozas das im Geiste der neueren Zeit sich fühlende Menschen - Ich sicher weiß. So dachte auch schon Descartes, von dem Spinoza viele Anregungen empfangen hat. Er musste sich aus dem Zweifel heraus eine Weltanschauungsstütze holen. In dem bloßen "Empfangen eines Gedankens in der Seele" konnte Descartes eine solche Stütze nicht sehen. Diese griechische Art, sich zu der Gedankenwelt zu stellen, ist dem Menschen der neueren Zeit nicht mehr möglich. 


(von dem Begriff der "Seele" sehen wir ab, der Ausdruck "Seele" hat vielfältige Bedeutungen, je nach den unterschiedlichen mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Traditionen und Lehren, in welchen er vorkommt. Im heutigen Sprachgebrauch ist hierbei oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. 


Genau genommen, ist „Seele“ kein biblisches Konzept („nefesch“ ist der Lebensatem, den Gott dem Adam in die Nase bläst). Siehe zur "Seele" der Tiere daher Kohelet 3,20 f! „Unsterbliche "Seele“ ist (wahrscheinlich ein aus Ägypten stammendes) über Pythagoras auf Platon und von dem auf uns gekommenes Konzept.) Darüber, ob auch pflanzliches, bakterielles oder gar virales Leben Bewußtsein hat, wollen wir uns hier gar nicht verbreitern. Die Forschung darüber ist jedenfalls in Fluß – die ursprünglich (rein religiös motivierte) strenge Grenze zwischen Mensch (dieser mit „Seele“) und Tier (jenes natürlich ohne!) ist jedenfalls nicht mehr aufrechtzuerhalten.


Erfahrung setzt sich zusammen aus Sinnesreizen und dem „intellectus ipse“ Leibnizens. Wir nennen das dann auch „Wahrnehmung“. „Gläubige“ mögen bitte nicht einwenden, man könne und dürfe bei (ihrem) Gott nicht den menschlichen Verstand oder die Vernunft anwenden. Gut, „Gott“ bedarf keines Verstandes,... Braucht Er Vernunft? Laut Hegel ist er sogar die absolute – aber Hegel ist auch nicht das Maß aller Dinge (war in großer Mann..., aber nicht unfehlbar), und wir sprechen „Gott“ jede Vernunft ab. 


Bedürfte er ihrer, wäre er ihr unterworfen und somit nicht mehr Gott. 


„Gott“ sei die Liebe? Seit wann hätte Liebe mit Vernunft zu tun? Liebe als Verein(ig)ung ist gerade das Gegenteil von Vernunft! Vernunft trachtet immer, die Dualität, also Gegensätze oder gar Widersprüche zu überwinden.


Was wäre sonst der Sinn von Koans im Zen-Buddhismus? Oder Sinn der Mystik (siehe Meister Eckehart)? Oder von Meditation? Ich-Überwindung bedeutet immer Vernunftüberwindung! Und „Gott“ als ein Ich zu verstehen (besser: Ihn als ein solches zu glauben oder gar zu lieben!) ist schon sehr mythisch (um nicht zu sagen: magisch). Wenn man bei den Katholiken an die Kreuz-Amulette, Marterln und Wallfahrtsorte denkt, tritt die Magie offen zutage („Verhandeln mit Gott“) und ist vom griechischen Götterhimmel gar nicht weit entfernt. 


Der Monotheismus unterscheidet sich vom Polytheismus eben nur quantitativ, nicht aber qualitativ! Dazu muß angemerkt werden, daß die Unterscheidung zwischen Vernunft und Verstand fließend ist, und beide Begriffe von den Philosophen unterschiedlich definiert wurden und werden. Nach unserem heutigen Verständnis hätten Locke und Leibniz besser „Vernunft“ schreiben sollen, aber die Bedeutung von Begriffen ändert sich eben mit der Zeit (siehe „Proletarier“ und „Prolet“). Die Neuplatoniker, u. a. Plotin (um 204–270), nannten das „Emanation“. Sagt ein Freund zum anderen: „Du, ich hab’ gestern deine Frau auf der Straße getroffen, aber sie hat mich nicht gesehen.“ „Ich weiß, sie hat mir eh davon erzählt!“ („Net amol ignorieren“, ...)


Die mathematische Abstraktionsebene aber selbst, die ist auch nur ein Modell, und zwar ein rein formales, das auf zweiwertiger Logik basiert. Und die ist bestenfalls eine von vielen Logiken und schon aus diesem Grund mit Sicherheit nicht der Zugang, um ein adäquates Wissen von der Welt zu vermitteln. Dies zu ermöglichen ist allein der rationalistischen Metaphysik vorbehalten. (Kant möge uns verzeihen)


Das 3. Axiom der zweiwertigen Logik, auch » Tertium non datur » auf welchem auch die Mathematik aufbaut - wer bestimmt eigentlich ob die Widerspruchsfreiheit (das 3. Axiom der zweiwertigen Logik (Tertium non datur) des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten tatsächlich das Kriterium ist, nachdem die Welt sich zu verhalten habe? 


Wissenschaft ist immer Vereinfachung. Die Wissenschaftler bilden mit ihren Theorien nie die Natur ab, wie sie ist, sondern wie sie diese sehen, bzw. wie sich die Natur nach der Sicht (=Theorie) des Forschers verhalten soll. Man nennt ein solches Herangehen an die Natur auch modellhaft. Wir haben stets nur Modelle von der Natur vor Augen und im Kopf [Neuronenhirn = (Interferenzen)] – und die halten wir aber gerne und leider für der Wirklichkeit, ja schlimmer noch: Wir halten sie für die Wahrheit.


Wer sagt, dass nur Widerspruchs » freiheit » - und Wahrheit zusammenfallen? - Es gibt, bzw. bieten sich doch, jede Menge anderer »Erklärungsmuster» Denkmodelle an, die sich genauso gut verkaufen, das Religiöse (auch magisch, mystisch oder mythisch genannte), das, weder rational, noch analytisch, nicht zweiwertig logisch und auch nicht widerspruchsfrei ist. - und dennoch hängt ihm die absolute Mehrheit der Menschen an. Vor allem ist es widersprüchlich zum - um Widerspruchsfreiheit bemühten - rationalen Denken:

Denn wie läßt sich ein 
drei-einiger "Gott" (übrigens die » Dreieinigkeit » gibt es erst seit Ausgustinus, 300 Jahre nach » Jesu »), eine jungfräuliche Geburt, eine Auferstehung von den Toten, die Reinkarnation, lassen sich » Hölle » und » Himmel » oder auch umgekehrt, das Jenseits, überhaupt rational fassen?


Dennoch gelten die Hochreligionen, in denen dieses » Glaubensgut » als dogmatische Wahrheit verkündet wird, als unantastbar. Im Gegenteil: Die Scholastik (!) , mit der " Gott " bewiesen werden sollte, gipfelte in dem Satz: ich glaube, weil es unvernünftig ist! - Unglaublich! - aber Realität.


Denn » Himmel » und » Hölle » (egal in welcher Reihenfolge geschrieben), » Jungfrauengeburt » etc.pp wobei letztere durchaus die Vorstellung des Altertums wiederspiegeln, der Jungfrauengeburt » überragender » Männer und » Helden » , die von den Evangelisten (erst seit Papias wohlgemerkt) Matthäus und Lukas für Jesus übernommen worden sind. ( Auch nordamerikanische Indianerstämme kennen die »Jungfrauen» geburt des » "Heilsbringers"! ...)


Es muss sich in der selbstbewussten "Seele" (Der Begriff der "Seele" hat sich, vielfach tiefenindoktriniert als ideologische "religio" = Rückbindung, in unserem Bewusstsein festgesetzt) etwas finden, das den Gedanken stützt


Für Descartes und wieder für Spinoza ist es die Erfüllung der Forderung, dass sich die "Seele" zum Gedanken verhalten müsse, wie sie sich in der mathematischen Vorstellungsart verhält. Indem sich Descartes aus dem Zweifel heraus sein - Ich denke, also bin ich" - und was damit zusammenhängt, ergab, fühlte er sich in alledem sicher, weil es ihm dieselbe Klarheit zu haben schien, welche der Mathematik innewohnt. 


Dieselbe Gesinnung hat Spinoza dazu geführt, ein Weltbild sich auszugestalten, in dem alles, wie die mathematischen Gesetze, mit strenger Notwendigkeit wirkt. Die eine göttliche Substanz, welche sich mit mathematischer Gesetzmäßigkeit in alle Weltenwesen ausgießt, lässt das menschliche Ich nur gelten, wenn dieses sich in ihr völlig verliert, wenn es sein Selbstbewusstsein in ihrem Weltbewusstsein aufgehen lässt. Diese mathematische Gesinnung, die aus der Sehnsucht des «Ich» entspringt nach einer Sicherheit, die es für sich braucht, führt dieses "Ich" zu einem Weltbild, in dem es durch das Streben nach seiner Sicherheit sich selbst, sein selbständiges Bestehen in einem geistigen Weltengrunde, seine Freiheit und seine Hoffnung auf ein selbständiges ewiges Dasein verloren hat.


In der entgegengesetzten Richtung bewegte sich das Denken Leibniz'. Für ihn ist die Menschenseele die selbständige, streng in sich abgeschlossene Monade. Aber diese Monade erlebt nur, was in ihr ist; die Weltenordnung, die sich «wie von außen» darbietet, ist nur ein Scheinbild. Hinter demselben liegt die wahre Welt, die nur aus Monaden besteht, und deren Ordnung die nicht in der Beobachtung sich darbietende vorherbestimmte (prästabilierte) Harmonie ist. Diese Weltanschauung lässt der menschlichen Seele die Selbständigkeit, das selbständige Bestehen im Weltall, die Freiheit und die Hoffnung auf eine ewige Bedeutung in der Weltentwicklung; aber sie kann, wenn sie sich selbst treu bleibt, im Grunde nicht anders, als behaupten, dass alles von ihr Erkannte nur sie selbst ist, dass sie aus dem selbstbewussten Ich nicht herauskommen kann, und dass ihr das Weltall in seiner Wahrheit von außen nicht offenbar werden kann.


Für Descartes und für Leibniz waren die auf religiösem Wege erlangten Überzeugungen noch so stark wirksam, dass beide sie aus anderen Motiven in ihr Weltbild herübernahmen, als ihnen die Stützen dieses Weltbildes selbst gaben. Bei Descartes schlich sich in das Weltbild die Anschauung von der geistigen Welt ein, die er auf religiösem Wege erlangt hatte, sie durchdrang für ihn unbewusst die starre mathematische Notwendigkeit seiner Weltordnung, und so empfand er nicht, dass ihm sein Weltbild im Grunde das «Ich» auslöschte. Ebenso wirkten bei Leibniz die religiösen Impulse, und deshalb entging ihm, dass er in seinem Weltbilde keine Möglichkeit hatte, etwas anderes als allein den eigenen Seeleninhalt zu finden. Er glaubte doch, die außer dem "Ich" befindliche geistige Welt annehmen zu können.

 

Spinoza zog durch einen großen Zug in seiner Persönlichkeit die Konsequenz aus seinem Weltbilde. Um die Sicherheit für dieses Weltbild zu haben, welche das Selbstbewusstsein verlangte, resignierte er auf die Selbständigkeit dieses Selbstbewusstseins und fand die Seligkeit darin, sich als Glied der einen göttlichen Substanz zu fühlen. Auf Kant blickend, muss man die Frage aufwerfen: Wie musste er empfinden gegenüber den Weltanschauungsrichtungen, die sich in Descartes, Spinoza und Leibniz ihre hervorragenden Vertreter geschaffen hatten? Denn alle die Seelenimpulse, welche in diesen dreien gewirkt hatten, wirkten in ihm. Und sie wirkten in seiner Seele aufeinander und bewirkten die ihm sich aufdrängenden Welten- und Menschheitsrätsel. Ein Blick auf das Geistesleben des Kantschen Zeitalters gibt die Richtung nach der Art, wie Kant über diese Rätsel empfunden hat. In einem bedeutsamen Symptom erscheint dieses Geistesleben in Lessings (1729-1781) Stellung zu den Weltanschauungsfragen.


Lessing fasst sein Glaubensbekenntnis in die Worte zusammen: «Die Ausbildung geoffenbarter Wahrheiten in Vernunftwahrheiten ist schlechterdings notwendig, wenn dem menschlichen Geschlechte damit geholfen werden soll.» Man hat das achtzehnte Jahrhundert das der Aufklärung genannt. Die Geister Deutschlands verstanden die Aufklärung im Sinne des Lessingschen Ausspruches.


Kant hat die Aufklärung erklärt, als den «Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit » und als ihren Wahlspruch bezeichnet: « Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.» Nun waren selbst so hervorragende Denker wie Lessing zunächst durch die Aufklärung nicht weiter gekommen als bis zu einer verstandesmäßigen Umformung der aus dem Zustande "selbstverschuldeter Unmündigkeit" überlieferten Glaubenslehren. Sie sind nicht zu einer reinen Vernunftansicht vorgedrungen wie Spinoza.


Auf solche "Geister" musste die Lehre des Spinoza, als sie in Deutschland bekannt wurde, einen tiefen Eindruck machen. Spinoza hatte es wirklich unternommen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, war aber dabei zu ganz anderen Erkenntnissen gekommen als die deutschen Aufklärer. Sein Einfluss musste um so bedeutsamer sein, als seine nach mathematischer Art festgebauten Schlussfolgerungen eine viel größere überzeugende Kraft hatten als die Weltanschauungsrichtung Leibniz', welche auf die Geister jenes Zeitalters in der Art wirkte, wie sie durch Wolff «fortgebildet» worden war. 


Wie diese durch Wolffs Vorstellungen hindurch wirkende Gedankenrichtung auf tiefere Gemüter wirkte, davon erhalten wir eine Vorstellung aus Goethes «Dichtung und Wahrheit». Er erzählt von dem Eindruck, den Professor Winklers im Geiste Wolffs gehaltene Vorlesungen in Leipzig auf ihn gemacht haben: «Meine Kollegia besuchte ich anfangs emsig und treulich; die Philosophie wollte mich jedoch keineswegs aufklären. In der Logik kam es mir wunderlich vor, dass ich diejenigen Geistesoperationen, die ich von Jugend auf mit der größten Bequemlichkeit verrichtete, so auseinanderzerren, vereinzeln und gleichsam zerstören sollte, um den rechten Gebrauch derselben einzusehen. Von dem Dinge, von der Welt, von "Gott" glaubte ich ungefähr so viel zu wissen als der Lehrer selbst, und es schien mir an mehr als einer Stelle gewaltig zu hapern." Von seiner Beschäftigung mit Spinozas Schriften erzählt uns dagegen der Dichter: "Ich ergab mich dieser Lektüre und glaubte, indem ich mich selbst schaute, die Welt niemals so deutlich erblickt zu haben."


Aber nur wenige vermochten sich der Denkungsart eines Baruch Spinozas so unbefangen hinzugeben wie Goethe. 


Bei den meisten musste sie einen tiefen Zwiespalt in die Weltauffassung bringen. Für sie ist Goethes Freund Fr. H. Jacobi ein Repräsentant. Er glaubte, zugeben zu müssen, dass die sich selbst überlassene Vernunft nicht zu den Glaubenslehren, sondern zu der Ansicht führe, zu der Spinoza gekommen ist, dass die Welt von ewigen, notwendigen Gesetzen beherrscht wird. So stand Jacobi vor einer bedeutsamen Entscheidung: entweder musste er seiner Vernunft vertrauen und die Glaubenslehren fallen lassen, oder er musste, um die letzteren zu behalten, der Vernunft selbst die Möglichkeit absprechen, zu den höchsten Einsichten zu kommen. Er wählte das letztere. Er behauptete, dass der Mensch in seinem innersten Gemüte eine unmittelbare Gewissheit habe, einen sicheren Glauben, vermöge dessen er die Wahrheit der Vorstellung eines persönlichen Gottes, der Freiheit des Willens und der Unsterblichkeit fühle, so dass diese Überzeugung ganz unabhängig sei von den auf logische Folgerungen gestützten Erkenntnissen der Vernunft, die sich gar nicht auf diese Dinge beziehen, sondern nur auf die äußeren Naturvorgänge. Auf diese Weise hat Jacobi das vernünftige Wissen abgesetzt, um für einen die "Bedürfnisse des Herzens" befriedigenden Glauben Platz zu bekommen.


Goethe, der von dieser Entthronung des Wissens wenig erbaut war, schreibt an den Freund: " "Gott" hat Dich mit der Metaphysik gestraft und Dir einen Pfahl ins Fleisch gesetzt, mich mit der Physik gesegnet. Ich halte mich an die "Gottesverehrung" des Atheisten (Spinoza) und überlasse euch alles, was ihr Religion heißt und heißen mögt. Du hältst aufs Glauben an "Gott"; ich aufs Schauen."


Die Aufklärung hat zuletzt die "Geister" vor die Wahl gestellt, entweder die geoffenbarten Wahrheiten durch die Vernunftwahrheiten im spinozistischen Sinne zu ersetzen, oder dem vernunftgemäßen Wissen selbst den Krieg zu erklären.


Und vor dieser Wahl stand auch Kant. Wie er sich zu ihr stellte und über sie entschied, das geht aus der klaren Ausführung im Vorwort zur zweiten Auflage seiner «Kritik der reinen Vernunft» hervor


«Gesetzt nun, die Moral setze notwendig Freiheit (im strengsten Sinne) als Eigenschaft unseres Willens voraus, indem sie praktische in unserer Vernunft liegende Grundsätze ... anführt, die ohne Voraussetzung der Freiheit schlechterdings unmöglich wären, die spekulative Vernunft aber hätte bewiesen, dass diese sich gar nicht denken lasse, so muss notwendig jene Voraussetzung, nämlich die moralische, derjenigen weichen, deren Gegenteil einen offenbaren Widerspruch enthält, folglich Freiheit und mit ihr Sittlichkeit,...


dem Naturmechanismus den Platz einräumen. So aber, da ich zur Moral nichts weiter brauche, als dass Freiheit sich nur nicht selbst widerspreche und sich also doch wenigstens denken lasse, ohne nötig zu haben, sie weiter einzusehen, dass sie also dem Naturmechanismus ebenderselben Handlung (in anderer Beziehung genommen) gar kein Hindernis in den Weg lege; so behauptet die Lehre der Sittlichkeit ihren Platz, . . welches aber nicht stattgefunden hätte, wenn nicht Kritik uns zuvor von unserer unvermeidlichen Unwissenheit in Ansehung der Dinge an sich selbst belehrt, und alles, was wir theoretisch erkennen können, auf bloße Erscheinungen eingeschränkt hätte. 


Eben diese Erörterung des positiven Nutzens kritischer Grundsätze der reinen Vernunft, lässt sich in Ansehung des Begriffs von "Gott" und der einfachen Natur unseres Bewusstseins zeigen, die wir aber der Kürze halber vorbeigehen. Ich kann also "Gott", Freiheit und "Unsterblichkeit" zum Behuf des notwendigen praktischen Gebrauchs meiner Vernunft nicht einmal annehmen, wenn ich nicht der spekulativen Vernunft zugleich ihre Anmaßung überschwenglicher Einsichten benehme... Ich musste also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen ...»


Man sieht, Kant steht gegenüber Wissen und Glauben auf einem ähnlichen Boden wie Jacobi. Der Weg, auf dem Kant zu seinen Ergebnissen gekommen ist, war durch die Gedankenwelt Humes gegangen. Bei diesem fand er die Ansicht, dass die Dinge und Vorgänge der Welt der menschlichen "Seele" gar keine gedanklichen Zusammenhänge offenbaren, dass der menschliche Verstand sich nur gewohnheitsmäßig (der Mensch - ist ein Gewohnheitstier) solche Zusammenhänge vorstelle, wenn er die Weltdinge und Weltvorgänge in Raum und Zeit nebeneinander und nacheinander wahrnehme. Dass der menschliche Verstand das, was ihm Erkenntnis scheint, nicht aus der Welt erhalte: diese Meinung Humes machte auf Kant Eindruck. Es ergab sich für ihn der Gedanke als eine Möglichkeit: die Erkenntnisse des menschlichen Verstandes kommen nicht aus der Weltwirklicheit.


Durch die Ausführungen Humes ist Kant aus dem Schlummer erweckt wordenin den ihn, nach seinem eigenen Bekenntnis, die Wolffsche Ideenrichtung versetzt hatte. Wie kann die Vernunft Urteile über "Gott", Freiheit und "Unsterblichkeit" fällen, wenn ihre Aussagen über die einfachsten Begebenheiten auf solch unsicheren Grundlagen ruhen? Der Ansturm, den nun Kant gegen das vernünftige Wissen unternehmen musste, war ein viel weitergehender als derjenige Jacobis. Dieser hatte dem Wissen wenigstens die Möglichkeit lassen können, die Natur in ihrem notwendigen Zusammenhang zu begreifen.


Nun hat Kant auf dem Gebiet der Naturerkenntnis eine wichtige Tat mit seiner 1755 erschienenen «Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels» vollbracht. Er glaubte gezeigt zu haben, dass man sich unser ganzes Planetensystem aus einem Gasball entstanden denken könne, der sich um seine Achse bewegt. Durch streng notwendige mathematische und physikalische Kräfte haben sich innerhalb dieses Baues Sonne und Planeten verdichtet und die Bewegungen angenommen, die sie in Gemäßheit der Lehren Kopernikus' und Keplers haben.


Der Vorstellung, dass wir ein besonderes Verhältnis zum Universum haben,   dass unser Dasein, unsere Existenz, aus der wir evolutionär  herausgetreten sind vom lat. (ex-sistere) nicht bloß eine "Farce" ist, die sich aus  einer nicht kausalen Kette von Zufällen ergab, sondern dass wir  irgendwie von Anfang an vorgesehen waren, dieser Vorstellung vermögen wir Menschen uns kaum zu entziehen. Aber tatsächlich ist die Welt so »"verrückt"» , wie Einstein hoffte, dass sie es nicht ist. Das Bestreben das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von 

»"tragischer"»  Würde,...


Würde ist ein Gesellschaftsphänomen, der Einsiedler hat keine, oder nur durch uns so interpretiert - 
oder was nicht von Ted Turner´s CNN (US - Nachrichtensender) kommt » "existiert" » nicht. 


Die grundlegendste Fassung naturwissenschaftlicher Methode stammt von Galileo Galilei: Messen, was meßbar ist; meßbar machen, was nicht (unmittelbar) meßbar ist. 


Galilei´s Konflikt mit der Kirche ist mehrfach Gegenstand dichterischer Behandlung geworden z. B. in Z. Harsanyi:» und sie (die Erde) bewegt sich doch » Eppur si muove »

(Roman deutsch, 1937) Berthold Brecht » Leben des Galilei » (Drama 3. Fassung 1955); zwar wurde Galilei im Rahmen einer Erklärung zur Beziehung von Religion und Wissenschaft, die Papst Joh. Paul II im Okt 1992 vor der » Päpstlichen Akademie der Wissenschaften » abgab, von der kath. Kirche formell »"rehabilitiert"» , in dem die Verurteilung Galileis als ungerechtfertigt charakterisiert wurde, dies hatte allerdings genau 400 Jahre seit seiner Professur in Padua 1592, gedauert. - Unglaublich... aber Realität.


Ohne Parallelen in der Frühen Neuzeit der Kulturgeschichte, sind die wissenschaftlichen Studien des Leonardo da Vinci. Die weibliche Eizelle wurde dennoch erst 1827 von Karl Ernst von Baer (Zoologe) entdeckt. Vorher wurde der Frau jegliche Beteiligung an der Entstehung menschlichen Lebens aberkannt,...


Kant glaubte also die Fruchtbarkeit der spinozistischen Denkart, nach welcher alles mit strenger mathematischer Notwendigkeit sich abspielt, durch eine eigene große Entdeckung auf einem speziellen Gebiete als erwiesen. Er war von dieser "Fruchtbarkeit" so überzeugt, dass er in dem genannten Werke zu dem Ausrufe sich versteigt: «Gebt mir Materie, und ich will euch eine Welt daraus bauen. » Und die unbedingte Gewissheit der mathematischen Wahrheiten stand für ihn so fest, dass er in seinen «Anfangsgründen der Naturwissenschaft» die These aufstellt, eine eigentliche Wissenschaft sei nur eine solche, in welcher die Anwendung der Mathematik möglich ist. Hätte Hume recht, so könnte von einer Gewissheit der mathematischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnisse nicht die Rede sein. Denn dann wären diese Erkenntnisse nichts als Denkgewohnheiten, die sich der Mensch angeeignet hat, weil er den Weltenlauf in ihrem Sinne sich hat abspielen sehen. Aber es bestünde nicht die geringste Sicherheit darüber, dass diese Denkgewohnheiten mit dem gesetzmäßigen Zusammenhang der Dinge etwas zu tun haben.


Hume zieht aus seinen Voraussetzungen die Folgerung: «Die Erscheinungen wechseln fortwährend in der Welt, und eines folgt dem anderen in ununterbrochener Folge; aber die Gesetze und die Kräfte, welche das Weltall bewegen, sind uns völlig verborgen und zeigen sich in keiner wahrnehmbaren Eigenschaft der Körper ...» Rückt man also die Weltanschauung Spinozas in die Beleuchtung der Humeschen Ansicht, so muss man sagen: Nach dem wahrgenommenen Verlauf der Weltvorgänge hat sich der Mensch gewöhnt, sie in einem notwendigen, gesetzmäßigen Zusammenhange zu denken; er darf aber nicht behaupten, dass dieser Zusammenhang mehr ist als eine bloße Denkgewohnheit. Träfe das zu, dann wäre es nur eine Täuschung der menschlichen Vernunft, dass sie über das Wesen der Welt durch sich selbst irgendwelchen Aufschluss gewinnen könne. Und Hume könnte nicht widersprochen werden, wenn er von jeder Weltanschauung, die aus der reinen Vernunft gewonnen ist, sagt: «Werft sie ins Feuer, denn sie ist nichts als Trug und Blendwerk.


Diese Folgerung Humes konnte Kant unmöglich zu der seinigen machen. Denn für ihn stand die Gewissheit der naturwissenschaftlichen und mathematischen Erkenntnisse, wie wir gesehen haben, unbedingt fest. Er wollte sich diese Gewissheit nicht antasten lassen, konnte sich aber dennoch der Einsicht nicht entziehen, dass Hume recht hatte, wenn er sagte: Alle Erkenntnisse über die wirklichen Dinge gewinnen wir nur, indem wir diese beobachten und auf Grund der Beobachtung uns Gedanken über ihren Zusammenhang bilden. Liegt in den Dingen ein gesetzmäßiger Zusammenhang, dann müssen wir ihn auch aus den Dingen herausholen. Was wir aber aus den Dingen herausholen, davon wissen wir nicht mehr, als dass es bis jetzt so gewesen ist; wir wissen aber nicht, ob ein solcher Zusammenhang wirklich so mit dem Wesen der Dinge verwachsen ist, dass er sich nicht in jedem Zeitpunkt ändern kann. Wenn wir uns heute auf Grund unserer Beobachtungen eine Weltanschauung bilden, so können morgen Erscheinungen eintreten, die uns zu einer ganz anderen zwingen. Holten wir alle unsere Erkenntnisse aus den Dingen, so gäbe es keine Gewissheit.


Autorenzitat: 


Kausalität wirkt gar nicht in der Natur (»Schöpfung») und unabhängig  von   Ursache-Wirkung konstruierendem Selbstbewußtsein. Vielmehr sind wir es,  die Kausalität in die Natur hineinsehen und damit das Werden erklären. Wir westlich Denkenden haben vor allem Probleme mit der Kausalität. Diese Probleme sind so tiefgreifend, daß jede Religion (und sogar der Mythos) es sich nicht leisten kann, auf die Verknüpfung von Ursache und Wirkung zu einer (schein-) logischen Kette zu verzichten. Nicht einmal die plumpeste Sage oder das primitivste Märchen kann auf Kausalität verzichten. Immer ist von (Belohnung und Strafe) die Rede und vom Sieg des » Guten » über das » Böse » (manchmal auch umgekehrt).


Welchen Sinn ergäbe dieses Moralisieren schon, würde man nicht einen Kausalnexus im Geschehen erwarten, also vom einen auf´s andere schließen und vielleicht? die Lehre daraus ziehen? Alles was geschieht, muß auf eine Ursache zurückgeführt werden können; dies scheint ein Urgesetz menschlichen Denkens zu sein. Die Kontradiktion dazu wäre akausal, also unverursacht. Akausal bedeutet also, daß einem ganz bestimmten konkreten Ereignis keine es erzeugende (es auslösende) Ursache zugeschrieben werden kann. Akausal bedeutet aber nicht willkürlich. Spontane Ereignisse treten vielmehr nur als erwartete (als mögliche) auf. Nur der Zeitpunkt ihrer Verwirklichung ist unsicher (z. B. Betazerfall).




Akausales Eintreten bedeutet daher nur, daß zwar Mögliches wirklich wird, aber diese Möglichkeit selbst unverursacht ist.


Auch scheint das Leben per se akausal (= unbegründbar) abzulaufen, ebenso die Evolution; so daß für den ursprünglichen, von uns so breit angesehenen Bereich, der kausalen Wirklichkeit - oder Wirksamkeit (= die Welt unserer Praxis) nur ein schmaler Grat an Beobachtbarem übrig zu bleiben scheint, den sich die Naturwissenschaft als ihr Gebiet reserviert hat:


Optik, Mechanik, Akustik, und Elektromagnetismus


Nicht mehr exakt kausal hinterfragbar ist die Elektronik und schon gar nicht mehr die Kybernetik (Computerwissenschaften): Da geht viel mehr nicht als tatsächlich geht, trial and error triumphieren.


Das Leben als Allgemeines wird und vergeht nicht: Hingegen werden und vergehen die einzelnen Lebewesen - wie auch einzelne Sonnen. Die Erde gehört zur (unvergänglichen) » Klasse » der Planeten und ist einer jener Abermilliarden Wandelsterne, die im Universum um ihre Muttersonne kreisen. Beide einzelne Sonnen und einzelne Planeten auch Exoplaneten (extra-solarer Planet, also Erdähnliche) kommen und vergehen wie die Maikäfer - das aber notwendig !


Aber es gibt eine Gewissheit, sagt Kant. Die Mathematik und die Naturwissenschaft beweisen es. Die Ansicht, dass die Welt dem menschlichen Verstande seine Erkenntnisse nicht gibt, wollte Kant von Hume annehmen; die Folgerung, dass diese Erkenntnisse nicht Gewissheit und Wahrheit enthalten, wollte er nicht ziehen. So stand Kant vor der ihn erschütternden Frage: Wie ist es möglich, dass der Mensch wahre und gewisse Erkenntnisse habe und trotzdem von der Wirklichkeit der Welt an sich nichts wissen könne? 


Und Kant fand eine Antwort, welche die Wahrheit und Gewissheit menschlicher Erkenntnisse dadurch rettete, dass sie die menschliche Einsicht in die Weltengründe opferte. Von einer Welt, die außer uns ausgebreitet liegt und die wir nur durch Beobachtung auf uns einwirken lassen, könnte unsere Vernunft niemals behaupten, dass etwas in ihr gewiss sei.


Folglich kann unsere Welt nur eine solche sein, die wir selbst aufbauen: eine Welt, die innerhalb unseres Geistes liegt. Was außer mir vorgeht, während ein Stein fällt und die Erde aushöhlt, weiß ich nicht. Das Gesetz dieses ganzen Vorganges spielt sich in mir ab. Und es kann sich in mir nur so abspielen, wie es ihm die "Gesetze" meines eigenen geistigen Organismus vorschreiben. 


Die Einrichtung meines Geistes fordert, dass jede Wirkung eine Ursache habe, und dass zweimal zwei vier sei. Und gemäß dieser Einrichtung baut sich der Geist eine Welt auf. Möge nun die außer uns liegende Welt wie immer gebaut sein, möge sie sogar heute in keinem Zuge der gestrigen gleichen: uns kann das nicht berühren; denn unser Geist schafft sich eine eigene Welt nach seinen Gesetzen. Solange der menschliche Geist derselbe ist, wird er bei Erzeugung seiner Welt auch in gleicher Weise verfahren.


Mathematik und Naturwissenschaft enthalten nicht Gesetze der Außenwelt, sondern solche unseres geistigen Organismus. Deshalb brauchen wir nur diesen zu erforschen, wenn wir das unbedingt Wahre kennen lernen wollen. 


« Der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor. » In diesem Satz fasst Kant seine Überzeugung zusammen. Der Geist erzeugt aber seine Innenwelt nicht ohne Anstoß oder Eindruck von außen. Wenn ich eine rote Farbe empfinde, so ist das « Rot » allerdings ein Zustand, ein Vorgang in mir; aber ich muss eine Veranlassung haben, dass ich « rot » empfinde. Es gibt also « Dinge an sich ». Wir wissen jedoch von ihnen nichts, als dass es sie gibt. Alles, was wir beobachten, sind Erscheinungen in uns.


Kant hat also, um die Gewissheit der mathematischen und naturwissenschaftlichen Wahrheiten zu retten, die ganze Beobachtungswelt in den menschlichen Geist hineingenommen. Damit hat er aber auch allerdings dem Erkenntnisvermögen (Produkt biologischer Evolution) unübersteigliche Grenzen gesetzt. 


Denn alles, was wir erkennen können, bezieht sich nicht auf Dinge außer uns, sondern auf Vorgänge in uns, auf Erscheinungen, wie er sich ausdrückt. Nun können aber die Gegenstände der "höchsten Vernunftsfragen", die Ideen: "Gott", Freiheit und "Unsterblichkeit", niemals in die Erscheinung treten. Wir sehen Erscheinungen in uns; ob diese außer uns von einem vermeintlich "göttlichen Wesen" herrühren, können wir nicht deduzieren und müssen uns daher komplett davon distanzieren. 


Wir können unsere eigene psychischen Zustände wahrnehmen. Aber auch diese sind nur Erscheinungen (Der Bereich der Emotionen und des Triebes, welcher dem Limbischen Gehirn (System) entspricht, ordnet bekanntlich nie). Ob hinter ihnen eine freie unsterbliche "Seele" waltet, bleibt unserer Erkenntnis "verborgen". Über diese « Dinge an sich » sagt unsere Erkenntnis gar nichts aus. Sie bestimmt nichts darüber, ob die Ideen von ihnen wahr oder falsch sind.


Die Verdopplung der Welt geht bis auf Platon zurück, der die Welt in eine der »real existierenden»  Ideen und in die » unsere »  geteilt hatte. Auch Zoroaster und die Israeliten (Juden bzw. Samaritaner) dachten dual, die Christen und Muslimen tun es in unheiliger Allianz mit Platon und Moses, den Essenern, Jesus und Mohammed. Vulgärisiert schöpft "Gott" (als » real existierender » ) in solchem Denken die Welt, prüft er den Menschen, straft er ihn etc. Das ganz andere Voraussetzende wird im Dualismus zur kausalen Ursache (zum »Jenseitigen» ) des Weltlichen (» Diesseitigen » ). Es handelt sich dabei um die theologische Methode par excellence.

Nach Kant gibt es einen Zugang zu diesen höchsten Wahrheiten. Und das ist die Stimme der "Pflicht", die in uns "laut und deutlich spricht": Du sollst dies und das oder jenes tun. Und dieser « kategorische Imperativ » legt uns eine Verbindlichkeit auf, der wir uns nicht entziehen können. Aber wie wären wir imstande, einer solchen Verbindlichkeit nachzukommen, wenn wir nicht einen freien Willen hätten? Wir können die Beschaffenheit unserer "Seele", zwar nicht erkennen, aber wir müssen glauben, dass sie frei sei, damit diese der "inneren Stimme der Pflicht" nachkommen könne.


Wir haben somit über die Freiheit keine Erkenntnisgewissheit wie über die Gegenstände der Mathematik und der Naturwissenschaft; aber wir haben dafür eine "moralische Gewissheit". Die Befolgung des kategorischen Imperativs führt demnach zur "Tugend". In dieser Vorstellung kann durch die Tugend allein, der Mensch seine Bestimmung erreichen. Er wird der "Glückseligkeit würdig". Er muss also die Glückseligkeit auch erreichen können. Denn sonst wäre seine Tugend ohne Sinn und Bedeutung, so die Vorstellung weiter. 


Und damit aber sich an die Tugend die Glückseligkeit knüpfe, müsse ein Wesen da sein, das diese Glückseligkeit zur Folge der Tugend macht. Das könne nur ein intelligentes, den "höchsten Wert der Dinge" bestimmendes Wesen, "Gott", sein, durch das Vorhandensein der Tugend wird uns deren Wirkung, die Glückseligkeit, verbürgt und durch diese wieder das "Dasein Gottes". Und weil ein sinnliches Wesen, wie es der Mensch ist, die vollendete Glückseligkeit nicht in dieser unvollkommenen Welt erreichen kann, so muss sein "Dasein über dies Sinnendasein" hinausreichen, das heißt die "Seele" müsse "unsterblich" sein."


Worüber wir also nichts wissen können: das zaubert Kant aus dem moralischen Glauben an die Stimme der Pflicht hervor. Die Hochachtung vor dem Pflichtgefühl war das, was ihm eine wirkliche Welt wieder aufrichtete, als unter Humes' Einfluss die Beobachtungswelt zur bloßen Innenwelt herabsank.


In "schönen Worten" kommt in seiner «Kritik der praktischen Vernunft» diese Hochachtung zum Ausdruck: «Pflicht! du erhabener, großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst», der du «ein Gesetz aufstellst ... vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich im Geheimen ihm entgegenwirken,...»


Dass die höchsten Wahrheiten keine Erkenntniswahrheiten, sondern moralische Wahrheiten seien, das hielt Kant für seine Entdeckung. Auf Einsichten in eine übersinnliche Welt muss der Mensch verzichten; aus seiner moralischen Natur entspringt ihm Ersatz für die Erkenntnis. Kein Wunder, dass Kant in der unbedingten, rückhaltlosen Hingabe an die Pflicht die höchste Forderung an den Menschen sieht. 


Eröffnete diesem die Pflicht nicht einen Ausblick aus der Sinnenwelt hinaus: er wäre sein ganzes Leben hindurch in diese eingeschlossen. Was also auch die Sinnenwelt verlangt: es muss zurücktreten hinter den Anforderungen der Pflicht. Und die Sinnenwelt kann aus sich selbst heraus nicht mit der Pflicht übereinstimmen. Sie will das Angenehme, die Lust. 


Ihnen muss die Pflicht entgegentreten, damit der Mensch seine Bestimmung erfülle. Was der Mensch aus Lust vollbringt, ist nicht tugendhaft; nur was er in der selbstlosen Hingabe an die Pflicht vollführt. Unterwerfe deine Begierden der Pflicht: das ist die strenge Aufgabe der Kantschen Sittenlehre. Wolle nichts, was dich in deiner Selbstsucht befriedigt, sondern handle so, dass die Grundsätze deines Handelns die aller Menschen werden können. In der Hingabe an das Sittengesetz erreicht der Mensch seine Vollkommenheit. 


Ein Ethos, der die vermeintlich sittlichen Grundsätze der Menschheit, ihre moralische Gesamthaltung inne hat. Die Ethik umreißt dabei die Grunddisziplin der praktischen Philosophie und wird daher auch als Moralphilosophie bezeichnet.


Der Glaube, dass dieses Sittengesetz in erhabener Höhe über allem anderen Weltgeschehen schwebe und durch ein "göttliches Wesen" in der Welt verwirklicht werde, das ist nach Kants Meinung wahre Religion. 


Sie entspringt aus der Moral. Der Mensch soll nicht gut sein, weil er an einen "Gott" glaubt, der das Gute will; er soll gut einzig und allein aus Pflichtgefühl sein; aber er soll an "Gott" glauben, weil "Pflicht ohne Gott" sinnlos sei. 


Das ist «Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft»; so nennt Kant sein Buch über religiöse Weltanschauung.


Alles was Menschen aussagen, sind letztlich Wertungen (auch » Kalküle » oder » Urteile » genannt). Alle Glaubensinhalte, Ideologien und Naturwissenschaften - ursprünglich subjektiven - Theorien werden erst  dann gültig, wenn sie von einer repräsentativen Gruppe als wahr anerkannt sind. 


Werte sind daher niemals unabhängig (= objektiv) Wahres, sondern stets nur transportierte! Bilderbögen, die von Bewusstsein(en) (grob: Gehirn(en) via Reizübertragung = elementare Zustände (Interferenzen) entworfen werden. 


Was das Photon ist, ist widersprüchlich und Widersprüche sind in der Naturwissenschaft verboten! Durch die Relativitätstheorie Einsteins ist klar, dass letzteres keine Ruhmasse haben darf, da es sonst die Lichtgeschwindigkeit c aus Trägheitsgründen nie erreichen würde.

Licht ist weder Welle noch Partikel. Es kann interpretiert werden einmal als Welle und einmal als Photon. Dieser letzte Rest der Vorstellbarkeit, ist mit der Einführung der virtuellen Teilchen der Quantenphysik eindeutig dahin - von eindimensionalen Strings und » Membranen» gar nicht erst zu reden.

Die Dimensionen sind in Folge dessen nicht mehr ganzzahlige (also vorstellbar, solange man sich auf drei beschränkt) sondern n - zahlige (wobei schon die sogenannte 4. ganzzahlige als räumlich gekrümmte nicht mehr vorstellbar ist - und als nicht räumliche schon gar nicht), darunter auch die fraktalen, also gebrochen - zahligen.

Paradoxerweise hat sich die Unvorstellbarkeit des 4-D - Raumes in der Fach - und Literaturwelt durchgesetzt. Mit dem » "Entdecken" » dieser Fraktale als Basis der modernen Chaostheorie, erhielt das Gegensatzpaar Ordnung - Chaos, tatsächlich eine neue Dimension.


Die Ordnung ist plötzlich auch chaotisch, das Chaos hingegen auch geordnet. Das alte Symbol des Tai - Chi, in dem Yang in Yin übergeht und es miteinschließt und umgekehrt, ist durch die Theorie der Fraktale plötzlich auch naturwissenschaftlich aktuell geworden.


Auf uns wirken kann nur Drei - Dimensionales. Dimensionen sind aber bloß Konstrukte des menschlichen Geistes. Die drei Dimensionen des Raumes (Länge, Breite, Höhe), jeweils rechtwinkelig aufeinander gedacht, sind formalisierte Abstrationen des Ausgedehnten.


Sie haben als reine Abstraktion selbst keine eigene Existenz, sondern fungieren bloß als Ordnungsgerüst des ordnen - müssenden menschlichen Geistes; zumindest im Bereich seiner » Vernunft ». Die reduktionistische Erklärung des Geistes durch die Neuromolekularbiologie, fand als letzte » Kränkung » des Menschen bereits statt.


Als solche Ordnungsmuster können Dimensionen allerdings zur rationalen Erklärung der Welt herangezogen werden - sie müssen es sogar, da sich sonst keine Ordnungen (= Hierarchien) !!! aufstellen lassen

Im dimensionalen Ordnungsschema entspricht nun


1. die Null - Dimensionalität dem Möglichen noch nicht Verwirklichten.


*Im Formalismus der Mathematik entspricht diese Null - Dimensionalität dem Ausdehnungslosen! - Punkt (Wissenschaftler sprechen hier gern von punktförmig); in der Physik der kleinsten Einheit des jeweils Messbaren.


*Also Ladungen !!! Ladungen werden nur wirklich, wenn sie abgegeben (oder gemessen) werden: indem sie - mit anderen - wechselwirken !!!


Da Ladungen (= Eigenschaften) nichts Vorstellbares sind (und als Null-Dimensionales auch nicht vorstellbar sind)!, werden sie als» (Elementar-) Teilchen» (!) oder » (Zustands-) Welle» (!) umgedeutet. Die Klammerbegriffe weisen aber darauf hin, daß es sich nicht wirklich (bzw. realiter) um Ausgedehntes oder Schwingendes handeln kann.


Leider wird in der Physik hier aber sehr oft das - falsche - Abbild von Ausgedehntem und Schwingendem mit transportiert (Durchmesser, Masse, Geschwindigkeit, Spin und Isospin etc.)


2. Die Ein - Dimensionalität entspricht im Formalismus der Mathematik der Abstraktionsform einer sich nur in die Länge erstreckenden Linie; die Physik versucht diesen Formalismus als» in der Zeit bewegtes» (= Dauerndes, dargestellt, als auf einer » Weltlinie» » im» Raum Seiendes; oder besser: den Raum - oder, das entsprechende » Feld» Schaffendes) Ein - Dimensionales - mit dem Begriff des String zu fassen. 


Medium der Ein - Dimensionalität ist also die Zeit, genauer gesagt, die Dauer, da Zeit bereits eine gedankliche Verknüpfung von Veränderung (also Bewegung) und Beobachtung (als Erinnerung) ist. Denn ohne Bewusstsein keine Zeit, das steht fest.


Nur » in der Zeit existieren » , also » dauern » kann aber Ein Dimensionales nicht, da nur Drei - Dimensionales dauern, das heißt Existenz haben kann.


3. Daher muss reales Drei - Dimensionales über das wirkende Zwei Dimensionale eine (untrennbare) Einheit (= Trinität) ergeben.


Dabei entsprechen den Zwei - Dimensionalen im Bild der Physik die Kräfte oder Wechselwirkungen, die das Ein - Dimensionale (die Strings) zum Drei Dimensionalen konkretisiert - was den physikalischen Wechselwirkungstheorien durchaus entspricht.


Die Felder der Kraftpotentiale (der Begriff » Potential » ) drückt schon aus, was er meint, es ist die Möglichkeit zur Verwirklichung) oder besser Potentiale der Wechselwirkungen - vier kennen wir zur Zeit:


Schwache und starke Kernkraft, Elektromagnetismus und Gravitation


werden wirklich (= wirken bzw. sind meßbar) nur bei konkretem Vorhandensein von Drei - Dimensionalem und sei es als schieres Elementar » teilchen » das als Meß » fühler» fungiert, durch das erst eine Wechselwirkung mit dem Feld induziert wird (= Messung !!!)


Zwei - Dimensionales ergibt ohne Ein - oder Drei - Dimensionales keinen Sinn - es ist Begriffsleer und fungiert nur als Bindung. Bindung ist hier nicht als » Klebstoff» - also als getrennt existierendes Drittes zu verstehen (wie das physikalische Bild der Bindungs» teilchen» es insinuiert!, sondern als erst Ermöglichendes.


Genausowenig wie es kein oben ohne unten, kein vorne ohne hinten, kein rechts ohne links gibt und alle Begriffe nur Sinn als » Richtung» ergeben (die Dreidimensionalität ergeben), gibt es nichts Dreidimensionales, ohne dass es zwei - Dimensionales » mit» Ein - Dimensionalem » aus» Null Dimensionalem (dem Möglichen) schafft (in die Wirklichkeit bringt).


Unter Anführungszeichen müssen » mit und » aus » deshalb stehen, weil unsere Sprache als Kommunikationsmittel dreidimensionaler Wesen in einer dreidimensionalen Welt nur auf Drei - Dimensionales rekurieren kann.


Drei - Dimensionales ist also immer das Verwirklichte, das sich aus der Möglichkeit des Null - Dimensionalen via Ein - Dimensionales durch das Zwei - Dimensionale realisiert = vereinzelt hat. Erst als dieses Ausgedehnte (formalisiert im Dimensionstripel) kann es auf uns wirken und vorgestellt werden; erst von ihm können wir uns Bilder machen. Also das Potential, dass Mögliches wirklich wird bzw. Wirkliches hervorbringt.


Die Frage ob es Gravitation gäbe, wenn es keine Masse gibt (oder Licht, wenn es keine Körper gibt, das es aussendet oder reflektiert) ist müßig: natürlich nicht, da ein Feld » nur» das Potential des - gemäß seiner Möglichkeit - Verwirklichten ist und nichts An - sich - seiendes darstellt.


» Gemäß seiner Möglichkeit » meint nichts anderes als daß nichts x - Beliebiges entstehen (= werden) kann, sondern nur Mögliches.
 


Was das Mögliche und das Unmögliche (sofern es letzteres überhaupt gibt, denn der Widerspruch steckt bereits im Wort) ist , versucht die Physik heraus zu bekommen. 


Da wir uns aber, und das ist entscheidend nur nach dem Verwirklichten als Prüfstein richten können, ist dieses gesteckte Ziel ein prinzipiell unerreichtes !!!


Null-, Ein - und Zwei - Dimensionales sind daher grundsätzlich nicht vorstell - und abbildbar. Sie existieren nicht als Null-, Ein und / oder Zwei -Dimensionale; sie bringen aber Drei -Dimensionales hervor, lassen es in Existenz treten (lat. exsistere = heraustreten)


Da nur bereits Bewegtes anderes bewegen kann, führt die Suche nach einer kausalen ersten Bewegung in den unendlichen Regreß, da Kausalität als Ursache Wirkungskette immer auch den Begiff der Zeit beinhaltet. (Sie ist eine Kategorie des Bewusstseins)


Das Bewußtsein bildet das größte Hindernis auf dem Weg zu einem wissenschaftlichen Verständnis des Menschen und des Universums.


Im formal Abstrakten der Mathematik gibt´s zwar Unendlichkeiten nicht aber im inhaltlich Konkreten der Physik. (Die Gleichung muss sozusagen » sinnvoll » endlich  ( = Ergebnis) interpretiert werden.


Da die Welt selbst aus Endlichem besteht und Unendliches nirgendwo als konkretes, Realisiertes, einzelnes auftreten kann (weil ein konkretes Einzelnes niemals unendlich sein kann), kann das (Natur-) Geschehen in der Welt nicht Ergebnis einer unendlich kausalen Verkettung von Bewegungsanstößen sein !!! - sondern muss Bewegung akausal begründet sein.


- Prof. Dr. h.c. A. Zeilinger (Quantenphysiker):


https://www.derstandard.at/story/2000139790280/nobelpreistraeger-anton-zeilinger-pfeif-drauf-was-andere-sagen


Quanten sind reine Konstrukte - Er - Findungen des menschlichen Geistes   (besser unseres Bewußseins), mit denen wir Meßergebnisse » dingfest » machen. Wir erfinden Dinge, die keine sein dürfen ! , denen wir unsere Meßergebnisse aber zuordnen (aufprägen). Und selbst diese messbaren Zustände, werden von jenen erst in Ihren Meßapparaturen (Detektoren) realisiert. 


Zitat: Prof. Dr. Zeilinger


» Wir kommen nicht um die Schlußfolgerung herum, daß wir nur über bestimmte experimentelle Ergebnisse sprechen können, die auf Messungen beruhen» . » Bin kein Freund des EPR - Effekts (Paradoxon) - (Einstein, Podolsky, Rosen) sondern der Kopenhagener Deutung, wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden. »


Angesichts solcher Konstrukte, drängen sich Analogien mit irrational Metaphysischem (dem nicht direkt Erfahrbaren. Aber wer hat schon je ein W - Boson direkt erfahren? 


Wie verhält es sich mit Photonen und Elektronen? Photonen haben keine Ruhmasse, repräsentieren also - weil nicht träge, weder beschleunigbar noch abbremsbar, ergo nicht veränderbar - keine vereinzelten, konkretisierten Existierende. Elektronen haben nach der Heisenbergschen Unschärferelation keinen gleichzeitig bestimmbaren Ort und Impuls. Sind sie noch vereinzelte, konkrete Existierende?


Nein. Man spricht auch heute eher von » verschmierter Elektronenwolke » mit Wahrscheinlichkeitszuständen.

Die schwache und die starke Kernkraft » besteht » aus Vektor-Bosonen und Gluonen (vom Englischen to glew = zusammenkleben), die ebenfalls als Feldquanten gelten. Alle diese Feldquanten werden selbst als Elementarteilchen (Bindungs-Teilchen) verstanden, die mit anderen Elementarteilchen (Materie-Teilchen) wechselwirken und ausgetauscht werden können (Wechselwirkungsquanten). Siehe Quantenfeldtheorie.


Die vier Kräfte werden unter dem weitläufigen Begriff der Energie (in diesem Fall: Feldenergie) zusammengefaßt. Die Definitionen » Energie ist gleich Arbeit in der Zeiteinheit » oder » E = mc² » sind nur zwei willkürlich herausgegriffene Formalismen von vielen. Was Energie » wirklich » ist, weiß niemand, wobei der Begriff » wirklich » schon ausdrückt, was etwas (z. B. Licht als ein Spezialfall der elektromagnetischen Feldenergie) für uns nur sein kann: das nämlich, als was es auf uns wirkt.

Kant, der die Möglichkeit von Metaphysik als Wissenschaft verneinte und damit im Denken der Neuzeit eine tief greifende Zäsur verursachte, war sich seiner Entscheidung wohl bewusst. 


Unsere Gesellschaft bewegt sich allerdings auf der Ebene der irrationalen Metaphysik. Die Rationale Metaphysik ist das, was quasi hinter der Natur kommt. Ursprünglich die Schriften des Aristoteles, die ersten Prinzipien und Ursachen des seins. 


Die Irrationale kostruiert Bilderbögen, die über die sinnlich körperlich - erfahrbare Welt hinausgehen (z.B. die Ideen "Gott", Freiheit, "Unsterblichkeit"), die der erfahrungswissenschaftlichen Forschung vorausgehen bzw. ihr zugrunde liegen !


Die Natur der Fehler liegen auf der Hand.
 - Sie liegt im Konstruieren von Bildern, wo Bilder nichts verloren haben. Und wenn sich Naturwissenschaft und irrationalistische Metaphysik voneinander unterscheiden, dann nur in der Qualität der von Ihnen verwendeten Bilder.


Warum gilt aber dem »aufgeklärten Geist» des logisch - kausalen denkenden Rationalisten das rationalistisch Metaphysische als obskur oder zumindest unwissenschaftlich, das Naturwissenschftliche aber als »richtig» , »zeitgemäß» und »wahr» und als die Welt in ihrem sosein ( = Objektivität) zutreffend beschreibend?


Herrschen hier nicht Willkür oder gelinde gesagt - Ignoranz vor, wo doch zwar im Bereich der irrationalen Metaphysik gravierende Vorstellungs Fehler begangen werden, nicht aber im Denkgebäude der rationalistischen Metaphysik - wohl aber in der heutigen popularisierenden Naturwissenschaft ?


Verkommt die irrationalistische Metaphysik zu einer durchaus anschaulichen aber mit inadäquaten Bildern erfüllten Welt eines »Jenseits» , plagt sich der Wissenschaftsgläubige mit ebensolchen 
inadäquaten Bildern aus einer mathematisierten Modellwelt des Abstrakten.


Nur die rationalistische Metaphysik - und der kluge Physiker! - begehen den Fehler des Abbildens nicht. Die Ideen Platons sind keine Bilder. Nach Platon ist vielmehr unsere reale Welt nur ein Quasi - (Ab-) bild der Ideen in unvollkommener Konkretion, der an sich idealen Ideen.


Deren Wesen könnte man am besten mit »Allgemeinbegriffe» in die heutige Sprache (und in heutiges Verständnis) übersetzt werden.


● Jeder Zivilisationsstufe ihr entsprechendes anthropomorphes Bild !  
● der    Kausalität    verpflichtet    sind    sie   alle.


Da gibt es in Österreich einen unerlösten Wiener Kardinal ( In seinem "Kirche In" Artikel, einer in Österreich erscheinenden katholischen Zeitschrift oder auch Kirchenblatt genannt.  ), jede Menge Bischöfe, Priester, und „Gläubige“ („Laien“ nennt man letztere wohl) und Machtgierige Gerontokraten in Rom wie zuletzt Benedikt XVI und aktuell Papst Franziskus, die sich einen „Sohn Gottes“ zu Ostern (und nicht nur dann) ausdenken und verehren und anbeten und um Heil anflehen,… in getreuer Nachfolge des,... nein ! - nicht des Petrus.


- Diese Verirrung hatte Paulus initiiert! Petrus wäre zu dumm und zu feige dazu gewesen. (Die Paulinische Auferstehungskirche)


Seither stirbt der „Erlöser“ jedes Jahr zu „Ostern“ und aufersteht nach drei Tagen wieder unter Glockengebimmel … Das ganze Jahr über aber gilt diese Transsubstantiation: Die Hostie – nein: nicht „symbolisiert“ – sondern ist, jawohl ist der Leib des Herrn ! Zumindest für Katholen.


Kann man als Nachaufgeklärter wirklich so etwas glauben? Die Juden lachen sich einen ab darüber, rund eine Milliarde Muslime nennen die Christen u. a. auch deswegen „ungläubig“, und die restlichen 4,5 Milliarden Erdkrustenbewohner verlieren an solche Denkkapriolen nicht einmal einen Gedanken, ja, sie kennen solche Verirrungen gar nicht ! …



Da aber »"Gott"» einmalig ist (im geistigen Haus der Kardinäle sogar eine Person!) wie ihn die Gerontokraten in Rom und im speziellen Kardinal Schönborn in seinem » Kirche - In » Artikel (Wiener Kirchenblatt) bezeichnet: die Einmaligkeit eines jeden Menschen 

(» Einverstanden Eure Eminenz » ) wird von jenem auf die genetische Einmaligkeit reduziert. (was ja auch stimmt, zumindest unter evolutionären, vom Mensch nicht modifizierten biologischen Umständen und die (perfekte) Synthetische Biologie nicht mit einbezogen; diese hat mit der Evolutionsbiologie nichts mehr gemein,...)



Es wird von Schönborn aber mit keinem Wort erwähnt, daß auch die (Lebens-) Geschichte (das » vermeintliche Schicksal » ) eines jeden Menschen einmalig ist. Hingegen strapaziert Er die » Würde » - und führt diese auf » "Gottes" » Bild und » Gleichnis » (Gen 1,26) zurück, als ob »"Gott"» Würde bräuchte und wir dessen Abklatsch! 


Tja - Schön-borniert, Würde ist ein Gesellschaftsphänomen. Da aber »"Gott"» einmalig ist, (im geistigen Haus des Kardinals (der Kardinäle) sogar eine »Person»: wem gegenüber hätte er es denn nötig, würdig zu sein ?


Ficht es den Mond an, wenn ihn der Hund anjault !?


Die Olympischen mußten sehr wohl würdevoll sein - Sie waren ja auch eine himmlische Schar und der olympischen Gruppendynamik gehörig unterworfen. Der Vielen wichtigster war Altvater Zeus. - Aber "Gott" der Eine? - Herr Kardinal! Es wäre verwunderlich gewesen, hätte  Schönborn in seinem Artikel nicht auch das Leben per se als Zeugnis der »Existenz» "Gottes" angeführt: Er zäumt dabei das Pferd vom Schwanz auf. - Man könnte auch sagen: mit Würde das Pferd vom Schwanz her aufzäumen, wenn dieser argumentiert:


» es seien auf unserem Planeten eine ganze Reihe von Voraussetzungen notwendig, ohne die kein Leben möglich wäre ». So geht´s natürlich auch, und der Unbedarfte bornierte Bürger wird ihm händeklatschend in sein geistiges Haus folgen. Dabei ist es »bloß» umgekehrt: 


Leben muß permanent entstehen - und zwar im gesamten Universum, wo sich Flüssigkeiten realisieren - wegen des Transports von Information (DNA ist nichts anderes als Information). Warum ? - Weil »"Gott"» sonst gar nicht wäre! Also ist auch irdisches Leben entstanden, und zwar nicht, weil die Voraussetzungen so waren, sondern weil eben diese Voraussetzungen dieses Leben hervorgebracht haben: andere Voraussetzungen, anderes Leben, sprich: eine andere Art von Evolution. Evolution aber allemal und ubiquitär im All.


Vielfach wird von Schönborn erwähnt, dass »"Gott"» diese Welt » zusammenhält » (und dadurch vor dem Absturz in die »Grube» des Nichts bewahrt), damit sie Schritt für Schritt höhersteige. In diesem Fall stimmen wir Schönborn sogar zu:


die Evolution ist tatsächlich schöferisch - wie jeder Mensch übrigens auch. Weil es notwendig ist, daß das Fortschreiten in der Natur kontingent (gerne verwenden wir Ihren Begriff der Scholastik) erfolgt. Erfolgte es nämlich nicht notwendigerweise kontingent, wäre Neues gar nicht möglich. In diesem Sinne ist natürlich auch die Evolution nicht » autonom », wie K. Schönborn seinen Leser zu glauben auffordert.


Ehrlich zu sagen, daß dieser »"Gott"» nur ein Produkt (Übervater) menschlicher Phantasie ist (Sigmund Freud), muß natürlich als schlimmste » Todsünde » zumindest nach Ansicht des Aquinaten gelten. [(Thomas v. Aquin(o)] Auch das gern verwendete Argument der Kirche vom »Niedrigen» zum »Höheren»  ist dualistisch. » Niedrig »  und » hoch »  sind relative Begriffe,  für die wir das Absolute sind und es bedarf wirklich keines » orientierenden organisierenden Wirkens »  um » Höheres aus » Niedrigem »  zu generieren. 


Es gibt für die Kirche natürlich auch » innerweltlich »  und » außerweltlich »  - die klassische Dualität, mit der jede Religion die eine Welt auseinanderreißt. Das mit dem » außerweltlich » erinnert uns nochmals an den päpstlichen Mörder Giordano Brunos, Clemens VIII.

Der hatte seinerzeit argumentiert, die Welt könne nicht unendlich und ewig sein, wie Bruno (Dominikaner) behauptete, denn sonst bliebe für Gott kein Platz mehr übrig,...


»"Gott"» braucht also Platz! Glaubt(e) die Kirche das wirklich? Nach der Kurie kann man sogar » aus » dem Nichts kommen! (sic!) - Wie aus der Kirche! oder dem Bordell. - Das Nichts als Herkunftsort,... Das Nichts als » Grube » , in die das sein fallen kann, wenn es vom Übervater, von dem man sich aber kein Bild machen soll! ( patriarchalisch ) = Vaterherrschaft in einer Zeit, wo Frauen auf der Ebene von Sklaven fungierten. 


Da verwundert wenig, dass die weibliche Eizelle der Säugetiere und des Menschen erst ! 1827 durch einen Zoologen wohlbemerkt, entdeckt wurde. Vorher hat man der Frau jegliche Beteiligung an der Entstehung menschlichen Lebens aberkannt.


Dem Nichts kommt Sein gar nicht zu - also kann es nicht sein oder gar andauern, da, wie jeder Kardinal von Augustinus her weiß (siehe auch Kant), alles der Zeitmessung Unterworfene andauern muß, und ohne Veränderung des Dauernden Zeitempfinden gar nicht möglich wäre. Um diese Fundamentaleinsicht zu verschleiern wird Gott von der Kirche zu einem Büttel der Kausalität und der Logik interpretiert. 


In puncto reproduzierbaren Ab - Bildern, durch Fantasie kreativ, schöpferisch, geht das Bilderverbot des Islam übrigens auf diese »Einsicht» zurück, und basiert auf "Gottes Auftrag" Moses gegenüber (Exodus 20,4-5). Die Mißachtung dieses Gebotes und die Konstruktion des Goldenen Kalbes (als Bild eines Bildes) führte übrigens zur Massenabschlachtung von 3000 Israeliten durch die Leviten (Exodus 32, 1-6; 25-29).


In allen drei Denkbereichen, sowohl in jenem der irrationalen Metaphysik und des Glaubens als auch in dem der Naturwissenschaft, ist die Grenze zum Verständlichen längst überschritten.

In allen drei Bereichen gelten Wahrheiten nur aufgrund willkürlicher Bilderbögen, die einzig und allein ihre Ursache in der unanschaulichen Natur des mit ihren Hilfe Vor - oder Dargestellten haben.


Jeder Solipsist (er vertritt die Auffassung daß allein das ich mit seinen Erlebnissen wirklich, die Gesamtheit der wahrgenommenen Außenwelt dagegen bloße Vorstellung sei...bei Stirner wird´s dann noch fataler...etc.) wird argumentieren, daß schon der »Terminus» » entworfen» voraussetzt, daß die Welt eines jedem nur in seinem Bewußtsein da ist. - Bingo! 


- Verbleibt nur zu » konzedieren » - Solipsisten sind per se nicht aushebelbar. Der Unterschied zum Realistischen Konstruktivisten besteht allerdings darin, daß jener dem an sich (und nur!) logischen Standpunkt des Solipsisten den Primat des Praktischen entgegensetzt und wie Rupert Riedl ( - Erkenntnisvermögen als Produkt Biologischer Evolution) als auch (Konrad Lorenz, Werke: Das sogenannte Böse - Zur Naturgeschichte der Aggression 1963 usw.) argumentiert:


dieser stellt sich einige Solipsisten in der Steppe im Schatten eines Baumes vor. Plötzlich nähert sich ein Nashorn und greift an. Riedl verwettet alles dafür, daß sich selbst der radikalste Solipsist auf den Baum flüchtet- wo sich doch (der Überzeugung des Solipsisten nach) das Nashorn nur im Kopf des Erlebenden befindet!


Leider hat sich auch die Naturwissenschaft auf diese Art Ihres Fortschreitens tatsächlich von dem entfernt, was sie ursprünglich beabsichtigt hatte: die Welt erklären zu wollen. Heute erklärt sie nur noch scheinbar:


Sie formuliert die Welt in 
mathematische Funktionen n - dimensionaler, fraktaler Wahrscheinlichkeiten; postuliert chaotisch - strukturierte Ordnungen (nur in der Alltagssprache ein Widerspruch!) und berechnet die Wahrscheinlichkeit mit der computeranimierte Modelle der » Wirklichkeit » entsprechen. Vorstellbar ist längst nichts mehr im Gebäude der Physik;

Demokrits » Atome und das Leere » haben sich aufgelöst in unanschauliche Kräfte, von denen die einzige permanent erlebbare, die Gravitation nämlich, zwar Ihren Platz im physikalischen Bild der Wechselwirkungen hat, im Grunde genommen aber überhaupt nicht erklärt ist. Weder sind Gravitationswellen noch ist das Graviton experimentell nachgewiesen.

Der »"Gott"» des Paulus (1 Kor 12,6) lautet modifiziert: » Sein » » Werden » alles in allen; denn der »Gott» des Paulus braucht keinen Platz; er braucht unabzählbar viele, als Welt nämlich, die ohne Anfang und Ende ist, aber Raum schafft für die vielen notwendigen Orte, an denen »"Gott"» sich realisiert(e); 


"Er" braucht Platz, sich permanent als Selbstbewußtsein zu verwirklichen, sich (!) und zwar ohne (sic!) ein scholastisch methodisches Schema (» sic et non» ), wie die Kirche es anbietet, zu schöpfen, kontingent natürlich, (lat. contingere, Begriff der Scholastik) aber notwendig. Warum wird von der Kirche auseinandergerissen, was Eines aber polar ist? Gott ist diese Notwendigkeit, sich in permanenter Veränderung des Da - Seienden zu manifestieren (!) Gott realisiert sich auf allen Plätzen ( = Orten) des Raum - (Zeit)  Veränderungs - Kontinuums (!) Gott hält uns nicht an der Leine, sondern er verwirklicht sich ewig (und nicht erst seit 20 Milliarden Jahren, wie uns die Urknaller mit päpstlicher Schützenhilfe weismachen wollen!) als Selbst in jedem Lebendigen, das zu Selbstbewußtsein evolviert ist.


Natürlich sind wir das "Ebenbild Gottes" - wir sind »Er» (die Feministinnen mögen uns abermals verzeihen): aber als einzelne eben nur Teil seiner Ganzheit, aber nicht das Ein - Alle selbst, das bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Diese Ganzheit (= das »Selbst» ; die Kirche nennt » IHN » »Person» , was sehr mißverständlich sein kann, denkt man dabei doch eher an ein Individuum als an die Identität von Gott und Welt!) ist »ER» - aber in und durch uns! Gott braucht die Welt, er ist durch sie!: 


durch Selbstbewusstsein, das sich als sein Ebenbild weiß.


Pantheismus ?


Hatte Giordano Bruno einen solchen verkündet? Mitnichten!


Giordano Bruno, verbrannt auf dem Campo di fiori, dem Blumenmarkt in  Rom, mit der spanischen Birne im Mund, bei künstlich kleingehaltener Flamme, damit seine Qual länger daure;» Mit größerer Furcht verkündet ihr das Urteil, als ich es hinnehme» , waren seine letzten Worte gewesen; er  hatte seinerzeit behauptet, dass das Weltall unendlich sei, was ja auch  stimmt;


Autonom ist Selbstbewusstsein, und auch das nur, wenn es will und sich gegen andere behaupten muß! Seit wann hätte die Evolution oder gar »Gott» ! Willen? Willen benötigt man nur, um sich gegen andere oder Bedrohendes durch - oder für Interessierendes einzusetzen. Gegen wen oder wofür hätte "Gott" sich »durch» - oder gar »einzusetzen» ?


Nur aus (Kopier-) Fehlern ergibt sich Neues (mituner auch Komplexeres) Schönborn ist von Darwin nicht überzeugt. In der evolutionären Natur, aus welcher der homo sapiens sapiens, der Mensch existenziell herausgetreten ist, ist nichts perfekt (In der Synthetischen Biologie, der Biologie unserer Zukunft, durchaus). 


Aufgrund dieser evolutionären Kopierfehler, sind auch Homosexuelle und Intersex - Menschen (Zwitter) evolutionär existenziell in Erscheinung getreten. Um diese Fundamentaleinsicht zu verschleiern, wurde aus dieser Tatsache resultierend, in den USA durch John Money, die heutige Genderideologie generiert. 


Dort wird, ganz im Sinne der Gender-Ideologie, auf Grundlage schwer nachvollziehbarer Bibel - Interpretationen, die „Frau- gleich Mann - Weltanschauung" propagiert, einschließlich einer Befürwortung von Eheschließung homoerotisch veranlagter Männer und Frauen („Homo-Ehen").  


Eine der Natur zuwiderlaufende - kontraproduktive Erscheinung - wurde verherrlicht. Dies sollte selbstverständlich ebenso wenig stattfinden, wie die Diffamierung dieser Spezies Mensch (dieser anders gearteten Menschen), die aus ebensolchen Kopierfehlern entstanden sind. Fest steht aus evolutionärsbiologischer Sicht: sie stellen keine reproduktiven Individuen dar (da sie sich selbst nicht reproduzieren können wie bespielsweise Mangroven) und sind ein Produkt (Begleitumstand) einer eben nicht perfekten Evolutionsbiologie; denn sich selbst befruchtende Zwitter (Hermaphroditen) sind eher eine Seltenheit.


Die Evolution ist daher notwendigerweise auf die Selbstverwirklichung »"Gottes"» hin ausgerichtet. Das ist freilich nicht ein Ziel, wie ein Fußballer ein Tor schießen möchte; es ist ein Ziel, das immer schon erreicht ist: Durch den ewigen einen (!) "Gott", der sich in den unzähligen Selbstbewusstseinen dieser Welt zu allen Zeiten verwirklicht - und in der Vielzahl der Dinge realisiert. (Formen des Lebens = mechanischer Ordnungspunkt von Materie - lokale Mechanismen kooperativer Systeme, die sich gegen andere, notwendigerweise durchsetzen. 
- Konrad Lorenz: »Das sogenannte Böse» - zur Naturgeschichte der Aggression (Evolution) 


»"Gott"» (als grammatikalisches Neutrum) ist ewig - aber »SEINE» Welt auch. Und hätte » ER» uns (die Feministinnen mögen uns verzeihen) nicht das von Schönborn angekreidete 

» vernünftige Verstehen » mitgegeben, hätte »ER» sich selbst ausgetrickst und damit sich und die Welt verunmöglicht. 


Das ist aber nicht einmal »IHM» möglich: Denn »ER» ist Potenz, nicht aber Inpotenz!


Daher gibt es »IHN» (Feministinnen mögen uns abermals verzeihen) und die Welt: aus Zwang zum Sein
Schöpfungsmythos ade. (Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage) Zur permanenten Schöpfung aber ja ! Das heißt natürlich überhaupt nicht, daß das, was Christoph Schönborn seinen unkritischen Lesern wohl glauben machen will - » blindes Vexierspiel, willkürlichen Zufalls »  walte: - mitnichten, Eure Eminenz:


auch Zufälle unterliegen den beschränkten Möglichkeiten ihres Auftretens und sind niemals » blind »; denn Zufall ist ja nur eine Metapher für: » Ich kann keine kausale   Verknüpfung erkennen » und hängt damit von zwei Prämissen ab: vom Glauben an die unbedingte Gültigkeit der Kausalität und von der Erkenntnisfähigkeit   des Urteilenden. Zufall ist also nie etwas an sich seiendes, etwas das es außerhalb menschlichen Denkens bzw. Begreifens gäbe, sondern nur Ausdruck der Beschränktheit menschlicher Erkenntnisfähigkeit.

Seit dem Beginn der Aufklärung, also seit gut 300 Jahren, hat sich das abendländische (westliche Hemisphäre) Denken der absoluten Widerspruchsfreiheit verschrieben; was widersprüchlich ist, kann nicht Bestand vor dem scharfen, zweiwertig - logischen Denken des Rationalisten haben.


Widersprüche müssen überwunden werden (das ist der Motor der Technik) schlechthin. Oder sie gelten schlichtweg als falsch(e) Theorie(n) bzw. beschreiben Unwirkliches, Spekulatives, » Metaphysisches »  und werden in den Bereich des Glaubens verwiesen.



Seit dem Aufblühen der Naturwissenschaften hat der Weg, den diese genommen haben, bei vielen Menschen das Gefühl hervorgerufen, aus dem Bild, das sich das Denken von der Natur gestaltet, müsse alles entfernt werden, was nicht den Charakter strenger Notwendigkeit trägt. Auch Kant hatte dieses Gefühl. Er hatte in seiner «Naturgeschichte des Himmels» sogar für ein bestimmtes Naturgebiet ein solches Bild entworfen, das diesem Gefühl entspricht. In einem solchem Bilde hat keinen Platz die Vorstellung des selbstbewussten Ich, welche sich der Mensch des achtzehnten Jahrhunderts machen musste. 


Der platonische, auch der aristotelische Gedanke konnte als die Offenbarung sowohl der Natur, wie diese im Zeitalter seiner Wirksamkeit genommen werden musste, wie auch der menschlichen "Seele" angesehen werden. Im Gedankenleben trafen sich da Natur und "Seele". Von dem Bild der Natur, wie es die Forschung der neuen Zeit fordert, führt nichts zu der Vorstellung der selbstbewussten "Seele".


Kant hatte die Empfindung: es biete sich ihm in dem Naturbilde nichts dar, worauf er die Gewissheit des Selbstbewusstseins begründen könne. Diese Gewissheit musste geschaffen werden. Denn die neuere Zeit hatte dem Menschen das selbstbewusste Ich als Tatsache hingestellt. Es musste die Möglichkeit geschaffen werden, diese Tatsache anzuerkennen. Aber alles, was der Verstand als Wissen anerkennen kann, verschlingt das Naturbild. 


So fühlt sich Kant gedrängt, für das selbstbewusste Ich und auch für die damit zusammenhängende Geisteswelt etwas zu schaffen, was kein Wissen ist und doch "Gewissheit" gibt.


Die selbstlose Hingabe an die Stimme des "Geistes" hat Kant zur Grundlage der Moral gemacht. Auf dem Gebiete des "tugendhaften Handelns" verträgt sich eine solche Hingabe nicht mit derjenigen an die Sinnenwelt. Es gibt aber ein Feld, auf dem das Sinnliche so erhöht ist, dass es wie ein unmittelbarer Ausdruck des Geistigen erscheint.

 




Dies ist das Gebiet des Schönen und der Kunst. Im alltäglichen Leben verlangen wir das Sinnliche, weil es unser Begehren, unser selbstsüchtiges Interesse erregt. (Limbisches Gehirn, die natur(elle) Triebhaftigkeit) Wir tragen Verlangen nach dem, was uns Lust macht.


Es paart sich im Bourgeois ("Bourgeoisie") die "rohe" Triebhaftigkeit des natürlichen Menschen mit der Abhängigkeit des Bürgers von der Gesellschaft. Wie ist dieses Dilemma des modernen Menschen aufzulösen? Eine moderne Gesellschaft führt nach Rousseau zu neuen menschlichen Bedürfnissen, die ihn (den Menschen) dadurch in zusätzliche Abhängigkeiten treiben, um ebenjene neu entstandenen Bedürfnisse zu befriedigen,... 



 


Wir können aber auch ein selbstloses Interesse an einem Gegenstand haben. Wir können bewundernd vor ihm stehen, ohne eigen-ego-befriedigender Lust, und diese Lust kann ganz unabhängig von dem Besitz der Sache sein. Ob ich ein schönes Haus, an dem ich vorübergehe, auch besitzen möchte, das hat mit dem selbstlosen Interesse an seiner Schönheit nichts zu tun. 


Wenn ich alles Begehren aus meinem Gefühl ausscheide, so bleibt noch etwas zurück, eine Lust, die sich rein an das schöne Kunstwerk knüpft. Eine solche Lust ist eine ästhetische. Das Schöne unterscheidet sich von dem Angenehmen und dem Guten. Das Angenehme erregt mein Interesse, weil es meine Begierde erweckt; das Gute interessiert mich, weil es durch mich (mit-) verwirklicht werden kann. Dem Schönen stehe ich u. U. ohne irgendein solches Interesse, das mit meiner Person zusammenhängt, gegenüber.


Wodurch kann das Schöne mein selbstloses Wohlgefallen an sich ziehen? Mir kann ein Ding nur gefallen, wenn es seine Bestimmung erfüllt, wenn es so beschaffen ist, dass es einem Zweck dient. Ich muss also an dem Schönen einen Zweck wahrnehmen. Die Zweckmäßigkeit gefällt; die Zweckwidrigkeit missfällt. Da ich aber an der Wirklichkeit des schönen Gegenstandes kein Interesse habe, sondern die bloße Anschauung desselben mich befriedigt, so braucht das Schöne auch nicht wirklich einem Zwecke zu dienen. Der Zweck ist mir gleichgültig, nur die Zweckmäßigkeit verlange ich. Deshalb nennt Kant « schön » dasjenige, woran wir Zweckmäßigkeit wahrnehmen, ohne dass wir dabei an einen bestimmten Zweck denken.


Es ist nicht nur eine Erklärung, es ist auch eine Rechtfertigung der Kunst, die Kant damit gegeben hat. Man sieht das am besten, wenn man sich vergegenwärtigt, wie er sich mit seinem Gefühl zu seiner Weltanschauung stellte. 


Er drückt das wörtlich so aus:


" Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht ... : der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines tierischen Geschöpfes, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten, (einem bloßen Punkt im Weltall), wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Wert als einer Intelligenz unendlich durch meine (selbstbewusste und freie) Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf die Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen lässt. "


Der Künstler pflanzt nun diese zweckmäßige Bestimmung, die in Wirklichkeit nur im moralischen Weltreich waltet, der Sinnenwelt ein. Dadurch steht das Kunstwerk zwischen dem Gebiet der Beobachtungswelt, in der die ewigen "ehernen Gesetze der Notwendigkeit" herrschen, die der menschliche Geist erst selbst in sie hineingelegt hat, und dem Reich der freien Sinnlichkeit, in der Pflichtgebote als Ausfluss einer "weisen göttlichen Weltordnung" Richtung und Ziel angeben. Zwischen beide Reiche hinein tritt der Künstler mit seinen Werken. Er entnimmt dem Reich des Wirklichen seinen Stoff; aber er prägt diesen Stoff zugleich so um, dass er der Träger einer zweckmäßigen Harmonie ist, wie sie im Reich der Freiheit angetroffen wird.


Der menschliche Geist fühlt sich also unbefriedigt an dem Reiche der äußeren Wirklichkeit, die Kant mit dem gestirnten Himmel und den zahllosen Weltendingen meint, und dem der "moralischen Gesetzmäßigkeit". Er schafft sich deshalb ein schönes Reich des Scheines, das starre Naturnotwendigkeit mit freier Zweckmäßigkeit verbindet. 


Nun findet man das Schöne nicht nur in menschlichen Kunstwerken, sondern auch in der Natur. Es gibt ein Naturschönes neben dem Kunstschönen. Dieses Naturschöne ist ohne menschliches Zutun da. Es scheint also, als wenn in der Wirklichkeit doch nicht bloß die starre gesetzmäßige Notwendigkeit, sondern eine freie, aber dennoch nicht perfekte, Entwicklung zu beobachten wäre. Das Schöne zwingt aber zu einer solchen Anschauung doch nicht. Denn es bietet ja die Zweckmäßigkeit, ohne dass man an einen wirklichen Zweck zu denken hätte. 


Und es bietet nicht bloß Zweckmäßig-Schönes, sondern auch Zweckmäßig-hässliches. Man kann also annehmen, dass unter der Fülle der Naturerscheinungen, auch solche sind, in denen der menschliche Geist eine Analogie mit seinen eigenen Kunstwerken wahrnimmt. Da an einen wirklichen Zweck nicht gedacht zu werden braucht, so genügt eine solche gleichsam akausal vorhandene Zweckmäßigkeit, für die ästhetische Naturbetrachtung.


Anders wird die Sache, wenn wir Wesen in der Natur nach Kants Meinung betrachten. Es sind die organischen Wesen. Zu ihrer Erklärung reichen die notwendigen, gesetzmäßigen Zusammenhänge, in denen sich Spinozas Weltanschauung erschöpft und die Kant als diejenigen des menschlichen Geistes ansieht, nicht aus. Denn ein « Organismus ist ein Naturprodukt, in welchem alles Zweck und wechselseitig auch Mittel, Ursache und wechselseitig auch Wirkung ist ».


Der Organismus kann also nicht so wie die unorganische Natur durch bloß "notwendig wirkende eherne Gesetze" erklärt werden. Deshalb meint Kant, der in seiner « Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels » selbst den Versuch unternommen hat, die « Erfassung und den mechanischen Ursprung des ganzen Weltgebäudes nach Newtonschen Grundsätzen abzuhandeln », dass ein gleicher Versuch für die organischen Wesen misslingen müsse. 


In seiner «Kritik der Urteilskraft» behauptet er


" Es ist nämlich ganz gewiss, dass wir die organisierten Wesen und deren innere Möglichkeit nach bloß mechanischen Prinzipien der Natur nicht einmal zureichend kennen lernen, viel weniger uns erklären können; und zwar so gewiss, dass man dreist sagen kann, es ist für den Menschen ungereimt, auch nur einen solchen Anschlag zu fassen, oder zu hoffen, dass noch etwa dereinst ein Newton aufstehen könne, der auch nur die Erzeugung eines Grashalms nach Naturgesetzen, die keine Absicht geordnet hat, begreiflich machen werde; sondern man muss diese Einsicht dem Menschen schlechthin absprechen. "


Mit der Kantschen Ansicht, dass der menschliche Geist die Gesetze, die er in der Natur vorfindet, selbst erst in sie hineinlege, lässt sich auch eine andere Meinung über ein zweckmäßig gestaltetes Wesen nicht vereinigen. Denn der Zweck deutet auf denjenigen hin, der ihn in die Wesen gelegt hat, auf den "intelligenten Welturheber". 


Könnte der menschliche Geist ein zweckmäßiges Wesen ebenso erklären wie ein bloß naturnotwendiges, dann müsste er auch die Zweckgesetze aus sich heraus in die Dinge hineinlegen. Er müsste also den Dingen nicht bloß Gesetze geben, die für sie gelten, insoweit sie Erscheinungen seiner Innenwelt sind; er müsste ihnen auch ihre eigene, von ihm gänzlich unabhängige Bestimmung vorschreiben können. Er müsste also nicht nur ein erkennender, sondern ein schaffender Geist sein; seine Vernunft müsste, die Dinge schaffen.


Wer die Struktur der Kantschen Weltauffassung, wie sie hier skizziert worden ist, sich vergegenwärtigt, wird die starke Wirkung derselben auf die Zeitgenossen und auch auf die Nachwelt begreiflich finden. Denn sie tastet keine der Vorstellungen, die sich im Laufe der abendländischen Kulturentwicklung dem menschlichen Gemüte eingeprägt haben, an. Sie lässt dem religiösen Geiste "Gott", Freiheit und "Unsterblichkeit"


Sie befriedigt das Erkenntnisbedürfnis, indem sie ihm ein Gebiet abgrenzt, innerhalb dessen sie unbedingt gewisse Wahrheiten anerkennt. Ja, sie lässt sogar die Meinung gelten, dass die menschliche Vernunft ein Recht habe, sich zur Erklärung lebendiger Wesen nicht bloß der ewigen, ehernen Naturgesetze, sondern des Zweckbegriffs zu bedienen, der auf eine "absichtliche Ordnung im Weltwesen" deutet.


Aber um welchen Preis hat Kant alles dieses erreicht! Er hat die ganze Natur in den menschlichen Geist hineinversetzt, und ihre Gesetze zu solchen dieses Geistes selbst gemacht. Er hat die vermeintlich höhere Weltordnung ganz aus der Natur verwiesen und sie auf eine rein moralische Grundlage gestellt. Er hat zwischen das unorganische und das organische Reich eine scharfe Grenzlinie gesetzt, und jenes nach rein mechanischen, streng notwendigen Gesetzen, dieses nach zweckvollen Ideen erklärt. 


Schlussendlich hat er das "Reich des Schönen und der Kunst" völlig aus seinem Zusammenhang mit der übrigen Wirklichkeit herausgerissen. Denn die Zweckmäßigkeit, die im Schönen beobachtet wird, hat mit wirklichen Zwecken nichts zu tun. Wie ein schöner Gegenstand in den Weltzusammenhang hineinkommt, das ist gleichgültig; es genügt, dass er in uns die Vorstellung des Zweckmäßigen errege und dadurch unser Wohlgefallen hervorrufe.


Kant vertritt nicht nur die Anschauung, dass des Menschen Wissen insofern möglich sei, als die Gesetzmäßigkeit dieses Wissens aus der "selbstbewussten Seele" selbst stamme, und dass die Gewissheit über diese "Seele" aus einer anderen Quelle als aus dem Naturwissen komme: er deutet auch darauf hin, dass das menschliche Wissen vor der Natur da haltmachen müsse, wo wie im lebendigen Organismus der Gedanke in den Naturwesen selbst zu walten scheint. 


Kant spricht damit aus, dass er sich Gedanken nicht denken könne, welche als wirkend in den Wesen der Natur selbst vorgestellt werden. Die Anerkennung solcher Gedanken setzt voraus, dass die "Menschenseele" nicht bloß denkt, sondern denkend miterlebt das Leben der Natur. Fände jemand, dass man Gedanken nicht bloß als Wahrnehmung empfangen könne, wie es bei den platonischen und aristotelischen Ideen der Fall ist, sondern dass man Gedanken erleben könne, indem man in die Wesen der Natur untertaucht, dann wäre wieder ein Element gefunden, welches sowohl in das Bild der Natur wie in die Vorstellung des selbstbewussten Ich aufgenommen werden könnte.


Das selbstbewusste Ich für sich, findet in dem Naturbild der neueren Zeit keinen Platz. Erfüllt sich das selbstbewusste Ich nicht nur so mit dem Gedanken, dass es weiß: ich habe diesen gebildet, sondern so, dass es an ihm ein Leben erkennt, von dem es wissen kann: es vermag sich auch außer mir zu verwirklichen, dann kann es sich sagen: Ich trage etwas in mir, was ich auch außer mir finden kann. Die neuere Weltanschauungsentwicklung drängt also zu dem Schritt: in dem selbstbewussten Ich den Gedanken zu finden, der als lebendig empfunden wird. 


Diesen Schritt hat Kant nicht gemacht: Goethe hat ihn gemacht.

*

Den Gegensatz zur Kantschen Auffassung der Welt bildete in allen wesentlichen Dingen die Goethesche. 


Ungefähr um dieselbe Zeit, als Kant seine «Kritik der reinen Vernunft» erscheinen ließ, legte Goethe sein Glaubensbekenntnis in dem Hymnus in Prosa «Die Natur» nieder, in dem er den Menschen ganz in die Natur hineinstellte und sie, die unabhängig von ihm waltende, zu ihrer eigenen und seiner Gesetzgeberin zugleich machte. Kant nahm die ganze Natur in den menschlichen Geist herein, Goethe sah alles Menschliche als ein Glied dieser Natur an; er fügte den menschlichen Geist der natürlichen Weltordnung ein. " Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen unvermögend, aus ihr herauszutreten, und unvermögend, tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen... . Die Menschen sind alle in ihr, und sie in allen. ... Auch das Unnatürlichste ist Natur, auch die plumpeste Philisterei hat etwas von ihrem Genie. ... Man gehorcht ihren Gesetzen, auch wenn man ihnen widerstrebt; man wirkt mit ihr, auch wenn man gegen sie wirken will. ... Sie ist alles. Sie belohnt sich selbst und bestraft sich selbst, erfreut und quält sich selbst... . Sie hat mich hereingestellt, sie wird mich auch herausführen. Ich vertraue mich ihr. Sie mag mit mir schalten; sie wird ihr Werk nicht hassen. Ich sprach nicht von ihr; nein, was wahr ist und was falsch ist, alles hat sie gesprochen. Alles ist ihre Schuld, alles ist ihr Verdienst."


Das ist der Gegenpol der Kantschen Weltanschauung. Bei Kant ist die Natur ganz im menschlichen Geiste; bei Goethe ist der menschliche Geist ganz in der Natur, weil die Natur selbst Geist ist. Es ist demnach nur zu verständlich, wenn Goethe in dem Aufsatz «Einwirkung der neueren Philosophie» erzählt: " Kants Kritik der reinen Vernunft ... lag völlig außerhalb meines Kreises. Ich wohnte jedoch manchem Gespräch darüber bei, und mit einiger Aufmerksamkeit konnte ich bemerken, dass die alte Hauptfrage sich erneuere, wie viel unser Selbst und wie viel die Außenwelt zu unserem geistigen Dasein beitrage?


Ich hatte beide niemals gesondert, und wenn ich nach meiner Weise über Gegenstände philosophierte, so tat ich es mit unbewusster Naivität und glaubte wirklich, ich sähe meine Meinungen vor Augen." In dieser Auffassung der Stellung Goethes zu Kant braucht uns auch nicht zu beirren, dass der erstere manches günstige Urteil über den Königsberger Philosophen abgegeben hat.


Denn ihm selbst wäre dieser Gegensatz nur dann ganz klar geworden, wenn er sich auf ein genaues Studium Kants eingelassen hätte. Das hat er aber nicht. In dem obengenannten Aufsatz sagt er: " Der Eingang war es, der mir gefiel; ins Labyrinth selbst konnte ich mich nicht wagen; bald hinderte mich die Dichtungsgabe, bald der Menschenverstand, und ich fühlte mich nirgends gebessert." Scharf aber hat er doch einmal den Gegensatz ausgesprochen in einer Aufzeichnung, die erst durch die Weimarische Goethe-Ausgabe aus dem Nachlas veröffentlicht worden ist (Weimarische Ausgabe, 2. Abteilung, Band XI, 5. 377).


Der Grundirrtum Kants, meint Goethe, bestünde darin, dass dieser "das subjektive Erkenntnisvermögen selbst als Objekt betrachtet und den Punkt, wo subjektiv und objektiv zusammentreffen, zwar scharf, aber nicht ganz richtig sondert". Goethe ist eben der Ansicht, dass in dem subjektiven menschlichen Erkenntnisvermögen nicht bloß der Geist als solcher sich ausspricht, sondern dass die geistige Natur es selbst ist, die sich in dem Menschen ein Organ geschaffen hat, durch das sie ihre Geheimnisse offenbar werden lässt. Es spricht gar nicht der Mensch über die Natur; sondern die Natur spricht im Menschen über sich selbst. Das ist Goethes Überzeugung.


So konnte Goethe sagen: Sobald der Streit über die Weltansicht Kants "zur Sprache kam, mochte ich mich gern auf diejenige Seite stellen, welche dem Menschen am meisten Ehre macht, und gab allen Freunden vollkommen Beifall, die mit Kant behaupteten, wenngleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung angehe, so entspringe sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung". Denn Goethe glaubte, dass die ewigen Gesetze, nach denen die Natur verfährt, im menschlichen Geiste offenbar werden; aber für ihn waren sie deshalb doch nicht die subjektiven Gesetze dieses Geistes, sondern die objektiven der Naturordnung selbst. Deshalb konnte er auch Schiller nicht beistimmen, als dieser unter Kants Einfluss eine schroffe Scheidewand zwischen dem Reiche der Naturnotwendigkeit und dem der Freiheit aufrichtete.


Er spricht sich darüber aus in dem Aufsatz «Erste Bekanntschaft mit Schiller»: «Die Kantsche Philosophie, welche das Subjekt so hoch erhebt, indem sie es einzuengen scheint, hatte er mit Freuden in sich aufgenommen; sie entwickelte das Außerordentliche, was die Natur in sein Wesen gelegt, und er, im höchsten Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung, war undankbar gegen die große Mutter, die ihn gewiss nicht stiefmütterlich behandelte. Anstatt sie als selbständig, lebendig, vom Tiefsten bis zum Höchsten gesetzlich hervorbringend zu betrachten, nahm er sie von der Seite einiger empirischen menschlichen Natürlichkeiten.» Und in dem Aufsatz «Einwirkung der neueren Philosophie» deutet er den Gegensatz zu Schiller mit den Worten an: «Er predigte das Evangelium der Freiheit, ich wollte die Rechte der Natur nicht verkürzt wissen.» In Schiller steckte eben etwas von Kantscher Vorstellungsart; für Goethe ist es aber richtig, was er im Hinblick auf Gespräche sagt, die er mit Kantianern geführt hat: "Sie hörten mich wohl, konnten mir aber nichts erwidern, noch irgend förderlich sein. Mehr als einmal begegnete es mir, dass einer oder der andere mit lächelnder Verwunderung zugestand: es sei freilich ein Analogon Kantscher Vorstellungsart, aber ein seltsames."


In der Kunst und dem Schönen sah Goethe nicht ein aus dem wirklichen Zusammenhange herausgerissenes Reich, sondern eine höhere Stufe der natürlichen "Gesetzmäßigkeit". Beim Anblicke von künstlerischen Schöpfungen, die ihn besonders interessieren, schreibt er während seiner italienische Reise die Worte nieder: "Die hohen Kunstwerke sind zugleich als die höchsten Naturwerke von Menschen nach wahren und natürlichen Gesetzen hervorgebracht worden. Alles Willkürliche, Eingebildete fällt zusammen; da ist Notwendigkeit, da ist "Gott"." Wenn der Künstler im Sinne der Griechen verfährt, nämlich «nach den "Gesetzen", nach welchen die Natur selbst verfährt», dann liegt in seinen Werken das "Göttliche", das in der Natur selbst zu finden ist.


Für Goethe ist die Kunst «eine Manifestation geheimer Naturgesetze»; was der Künstler schafft, sind Naturwerke auf einer höheren Stufe der Vollkommenheit. Kunst ist Fortsetzung und menschlicher Abschluss der Natur, denn «indem der Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, so sieht er sich wieder als eine ganze Natur an, die in sich abermals einen Gipfel hervorzubringen hat. Dazu steigert er sich, indem er sich mit allen Vollkommenheiten und Tugenden durchdringt, Wahl, Ordnung, Harmonie und Bedeutung aufruft und sich endlich bis zur Produktion des Kunstwerks erhebt». Alles ist Natur, vom unorganischen Stein bis zu den höchsten Kunstwerken des Menschen, und alles in dieser Natur ist von den gleichen «ewigen, notwendigen, dergestalt "göttlichen Gesetzen" » beherrscht, dass «die Gottheit selbst daran nichts ändern könnte». (Dichtung und Wahrheit, 16. Buch.)


Als Goethe im Jahre 1811 Jacobis Buch «Von den göttlichen Dingen» las, machte es ihn «nicht wohl». «Wie konnte mir das Buch eines so herzlich geliebten Freundes willkommen sein, worin ich die These durchgeführt sehen sollte: die Natur verberge Gott! Musste bei meiner reinen, tiefen, angeborenen und geübten Anschauungsweise, die mich Gott in der Natur die Natur in Gott zu sehen unverbrüchlich gelehrt hatte, so dass diese Vorstellungsart den Grund meiner ganzen Existenz machte, musste nicht ein so seltsamer, einseitig beschränkter Ausspruch mich dem Geiste nach von dem edelsten Manne, dessen Herz ich verehrend liebte, für ewig entfernen? Doch ich hing meinem schmerzlichen Verdrusse nicht nach, ich rettete mich vielmehr zu meinem alten Asyl und fand in Spinozas Ethik auf mehrere Wochen meine tägliche Unterhaltung, und da sich indes meine Bildung gesteigert hatte, ward ich im schon Bekannten gar manches, was sich neu und anders hervortat, auch ganz eigen frisch auf mich einwirkte, zu meiner Verwunderung gewahr.» Das Reich der Notwendigkeit im Sinne Spinozas ist für Kant ein Reich innerer menschlicher Gesetzmäßigkeit; für Goethe ist es das Universum selbst, und der Mensch mit all seinem Denken, Fühlen, Wollen und Tun ist ein Glied innerhalb dieser Kette von Notwendigkeiten. Innerhalb dieses Reiches gibt es nur eine Gesetzmäßigkeit, von welcher die natürliche und die moralische Gesetzmäßigkeit die zwei Seiten ihres Wesens sind. 


"Es leuchtet die Sonne über Böse und Gute; und dem Verbrecher glänzen, wie dem Besten, der Mond und die Sterne."


Aus einer Wurzel, aus den ewigen Triebkräften der Natur lässt Goethe alles entspringen: die unorganischen, die organischen Wesenheiten, den Menschen mit allen Ergebnissen seines Geistes: seiner Erkenntnis, seiner Sittlichkeit, seiner Kunst.


Was wär ein Gott, der nur von außen stieße,
Im Kreis das All am Finger laufen ließe!
Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen,
Natur in sich, sich in Natur zu hegen,
So dass, was in ihm lebt und webt und ist,
Nie seine Kraft, nie seinen Geist vermisst.


In solche Worte fasst Goethe sein Bekenntnis zusammen. Gegen Haller, der das Wort gesprochen hat: «Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist», wendet sich Goethe mit den schärfsten Worten: «Ins Innere der Natur o, du Philister! - «Dringt kein erschaff'ner Geist.» Mich und Geschwister Mögt ihr an solches Wort Nur nicht erinnern; Wir denken: Ort für Ort Sind wir im Innern. «Glückselig, wem sie nur Die äuß're Schale weist», Das hör ich sechzig Jahre wiederholen, Und fluche drauf, aber verstohlen; Sage mir tausend tausendmale: Alles gibt sie reichlich und gern; 


Natur hat weder Kern Noch Schale, Alles ist sie mit einem Male; Dich prüfe du nur allermeist, Ob du Kern oder Schale seist.


Im Sinne dieser seiner Weltanschauung konnte Goethe auch den Unterschied zwischen anorganischer und organischer Natur nicht anerkennen, den Kant in seiner «Kritik der Urteilskraft» festgestellt hatte. Sein Streben ging dahin, die belebten Organismen in dem Sinne nach Gesetzen zu erklären, wie auch die leblose Natur erklärt wird. Der tonangebende Botaniker der damaligen Zeit, Linne', sagt über die mannigfaltigen Arten in der Pflanzenwelt, es gebe solcher Arten so viele, als «verschiedene Formen im Prinzip geschaffen worden sind». Wer eine solche Meinung hat, der kann sich nur bemühen, die Eigenschaften der einzelnen Formen zu studieren und diese sorgfältig voneinander zu unterscheiden. 


Goethe konnte sich mit einer solchen Naturbetrachtung nicht einverstanden erklären.


«Das, was er (Linné) mit Gewalt auseinanderzuhalten suchte, musste, nach dem innersten Bedürfnis meines Wesens, zur Vereinigung anstreben.» Er suchte dasjenige auf, was allen Pflanzenarten gemeinsam ist. Auf seiner Reise in Italien wird ihm dieses gemeinsame Urbild in allen Pflanzenformen immer klarer: «Die vielen Pflanzen, die ich sonst nur in Kübeln und Töpfen, ja die größte Zeit des Jahres nur hinter Glasfenstern zu sehen gewohnt war stehen hier froh und frisch unter freiem Himmel, und indem sie ihre Bestimmung vollkommen erfüllen, werden sie uns deutlicher. Im Angesicht so vielerlei neuen und erneuten Gebildes fiel mir die alte Grille wieder ein, ob ich nicht unter dieser Schar die Urpflanze entdecken könnte.


Eine solche muss es denn doch geben: woran würde ich sonst erkennen, dass dieses oder jenes Gebilde eine Pflanze sei, wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet wären?» Ein anderes Mal drückt er sich über diese Urpflanze aus: Sie «wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt, die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten, und nicht etwa malerisch oder dichterische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben.» Wie Kant in seiner «Naturgeschichte und Theorie des Himmels» ausruft: «Gebt mir Materie; ich will euch eine Welt daraus bauen», weil er den gesetzmäßigen Zusammenhang dieser Welt einsieht, so sagt hier Goethe: mit Hilfe der Urpflanze könne man existenzfähige Pflanzen ins Unendliche erfinden, weil man das Gesetz der Entstehung und des Werdens derselben innehat. Was Kant nur von der unorganischen Natur gelten lassen wollte, dass man ihre Erscheinungen nach notwendigen Gesetzen begreifen kann, das dehnte Goethe auch auf die Welt der Organismen aus. Er fügt in dem Briefe, in dem er Herder seine Entdeckung der Urpflanze mitteilt, hinzu: «Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen.»


Und Goethe hat es auch angewendet. Seine emsigen Studien über die Tierwelt brachten ihn 1795 dazu, «ungescheut behaupten zu dürfen, dass alle vollkommenen organischen Naturen, worunter wir Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere und an der Spitze der letzteren den Menschen sehen, alle nach einem Urbilde geformt seien, das nur in seinen beständigen Teilen mehr oder weniger hin und her neigt und sich noch täglich durch Fortpflanzung aus und umbildet».


Goethe steht also auch in der Naturauffassung im vollsten Gegensatz zu Kant.


Dieser nannte es ein gewagtes «Abenteuer der Vernunft», wenn diese es unternehmen wollte, das Lebendige seiner Entstehung nach zu erklären. Er hält das menschliche Erkenntnisvermögen zu einer solchen Erklärung für ungeeignet. "Es liegt der Vernunft unendlich viel daran, den Mechanismus der Natur in ihren Erzeugungen nicht fallen zu lassen und in der Erklärung derselben nicht vorbeizugehen; weil ohne diesen keine Einsicht in die Natur der Dinge erlangt werden kann. Wenn man uns gleich einräumt: dass ein höchster Architekt die Formen der Natur, so wie sie von jeher da sind, unmittelbar geschaffen, oder die, so sich in ihrem Laufe kontinuierlich nach eben demselben Muster bilden, prädeterminiert habe, so ist doch dadurch unsere Erkenntnis der Natur nicht im mindesten gefördert; weil wir jenes Wesens Handlungsart und die Ideen desselben, welche die Prinzipien der Möglichkeit der Naturwesen enthalten sollen, gar nicht kennen, und von demselben als von oben herab die Natur nicht erklären können."


Auf solche Kantsche Ausführungen erwidert Goethe: « Wenn wir ja im Sittlichen, durch Glauben an Gott, Tugend und Unsterblichkeit uns in eine obere Region erheben und an das erste Wesen annähern sollen, so dürfte es wohl im Intellektuellen derselbe Fall sein, dass wir uns durch das Anschauen einer immer schaffenden Natur zur geistigen Teilnahme an ihren Produktionen würdig machten. Hatte ich doch erst unbewusst und aus innerem Trieb auf jenes Urbildliche, Typische rastlos gedrungen, war es mir sogar geglückt, eine naturgemäße Darstellung aufzubauen, so konnte mich nunmehr nichts weiter verhindern, das Abenteuer der Vernunft, wie es der Alte vom Königsberge selbst nennt, mutig zu bestehen.» Goethe hatte in der « Urpflanze » eine Idee erfasst, « mit der man ... Pflanzen ins Unendliche erfinden » kann, die «konsequent sein müssen, das heißt, die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten, und nicht etwa malerische oder dichterische Schatten und Schemen sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben ».


Damit ist er auf dem Wege, in dem selbstbewussten Ich nicht nur die wahrnehmbare, die gedachte, sondern die lebendige Idee zu finden. Das selbstbewusste Ich erlebt in sich ein Reich, das sich selbst sowohl als auch der Außenwelt angehörig erweist, weil seine Gebilde sich als Abbilder der schöpferischen Mächte bezeugen. Damit ist für das selbstbewusste Ich dasjenige gefunden, was es als wirkliches Wesen erscheinen lässt. Goethe hat eine Vorstellung entwickelt, durch welche das selbstbewusste Ich sich belebt erfühlen kann, weil es sich mit den schaffenden Naturwesenheiten eins fühlt. Die neueren Weltanschauungen suchten das Rätsel des selbstbewussten Ich zu bewältigen; Goethe versetzt in dieses Ich die lebendige ldee; und mit dieser in ihm waltenden Lebenskraft erweist sich dieses Ich selbst als lebensvolle Wirklichkeit. Die griechische Idee ist mit dem Bilde verwandt; sie wird betrachtet wie das Bild. Die Idee der neueren Zeit muss mit dem Leben, dem Lebewesen selbst verwandt sein; sie wird erlebt. Und Goethe wusste davon, dass es ein solches Erleben der Idee gibt. Er vernahm im selbstbewussten Ich den Hauch der lebendigen Idee.


Von der « Kritik der Urteilskraft » Kants sagt Goethe, dass er ihr « eine höchst frohe Lebensepoche schuldig » sei. "Die großen Hauptgedanken des Werks waren meinem bisherigen Schaffen, Tun und Denken ganz analog. Das innere Leben der Kunst so wie der Natur, ihr beiderseitiges Wirken von innen heraus, war in dem Buche deutlich ausgesprochen. » Auch dieser Ausspruch Goethes kann über seinen Gegensatz zu Kant nicht hinwegtäuschen. Denn in dem Aufsatz, dem er entnommen ist, heißt es zugleich:


« Leidenschaftlich angeregt, ging ich auf meinen Wegen nur desto rascher fort, weil ich selbst nicht wusste, wohin sie führten, und für das, was und wie ich mir's zugeeignet hatte, bei den Kantianern wenig Anklang fand. Denn ich sprach aus, was in mir aufgeregt war, nicht aber, was ich gelesen hatte. »"


Eine streng einheitliche Weltanschauung ist Goethe eigen; er will einen Gesichtspunkt gewinnen, von dem aus das ganze Universum seine "Gesetzmäßigkeit" offenbart, "vom Ziegelstein, der dem Dach entstürzt, bis zum leuchtenden Geistesblitz, der dir aufgeht und den du mitteilst » Denn « alle Wirkungen, von welcher Art sie seien, die wir in der Erfahrung bemerken, hängen auf die stetigste Weise zusammen, gehen ineinander über ». 


« Ein Ziegelstein löst sich vom Dache los: wir nennen dies im gemeinen Sinne zufällig; er trifft die Schultern eines Vorübergehenden, doch wohl mechanisch; allein nicht ganz mechanisch, er folgt den Gesetzen der Schwere, und so wirkt er physisch. Die zerrissenen Lebensgefäße geben sogleich ihre Funktion auf; im Augenblick wirken die Säfte chemisch, die elementaren Eigenschaften treten hervor. 


Allein das gestörte organische Leben widersetzt sich ebenso schnell und sucht sich herzustellen; indessen ist das menschliche Ganze mehr oder weniger bewusstlos und psychisch zerrüttet. Die sich wiedererkennende Person fühlt sich ethisch im tiefsten verletzt; sie beklagt ihre gestörte Tätigkeit, von welcher Art sie auch sei, aber ungern ergäbe der Mensch sich in Geduld. Religiös hingegen wird ihm leicht, diesen Fall einer höheren Schickung zuzuschreiben, ihn als Bewahrung vor größerem Übel, als Einleitung zu höherem Guten anzusehen. Dies reicht hin für den Leidenden; aber der Genesende erhebt sich genial, vertraut "Gott" und sich selbst und fühlt sich gerettet, ergreift auch wohl das Zufällige, wendet's zu seinem Vorteil, um einen ewig frischen Lebenskreis zu beginnen. »


So erläutert Goethe an dem Beispiel eines fallenden Ziegelsteins den Zusammenhang aller Arten von Naturwirkungen. Eine Erklärung in seinem Sinne wäre es, wenn man auch ihren streng gesetzmäßigen Zusammenhang aus einer Wurzel herleiten könnte. Wie zwei geistige Antipoden stehen Kant und Goethe an der bedeutsamsten Stelle der neueren Weltanschauungsentwicklung. Und grundverschieden war die Art, wie sich diejenigen zu ihnen stellten, die sich für höchste Fragen interessierten. Kant hat seine Weltanschauung mit allen Mitteln einer strengen Schulphilosophie aufgebaut; Goethe hat naiv, sich seiner gesunden Natur überlassend, philosophiert.


Deshalb glaubte Fichte, wie oben erwähnt, sich an Goethe nur « als den Repräsentanten der reinsten Geistigkeit des Gefühls auf der gegenwärtig errungenen Stufe der Humanität » wenden zu können, während er von Kant der Ansicht ist, dass « kein menschlicher Verstand weiter als bis zu der Grenze vordringen könne, an der Kant, besonders in seiner Kritik der Urteilskraft, gestanden ». Wer in die in naivem Gewande gegebene Weltanschauung Goethes eindringt, wird in ihr allerdings eine sichere Grundlage finden, die auf klare Ideen gebracht werden kann. Goethe selbst brachte sich diese Grundlage aber nicht zum Bewusstsein. Deshalb findet seine Vorstellungsart nur allmählich Eingang in die Entwicklung der Weltanschauung; und im Eingang des Jahrhunderts ist es zunächst Kant, mit dem sich die Geister auseinanderzusetzen versuchten.


So groß aber auch die Wirkung war, die von Kant ausging: es konnte den Zeitgenossen nicht verborgen bleiben, dass ein tieferes Erkenntnisbedürfnis durch ihn doch nicht befriedigt werden kann. Ein solches Erklärungsbedürfnis dringt auf eine einheitliche Weltansicht, wie das bei Goethe der Fall war. Bei Kant stehen die einzelnen Gebiete des Daseins unvermittelt nebeneinander. Aus diesem Grunde konnte es sich Fichte, trotz seiner unbedingten Verehrung Kants, nicht verbergen, dass «Kant die Wahrheit bloß angedeutet, aber weder dargestellt noch bewiesen» habe. «Dieser wunderbare einzige Mann hat entweder ein Divinationsvermögen der Wahrheit, ohne sich ihrer Gründe selbst bewusst zu sein, oder er hat sein Zeitalter nicht hoch genug geschätzt, um sie ihm mitzuteilen, oder er hat sich gescheut, bei seinem Leben die übermenschliche Verehrung an sich zu reißen, die ihm über kurz oder lang noch zuteil werden müsste.


Noch hat keiner ihn verstanden, keiner wird es, der nicht auf seinem eigenen Wege zu Kants Resultaten kommen wird, und dann wird die Welt erst staunen.» « Aber ich glaube ebenso sicher zu wissen, dass Kant sich ein solches System gedacht habe; dass alles, was er wirklich vorträgt, Bruchstücke und Resultate dieses Systems sind, und dass seine Behauptungen nur unter dieser Voraussetzung Sinn und Zusammenhang haben.» Denn wäre das nicht der Fall, so wolle Fichte «die Kritik der reinen Vernunft eher für das Werk des sonderbarsten Zufalls halten, als für das eines Kopfes ».


Auch andere haben das Unbefriedigende der Kantschen Gedankenkreise eingesehen.

Lichtenberg, einer der geistvollsten und zugleich unabhängigsten Köpfe aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, der Kant schätzte, konnte sich doch nicht versagen, gewichtige Einwände gegen dessen Weltanschauung zu machen. Er sagt einerseits: «Was heißt mit Kantschem Geist denken? Ich glaube, es heißt die Verhältnisse unseres Wesens, es sei nun was es wolle, gegen die Dinge, die wir außer uns nennen, ausfindig machen; das heißt die Verhältnisse des Subjektiven gegen das Objektive bestimmen. Dieses ist freilich immer der Zweck aller gründlichen Naturforscher gewesen, allein die Frage ist, ob sie es je so wahrhaft philosophisch angefangen haben, als Herr Kant. Man hat das, was doch schon subjektiv ist und sein muss, für objektiv gehalten.» Anderseits bemerkt Lichtenberg aber: «Sollte es denn so ganz ausgemacht sein, dass unsere Vernunft von dem Übersinnlichen gar nichts wissen könne? Sollte nicht der Mensch seine Ideen von Gott ebenso zweckmäßig weben können wie die Spinne ihr Netz zum Fliegenfang? Oder mit anderen Worten: Sollte es nicht Wesen geben, die uns wegen unserer Ideen von Gott und Unsterblichkeit ebenso bewundern, wie wir die Spinne und den Seidenwurm?» Aber man konnte einen noch viel gewichtigeren Einwand machen. Wenn es richtig ist, dass sich die Gesetze der menschlichen Vernunft nur auf die innere Welt des Geistes beziehen, wie kommen wir dazu, überhaupt von Dingen außer uns zu sprechen? Wir müssten uns dann doch völlig in unsere Innenwelt einspinnen.


Einen solchen Einwand machte Gottlob Ernst Schulze in seiner 1792 anonym erschienen Schrift « Aenesidemus ». Er behauptet darin, dass alle unsere Erkenntnisse bloße Vorstellungen seien, und dass wir über unsere Vorstellungswelt in keiner Weise hinausgehen können. Damit waren im Grunde auch Kants moralische Wahrheiten widerlegt. Denn lässt sich nicht einmal die Möglichkeit denken, über die Innenwelt hinauszugehen, so kann uns in eine unmöglich zu denkende Welt auch keine moralische Stimme leiten. So entwickelte sich aus Kants Ansicht zunächst ein neuer Zweifel an aller Wahrheit, der Kritizismus wurde zum Skeptizismus. Einer der konsequentesten Anhänger des Skeptizismus ist Salomon Maimon, der seit 1790 verschiedene Schriften verfasste, die unter dem Einfluss Kants und Schulzes standen, und in denen er mit aller Entschiedenheit dafür eintrat, dass von dem Dasein äußerer Gegenstände, wegen der ganzen Einrichtung unseres Erkenntnisvermögens, gar nicht gesprochen werden dürfe. Ein anderer Schüler Kants, Jacob Sigismund Beck, ging sogar so weit, zu behaupten, Kant habe in Wahrheit selbst keine Dinge außer uns angenommen, und es beruhe nur auf einem Mißverständnis, wenn man ihm eine solche Vorstellung zuschreibe.


Eines ist gewiss: Kant bot seinen Zeitgenossen unzählige Angriffspunkte zu Auslegungen und zum Widerspruche dar. Gerade durch seine Unklarheiten und Widersprüche wurde er -der Vater der klassischen deutschen Weltanschauungen Fichtes, Schellings, Schopenhauers, Hegels, Herbarts und Schleiermachers. Seine Unklarheiten wurden für sie zu neuen Fragen. So sehr er sich bemüht hatte, das Wissen einzuschränken, um für den Glauben Platz zu erhalten: der menschliche Geist kann sich im wahrsten Sinne des Wortes doch nur durch das Wissen, durch die Erkenntnis befriedigt erklären. So kam es denn, dass Kants Nachfolger die Erkenntnis wieder in ihre vollen Rechte einsetzen wollten; dass sie mit ihr die höchsten geistigen Bedürfnisse des Menschen erledigen wollten. Zum Fortsetzer Kants in dieser Richtung war Johann Gottlieb Fichte wie geschaffen, er, der da sagte: "Die Liebe der Wissenschaft und ganz besonders der Spekulation, wenn sie den Menschen einmal ergriffen hat, nimmt ihn so ein, dass er keinen anderen Wunsch übrig behält als den, sich in Ruhe mit ihr zu beschäftigen." Einen Enthusiasten der Weltanschauung darf man Fichte nennen. Er muss durch diesen seinen Enthusiasmus bezaubernd auf seine Zeitgenossen und seine Schüler gewirkt haben. Hören wir, was einer der letzteren, Forberg, über ihn sagt:


"Sein öffentlicher Vortrag rauscht daher wie ein Gewitter, das sich seines Feuers in einzelnen Schlägen entladet; ... er erhebt die "Seele". "Er will nicht bloß gute, sondern große Menschen machen. Sein "Auge ist strafend, sein Gang trotzig, ... er will durch seine Philosophie den Geist des Zeitalters leiten.


Seine Phantasie ist nicht blühend, aber energisch und mächtig; seine Bilder sind nicht reizend, aber kühn und groß. Er dringt in die innersten Tiefen des Gegenstandes und schaltet im Reiche der Begriffe mit einer Unbefangenheit, welche verrät, dass er in diesem unsichtbaren Lande nicht bloß wohnt, sondern herrscht.


» Das hervorstechendste Merkmal in Fichte Persönlichkeit ist der große, ernste Stil in seiner Lebensauffassung. Die höchsten Maßstäbe legt er an alles. Er schildert z. B. den Beruf des Schriftstellers: «Die Idee muss selber reden, nicht der Schriftsteller. Alle Willkür des letzteren, seine ganze Individualität, seine ihm eigene Art und Kunst muss erstorben sein in seinem Vortrage, damit allein die Art und Kunst seiner Idee lebe, das höchste Leben, welches sie in dieser Sprache und in diesem Zeitalter gewinnen kann.


So wie er frei ist von der Verpflichtung des mündlichen Lehrers, sich der Empfänglichkeit anderer zu fügen, so hat er auch nicht dessen Entschuldigung für sich. Er hat keinen gesetzten Leser im Auge, sondern er konstruiert seinen Leser und gibt ihm das Gesetz, wie es sein müsse. «Das Werk des Schriftstellers aber ist in sich selber ein Werk für die Ewigkeit. Mögen künftige Zeitalter einen höheren Schwung nehmen in der Wissenschaft, die er in seinem Werke niedergelegt hat; er hat nicht nur die Wissenschaft, er hat den ganz bestimmten und vollendeten Charakter eines Zeitalters in Beziehung auf die Wissenschaft in seinem Werke niedergelegt, und dieser behält sein Interesse, solange es Menschen auf der Welt geben wird.


Unabhängig von der Wandelbarkeit, spricht sein Buchstabe in allen Zeitaltern an alle Menschen, welche diesen Buchstaben zu beleben vermögen, und begeistert, erhebt, veredelt bis an das Ende der Tage.» So spricht ein Mann, der sich seines Berufes als geistiger Lenker seines Zeitalters bewusst ist, dem es voller Ernst war, wenn er in der Vorrede seiner «Wissenschaftslehre» sagte: An meiner Person liegt nichts, alles aber an der Wahrheit, denn «ich bin ein Priester der Wahrheit». 


Von einem Manne, der so im Reiche der «Wahrheit» lebte, verstehen wir es, dass er andere nicht bloß zum Verstehen anleiten, sondern zwingen wollte. Er durfte einer seiner Schriften den Titel geben «Sonnenklarer Bericht an das größere Publikum über das eigentliche Wesen der neuesten Philosophie. Ein Versuch, die Leser zum Verstehen zu zwingen.» Eine Persönlichkeit, welche der Wirklichkeit und deren Tatsachen nicht zu bedürfen glaubt, um den Lebensweg zu gehen, sondern die das Auge unverwandt auf die Ideenwelt richtet, ist Fichte. Gering denkt er von denjenigen, die eine solche ideale Richtung des Geistes nicht verstehen.


«Indes man in demjenigen Umkreise, den die gewöhnliche Erfahrung um uns gezogen, allgemeiner selbst denkt und richtiger urteilt, als vielleicht je, sind die mehrsten völlig irre und geblendet, sobald sie auch nur eine Spanne über denselben hinausgehen sollen. Wenn es unmöglich ist, in diesen den einmal ausgelöschten Funken des höheren Genius wieder anzufachen, muss man sie ruhig in jenem Kreise bleiben, und insofern sie in demselben nützlich und unentbehrlich sind, ihnen ihren Wert in und für denselben ungeschmälert lassen.


Aber wenn sie darum nun selbst verlangen, alles zu sich herabzuziehen, wozu sie sich nicht erheben können, wenn sie zum Beispiel fordern, dass alles Gedruckte sich als ein Kochbuch, oder als ein Rechenbuch, oder als ein Dienstreglement solle gebrauchen lassen, und alles verschreien, was sich nicht so brauchen lässt, so haben sie selbst um ein Großes unrecht. Dass Ideale in der wirklichen Welt sich nicht darstellen lassen, wissen wir anderen vielleicht so gut als sie, vielleicht besser. Wir behaupten nur, dass nach ihnen die Wirklichkeit beurteilt, und von denen, die dazu Kraft in sich fühlen, modifiziert werden müsse. 


Gesetzt, sie könnten auch davon sich nicht überzeugen, so verlieren sie dabei, nachdem sie einmal sind, was sie sind, sehr wenig; und die Menschheit verliert nichts dabei. Es wird dadurch bloß das klar, dass nur auf sie nicht im Plane der Veredlung der Menschheit gerechnet ist. Diese wird ihren Weg ohne Zweifel fortsetzen; über jene wolle die gütige Natur walten und ihnen zu rechter Zeit Regen und Sonnenschein, zuträgliche Nahrung und ungestörten Umlauf der Säfte, und dabei kluge Gedanken verleihen!»


Diese Worte setzte er dem Druck der Vorlesungen voraus, in denen er den Jenenser Studenten die «Bestimmung des Gelehrten» auseinandersetzte. Aus einer großen seelischen Energie heraus, die Sicherheit für die Erkenntnis der Welt und für das Leben gibt, sind Anschauungen wie die Fichtes erwachsen. Rücksichtslose Worte hatte dieser für alle, die in sich nicht die Kraft zu solcher Sicherheit verspürten. Als der Philosoph Carl Leonhard Reinhold äußerte, dass die innere Stimme des Menschen doch auch irren könne, erwiderte ihm Fichte:


«Sie sagen, der Philosoph solle denken, dass er als Individuum irren könne, dass er als solcher von anderen lernen könne und müsse. Wissen Sie, welche Stimmung Sie da beschreiben: die eines Menschen, der in seinem ganzen Leben noch nie von etwas überzeugt war.» Dieser kraftvollen Persönlichkeit, deren Blick ganz nach innen gerichtet war, widerstrebte es, das Höchste, was der Mensch erreichen kann, eine Weltanschauung, anderswo als auch im Innern zu suchen. « Alle Kultur soll sein Übung aller Kräfte auf den einen Zweck der völligen Freiheit, das heißt der völligen Unabhängigkeit von allem, was nicht wir selbst, unser reines Selbst (Vernunft, Sittengesetz) ist, denn nur dies ist unser... »


So urteilt Fichte in den 1793 erschienenen «Beiträgen zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution». Und die wertvollste Kraft im Menschen, die Erkenntniskraft, sollte nicht auf diesen einen Zweck des völligen Unabhängigseins von allem, was nicht wir selbst sind, gerichtet sein? Könnten wir denn überhaupt je zu einem völligen Unabhängigsein kommen, wenn wir in der Weltanschauung von irgendwelchem Wesen abhängig wären? Wenn es durch ein solches außer uns gelegenes Wesen ausgemacht wäre, was die Natur, was unsere Seele, welches unsere Pflichten sind, und wir dann hinterher von einer solchen fertigen Tatsache aus uns ein Wissen verschafften? Sind wir unabhängig, dann müssen wir es auch in bezug auf die Erkenntnis der Wahrheit sein. Wenn wir etwas empfangen, das ohne unser Zutun entstanden ist, dann sind wir von diesem abhängig. Die höchste Wahrheit können wir also nicht empfangen. Wir müssen sie schaffen; sie muss durch uns entstehen.


Fichte kann somit an die Spitze der Weltanschauung nur etwas stellen, was durch uns erst sein Dasein erlangt. Wenn wir von irgendeinem Dinge der Außenwelt sagen: Es ist, so tun wir dies deshalb, weil wir es wahrnehmen. Wir wissen, dass wir einem anderen Wesen das Dasein zuerkennen. Was dieses andere Ding ist, das hängt nicht von uns ab. Seine Beschaffenheit können wir nur erkennen, wenn wir unser Wahrnehmungsvermögen darauf richten. Wir würden niemals wissen, was «rot», «warm», «kalt» ist, wenn wir es nicht durch die Wahrnehmung wüssten. Wir können zu diesen Beschaffenheiten der Dinge nichts hinzutun, nichts von ihnen wegnehmen. Wir sagen «Sie sind». Was sie sind: das sagen sie uns. Ganz anders ist es mit unserem eigenen Dasein. Zu sich selbst sagt der Mensch nicht: 


«Es ist», sondern: «Ich bin». Damit hat er aber nicht bloß gesagt: dass er ist, sondern auch: was er ist, nämlich ein «Ich». Nur ein anderes Wesen könnte von mir sagen: «Es ist». Ja, es müsste so sagen. Denn selbst, wenn dieses andere Wesen mich geschaffen hätte, könnte es von meinem sagen: Ich bin. Der Ausspruch: «Ich bin» verliert allen Sinn, wenn ihn das Wesen, das von seinem Dasein spricht, nicht selbst tut. Es gibt somit nichts in der Welt, was mich mit «ich» ansprechen kann als allein mich selbst. Diese Anerkennung meiner als eines «Ich» muss demnach meine ureigenste Tat sein. Kein Wesen außer mir kann darauf Einfluss haben.


Hier fand Fichte etwas, wo er sich ganz unabhängig sah von jeglicher fremden Wesenheit. Ein "Gott" könnte mich schaffen; aber er müsste es mir überlassen, mich als ein «Ich» anzuerkennen. Mein Ichbewusstsein gebe ich mir selbst. In ihm habe ich also nicht ein Wissen, ein Erkennen, das ich empfangen habe, sondern ein solches, das ich selbst gemacht habe. So hat sich Fichte einen festen Punkt für die Weltanschauung geschaffen, etwas, wo Gewissheit ist. Wie steht es nun aber mit dem Dasein anderer Wesen? Ich lege ihnen ein Dasein bei. Aber ich habe dazu nicht ein gleiches Recht, wie bei mir selbst. Sie müssen zu Teilen meines «Ich» werden, wenn ich ihnen mit gleichem Rechte ein Dasein beilegen soll. Und das werden sie, indem ich sie wahrnehme. Denn sobald das der Fall ist, sind sie für mich da. Ich kann nur sagen: Mein Selbst fühlt «rot», mein Selbst empfindet «warm». Und so wahr ich mir selbst ein Dasein beilege, so wahr kann ich dies auch meinem Fühlen und meinem Empfinden beilegen. Wenn ich mich also selbst recht verstehe, so kann ich nur sagen: Ich bin und ich lege selbst auch einer Außenwelt ein Dasein bei.


Auf diese Weise verlor für Fichte die Welt außer dem «Ich» ihr selbständiges Dasein; sie hat nur ein ihr vom Ich beigelegtes, ein also zu ihr hinzugedichtetes Dasein. In seinem Streben, dem eigenen Selbst die höchstmögliche Unabhängigkeit zu geben, hat Fichte der Außenwelt jede Selbständigkeit genommen. Wo nun eine solche selbständige Außenwelt nicht vorhanden gedacht wird, da ist es auch begreiflich, dass das Interesse an dem Wissen, an der Erkenntnis dieser Außenwelt aufhört. Damit ist das Interesse an dem eigentlichen Wissen überhaupt erloschen. Denn das Ich erfährt durch ein solches Wissen im Grunde nichts, als was es selbst hervorbringt. In allem Wissen hält das menschliche Ich gleichsam nur Monologe mit sich selbst. Es geht nicht über sich selbst hinaus.


Wodurch es aber dies letztere doch vollbringt: das ist die lebendige Tat. Wenn das Ich handelt, wenn es in der Welt etwas vollbringt: dann ist es nicht mehr monologisierend mit sich allein. Dann fließen seine Handlungen hinaus in die Welt. Sie erlangen ein selbständiges Dasein. Ich vollbringe etwas; und wenn ich es vollbracht habe, dann wirkt es fort, auch wenn ich mich an seiner Wirkung nicht mehr beteilige. Was ich weiß, hat ein Dasein nur durch mich; was ich tue, ist Bestandteil einer von mir unabhängigen moralischen Weltordnung. Was bedeutet aber alle Gewissheit, die wir aus dem eigenen Ich ziehen, gegenüber dieser allerhöchsten Wahrheit einer moralischen Weltordnung, die doch unabhängig von uns sein muss, wenn das Dasein einen Sinn haben soll? Alles Wissen ist doch nur etwas für das eigene Ich; diese Weltordnung muss aber sein außer dem Ich. Sie muss sein, trotzdem wir von ihr nichts wissen können. Wir müssen sie also glauben.


So kommt auch Fichte über das Wissen hinaus zu einem Glauben. Wie der Traum gegenüber der Wirklichkeit, ist alles Wissen gegenüber dem Glauben. Auch das eigene Ich hat nur ein solches Traumdasein, wenn es sich selbst bloß betrachtet. Es macht sich ein Bild von sich, das nichts weiter zu sein braucht, als ein vorüberschwebendes Bild; allein das Handeln bleibt.


Mit bedeutsamen Worten schildert Fichte dieses Traumdasein der Welt in seiner «Bestimmung des Menschen»: «Es gibt überall kein Dauerndes, weder außer mir, noch in mir, sondern nur einen unaufhörlichen Wechsel. Ich weiß überall von keinem Sein, und auch nicht von meinem eigenen. Es ist kein Sein. Ich selbst weiß überhaupt nicht, und bin nicht. Bilder sind: sie sind das einzige, was da ist, und sie wissen von sich, nach Weise der Bilder: Bilder, die vorüberschweben; ohne dass etwas sei, dem sie vorüberschweben, die durch Bilder von Bildern zusammenhängen, Bilder, ohne etwas in ihnen Abgebildetes, ohne Bedeutung und Zweck. Ich selbst bin eins dieser Bilder; ja, ich bin selbst dies nicht, sondern nur ein verworrenes Bild von Bildern. Alle Realität verwandelt sich in einen wunderbaren Traum, ohne ein Leben, von welchem geträumt wird, und ohne einen Geist, der da träumt; in einen Traum, der in einem Traume von sich zusammenhängt. Das Anschauen ist der Traum; das Denken die Quelle alles Seins und aller Realität, die ich mir einbilde, meines Seins, meiner Kraft, meiner Zwecke ist der Traum von jenem Traume.» 


Wie anders erscheint Fichte die moralische Weltordnung, die Welt des Glaubens: «Mein Wille soll schlechthin durch sich selbst, ohne alles seinen Ausdruck schwächende Werkzeug, in einer ihm völlig gleichartigen Sphäre, als Vernunft auf Vernunft, als Geistiges auf Geistiges wirken; in einer Sphäre, der er jedoch das Gesetz des Lebens, der Tätigkeit, des Fortlaufens nicht gebe, sondern die es in sich selbst habe; also auf selbsttätige Vernunft.


Aber selbsttätige Vernunft ist Wille. Das Gesetz der übersinnlichen Welt wäre sonach ein Wille... Jener erhabene Wille geht sonach nicht abgesondert von der übrigen Vernunftwelt seinen Weg für sich. Es ist zwischen ihm und allen endlichen vernünftigen Wesen ein geistiges Band, und er selbst ist dieses geistige Band der Vernunftwelt. ... Ich verhülle vor dir mein Angesicht und lege die Hand auf den Mund. Wie du für dich selbst bist und dir selbst erscheinest, kann ich nie einsehen, so gewiss ich nie du selbst werden kann.


Nach tausendmal tausend durchlebten Geisterleben werde ich dich noch ebensowenig begreifen als jetzt in dieser Hütte von Erde. Was ich begreife, wird durch mein bloßes Begreifen zum Endlichen; und dieses lässt auch durch unendliche Steigerung und Erhöhung sich nie ins Unendliche umwandeln. Du bist vom Endlichen nicht dem Grade, sondern der Art nach verschieden. Sie machen dich durch jene Steigerung nur zu einem größeren Menschen und immer zu einem größeren; nie aber zum Gotte, zum Unendlichen, der keines Maßes fähig ist.»


Weil das Wissen ein Traum, die moralische Weltordnung für Fichte das einzige wahrhaft Wirkliche ist, deshalb stellt er auch das Leben, durch das sich der Mensch in den sittlichen Weltzusammenhang hineinstellt, über das bloße Erkennen, über das Betrachten der Dinge. «Nichts» sagt er «hat unbedingten Wert und Bedeutung als das Leben; alles übrige, Denken, Dichten und Wissen, hat nur Wert, insofern es auf irgendeine Weise sich auf das Lebendige bezieht, von ihm ausgeht und in dasselbe zurückzulaufen beabsichtigt.»


Der ethische Grundzug in Fichtes Persönlichkeit ist es, der in seiner Weltanschauung alles ausgelöscht oder in seiner Bedeutung herabgedrückt hat, was nicht auf die moralische Bestimmung des Menschen hinausläuft. Er wollte die größten, die reinsten Forderungen für das Leben aufstellen; und dabei wollte er durch kein Erkennen, das vielleicht in diesen Zielen Widersprüche mit der natürlichen Gesetzmäßigkeit der Welt entdecken könnte, beirrt sein. Goethe hat gesagt: «Der Handelnde ist immer gewissenlos; es hat niemand Gewissen als der Betrachtende.


» Damit meinte er, dass der Betrachtende alles nach seinem wahren, wirklichen Werte abschätzt und jedes Ding an seinem Platze begreift und gelten lässt. Der Handelnde hat es vor allen Dingen darauf abgesehen, seine Forderungen in Erfüllung gehen zu sehen; ob er dabei den Dingen unrecht tut oder nicht: das ist ihm gleich. Fichte war es vor allen Dingen ums Handeln zu tun; er wollte sich aber dabei von der Betrachtung nicht Gewissenlosigkeit vorwerfen lassen. Deshalb bestritt er den Wert der Betrachtung.


Ins unmittelbare Leben einzugreifen war Fichtes fortwährendes Bemühen. Wo er glaubte, dass seine Worte bei anderen zur Tat werden könnten, da fühlte er sich am zufriedensten. Aus diesem Drang heraus hat er die Schriften verfasst «Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europas, die sie bisher unterdrückten. Heliopolis, im letzten Jahre der alten Finsternis 1792»; «Beiträge zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution 1793.» Aus diesem Drange heraus hat er seine hinreißenden Reden gehalten «Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters, dargestellt in Vorlesungen, gehalten zu Berlin im Jahre 1804-1805»; «Die Anweisung zum seligen Leben oder auch die Religionslehre, in Vorlesungen, gehalten zu Berlin im Jahre 1806» und endlich seine «Reden an die deutsche Nation» 1808).


Bedingungslose Hingabe an die moralische Weltordnung, Handeln aus dem tiefsten Kern der ethischen Naturanlage des Menschen heraus: das sind die Forderungen, durch die das Leben Wert und Bedeutung erhält. Diese Ansicht zieht sich als Grundmotiv durch alle diese Reden und Schriften hindurch.


In den «Grundzügen des gegenwärtigen Zeitalters» warf er diesem Zeitalter in flammenden Worten seine Selbstsucht vor. Jeder gehe nur den Weg, den ihm seine niederen Triebe vorschreiben. Aber diese Triebe führen ab von dem großen Ganzen, das die menschliche Gemeinschaft als moralische Harmonie umschließt. Ein solches Zeitalter müsse diejenigen, die in seinem Sinne leben, dem Untergange entgegenführen. Die Pflicht wollte Fichte in den menschlichen Gemütern beleben.


Fichte wollte in solcher Art mit seinen Ideen gestaltend in das Leben seiner Zeit eingreifen, weil er diese Ideen kraftvoll durchlebt dachte von dem Bewusstsein, dass dem Menschen der höchste Inhalt seines Seelenlebens aus einer Welt zukommt, welche er erreicht, wenn er mit seinem «Ich» ganz allein sich auseinandersetzt, und in dieser Auseinandersetzung sich in seiner wahren Bestimmung erfühlt.


Aus solchem Bewusstsein heraus prägt Fichte Worte wie dieses: «Ich selbst und mein notwendiger Zweck sind das Übersinnliche.» Sich im Übersinnlichen erleben, ist für Fichte eine Erfahrung, welche der Mensch machen kann. Macht er sie, so erlebt er in sich das «Ich». Und erst dadurch wird er zum Philosophen. «Beweisen» kann man diese Erfahrung demjenigen nicht, der sie nicht machen will. Wie wenig Fichte einen solchen «Beweis» für möglich hält, bezeugen Aussprüche wie dieser: «Zum Philosophen muss man geboren werden, dazu erzogen werden, und sich selbst dazu erziehen; aber man kann durch keine menschliche Kunst dazu gemacht werden. Darum verspricht auch diese Wissenschaft sich unter den schon gemachten Männern wenige Proselyten. ... »

Es kommt Fichte darauf an, eine Seelenverfassung zu finden, durch welche das menschliche Ich sich erleben kann. Das Wissen von der Natur erscheint ihm untauglich, von dem Wesen des Ich etwas zu offenbaren. Vom fünfzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert traten Denker auf, denen die Frage sich ergab: Was kann in dem Bilde der Natur gefunden werden, um innerhalb dieses Bildes das menschliche Wesen erklärlich zu finden? Goethe empfand die Frage nicht in dieser Art. Er fühlte hinter der äußerlich offenbaren Natur eine geistige. In der Menschenseele sind ihm Erlebnisse möglich, durch welche diese Seele nicht in dem äußerlich Offenbaren allein, sondern innerhalb der schaffenden Kräfte lebt. 


Goethe suchte die Idee, welche die Griechen suchten, aber er suchte sie nicht als wahrnehmbare Idee, sondern in einem Miterleben der Weltvorgänge, da, wo diese nicht mehr wahrnehmbar sind. 


Er suchte in der Seele das Leben der Natur. Fichte suchte in der Seele selbst; aber er suchte nicht da, wo in der Seele die Natur lebt, er suchte ganz unmittelbar da, wo die Seele ihr eigenes Leben entzündet fühlt, gleichgültig, an welche sonstigen Weltvorgänge und Weltwesen sich dieses Leben anschließt.


Mit Fichte ist eine Weltanschauung heraufgezogen, die ganz darinnen aufgeht, ein inneres Seelenleben zu finden, das sich zum Gedankenleben der Griechen verhält wie dieses Gedankenleben zum Bildervorstellen der Vorzeit. In Fichtes Weltanschauung wird der Gedanke zum Ich-Erlebnis, wie in den griechischen Denkern das Bild zum Gedanken wurde. Mit Fichte will die Weltanschauung das Selbstbewusstsein erleben; mit Plato und Aristoteles wollte sie das Seelenbewusstsein denken.


*

Wie Kant das Wissen entthront hat, um für den Glauben Platz zu bekommen, so hat Fichte das Erkennen für bloße Erscheinung erklärt, um für das lebendige Handeln, für die moralische Tat freie Bahn vor sich zu haben. 


Ein Ähnliches hat auch Schiller versucht. Nur nahm bei ihm die Stelle, die bei Kant der Glaube, bei Fichte das Handeln beanspruchte, die Schönheit ein. Die Bedeutung Schillers für die Weltanschauungsentwicklung wird gewöhnlich unterschätzt. Wie Goethe sich darüber zu beklagen hatte, dass man ihn als Naturforscher nicht gelten lassen wollte, weil man einmal gewohnt war, ihn als Dichter zu nehmen, so müssen diejenigen, die sich in Schillers philosophische Ideen vertiefen, bedauern, dass er von denen, die sich mit Weltanschauungsgeschichten befassen, so wenig gewürdigt wird, weil ihm sein Feld im Reiche der Dichtung angewiesen ist.


Als eine durchaus selbständige Denkerpersönlichkeit stellt sich Schiller seinem Anreger Kant gegenüber. Die Hoheit des moralischen Glaubens, zu der Kant den Menschen zu erheben suchte, schätzte der Dichter, der in den «Räubern» und in «Kabale und Liebe» seiner Zeit einen Spiegel ihrer Verderbtheit vorgehalten hat, wahrlich nicht gering. Aber er sagte sich: Sollte es durchaus notwendig sein, dass der Mensch nur im Kampfe gegen seine Neigung, gegen seine Begierden und Triebe sich zu der Höbe des kategorischen Imperativs emporheben kann? 


Kant wollte ja der sinnlichen Natur des Menschen nur den Hang zum Niederen, zum Selbstsüchtigen, zum Sinnlich-Angenehmen beilegen; und nur, wer sich emporschwingt über diese sinnliche Natur, wer sie ertötet und die rein geistige Stimme der Pflicht in sich sprechen lässt: der kann tugendhaft sein. 


So hat Kant den natürlichen Menschen erniedrigt, um den Moralischen um so höher heben zu können. Schiller schien darin etwas des Menschen Unwürdiges zu liegen. Sollten denn die Triebe des Menschen nicht so veredelt werden können, dass sie aus sich selbst heraus das Pflichtmäßige, das Sittliche tun? Dann brauchten sie, um sittlich zu wirken, nicht unterdrückt zu werden. Schiller stellte deshalb der strengen Kantschen Pflichtforderung seine Ansicht in dem folgenden Epigramm gegenüber:


Gewissensskrupel

Gerne dien' ich den Freunden, doch tu' ich es leider mit Neigung,
 Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin.

Entscheidung

Da ist kein anderer Rat, du musst suchen, sie zu verachten,
 Und mit Abscheu alsdann tun, wie die Pflicht dir gebeut.


Schiller suchte diese «Gewissensskrupel» auf seine Art zu lösen. Zwei Triebe walten tatsächlich im Menschen: der sinnliche Trieb und der Vernunftstrieb. Überlässt sich der Mensch dem sinnlichen Trieb, so ist er ein Spielball seiner Begierden und Leidenschaften, kurz seiner Selbstsucht. Gibt er sich ganz dem Vernunftstrieb hin, so ist er ein Sklave seiner strengen Gebote, seiner unerbittlichen Logik, seines kategorischen Imperativs. 


Ein Mensch, der bloß dem sinnlichen Triebe leben will, muss die Vernunft in sich zum Schweigen bringen; ein solcher, der nur der Vernunft dienen will, muss die Sinnlichkeit ertöten. Hört der erstere doch die Vernunft, so unterwirft er sich ihr nur unfreiwillig; vernimmt der letztere die Stimme seiner Begierden, so empfindet er sie als Last auf seinem Tugendwege. Die physische und die geistige Natur des Menschen scheinen also in einem verhängnisvollen Zwiespalt zu leben. Gibt es nicht einen Zustand im Menschen, in dem beide Triebe, der sinnliche und der geistige, in Harmonie stehen?


Schiller beantwortet die Frage mit « Ja ». Es ist der Zustand, in dem das Schöne geschaffen und genossen wird. Wer ein Kunstwerk schafft, der folgt einem freien Naturtrieb. Er tut es aus Neigung. Aber es sind keine physischen Leidenschaften, die ihn antreiben; es ist die Phantasie, der Geist. Ebenso ist es mit demjenigen, der sich dem Genusse eines Kunstwerkes hingibt. Es befriedigt seinen Geist zugleich, indem es auf seine Sinnlichkeit wirkt. Seinen Begierden kann der Mensch nachgehen, ohne die höheren Gesetze des Geistes zu beachten; seine Pflicht kann er erfüllen, ohne sich um die Sinnlichkeit zu kümmern; ein schönes Kunstwerk wirkt auf sein Wohlgefallen, ohne seine Begierde zu erwecken; und es versetzt ihn in eine geistige Welt, in der er aus Neigung verweilt. In diesem Zustande ist der Mensch wie das Kind, das bei seinen Handlungen seiner Neigung folgt und nicht frägt, ob diese den Vernunftgesetzen widerstrebt: « Durch die Schönheit wird der sinnliche Mensch ...


zum Denken geleitet; durch die Schönheit wird der geistige Mensch zur Materie zurückgeführt und der Sinnenwelt wiedergegeben. » (18. Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen.) «Die hohe Gleichmütigkeit und Freiheit des Geistes, mit Kraft und Rüstigkeit verbunden, ist die Stimmung, in der uns ein echtes Kunstwerk entlassen soll, und es gibt keinen sichereren Probierstein der wahren ästhetischen Güte. Finden wir uns nach einem Genus dieser Art zu irgendeiner besonderen Empfindungsweise oder Handlungsweise vorzugsweise aufgelegt, zu einer anderen hingegen ungeschickt und verdrossen, so dient dies zu einem untrüglichen Beweise, dass wir keine rein ästhetische Wirkung erfahren haben, es sei nun, dass es an dem Gegenstand oder an unserer Empfindungsweise oder (wie fast immer der Fall ist) an beiden zugleich gelegen habe. » (22. Brief.)


Weil der Mensch durch die Schönheit weder ein Sklave der Sinnlichkeit ist noch der Vernunft, sondern durch sie beide zusammen in seiner Seele wirken, vergleicht Schiller den Trieb zur Schönheit demjenigen des Kindes, das in seinem Spiel seinen Geist nicht Vernunftgesetzen unterwirft, sondern ihn frei seiner Neigung nach gebraucht. Deshalb nennt er diesen Trieb zur Schönheit Spieltrieb: « Mit dem Angenehmen, mit dem Guten, mit dem Vollkommenen ist es dem Menschen nur Ernst; aber mit der Schönheit spielt er. Freilich dürften wir uns hier nicht an die Spiele erinnern, die in dem wirklichen Leben im Gange sind und die sich gewöhnlich nur auf sehr materielle Gegenstände richten; aber in dem wirklichen Leben würden wir auch die Schönheit vergebens suchen, von der hier die Rede ist. Die wirklich vorhandene Schönheit ist des wirklich vorhandenen Spieltriebs wert; aber durch das Ideal der Schönheit, welches die Vernunft aufstellt, ist auch ein Ideal des Spieltriebs aufgegeben, das der Mensch in allen seinen Spielen im Auge haben soll. » (15. Brief.) In der Erfüllung dieses idealen Spieltriebs findet der Mensch die Wirklichkeit der Freiheit.


Er gehorcht nun nicht mehr der Vernunft; und er folgt nicht mehr der sinnlichen Neigung. Er handelt aus Neigung so, wie wenn er aus Vernunft handelte. «Der Mensch soll mit der Schönheit nur spielen, und er soll nur mit der Schönheit spielen ... Denn, um es endlich... herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.» Schiller hätte auch sagen können: Im Spiel ist der Mensch frei; in der Erfüllung der Pflicht und in der Hingabe an die Sinnlichkeit ist er unfrei. Will der Mensch nun auch in seinem moralischen Handeln in voller Bedeutung des Wortes Mensch sein, das heißt, will er frei sein, so muss er zu seinen Tugenden dasselbe Verhältnis haben wie zur Schönheit. Er muss seine Neigungen zu Tugenden veredeln; und er muss sich mit seinen Tugenden so durchdringen, dass er, seiner ganzen Wesenheit nach, gar keinen anderen Trieb hat, als ihnen zu folgen. Ein Mensch, der diesen Einklang zwischen Neigung und Pflicht hergestellt hat, kann in jedem Augenblick auf die Güte seiner Handlungen wie auf etwas Selbstverständliches rechnen.


Man kann von diesem Gesichtspunkte aus auch das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen betrachten. Der Mensch, der seinen sinnlichen Trieben folgt, ist selbstsüchtig. Er ginge stets nur seinem eigenen Wohlsein nach, wenn nicht der Staat das Zusammensein durch Vernunftgesetze regelte.

Der freie Mensch vollbringt aus eigenem Antriebe, was der Staat von dem selbstsüchtigen Menschen fordern muss. In einem Zusammensein von freien Menschen bedarf es keiner Zwangsgesetze. «Mitten in dem furchtbaren Reich der Kräfte und mitten in dem heiligen Reich der Gesetze baut der ästhetische Bildungstrieb unvermerkt an einem dritten, fröhlichen Reiche des Spiels und des Scheins, worin er dem Menschen die Fesseln aller Verhältnisse abnimmt und ihn von allem, was Zwang heißt, sowohl im Physischen wie im Moralischen entbindet.» (27. Brief.) « Dieses Reich erstreckt sich aufwärts, bis wo die Vernunft mit unbedingter Notwendigkeit herrscht und alle ,Materie aufhört; es erstreckt sich niederwärts, bis wo der Naturtrieb mit blinder Nötigung waltet. »


So betrachtet Schiller ein moralisches Reich als Ideal, in dem die tugendhafte Gesinnung mit derselben Leichtigkeit und Freiheit waltet wie der Geschmack im Reiche des Schönen. Er macht das Leben im Reiche des Schönen zum Muster einer vollkommenen, den Menschen in jeder Richtung befreienden sittlichen gesellschaftlichen Ordnung. Er schließt die schöne Abhandlung, in der er dieses sein Ideal darstellt, mit der Frage, ob eine solche Ordnung irgendwo existiere, und beantwortet sie damit: «Dem Bedürfnis nach existiert (sie) in jeder feingestimmten Seele; in der Tat möchte man sie wohl nur wie die reine Kirche und die reine Republik, in einigen wenigen auserlesenen Zirkeln finden, wo nicht die geistlose Nachahmung fremder Sitten, sondern eigene schöne Natur das Betragen lenkt, wo der Mensch durch die verwickeltesten Verhältnisse mit kühner Einfalt und ruhiger Unschuld geht und weder nötig hat, fremde Freiheit zu kränken, um die seinige zu behaupten, noch seine Würde wegzuwerfen, um Anmut zu zeigen.»


In dieser zur Schönheit veredelten Tugendhaftigkeit hat Schiller eine Vermittelung zwischen der Weltanschauung Kants und derjenigen Goethes gefunden. Wie groß auch der Zauber war, den Kant auf Schiller ausübte, als dieser selbst das Ideal des reinen Menschentums gegenüber der wirklich herrschenden moralischen Ordnung verteidigte: Schiller wurde, als er Goethe näher kennen lernte, ein Bewunderer von dessen Welt- und Lebensbetrachtung, und sein stets nach reinster Gedankenklarheit drängender Sinn ließ ihn nicht eher Ruhe finden, bis es ihm gelungen war, diese Goethesche Weisheit auch begrifflich zu durchdringen. Die hohe Befriedigung, die Goethe aus seinen Anschauungen über Schönheit und Kunst auch für seine Lebensführung zog, führte Schiller mehr und mehr zu der Vorstellungsart des ersteren hinüber. Als er Goethe für Übersendung des «Wilhelm Meister» dankt, tut er dies mit den Worten: 


« Ich kann Ihnen nicht ausdrücken, wie peinlich mir das Gefühl oft ist, von einem Produkt dieser Art in das philosophische Wesen hineinzusehen. Dort ist alles so heiter, so lebendig, so harmonisch aufgelöst und so menschlich wahr; hier alles so strenge, so rigid und abstrakt, und so höchst unnatürlich, weil alle Natur nur Synthesis und alle Philosophie Antithesis ist. Zwar darf ich mir das Zeugnis geben, in meinen Spekulationen der Natur so treu geblieben zu sein, als sich mit dem Begriff der Analysis verträgt; ja vielleicht bin ich ihr treuer geblieben als unsere Kantianer für erlaubt und für möglich hielten.


Aber dennoch fühle ich nicht weniger lebhaft den unendlichen Abstand zwischen dem Leben und dem Räsonnement und kann mich nicht enthalten, in einem solchen melancholischen Augenblicke für einen Mangel in meiner Natur auszulegen, was ich in einer heiteren Stunde bloß für eine natürliche Eigenschaft der Sache ansehen muss. So viel ist indes gewiss, der Dichter ist der einzig wahre Mensch, und der beste Philosoph ist nur eine Karikatur gegen ihn. »


Dieses Urteil Schillers kann sich nur auf die Kantsche Philosophie beziehen, an der Schiller seine Erfahrungen gemacht hat. Sie entfernt den Menschen in vieler Beziehung von der Natur. Sie bringt dieser keinen Glauben entgegen, sondern lässt als gültige Wahrheit nur gelten, was aus der eigenen geistigen Organisation des Menschen genommen ist. Dadurch entbehren alle ihre Urteile jener frischen, inhaltvollen Farbigkeit, die alles hat, was wir durch unmittelbare Anschauung der natürlichen Vorgänge und Dinge selbst gewinnen. Sie bewegt sich in blutleeren, grauen, kalten Abstraktionen. Sie gibt die Wärme hin, die wir aus der unmittelbaren Berührung mit den Dingen und Wesen gewinnen und tauscht dafür die Kälte ihrer abstrakten Begriffe ein.


Und auch im Moralischen zeigt die Kantsche Weltanschauung dieselbe Gegensätzlichkeit gegen die Natur. Der rein vernünftige Pflichtbegriff schwebt ihr als Höchstes vor. Was der Mensch liebt, wozu er Neigung hat: alles das Unmittelbar-Natürliche im Menschenwesen muss diesem Pflichtideal untergeordnet werden. Sogar bis in die Region des Schönen hinein vertilgt Kant den Anteil, den der Mensch seinen ursprünglichen Empfindungen und Gefühlen nach haben muss. Das Schöne soll ein völlig « interesse(n)loses » Wohlgefallen hervorrufen.


Hören wir, wie hingebend, wie «interessiert Schiller dem Werk, an dem er die höchste Stufe des Künstlerischen bewundert, gegenübersteht. Er sagt über «Wilhelm Meister»: «Ich kann das Gefühl, das mich beim Lesen dieser Schrift, und zwar im zunehmenden Grade, je weiter ich darin komme, durchdringt und besitzt, nicht besser als durch eine süße und innige Behaglichkeit, durch ein Gefühl geistiger und leiblicher Gesundheit ausdrücken, und ich wollte dafür bürgen, dass es dasselbe bei allen Lesern im Ganzen sein muss. Ich erkläre mir dieses Wohlsein von der durchgängig darin herrschenden ruhigen Klarheit, Glätte und Durchsichtigkeit, die auch nicht das geringste zurücklässt, was das Gemüt unbefriedigt und unruhig lässt, und die Bewegung desselben nicht weiter treibt als nötig ist, um ein fröhliches Leben in dem Menschen anzufachen und zu erhalten.» So spricht nicht jemand, der an das interesselose Wohlgefallen glaubt, sondern einer, der die Lust an dem Schönen einer solchen Veredelung für fähig hält, dass es keine Erniedrigung bedeutet, sich dieser Lust völlig hinzugeben. Das Interesse soll nicht erlöschen, wenn wir dem Kunstwerk gegenüberstehen; wir sollen vielmehr imstande sein, unser Interesse auch dem entgegenbringen zu können, was Ausfluss des Geistes ist. Und diese Art des Interesses für das Schöne soll der «wahre» Mensch auch den moralischen Vorstellungen gegenüber haben.


In einem Briefe an Goethe schreibt Schiller: « Es ist wirklich der Bemerkung wert, dass die Schlaffheit über ästhetische Dinge immer sich mit der moralischen Schlaffheit verbunden zeigt, und dass das reine strenge Streben nach dem hohen Schönen, bei der höchsten Liberalität gegen alles, was Natur ist, den Rigorismus im Moralischen bei sich führen wird. 

» Die Entfremdung von der Natur empfand Schiller in der Weltanschauung, in der ganzen Zeitkultur, innerhalb derer er lebte, so stark, dass er sie zum Gegenstande einer Betrachtung in dem Aufsatze «Über naive und sentimentalische Dichtung» machte. Er vergleicht die Lebensansicht seiner Zeit mit derjenigen der Griechen und fragt sich: «Wie kommt es, dass wir, die in allem, was Natur ist, von den Alten so unendlich weit übertroffen werden, ... der Natur in einem höheren Grade huldigen, mit Innigkeit an ihr hangen und selbst die leblose Welt mit der wärmsten Empfindung umfassen können? »


Und er beantwortet diese Frage: «Daher kommt es, weil die Natur bei uns aus der Menschheit verschwunden ist und wir sie nur außerhalb dieser in der unbeseelten Welt, in ihrer Wahrheit wieder antreffen. Nicht unsere größere Naturmäßigkeit, ganz im Gegenteil die Naturwidrigkeit unserer Verhältnisse, Zustände und Sitten treibt uns an, dem erwachenden Triebe nach Wahrheit und Simplizität, der, wie die moralische Anlage, aus welcher erfließet, unbestechlich und unaustilgbar in allen menschlichen Herzen liegt, in der physischen Welt eine Befriedigung zu verschaffen, die in der moralischen nicht zu hoffen ist. Deswegen ist das Gefühl, womit wir an der Natur hangen, dem Gefühle so nahe verwandt, womit wir das entflohene Alter der Kindheit und der kindlichen Unschuld beklagen. Unsere Kindheit ist die einzige unverstümmelte Natur, die wir in der kultivierten Menschheit noch antreffen, daher es kein Wunder ist, wenn uns jede Fußtapfe der Natur außer uns auf unsere Kindheit zurückführt.»


Das war nun bei den Griechen ganz anders. Sie lebten ein Leben innerhalb des Natürlichen. Alles, was sie taten, kam aus ihrem natürlichen Vorstellen, Fühlen und Empfinden heraus. Sie waren innig verbunden mit der Natur. Der moderne Mensch fühlt in seinem Wesen einen Gegensatz zur Natur. Da aber der Drang nach dieser Urmutter des Daseins doch nicht ausgetilgt werden kann, so wird er sich in der modernen Seele in eine Sehnsucht nach der Natur, in ein Suchen derselben verwandeln. Der Grieche hatte Natur; der Moderne sucht Natur. «Solange der Mensch noch reine, es versteht sich nicht rohe, Natur ist, wirkt er als ungeteilte sinnliche Einheit und als ein harmonierendes Ganzes. Sinne und Vernunft, empfangendes und selbsttätiges Vermögen, haben sich in ihrem Geschäfte noch nicht getrennt, viel weniger stehen sie im Widerspruch miteinander. Seine Empfindungen sind nicht das formlose Spiel des Zufalls, seine Gedanken nicht das gehaltlose Spiel der Vorstellungskraft; aus dem Gesetz der Notwendigkeit gehen jene, aus der Wirklichkeit gehen diese hervor.


Ist der Mensch in den Stand der Kultur getreten und hat die Kunst ihre Hand an ihn gelegt, so ist jene sinnliche Harmonie in ihm aufgehoben, und er kann nur noch als moralische Einheit, das heißt als nach Einheit strebend sich äußern. Die Übereinstimmung zwischen seinem Empfinden und Denken, die in dem ersten Zustande wirklich stattfand, existiert jetzt bloß idealisch; sie ist nicht mehr in ihm, sondern außer ihm, als ein Gedanke, der erst realisiert werden soll, nicht mehr als Tatsache seines Lebens.» Die Grundstimmung des griechischen Geistes war naiv, die des modernen ist sentimentalisch; die Weltanschauung des ersten durfte daher realistisch sein. Denn er hatte das Geistige von dem Natürlichen noch nicht getrennt; die Natur schloss für ihn den Geist noch mit ein. Überließ er sich der Natur, so geschah es der geisterfüllten Natur gegenüber. Anders der Moderne. Er hat den Geist von der Natur losgelöst, in das graue Reich der Abstraktion erhoben. Gäbe er sich seiner Natur hin, so täte er es der geistentblößten Natur gegenüber. Deshalb muss sein höchstes Streben dem Ideal zugewandt sein; durch das Streben nach diesem wird er Geist und Natur wieder versöhnen. In Goethes Geistesart fand nun Schiller etwas der griechischen Art Verwandtes. Goethe glaubte, seine Ideen und Gedanken mit Augen zu sehen, weil er die Wirklichkeit als ungetrennte Einheit von Geist und Natur empfand. Er hatte sich nach Schillers Meinung etwas erhalten, zu dem der sentimentalische Mensch erst wieder kommt, wenn er den Gipfel seines Strebens erreicht. Und einen solchen Gipfel erklimmt er eben in dem von Schiller beschriebenen ästhetischen Zustand, in dem Sinnlichkeit und Vernunft ihren Einklang gefunden haben.


Mit dem Ausspruch, den Schiller Goethe gegenüber in seinem Brief am 23. August 1794 tut, ist das Wesen der neueren Weltanschauungsentwicklung bedeutungsvoll gekennzeichnet: « Wären Sie als ein Grieche... geboren worden und hätte schon von der Wiege an eine auserlesene Natur und eine idealisierende Kunst Sie umgeben, so wäre Ihr Weg unendlich verkürzt, vielleicht ganz überflüssig gemacht worden. Schon in die erste Anschauung der Dinge hätten Sie dann die Form des Notwendigen aufgenommen, und mit Ihren ersten Erfahrungen hätte sich der große Stil in Ihnen entwickelt. Nun ... da Ihr griechischer Geist in diese nordische Schöpfung geworfen wurde, so blieb Ihnen keine andere Wahl, als entweder selbst zum nordischen Künstler zu werden oder Ihrer Imagination das, was ihr die Wirklichkeit vorenthält, durch Nachhilfe der Denkkraft zu ersetzen, und so gleichsam von innen heraus und auf einem rationalen Wege ein Griechenland zu gebären. » Schiller empfindet das offenbaren diese Sätze den Gang der Entwicklung des Seelenlebens von der griechischen Zeit bis in die seinige. Im Gedankenleben enthüllte sich für den Griechen das Seelenleben; und er konnte diese Enthüllung hinnehmen, denn der Gedanke war für ihn eine Wahrnehmung, wie Farben oder Töne es sind. Dieser Gedanke ist für den neueren Menschen verblasst; von ihm muss im Innern der Seele erlebt werden, was schaffend die Welt durchwebt; und damit das unwahrnehmbare Gedankenleben doch Anschaulichkeit hat, muss es von der Imagination erfüllt werden. Von einer solchen Imagination, welche sich eins fühlt mit den schaffenden Mächten der Natur.


Weil in dem modernen Menschen das Seelenbewusstsein sich in Selbstbewusstsein gewandelt hat, entsteht die Frage der Weltanschauung: Wie erlebt das Selbstbewusstsein sich lebendig so, dass sein Erleben in dem Schaffen der lebendigen Weltenkräfte sich darinnen weiß? Schiller hat diese Frage in seiner Art beantwortet, indem er das Leben im künstlerischen Empfinden als Ideal für sich in Anspruch nahm. In diesem Empfinden fühlt das menschliche Selbstbewusstsein seine Verwandtschaft mit dem, was über das bloße Naturbild hinausliegt. In ihm fühlt der Mensch sich vom Geiste erfasst, indem er als Natur- und Sinnenwesen sich an die Welt hingibt. Leibniz sucht die Menschenseele als Monade zu begreifen Fichte geht nicht von einer bloßen Idee aus, durch welche klar werden sollte, was die Menschenseele ist; er sucht ein Erleben, in dem diese Seele sich in ihrem Wesen ergreift; Schiller frägt: Gibt es ein Erleben der Menschenseele, in dem sie fühlen kann, wie sie in dem Geistig-Wirklichen wurzelt? Goethe erlebt in sich Ideen, die zugleich Naturideen für ihn darstellen. In Goethe, Fichte, Schiller ringt sich die erlebte Idee, man könnte auch sagen: das ideelle Erlebnis in die Seele herein; im Griechentum vollzog sich dies mit der wahrgenommenen Idee, der ideellen Wahrnehmung.


Die Welt- und Lebensanschauung, die in Goethe auf naive Weise vorhanden war, und nach der Schiller auf allen Umwegen des Denkens strebte, hat nicht das Bedürfnis nach jener allgemein gültigen Wahrheit, die in der Mathematik ihr Ideal erblickt; sie ist befriedigt von der anderen Wahrheit, die unserem Geiste sich aus dem unmittelbaren Verkehre mit der wirklichen Welt ergibt. Die Erkenntnisse, die Goethe aus der Betrachtung der Kunstwerke in Italien schöpfte, waren gewiss nicht von jener unbedingten Sicherheit wie die Sätze der Mathematik. Dafür waren sie auch weniger abstrakt. Aber Goethe stand vor ihnen mit der Empfindung « Da ist Notwendigkeit, da ist "Gott". Eine Wahrheit in dem Sinne, dass sie etwas anderes sei, als dasjenige, was sich auch in dem vollkommenen Kunstwerk offenbart, war für Goethe nicht vorhanden. Was die Kunst mit ihren technischen Mitteln: Ton, Marmor, Farbe, Rhythmus usw. verkörpert, das ist demselben Wahrheitsquell entnommen, aus dem auch der Philosoph schöpft, der allerdings nicht die unmittelbar anschaulichen Mittel der Darstellung hat, sondern dem einzig und allein der Gedanke, die Idee selbst, zur Verfügung steht. « Poesie deutet auf die Geheimnisse der Natur und sucht sie durchs Bild zu lösen. Philosophie deutet auf die Geheimnisse der Vernunft und sucht sie durchs Wort zu lösen », sagt Goethe.


Aber die Vernunft und die Natur sind ihm zuletzt eine untrennbare Einheit, denen dieselbe Wahrheit zugrunde liegt. Ein Erkenntnisstreben, das, von den Dingen losgelöst, in einer abstrakten Welt lebt, gilt ihm nicht als das Höchste. « Das Höchste wäre, zu begreifen, dass alles Faktische schon Theorie ist. » Die Bläue des Himmels offenbart uns das Grundgesetz der Farbenerscheinungen. « Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre. 


» Der Psychologe Heinroth bezeichnete in seiner Anthropologie das Denken, durch das Goethe zu seinen Einsichten in die naturgemäße Bildung der Pflanzen und Tiere gelangte, als « gegenständliches Denken »


Er meinte damit, dass sich dieses Denken von den Gegenständen nicht sondere; dass die Gegenstände, die Anschauungen in inniger Durchdringung mit dem Denken stehen, dass Goethes Denken zugleich ein Anschauen, sein Anschauen zugleich ein Denken sei. Schiller ist ein feiner Beobachter und Schilderer dieser Geistesart geworden. Er schreibt über sie in einem Briefe an Goethe: «Ihr beobachtender Blick, der so still und rein auf den Dingen ruht, setzt Sie nie in Gefahr, auf den Abweg zu geraten, in den sowohl die Spekulation als die willkürliche und bloß sich selbst gehorchende Einbildungskraft sich so leicht verirrt. In Ihrer richtigen Intuition liegt alles und weit vollständiger, was die Analysis mühsam sucht, und nur, weil es als ein Ganzes in Ihnen liegt, ist Ihnen Ihr eigener Reichtum verborgen; denn leider wissen wir nur das, was wir scheiden. Geister Ihrer Art wissen daher selten, wie weit sie gedrungen sind, und wie wenig Ursache sie haben, von der Philosophie zu borgen, die nur von ihnen lernen kann.» Für die Goethesche und Schillersche Weltanschauung ist Wahrheit nicht bloß innerhalb der Wissenschaft vorhanden, sondern auch innerhalb der Kunst.


Goethes Meinung ist diese: «Ich denke, Wissenschaft könnte man die Kenntnis des Allgemeinen nennen, das abgezogene Wissen; Kunst dagegen wäre Wissenschaft zur Tat verwendet; Wissenschaft wäre Vernunft, und Kunst ihr Mechanismus, deshalb man sie auch praktische Wissenschaft nennen könnte. Und so wäre denn endlich Wissenschaft das Theorem, Kunst das Problem.» Die Wechselwirkung des wissenschaftlichen Erkennens und des künstlerischen Gestaltens der Erkenntnis schildert Goethe: «Es ist offenbar, dass ein ... Künstler nur desto größer und entschiedener werden muss, wenn er zu seinem Talente noch ein unterrichteter Botaniker ist, wenn er von der Wurzel an den Einfluss der verschiedenen Teile auf das Gedeihen und das Wachstum der Pflanze, ihre Bestimmung und wechselseitigen Wirkungen erkennt, wenn er die sukzessive Entwicklung der Blätter, Blumen, Befruchtung, Frucht und des neuen Keimes einsieht und überdenkt. Er wird alsdann nicht bloß durch die Wahl aus den Erscheinungen seinen Geschmack zeigen, sondern er wird uns auch durch eine richtige Darstellung der Eigenschaften zugleich in Verwunderung setzen.» So waltet im künstlerischen Erzeugen die Wahrheit, denn der Kunststil ruht nach dieser Auffassung auf «den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, insofern uns erlaubt ist, es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen». Eine Folge dieser Ansicht über die Wahrheit und ihre Erkenntnis ist, dass man der Phantasie ihren Anteil beim Zustandekommen des Wissens zugestand und nicht bloß in dem abstrakten Verstand das einzige Erkenntnisvermögen sah.


Die Vorstellungen, die Goethe seinen Betrachtungen über Pflanzen- und Tierbildung zugrunde legte, waren nicht graue, abstrakte Gedanken, sondern aus der Phantasie heraus erzeugte sinnlich-übersinnliche Bilder. Nur das Beobachten mit Phantasie kann wirklich in das Wesen der Dinge führen, nicht die blutleere Abstraktion: dies ist Goethes Überzeugung. Deshalb hebt er an Galilei hervor, dass dieser beobachtete als Genie, dem «ein Fall für tausend gilt», indem «er sich aus schwingenden Kirchenlampen die Lehre des Pendels und des Falles der Körper entwickelte». Die Phantasie schafft an dem einen Falle ein inhaltvolles Bild des Wesentlichen in den Erscheinungen; der abstrahierende Verstand kann nur aus der Kombination, Vergleichung und Berechnung der Erscheinungen eine allgemeine Regel ihres Verlaufes gewinnen.


Dieser Glaube Goethes an die Erkenntnisfähigkeit der Phantasie, die sich zu einem Miterleben der schaffenden Weltkräfte erhebt, ruht auf seiner ganzen Weltauffassung. Wer wie er das Naturwirken in allem sieht, der kann in dem geistigen Inhalt der menschlichen Phantasie auch nichts sehen als höhere Naturprodukte. Die Phantasiebilder sind Naturprodukte; und da sie die Natur wiedergeben, können sie nur die Wahrheit enthalten, denn sonst würde die Natur sich selbst mit diesen Abbildern belügen, die sie von sich schafft. Nur Menschen mit Phantasie können die höchste Stufe des Erkennens erreichen. Sie nennt Goethe die «Umfassenden» und «Anschauenden» im Gegensatz zu den bloß «Wißbegierigen», die auf einer niedrigeren Erkenntnisstufe stehen bleiben. «Die Wißbegierigen bedürfen eines ruhigen, uneigennützigen Blickes, einer neugierigen Unruhe, eines klaren Verstandes ...; sie verarbeiten auch nur im wissenschaftlichen Sinne dasjenige, was sie vorfinden.» «Die Anschauenden verhalten sich schon produktiv, und das Wissen, indem es sich selbst steigert, fordert, ohne es zu bemerken, das Anschauen und geht dahin über; und so sehr sich auch die Wissenden vor der Imagination kreuzigen und segnen, so müssen sie doch, ehe sie sich versehen, die produktive Einbildungskraft zu Hilfe rufen ... Die Umfassenden, die man in einem stolzeren Sinne die Erschaffenden nennen könnte, verhalten sich im höchsten Sinne produktiv; indem sie nämlich von Ideen ausgehen, sprechen sie die Einheit des Ganzen schon aus, und es ist gewissermaßen nachher die Sache der Natur, sich in diese Idee zu fügen.» Wer an eine solche Erkenntnisart glaubt, dem kann es nicht beikommen, über die Eingeschränktheit der menschlichen Erkenntnis in Kantscher Weise zu sprechen. Denn das, wessen der Mensch als seine Wahrheit bedarf, das erlebt er in seinem Innern. Der Kern der Natur liegt im Innern des Menschen.


Die Weltanschauung Goethes und Schillers verlangt gar nicht von der Wahrheit, dass sie eine Wiederholung der Welterscheinungen in der Vorstellung sei, dass also die letztere im wörtlichen Sinne mit etwas außer dem Menschen übereinstimme. Das, was im Menschen erscheint, ist als solches, als Ideelles, als geistiges Sein, in keiner Außenwelt vorhanden; aber es ist dasjenige, was als Gipfel alles Werdens zuletzt erscheint. Deshalb braucht für diese Weltanschauung die Wahrheit nicht allen Menschen in der gleichen Gestalt zu erscheinen. Sie kann in jedem einzelnen ein individuelles Gepräge tragen. Wer die Wahrheit in der Übereinstimmung mit einem Äußeren sucht, für den gibt es nur eine Form derselben, und er wird mit Kant nach derjenigen «Metaphysik» suchen, die allein «als Wissenschaft wird auftreten können.


Wer in der Wahrheit die höchste Frucht alles Daseins sieht, dasjenige, in dem das «Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel gelangt, aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern» würde (Goethe, in seinem Aufsatz über Winkelmann), der kann mit Goethe sagen: «Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß ich's Wahrheit. Und so kann jeder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige. » Nicht in dem, was uns die Außenwelt liefert, liegt das Wesen des Seins, sondern in dem, was der Mensch in sich erzeugt, ohne dass es schon in der Außenwelt vorhanden ist. Goethe wendet sich daher gegen diejenigen, die durch Instrumente und objektive Versuche in das sogenannte « Innere der Natur dringen wollen, denn « der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann, und ist eben das größte Unheil der neueren Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat, und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will. » Dafür «steht ja aber der Mensch so hoch, dass sich das sonst Undarstellbare in ihm darstellt. 


Was ist denn eine Saite und alle mechanische Teilung derselben gegen das Ohr des Musikers? Ja, man kann sagen, was sind die elementaren Erscheinungen der Natur selbst gegen den Menschen, der sie alle bändigen und modifizieren muss, um sie sich einigermaßen assimilieren zu können. » Goethe spricht seinem Weltbilde gegenüber weder von einem bloßen begrifflichen Erkennen, noch von einem Glauben, sondern von einem Schauen im Geiste. An Jacobi schreibt er: « Du hältst aufs Glauben an Gott; ich aufs Schauen. » Dieses Schauen im Geiste tritt so, wie es hier gemeint ist, in die Weltanschauungsentwicklung ein als diejenige Seelenkraft, welche einem Zeitalter entspricht, dem der Gedanke nicht mehr das ist, was er dem griechischen Denker war; dem er vielmehr als ein Erzeugnis des Selbstbewusstseins sich zu erkennen gibt; aber als ein solches, welches dadurch gewonnen wird, dass sich dieses Selbstbewusstsein innerhalb der geistig in der Natur schaffenden Mächte weiß. Goethe ist der Repräsentant einer Weltanschauungsepoche, welche sich gedrängt fühlt, vom bloßen Denken zum Schauen überzugehen. Schiller bemüht sich, diesen Übergang Kant gegenüber zu rechtfertigen.


*

Der innige Bund, der durch Goethe, Schiller und ihre Zeitgenossen zwischen Dichtung und Weltanschauung geschlossen wurde, hat der letzteren im Anfange unseres Jahrhunderts das leblose Gepräge genommen, in das sie kommen muss, wenn sie sich allein in der Region des abstrahierenden Verstandes bewegt. Dieser Bund hat als sein Ergebnis den Glauben gezeitigt, dass es ein persönliches, ein individuelles Element in der Weltanschauung gibt. Dem Menschen ist möglich, sich sein Verhältnis zur Welt seiner Eigenart gemäß zu schaffen, und doch in die Wirklichkeit, nicht in eine bloß phantastische Schemenwelt unterzutauchen. Sein Ideal braucht nicht das Kantsche, eine ein für allemal abgeschlossene theoretische Anschauung nach dem Muster der Mathematik, zu sein.


Nur aus der geistigen Atmosphäre einer solchen, die menschliche Individualität erhebenden Überzeugung, kann eine Vorstellung wie diejenige Jean Pauls (1763-1825) geboren werden:


« Das Herz des Genies, welchem alle anderen Glanz- und Hilfskräfte nur dienen, hat und gibt ein echtes Kennzeichen, nämlich neue Welt- und Lebensanschauung. » Wie könnte es das Kennzeichen des höchst entwickelten Menschen, des Genies, sein, eine neue Welt- und Lebensanschauung zu schaffen, wenn es nur eine wahre, allgemein gültige Weltanschauung gäbe, wenn die Vorstellungswelt nur eine Gestalt hätte? 


Jean Paul ist auf seine Art ein Verteidiger der Goetheschen Ansicht, dass der Mensch im Innern die höchste Form des Daseins erlebt. Er schreibt an Jacobi: « Eigentlich glauben wir doch nicht die göttliche Freiheit, Gott, Tugend, sondern wir schauen sie wirklich als schon gegeben oder sich gebend, und dieses Schauen ist eben ein Wissen, und ein höheres, indes das Wissen des Verstandes sich bloß auf ein niederes Schauen bezieht. Man könnte die Vernunft das Bewusstsein des alleinigen Positiven nennen, denn alles Positive der Sinnlichkeit löst sich zuletzt in das der Geistigkeit auf, und der Verstand treibt sein Wesen ewig bloß mit dem Relativen, das an sich nichts ist, daher vor Gott das Mehr oder Minder und alle Vergleichsstufen wegfallen.


» Das Recht, die Wahrheit im Innern zu erleben und dazu alle Seelenkräfte, nicht bloß den logischen Verstand in Bewegung setzen zu dürfen, will sich Jean Paul durch nichts rauben lassen. « Das Herz, die lebendige Wurzel des Menschen, soll mir die Transzendentalphilosophie (Jean Paul meint die an Kant sich anschließende Weltansicht) nicht aus der Brust reißen und einen reinen Trieb der Ichheit an die Stelle setzen, ich lasse mich nicht befreien von der Abhängigkeit der Liebe, um allein durch Hochmut selig zu werden. 


» So weist er die weltfremde moralische Ordnung Kants zurück. «Ich bleibe dabei, dass es, wie vier letzte, so vier erste Dinge gebe: Schönheit, Wahrheit, Sittlichkeit und Seligkeit, und dass die Synthese davon nicht nur notwendig, sondern auch schon gegeben sei, nur aber (und darum ist sie eben eine) in unfassbarer geistig-organischer Einheit, ohne welche wir an diesen vier Evangelisten oder Weltteilen gar kein Verständnis und keinen Übergang finden können. 


» Die mit äußerster logischer Strenge verfahrende Kritik des Verstandes war in Kant und Fichte so weit gekommen, die selbständige Bedeutung des Wirklichen, Lebensvollen zu einem bloßen Schein, zu einem Traumbild herabzusetzen. Diese Anschauung war für phantasievolle Menschen, die das Leben um die Gestalten ihrer Einbildungskraft bereicherten, unerträglich. Diese Menschen empfanden die Wirklichkeit, sie war in ihrem Wahrnehmen, in ihrer Seele gegenwärtig; und sie sollten sich deren bloße Traumhaftigkeit beweisen lassen. «Die Fenster der philosophischen Auditorien sind zu hoch, als dass sie auf die Gassen des wirklichen Lebens eine Aussicht gewähren, sagt daher Jean Paul.


Fichte strebte nach reinster, höchster erlebter Wahrheit. Er entsagte allem Wissen, das nicht aus dem eigenen Innern entspringt, weil nur aus diesem Gewissheit entspringen kann. Die Gegenströmung zu seiner Weltanschauung bildet die Romantik. Fichte lässt nur die Wahrheit gelten, und das Innere des Menschen nur insofern, als es die Wahrheit offenbart; die romantische Weltanschauung lässt nur das Innere gelten, und erklärt alles für wahrhaft wertvoll, was aus diesem Innern entspringt. Das Ich soll durch nichts Äußeres gefesselt sein. Alles was es schafft, hat seine Berechtigung.


Man darf von der Romantik sagen, dass sie den Schillerschen Satz: «Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt» bis zu seinen äußersten Konsequenzen verfolgte. Sie will die ganze Welt zu einem Reich des Künstlerischen machen. Der vollentwickelte Mensch kennt keine andere Norm als die Gesetze, die er mit frei waltender Einbildungskraft ebenso schafft wie der Künstler diejenigen, die er seinem Werke einprägt. Er erhebt sich über alles, was ihn von außen bestimmt, und lebt ganz aus sich heraus. 


Die ganze Welt ist ihm nur ein Stoff für sein ästhetisches Spiel. Der Ernst des Alltagsmenschen ist nicht in der Wahrheit wurzelnd. Die erkennende Seele kann die Dinge nicht an sich ernst nehmen, denn sie sind ihr nicht an sich wertvoll. Sie ist es vielmehr selbst, die ihnen einen Wert verleiht. Die Stimmung des Geistes, der sich dieser seiner Souveränität gegenüber den Dingen bewusst ist, nennen die Romantiker die ironische. Karl Wilhelm Ferdinand Solger (1780-1819) hat von der romantischen Ironie die Erklärung gegeben: «Es muss der Geist des Künstlers alle Richtungen in einem alles überschauenden Blick zusammenfassen, und diesen über allem schwebenden, alles vernichtenden Blick nennen wir Ironie.»


Friedrich Schlegel (1772-1829), einer der Stimmführer der romantischen Geistesrichtung, sagt von der ironischen Stimmung, dass sie «alles übersieht und sich über alles Bedingte unendlich erhebt, auch über einige Kunst, Tugend oder Genialität». Wer in dieser Stimmung lebt, fühlt sich durch nichts gebunden; nichts bestimmt ihm die Richtung seines Tuns. Er kann «nach Belieben philosophisch oder philologisch, kritisch oder poetisch, historisch oder rhetorisch, antik oder modern sich stimmen». Der ironische Geist erhebt sich über eine Wahrheit, die sich von der Logik fesseln lassen will; er erhebt sich aber auch über eine ewige, moralische Weltordnung. Denn nichts sagt ihm, was er tun soll, als allein er selbst. Was ihm gefällt, soll der Ironiker tun; denn seine Sittlichkeit kann nur eine ästhetische sein. Die Romantiker sind die Erben des Fichteschen Gedankens von der Einzigkeit des Ich. Aber sie wollten dieses Ich nicht mit Vernunftideen und mit einem moralischen Glauben erfüllen wie Fichte, sondern beriefen sich vor allem auf die freieste, durch nichts gebundene Seelenkraft, auf die Phantasie. Das Denken wurde bei ihnen völlig von dem Dichten aufgesogen. Novalis sagt: 


« Es ist recht übel, dass die Poesie einen besonderen Namen hat und die Dichter eine besondere Zunft ausmachen. Es ist gar nichts Besonderes. Es ist die eigentümliche Handlungsweise des menschlichen Geistes. Dichtet und trachtet nicht jeder Mensch in jeder Minute? » Das allein mit sich beschäftigte Ich kann zu der höchsten Wahrheit kommen: «Es dünkt dem Menschen, als sei er in einem Gespräch begriffen und irgendein unbekanntes geistiges Wesen veranlasse ihn auf eine wunderbare Weise zur Entwicklung der evidentesten Gedanken.» Im Grunde wollten die Romantiker nichts anderes, als was auch Goethe und Schiller zu ihrem Bekenntnis gemacht haben: eine Ansicht über den Menschen, die diesen so vollkommen, so frei wie möglich erscheinen lässt. Novalis erlebt seine Dichtungen und Betrachtungen aus einer Seelenstimmung heraus, welche sich zum Bilde der Welt verhält wie die Fichtesche. Aber Fichtes Geist wirkt in den scharfen Konturen reiner Begriffe; der Novalis' aus der Fülle eines Gemütes, welches da empfindet, wo andere denken, da in Liebe lebt, wo andere in Ideen die Wesen und Vorgänge der Welt umfassen wollen. Das Zeitalter sucht in seinen Repräsentanten die höhere Geistnatur hinter der äußeren Sinnenwelt, jene Geistnatur, in welcher die selbstbewusste Seele wurzelt, die nicht in der äußeren Sinnenwirklichkeit wurzeln kann. Novalis erfühlt, erlebt sich in der höheren Geistnatur. Was er ausspricht, fühlt er durch die ihm ursprüngliche Genialität wie die Offenbarungen dieser Geistnatur selbst.


Er notiert sich: « Einem gelang es er hob den Schleier der Göttin zu Sais aber was sah er? er sah Wunder der Wunder sich selbst. » Novalis gibt sich, wie er das geistige Geheimnis hinter der Sinnenwelt fühlt und das menschliche Selbstbewusstsein als das Organ, durch welches dieses Geheimnis sagt: Das bin ich, wenn er dieses sein Fühlen so ausdrückt: «Die Geisterwelt ist uns in der Tat schon aufgeschlossen, sie ist immer offenbar. Würden wir plötzlich so elastisch, als es nötig wäre, so sähen wir uns mitten unter ihr. »





Seit dem Beginn der Aufklärung, also seit gut 300 Jahren, hat sich das abendländische Denken der absoluten Widerspruchsfreiheit verschrieben; was widersprüchlich ist, kann nicht Bestand vor dem scharfen, zweiwertig-logischen Denken des Rationalisten haben. Widersprüche müssen überwunden werden (das ist der Motor der Technik) schlechthin. Oder sie gelten schlichtweg als falsch(e) Theorie(n) bzw. beschreiben Unwirkliches, Spekulatives, » Metaphysisches »  und werden in den Bereich des Glaubens verwiesen.



Und natürlich gilt die Kausalität auch nicht im Makrokosmos. Keine (einsehbare!) Ursache kann angegeben werden, warum die Welt überhaupt existiert, was die Galaxien (angeblich) auseinander treibt. Und was sonst wäre das Kriterium für Ursache, wenn nicht ihre Einsehbarkeit?


Nur aufgrund dieser Einsehbarkeit konstruieren wir ja die Ursache - und bauen darauf die von uns daraus gefolgerten (!) und »Wirkungen» genannten Ereignisse auf.


Auch Ruhe beginnt und endet nicht. Ruhe ist - wie die Zeit selbst weder zeitlich noch, bewegt und jeder (Astro-) Physiker wird es bestätigen - gar nicht. Die Welt ist in Bewegung und alles ist beständig in Veränderung. » Alles fließt » , sagte schon Heraklid und: » Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen » , was dasselbe bedeutet.


In die Kategorie des Unvorstellbaren gehört so » Banales » wie das schlichte Hilfszeitwort 

» sein » !. Wie will man es sich denn vorstellen?


- Also Buchstabenkombination? Oder bloß in jener Form, in der es im jeweiligen Satzkonstrukt eingebaut ist, also abwechselnd als » gewesen» , » ist » oder » wird sein » und » wird gewesen sein » . Wie stellt man sich gar den Konjunktiv von » sein » vor? » Wäre » etwa? Überhaupt läßt sich kein Allgemeinbegriff (weil er immer abstrakt ist) vorstellen.


Weder »Freiheit» und »Wirklichkeit» noch »Kraft» und »Energie» lassen sich vor-stellen, in dem Sinn, daß ich ein Ab-bild vor mich (geistig) hinstelle.


Es sollte klar geworden sein: Allgemeinbegriffe sind nur Verallgemeinerungen von Einzelbegriffen, denen alleine - wenn überhaupt Vorstellbarkeit zukommt. Allgemeinbegiffe haben keine »Eigenexistenz» außer jene ihrer jeweils konkreten Bezeichnung. Abstraktes ist nicht vorstellbar!


Vor-ge-stellt werden kann nur Konkretes, also ein ganz bestimmtes Dieses, dieser Mensch, dieses Auto, oder diese Form und Bedeutung von »sein» in diesem ganz konkreten Satz;
wobei die Technik durchaus (Maschinenbau) auf Vorstellbarkeit konzipiert ist, nämlich auf die Mechanik, (Hebel) dem Inbegriff des Vorstellbaren;


Beim direkten Ansetzen von Kraft am Beispiel des angetriebenen Autoreifens auf den Asphalt haben wir keine Vorstellungs- und Verständnisschwierigkeiten. Bei der Auswirkung einer Tsunami auf eine Küstensiedlung ebenfalls nicht. Bei Schallwellen funktioniert die Vorstellung auch noch: die Dichteschwankungen des Mediums Luft setzen sich von der Schallquelle bis zum Trommelfell » nahtlos » fort. Von dort werden die Druckunterschiede über Nervenbahnen ins Gehirn weitergeleitet.


Mit Radio- und Lichtwellen (beide das gleiche, nur die Frequenzen sind verschieden) hat unsere Vor-stellung schon Schwierigkeiten: da ist kein Medium mehr, das schwingt, da ist keine materielle Welle mehr, die sich fortsetzte. 


Um diesen Verständnisschwierigkeiten abzuhelfen (= Erklärunsbedarf der Nahwirkung !), hat man sogenannte Feldquanten der (nun » Wechselwirkung » genannten) Kräfte erfunden, die sogenannten Bosonen. Diese » befördern » die » Energie» (oder » Kraft» ) nun von 

» einem » Fermion (das sind die Elementarteilchen der Materie) zum » nächsten» (obwohl auch das nicht so einfach ist, wie wir es hier beschreiben).


Die Physik reicht über die Atomphysik und die Kosmogonie (die Wissenschaft, die sich mit den Methoden von Physik und Astronomie, mit dem Ursprung und der heutigen Struktur des Universums beschäftigt) längst in Bereiche, die bis dato der Religion oder (besser) der Philosophie vorbehalten geblieben wären. Längst hat die Teilchenphysik den Bereich des Quantifizierbaren überschritten.

E = mc². Diese mathematisierte Form der » Energie-Gleichung » drückt üblicherweise dualistisches Denken aus: Es werden beide Seiten der Gleichung gleich gesetzt. In monistischer Interpretation handelt es sich um den Ausdruck untrennbarer Einheit. Das widerspricht im Prinzip nicht der naturwissenschaftlichen Sicht: E und m sind auch in der Relativitätstheorie nicht wirklich trennbar, sondern zwei Ausprägungen desselben Einen.

Die schwache und die starke Kernkraft » besteht » aus Vektor-Bosonen und Gluonen (vom Englischen to glew = zusammenkleben), die ebenfalls als Feldquanten gelten.
Alle diese Feldquanten werden selbst als Elementarteilchen (Bindungs-Teilchen) verstanden, die mit anderen Elementarteilchen (Materie - Teilchen) wechselwirken und ausgetauscht werden können (Wechselwirkungsquanten). Siehe Quantenfeldtheorie.


Die vier Kräfte werden unter dem weitläufigen Begriff der Energie (in diesem Fall: Feldenergie) zusammengefaßt. Die Definitionen » Energie ist gleich Arbeit in der Zeiteinheit » oder » E = mc² » sind nur zwei willkürlich herausgegriffene Formalismen von vielen. Was Energie » wirklich » ist, weiß niemand, wobei der Begriff » wirklich » schon ausdrückt, was etwas (z. B. Licht als ein Spezialfall der elektromagnetischen Feldenergie) für uns nur sein kann: das nämlich, als was es auf uns wirkt.


Wie verhält es sich mit Photonen und Elektronen? Photonen haben keine Ruhmasse, repräsentieren also - weil nicht träge, weder beschleunigbar noch abbremsbar, ergo nicht veränderbar - keine vereinzelten, konkretisierten Existierende. Elektronen haben nach der Heisenbergschen Unschärferelation keinen gleichzeitig bestimmbaren Ort und Impuls. Sind sie noch vereinzelte, konkrete Existierende?


Nein. Man spricht auch heute eher von » verschmierter Elektronenwolke » mit Wahrscheinlichkeitszuständen.


Was das Photon daher » wirklich »  ist, ist widersrüchlich und  Widersprüche sind in der Naturwissenschaft verboten!

Aber! Es ist denknotwendig ( im System der Relativitätstheorie logisch schlüssig !!! ), daß ein Photon keine Ruhmasse haben darf, es könnte sonst nicht mit der Lichtgeschwindigkeit c » reisen » - 299.792,458 km/s, da seine Masse sonst ins Unendliche ginge und aus Trägheitsgründen nicht die Geschwindigkeit c erreichen könnte.


Auch das Bohrsche Atommodell ist eine falsche Vorstellung (wird jedoch immernoch unterrichtet): kein Physiker hält sie heute für noch gültig: weder sind Elektronen » kleine, gelbe Kügelchen » (wie sie W. Heisenberg einmal, den Frager arg verulkend, ausdrückte), noch » kreisen » sie um den Atomkern.

Vielmehr gelten die Elektronenschalen heute als » verschmierte Ladungswolken » , in denen (z. B. beim Heliumatom) die zwei Elektronen nicht einmal als zwei getrennt existierende Entitäten in der Ladungswolke lokalisierbar sind; einerseits aufgrund der Unschärferelation (W. Heisenberg), andererseits aufgrund des » Schildeffektes » der virtuellen Teilchen. 


Was soll man sich also unter einem» Doppelelektron » vorstellen? - Am besten gar nichts, das raten zumindest kluge Physiker; und rechnen » bloß » mit Ihren (erfundenen) Begriffen innerhalb der selbst aufgestellten Parametern Ihrer Wissenschaft.


Diese Naturwissenschaft war lange ein streng kausales und finales Denkgebäude, das noch immer auf logischer Widerspruchsfreiheit basiert (Verifizierbarkeit) und auf das Eintreten theoriekonformer Prognosen baut.

Logische Stringenz (von stringent) in die Vergangenheit (= Ursache) und solche in die Zukunft(= Wirkung) lautete das Rezept nach dem das naturwissenschaftliche » Weltbild » zubereitet war und nach dem es funktioniert(e). Das technisch Machbare lieferte bemerkenswerte Beweise für die Richtigkeit des Vorausgesetzten:... any - thing goes. - fast alles:


NMR - Spektroskopie, MRT (Nuclear Magnetic Resonance Tomograph) Kern»spin» tomograph » Larmor » - Präzession Eigenfrequenz » Puls » Radiowellen, EKG, EEG, Ultraschall, CMT, CT, CRT, Cardio - Computertomografie (Röntgenstrahlung) Spiral-CT, HIT (Heidelberger Ionenstrahlthearapie) diverse Laseranwendungen bis hin zum CD-Player etc. Was können verschränkte Quanten wirklich ? - Was sind Quanten und verschränkte obendrein ? Ein » Quant » ist die kleinste, » unteilbare» Menge einer physikalischen Größe, z. B. der elektr. Ladung oder der Wirkung (z. B. das Plancksche Wirkungsquant). Aber auch die Aufnahme oder Abgabe der elektromagnetischen Strahlungs energie erfolgt in Form von Energiemengen:

Diese (Licht-) Quanten heißen » Photonen » und gelten als Feldquanten der elektromagnetischen Wechselwirkung. Auch die (subatomare) starke und schwache Wechselwirkung (Kernenergie) und - zumindest nach dem Standardmodell - die » Gravitation» erfolgt gequantelt: Gluonen und intermediäre Bosonen ... der Gravitation werden die hypothetischen Gravitonen zugeschrieben. Quanten der elektromagnetischen Wechselwirkung gelten als virtuelle »Photonen» (äußerst kurzlebig) da Ihre Energie nur aus » Fluktuationen des Vakuums resultiert ».


Es zeigt sich jedoch, dass unser kausales Denken, also das Zurückführen einer Wirkung auf eine Ursache, im Mesokosmos durchaus aufgehen kann (aber nicht immer muss). Im Mikrokosmos funktioniert das aber nie ! Dort gibt es keine Kausalität, wir kommen hier mit unserem kausalen Denken nicht weiter sondern verheddern uns in einem Paradoxon.

- Der allgemeine Dualismus in der Naturwissenschaft:

schickt man z. B. einen Laserstrahl durch einen optisch nicht linearen Kristall ( Beta - Bariumborat oder Calcit ), können fallweise verschränkte Photonen entstehen. Dabei werden aus einem Ultraviolettphoton » zwei » niederenergetische Photonen, von denen eines »vertikal» und das anderer »horizontal» polarisiert ist. Von einem » Photonenpaar » , das seinen Weg entlang der beiden Linien nimmt, an denen sich die beiden Lichtstrahlen - die kegelförmig auseinanderstreben - überlappen, hat keines der beiden Photonen eine eindeutig definierte Polarisation - man spricht von " Superposition ":

Die beiden Photonen dieses Paares haben die Möglichkeit sowohl zur horizontalen als auch vertikalen Polarisation. Ihre relative Polarisation ist damit stets komplementär und das nennt man » verschränkt ».

Wird ein solches » Paar » getrennt, behält es seine Superposition bei » egal » , wie weit die einzelnen Photonen nun voneinander entfernt sind; erfolgt jetzt eine Messung an einem der » beiden» Photonen, stellt sich erst im Augenblick der Messung (!) heraus, in welcher Richtung es polarisiert ist - die Superposition (die Überlagerung aller Wahrscheinlichkeiten) » bricht zusammen » (eine mathematische Funktion kann jedoch nicht zusammenbrechen) (!) d. h. die Wahrscheinlichkeit für die unrealisierte Möglichkeit sinkt auf Null:

Das Meßergebnis realisiert eine der » beiden » Möglichkeiten, nämlich horizontale oder vertikale Polarisation.


Prof. Dr. Dr. h.c. Zeilinger:

Wir kommen nicht um die Schlußfolgerung herum, dass wir nur über bestimmte experimentelle Ergebnisse sprechen können, die auf Messungen zurückgeführt werden...)


Aber! Dass sich Licht als Teilchenstrom (Photonen) und manchmal als Welle (Kugelwelle) mir der Lichtgeschwindkeit c verhält kann so nicht stimmen. In zweierlei Hinsicht bemerkenswert ist, dass in der klassischen (= mechanisch argumentierenden Physik bzw. bei Experimenten im Mesokomos (=  unserer Realität) stört bzw. beeinflußt eine Messung das System nicht  wesentlich bzw. stellt die Messung den Zustand dieses Systems nicht erst her.

Der Widerspruch aber zu Zeilingers Arbeit entsteht dadurch, daß die Info-Übertragung ( » Beamen » ) nichts mit der Verschränkung zu tun hat. Wenn Verschränkung instantan ist, die Übertragung aber » nur » lichtschnell = 300 x 10³ km/sec, kann die richtige Antwort auf die Frage: Warum ist das so ? nur sein, weil in der Versuchsanordnung das » Beamen » mit der Verschränkung gar nichts zu tun hat.


Anton Zeilinger hat seinerzeit in Innsbruck mit seinen Experimenten darüber zu forschen begonnen und  diese zu den fälschlicherweise - als Teleportationsexperimente bezeichneten Untersuchungen erweitert. 2006, wie bereits erwähnt, die Ernüchterung in Wien durch Zeilinger selbst » Teleportation wird es nie geben »  !

Was das Photon daher » wirklich »  ist, ist widersrüchlich und  Widersprüche sind in der Naturwissenschaft verboten!


Demzufolge löst bei einer Polarisierungsmessung ein Klicken des  Detektors   in unserem Geist die Konstruktion eines Bildes aus, in dem das» Photon »   zum Zeitpunkt der Messung eine bestimmte Polarisation hatte . . .


Es sind ja wir, die den aufgespalteten Lichtstrahl aufgrund seines Gangs durch einen linearen Kristall (Beta - Bariumborat oder Calcit) als unterschiedliche Qantenströme (ultraviolettphoton -niedrig energetische » Photonen » interpretieren oder als dupliziertes Lichtwellen» paket» .


Die beiden Lichtstrahlen » bestehen » aber weder aus Quanten, noch sind sie eine gebündelte Transversalwelle . . . Wir interpretieren das Licht nur als, aus Partikel bestehend oder sich als Welle ausbreitend. Das Quantenpaar, das wir aufgrund der Polarisation der beiden Lichtstrahlen er-finden, ist ja gar nicht polarisiert ! Wie sollte ein nicht ausgedehntes einzelnes Teilchen » polarisiert» sein, wo doch Polarisation nur eine Eigenschaft einer Schwingung, also einer Welle sein kann ? !


Und das Bild eines schwingenden Quants ist ja doch etwas simpel - es würde auch den Doppelspaltversuch nicht erklären. Was immer verschränkte Quanten auch sein mögen; Sie sind nicht durch das Raum-(Zeit) Veränderungs-Kontinuum(= Veränderung) voneinander getrennt als Ausdehnungsloses ist es in seiner Möglichkeitswelt vom anderen (mit ihm verschränkten) Quant weder getrennt noch entfernt.


Was wir als Beobachtende wahrnehmen, sind getrennte Lichtstrahlen: Der Kristall hat ja tatsächlich einen Lichtstrahl in zwei Lichtstrahlen aufgespaltet: Aber das, war wir sehen, ist die Reaktion des aufgespalteten Lichtstrahls mit Materie (Kristall, Bildschirm, Rauch, Detektoren etc.), aber niemals das Licht selbst.


Das Kunstwort » Superposition » beweist es. Es drückt aus, was realiter gar nicht sein kann. » Beide» Teilchen des verschränkten Photonenpaares haben die Möglichkeit, sowohl vertikal als auch horizontal oder auch zirkulär polarisiert zu werden !


Aber nicht zu sein; aus einer möglichen » Superposition » in eine reale Polarisation, die eindeutig eine Erscheinung (und damit Veränderung) in unserem Raum - Veränderungs - Kontinuums ist. Die Realisierung findet in unserem Mesokosmos statt. 


Auch in puncto » Schrödingers Katze » dem von Erwin Schrödinger erfundenen Gedankenexperiment, bei der eine Katze zusammen mit einem Geigerschen Zählrohr in eine Blackbox gepackt wird, wobei über diesen physikalischen Apparat ein radioaktives Präparat (geringer Menge) in der nächsten Stunde, den Zerfall eines Atoms erfahren wird - wann ist ungewiss. Infolge dessen das Atom zerfällt, wird es über den Geigerzähler einen elektrischen Impuls auslösen, der einen Hammer auf eine Phiole mit Gift (Cicyan) fallen lässt usw. ist es völlig müßig zu theoretisieren. 


Hier wurden quasi die Polarisationszustände durch » tot » oder » lebendig » ersetzt. Bei der Schrödingerschen Katze ist (aufgrund unserer mesokosmischen Erfahrung) diese ja schon tot - oder lebendig, bevor wir in die Blackbox schauen. Wir wissen es vorher nur nicht. Für Quantenphysiker jedoch eine unbestätigte Behauptung, mit der wohl die meisten nicht einverstanden wären ( hier tut sich eben die Kluft zwischen Mikro- und Mesokosmos auf. Im Mesokomos können wir auf Erfahrung rekurrieren - im Mikrokosmos gibt es keine Erfahrung!).


Als Beobachtung gälte übrigens nicht nur das Deckelöffnen und Hineinschauen, sondern auch jede Art von EKG, EEG etc. Bei verschränkten Photonen sind diese aber nicht schon 

» vorher » horizontal oder vertikal, zirkulär polarisiert und wir wüßten es nur » noch » nicht; es gibt vielmehr weder das eine noch das andere Quant, noch wären sie schon polarisiert, erst wenn wir den » Lichtstrahl » aus verschränkten » Photonen» (der weder aus Quanten besteht, noch eine Welle ist) durch das Polarisationsfilter leiten, stellen wir fest - es ist horizontal oder vertikal polarisiert.


Seine Polarisation realisiert sich erst durch die Messung - wir aber haben durch das Öffnen der Blackbox die Schrödingersche Katze nicht getötet oder ihr das Leben gerettet. Tot oder lebendig war sie schon vorher... für Quantenphysiker allerdings nur zu je 50 % (Es gibt nur Wahrscheinliches Mögliches ! - in der Quantenwelt, aber niemals Realisiertes!)


Demzufolge stellt sich heraus und kann man konstatieren:


Eine Funktion (eine mathematische Gleichung) kann nicht zusammenbrechen es gab überhaupt keine Polarisation vor unserer Messung es gab nicht mal zwei getrennte Quanten; die gibt es nur in unserer Vorstellungswelt. Quanten sind auch nicht auseinander; was nicht realisiert ist, kann auch nicht getrennt sein. Quanten sind weder unterscheidbare noch getrennt einzelne. 


Das sind sie nur in unserer Vorstellungswelt: als Teilchen oder Partikel. Schon Schrödinger hatte sie nicht als » vereinzelt » betrachtet, sondern als einen Zustand, der in einem bestimmten Raumbereich (einem Ausschnitt aus unserer Mesowelt) » verschmiert » und nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (» Wahrscheinlichkeitsfunktion » ) auftritt...Siehe auch Heisenbergs Unschärferelation.


Die » Quanten» haben sich nicht verändert - ihre zufällige Möglichkeit (= Superposition) ist aber durch unsere Messung zur eindeutigen Realität geworden: allerdings weder als (unentschiedene) Superposition noch als (entschiedene) Position, sondern als eindeutige Polarisation am Meßgerät. 


Max Planck selbst ist diese Fortentwicklung unheimlich gewesen, weil sie (wie Zeilinger verdeutlicht) die Aufgabe der Vorstellung verlangt, » dass alle Phänomene in der Natur kontinuierlich ablaufen » , und weil Planck wie Einstein, Bohr, Schrödinger, Heisenberg und andere - erkannten, » dass diese Aufgabe des Kontinuums letztlich eine Aufgabe unseres Weltbildes bedeutet » . Die Vorgänge der Lichtquanten- oder » Photonenverschränkung hat Einstein gar, als eine » spukhafte Fernwirkung » bezeichnet, an die zu glauben er sich geweigert hat.


Eine solche (Bewußtseins)-Spaltung, trat im übertragenen Sinne auch vor der Anerkennung der Quantentheorie als » neue » Naturwissenschaft auf - siehe die Widerstände Albert Einsteins gegen die Quantentheorie - da Er sich in ihr durchaus im Sinne Freuds, nicht heimisch fühlte, sie war ihm unheimlich. Heimisch fühlte sich Einstein nur in der Welt der exakten Mathematik, der Berechenbarkeit, der Widerspruchsfreiheit.


Deshalb steht auch »
"Gott"» nicht in der Alternative von Zufall und Kausalität; der vermeintlich aufgeklärte Geist des modernen Menschen ist gar nicht so aufgeklärt - sonst konstruierte er nicht Zufall (Chaos) und Kausalität (Ordnung) zu weltkonstituierenden Prinzipien, um die Welt besser erklären und verstehen zu können.



Das (nicht erlebbare !!! ) Objektive, ist also die Welt der Physik heute.


Und selbst diese Welt füllen wir mit Produkten unserer Vorstellung und Phantasie: da werden punktförmige Ladungen als »Teilchen» oder » Welle » (Analogie des Partikels und der Schwingung) erklärt. (In der Mathematik ist ein Punkt die Abstraktion eines Kreises, dessen Radius gegen Null geht) Der kluge Physiker definiert » punktförmig » daher pragmatisch als » Grenze des Meßbaren » . Alles was kleiner ist als die kleinstmögliche Meßgröße, gilt als » punktförmig » .

Das geht auch konform mit einer anderen physikalischen Definition: alles, was nicht meßbar ist, existiert nicht. Die heutige Physik bewegt sich an der Grenze des Vorstellbaren. Wer Strings » sehen »  will, erklärt die ganze Welt mit Ihnen, obwohl 1-Dimensionalem keine Existenz zukommen kann, da Existenz nur eine Eigenschaft des 3-Dimensionalen ist.


E = mc², c = Vakuumlichtgeschwindigkeit zum Quadrat; denn wenn die Materie unseres Universums aus Elementarteilchen aufgebaut ist, wie kann es dann Elementarteilchen ohne Masse geben ? !!! Die Rede ist hier vom sog. Higgs-Teilchen (Graviton), nach welchem in CERN bei Genf » "geforscht" » wird. 


Goethe würde heute sagen: "Diese Arbeitsplätze sind indes narrensicher !"


Auch der Begriff der Energie ist nicht vorstellbar, genausowenig wie jener des Stroms oder der Kraft. Energie wird wirklich, als jene ganz konkrete Wärme, die ich fühle. Strom wenn er die Lampe (Wolframdraht) zum Glühen bringt, einen E-Motor treibt oder wenn ich in die Steckdose greife. Und Kraft wird wirklich, wenn ich z. B. etwas hebe.


In allen Fällen konkretisiert sich der jeweilige Allgemeinbegriff
In seiner jeweils allgemeinen Form ist er weder real noch wirklich., existiert er also weder objektiv, noch wirkt er auf mich. Energie im naturwissenschaflichen Denken also - in Worten - (als eine Möglichkeit von mehreren) » Arbeit pro Zeiteinheit» oder in Form einer Formel E = h*v = mc² (c = Vakuumlichtgeschwindigkeit) zum Qadrat als (ebenfalls eine Möglichkeit unter mehreren) wobei (h) das Plancksche Wirkungsquantum und (v) die Frequenz ist.


E = mc². Diese mathematisierte Form der »Energie-Gleichung»  drückt üblicherweise dualistisches Denken aus: Es werden beide Seiten der Gleichung gleich gesetzt. In monistischer Interpretation handelt es sich um den Ausdruck untrennbarer Einheit. Das widerspricht im Prinzip nicht der naturwissenschaftlichen Sicht: E und m sind auch in der Relativitätstheorie nicht wirklich trennbar, sondern zwei Ausprägungen desselben Einen.

Physikalisch bedeutet dies: Qualitatives (im allgemeinsten: Energie) äußerst sich nur als Existierendes (Dingliches, Dauerndes) bzw. an ihm (Veränderung!). Es entspricht diese Einheit dem aristotelischen »geformten Stoff» , wobei es weder »stoffreie Form» geben, noch »formloser Stoff» existieren kann, wie es der Dualismus! vorsieht. Eine dualistische Trennung » beider » ist nicht möglich, also auch nicht wirklich.

Leider passiert dies in der Theorie der Bindungsteilchen im Rahmen der Elementarteilchenphysik. 


Wahrheitsverschiebungen passieren auch in der Wissenschaft (!) - und  zwar beständig. Die wohl tiefgreifendste war jene vom Vorstellbaren zum Unvorstellbaren. Galt das physikalische Weltbild noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als durchaus vorstellbar (es war ja auch auf Vorstellbarkeit konzipiert: nämlich auf die Mechanik, dem Inbegriff des Vorstellbaren ! ; was ist simpler als ein Hebel)?!

Im Gegensatz dazu immer weniger vorstellbar wurde die Quantentheorie (vor der sogar Einstein kapitulierte) Wir wollen an dieser Stelle nicht weiter auf die "Quantentheorie", die später zur "Quantenphysik" wurde, eingehen.

Was ist das kleinste, unteilbare Teilchen? Ein Teilchen muß - schon aufgrund des Begriffes »Teil» - teilbar sein. Erst ein Un- Teilchen wäre unteilbar. Sind es tatsächlich die Quarks? Nach der Superstringstheorie wohl nicht. Auch der Umstand, daß sich die 6 bzw. 12 Quarks in ihren Massen um den Faktor 10000 unterscheiden, spricht dagegen. Als hypothetische Unterstruktur gelten die »Rishonen». 


Wie sinnvoll ist es, weiter zu teilen?


Bis zu jenem Punkt, an dem die Energie, die zur Teilung aufgewendet werden muß, so groß wird, daß sie das Teilchen ungeteilt vernichtet und als neues, identisches Teilchen wieder entstehen läßt (materialisiert).


Wie verhält es sich mit Photonen und Elektronen? Photonen haben keine Ruhmasse, repräsentieren also - weil nicht träge, weder beschleunigbar noch abbremsbar, ergo nicht veränderbar - keine vereinzelten, konkretisierten Existierende. Elektronen haben nach der Heisenbergschen Unschärferelation keinen gleichzeitig bestimmbaren Ort und Impuls. Sind sie noch vereinzelte, konkrete Existierende? Nein. Man spricht auch heute eher von » verschmierter Elektronenwolke» mit Wahrscheinlichkeitszuständen.


Photonen gibt es allerdings erst seit Albert Einstein (1879-1955), der  sie schlichtweg er-funden und nicht etwa ge-funden hat. In seinem Aufsatz über die Erweiterung des Quantensatzes von Max Planck wofür er später  (1921)  den Nobelpreis erhalten sollte.


Einstein hat für sein Teilchencharakteristikum den »Impuls»  genommen  weil  der lichtelektr. Effekt (Photoeffekt) mit der damals gängigen Wellen  vorstellung nicht zu erklären war. Mit dem Teilchenbild ließ es sich, wie Einstein zeigte - besser beschreiben, wie bei sehr schwachen Lichtquellen, die auf einem Film nur  einzelne Punkte belichten, sich diese »Punkte»  allmählich zu einem Interferenzmuster verdichten.

Die schwache und die starke Kernkraft » besteht» aus Vektor-Bosonen und Gluonen (vom Englischen to glew = zusammenkleben), die ebenfalls als Feldquanten gelten. Alle diese Feldquanten werden selbst als Elementarteilchen (Bindungs-Teilchen) verstanden, die mit anderen Elementarteilchen (Materie-Teilchen) wechselwirken und ausgetauscht werden können (Wechselwirkungsquanten). Siehe Quantenfeldtheorie.


Die vier Kräfte werden unter dem weitläufigen Begriff der Energie (in diesem Fall: Feldenergie) zusammengefaßt. Die Definitionen » Energie ist gleich Arbeit in der Zeiteinheit» oder » E = mc² » sind nur zwei willkürlich herausgegriffene Formalismen von vielen. Was Energie »wirklich» ist, weiß niemand, wobei der Begriff » wirklich» schon ausdrückt, was etwas (z. B. Licht als ein Spezialfall der elektromagnetischen Feldenergie) für uns nur sein kann: das nämlich, als was es auf uns wirkt.


Es gibt keine gleichförmige Ortsveränderung.


Die einfachste Form einer ungleichförmigen (=veränderlichen) Ortsveränderung ist die Kreisbahn, in der stetig die Richtung (=von der Tangente zum Mittelpunkt hin) geändert wird. Da aber auch diese Kreisbahn eine stete Änderung wäre (da ihre Krümmung gleich ist!), muß auch die Krümmung der Veränderung unterliegen: Die einfachste Form stetiger Veränderung einer Kreisbahn ist die Ellipsenbahn (Planetenbewegung). Da auch eine Ellipsenbahn eine zyklische Änderung (also eine stete) erfährt, muß auch sie sich ändern: Dies erfolgt durch Bahnstörungen als Folge der Gravitation der umgebenden Gestirne. Dazu kommt die Bewegung der Fixsterne um den Galaxiemittelpunkt und die (nur nach dem Urknallmodell gültige) Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien.


Da aber jede Änderung eine Abfolge verlangt (ändern kann sich nur etwas, wenn ein Zustand einem anderen folgt), kommt es zum Phänomen der fortschreitenden Entwicklung ( = Evolution ). Fortschreiten ist immer eine Abfolge, unabhängig von der Orts- oder Zeitrichtung!


Beobachtet Bewußtsein dieses Forschreiten, kommt der Faktor Zeit hinzu: Die Folge von Zuständen wird zum Vorher, Jetzt und Nachher, wobei auch das Jetzt niemals statisch sein kann. Die (unumkehrbare) Aufeinanderfolge von Zuständen heißt in der Physik Zeitpfeil: das in einer einzig möglichen Richtung Fortschreiten des Geschehens. Daher ist jeder Gedanke an eine »Umkehrung» der Zeit, absurd. Auch bei »Zeitumkehr» folgte ein Zustand (Ereignis) auf den (das) andere, und es erschiene uns normal (=kausal unbedenklich), daß auf Scherben eine intakte Vase folgte!


In einem All ohne sich - in Lebewesen - manifestierenden Bewusstsein, gäbe es keine Zeit und keine Bewegung, wohl aber Dauer und gerichtete Veränderung. Und Folge wäre auch dann unumkehrbare Folge.


Das » t » der Physik meint, genau genommen, auch nie » die Zeit » als etwas vom Bewußtsein Unabhängiges, sondern stets nur jene relative Spanne einer stattfindenden Veränderung, soweit sie beobachtbar (=bewußt) und damit zeitlich interpretierbar ist. Die Vorstellung der absoluten Zeit Newtons ist ja bekanntlich aus Gründen der Beobachtbarkeit (»Signalübertragung» ) durch Einstein fallen gelassen worden, bzw. stellt die absolute Zeit nur den Sonderfall dar, das gesamte All als ein Inertialsystem zu betrachten.


-Ein Inertialsystem ist ein gleichförmig, also nicht beschleunigtes, i. e. » unverändert» bewegtes, hypothetisches, rechnerisches Bezugssystem, das quasi den Beobachtungsraum des Beobachters umfaßt. Die physikalische Bezeichnung dieses Beobachtungsraumes ist Lichtkegel, jener beobachtbare Raum, der innerhalb der Reichweite der möglichen Signalübertragung (der Lichgeschwindigkeit c) liegt. Die Beobachtung (das Bewußtsein) fließt in der modernen Physik immer mit in den Formalismus ein.


Dies wird in der modernen Kosmogonie durch die Einführung eines hypothetischen Hyperraumes, in den die » vierdimensionale Raumzeit» » eingebettet» ist, vollzogen. Es wird damit über die theoretisch unendlich vielen Zeiten der unterschiedlich bewegten und beobachtenden Physiker (Zwillingsparadoxon) eine » absolute Hyperzeit» konstruiert, Sir Isaac Newtons Idee also von hinten herum wieder eingeführt!

- eine dualistische Konstruktion, die in den unendlichen Regreß führt - denn auch die Hyperzeit müßte » fließen» . Singularität jedoch ist nicht erfahrbar! (Singularität bezeichnet man in Physik und Astronomie Zustände, bei denen die betrachteten Massen und die Raumzeit in einem einzigen Punkt (mathematisch) oder in einem nicht näher bekannten physikalischen Zustand sehr geringer Ausdehnung, aber extrem hoher Dichte zusammenfallen - z. B. Schwarze Löcher mit mehreren Millionen Sonnenmassen)

Hinfällig daher alle mehr oder weniger feinsinnigen kosmologischen Überlegungen nach zeitlicher Fixierung des Urknalls und ebensolcher des Big Crunch, des postulierten Zusammenstürzens unserer Welt. Urknall und Big Crunch werden dabei als Singularität(en) begriffen, als » ereignislose Zustände» , » in» » denen» jede Unterscheidungsmöglichkeit fehlt. Sie » existieren» nicht als Einzelereignisse in Raum und Zeit und sind daher weder lokalisierbar noch zeitlich bestimmbar. Was bestimmbar ist, sind die ersten bzw. letzten Ereignisse, die stattfinden, sobald bzw. solange es » die Raumzeit» gibt und mit ihr Dinge (vorerst nur bzw. noch als Elementarteilchen) existieren.

Den Begriff » Singularität» als Zustand kosmischer Nichtbeschreibbarkeit zu pluralisieren ist allerdings grammatikalisch genau so falsch, wie das Nichts » sein» zu lassen. Big Bang und Big Crunch sind daher nur im Dualismus unterschiedene Singularität(en): Sie » trennen» zirka 30 Milliarden Jahre Weltgeschehen, also ein Äon oder Weltalter.


In der dualistisch arbeitenden Naturwissenschaft 
wird daher dieser unvorstellbare Raum als » vorstellbare» Summe von » Feldern» beschrieben und damit - weil jetzt quantifiziert durch Feldlinien und - quanten - manipulierbar. Zu dieser » Vorstellbarkeit» gehören alle Darstellungsversuche, etwa jene der trichterförmigen Netzstrukturen, um die » Einsenkung» von Massen im » Gravitationsfeld» zu demonstrieren. Auch die Einsenkung von Massen und Schwarzen Löchern in die » vier-dimensionale» Raumzeit wird gerne so - unter Zuhilfenahme eines » flachen Hyperraums» - dargestellt.


Schon Aristoteles hat in seinem » Dritten Menschen » auf den unendlichen Regreß einer solchen Voraussetzungsproblematik ad infinitum hingewiesen: die Voraussetzung der Voraussetzung der Voraussetzung,... Die angewandte Voraussetzungsproblematik ergibt weder Sinn noch Lösung und bleibt im quantitativen Denken hängen.


Notwendig bedeutet, ein Zustand ergibt sich zwingend aus einem anderen. Die Notwendigkeit wird als Kausalität interpretiert, wenn das Bewußtsein eine Ursache-Wirkungs-Verknüpfung konstruiert, indem sie zwei oder mehrere Zustände miteinander in Beziehung setzt. Kausalnexi werden vom Bewußtsein nur vermutet und an der Natur erst durch Experimente überprüft. Vielfach stellen sich dabei solche Ursache-Wirkungs-Ketten als falsch heraus - es kommt zu Theorienwechseln. In der Natur gibt es nur Wahres.


Teilbar ist nur Wesensgleiches: das Messer teilt die Butter - und beides sind Materielles. Wesensungleiches ist ergo nicht trennbar. Nur im Dualismus ist » Gott» von » seiner» Welt getrennt und schließt er mit seinem » auserwählten» Volk etwa einen Bund - eine Absurdität!


Ordnung (=definierte Gesetzmäßigkeit) ist immer Leistung von Vernunft als eine Methode von Bewußtsein: Sie entsteht aus Vergleichen und Hierarchisieren von Beobachtetem. Strukturen, die unabhängig von Bewußtsein bestehen, werden von der Vernunft als Ordnung(en) interpretiert. Es ist letztlich die Leistung der Naturwissenschaft, Gesetze aufzustellen, die in ihrer Ordnung (=mathematisiert in Form von Gleichungen) den vorgegebenen Strukturen maximal (aber eben niemals optimal) entsprechen, sie aber nie komplett erklären können!

Die Welt als Ganze [ = All(es) ] könnte nur einem oder etwas ihr Entgegengesetztem gegenüber beginnen oder enden. Was wäre dem All(em) aber außerhalb? - In der Religion gibt es dafür die Bezeichung » Gott» , den aber kennt die Naturwissenschaft nicht, von» ihm» hat sie schon vor 300 Jahren abgesehen, nämlich mit dem Beginn der Aufklärung.
Auf den Zufall komme ich an anderer Stelle noch zu sprechen. Läßt » Gott» den Zufall zu, ist » Gott» nicht allmächtig. Es pfuschte Ihm ja der Zufall beständig in seine » Schöpfung» und wäre somit eigentlicher Herr.


Im Christentum wird dieser Pfuscher übrigens mit » Teufel » Beelzebub (Dämon) oder auch » Luzifer » ( =Lichtträger ) bezeichnet, womit ein mythischer Begriff durchaus Naturwissenschaftliches umschriebe - Lichtträger sind Photonen, die Quanten der elektromagnetischen Kraft. 
Und Quanten sind per se unverursacht, weil spontan in ihrer Entstehung, und somit - zumindest vordergründig - bzw. vorläufig: zufällig!


An der Qualität des Wissens seit Demokrit und Aristoteles hat sich nicht viel geändert, wohl aber an der Quantität. Nach wie vor pendelt das Naturwissenschaftliche Denken zwischen den » Atomen und dem Leeren» (heute: Masse - Energie - Äquivalent und wechselwirkender Nahwirkung) ! Zufall und Kausalität (Wahrscheinlichkeit, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Spontaneität) Der Welle - Teilchen - Dualismus gilt » nicht» als Widerspruch, da mit seiner » Entdeckung» - (besser : Einführung) in der Physik bewusst wurde, daß die Natur des Lichts (also das eigentliche des Lichtes !) und später aller Elementar» teilchen» nur in Bildern von Partikeln oder Wellen vorstell - und somit verstehbar war.

-Ein Inertialsystem ist ein gleichförmig, also nicht beschleunigtes, i. e. » unverändert» bewegtes, hypothetisches, rechnerisches Bezugssystem, das quasi den Beobachtungsraum des Beobachters umfaßt. Die physikalische Bezeichnung dieses Beobachtungsraumes ist Lichtkegel, jener beobachtbare Raum, der innerhalb der Reichweite der möglichen Signalübertragung (der Lichgeschwindigkeit c) liegt. Die Beobachtung (das Bewußtsein) fließt in der modernen Physik immer mit in den Formalismus ein.

Singularität jedoch ist nicht erfahrbar! (Singularität bezeichnet man in Physik und Astronomie Zustände, bei denen die betrachteten Massen und die Raumzeit in einem einzigen Punkt (mathematisch) oder in einem nicht näher bekannten physikalischen Zustand sehr geringer Ausdehnung, aber extrem hoher Dichte zusammenfallen - z. B. Schwarze Löcher mit mehreren Millionen Sonnenmassen)


Hinfällig daher alle mehr oder weniger feinsinnigen kosmologischen Überlegungen nach zeitlicher Fixierung des Urknalls und ebensolcher des Big Crunch, des postulierten Zusammenstürzens unserer Welt.

Urknall und Big Crunch werden dabei als Singularität(en) begriffen, als »ereignislose Zustände» , » in» »denen» jede Unterscheidungsmöglichkeit fehlt. 


Sie »existieren» nicht als Einzelereignisse in Raum und Zeit und sind daher weder lokalisierbar noch zeitlich bestimmbar. Was bestimmbar ist, sind die ersten bzw. letzten Ereignisse, die stattfinden, sobald bzw. solange es »die Raumzeit» gibt und mit ihr Dinge (vorerst nur bzw. noch als Elementarteilchen) existieren.

»Gott», das Raum-Zeit-Kontinuum (!) ( von uns als Raum - Veränderungs - Kontinuum modifiziert ), die » vierte » Dimension, virtuelle Teilchen, Wellen ohne » Korpuskel » (das Licht / Photonen z.B.) haben nichts Erlebbares, Empfindbares, Erfahrbares an sich; sie sind nichts einzelnes unter vielen, nichts »Wirkliches» in jenem Sinn, in dem Wirkliches nur verstanden werden darf: als etwas nämlich, das auf mich wirkt - und zwar sinnlich, empirisch, raum-zeitlich, 3-Dimensional, also durchaus im naturwissenschaftlichen Sinn.
 


»"Gott"» ist kein (einzelnes) Ding in Zeit und Raum, dem ich begegnen kann.


Vorstellungen (Symbole) sind daher zwar stets wahr, aber nur als Vor-gestellte - aber diese haben mit dem, das mit dem Vorgestellten »erklärt» werden soll rein nichts gemeinsam. Sie sind für wahr gehaltene bzw. als für wahr erklärte Bilder, die sich der Vorstellende selbst entwirft - oder die ihm durch Schule, (siehe Bohr´sches Atommodell) Erziehung geboten werden, und die er nun mit seiner Umgebung (dem oder den anderen) in Einklang zu bringen sucht.


- Erfunden allerdings wurde Jesus als » wahrer Mensch und » "Sohn" » "Gottes" » (im Originaltext » filioque ») erst über 300 Jahre nach seinem Tod - im Konzil  von Nicäa im Mai 325, als » Gott » zum Anfassen sozusagen, dem  man -  zu seinen Lebzeiten - hätte begegnen können. In welchem geistigen Haus jemand » leben » möchte ist jedem selber überlassen ! - und viele haben einen Zeitwohnsitz.


Religionskriege (Kreuzzüge) und Gelehrtenstreite sind diesbezüglich Spuren in der Geschichte. Die Bibel: Psalm 144, »Gelobt sei der Herr mein Fels, der meine Hände unterweist zum Kampf, meine Finger zum Krieg» ...


Meist werden solche Bilder »eingebrannt» : je diktatorischer die Erziehung bzw. das politische System, desto unbedingter.


Solange sich der auf diese Weise » Gebrannte» im Umfeld gleich Gebrannter (Das gebrannte Kind scheut übrigens das Feuer!) befindet, wird er an seiner » Wahrheit» (= Weltbild) nicht (ver-) zweifeln.


Ändert er jedoch sein Umfeld, sei es durch Bewußtseinserweiterung etwa vom Weltbild des Glaubens (Dogmen der Kirchen) zu dem der Vernunft (Wissenschaften) - siehe Galileo Galilei, sei es durch räumlichen Wechsel (Kolonialismus, Reisen in andere Kulturen; interkulturelle Heiraten etwa) oder sei es gar durch politischen Systemwechsel (= Parteienwechsel), Revolution, Ideologiewechsel , gerät der Gebrannte in Schwierigkeiten.


Die eigene Wahrheit oder die der anderen kommt ins wanken, je nach Machtverhältnisse (zum Beispiel die Patriarchale Grundordnung = Vaterherrschaft) Solange in der Naturwissenschaft die Widerspruchsfreiheit nicht verletzt wird (ein Axiom und damit eine Art Dogma mit nicht mehr weiter hinterfragbarer - also unwissenschaftlicher! - Gültigkeit), ist der Fantasie beim Entwerfen von Begriffen und deren Umsetzung in Bildern, keine Grenze gesetzt. Als da wären: Cluster, Strings, Membranen, Antimaterie, Schwarze- und Wurmlöcher, n- Dimensionalität; ein Universum n- Universa. 


Wie läßt sich die Singularität des Urknalls »vorstellen» ? Wie die »vierdimensionale Krümmung» des Raum-Zeit-Kontinuums (RZK)? - (Von uns als Raum - Veränderungs - Kontinuum im obigen Text modifiziert) Was hat man sich eigentlich unter Zeit vorzustellen?


Und »"Zeit"»  physikalisch gesehen bedeutet, sich von einem Zustand, zu einem anderen zu entwickeln (Dauer); denn wäre alles gleich im Zustand der minimalen Information und maximalen Unordnung, dann hätte man überhaupt keine Möglichkeit Zeit zu interpretieren.


Denn ohne Bewusstsein keine Zeit - nicht einmal Bewegung - aber durchaus   Veränderung. Wie diese » aussieht » , wenn niemand hinshieht, weiß niemand. Sie ist deshalb nicht beschreibbar ! Wir ziehen deshalb besser das Raum - Veränderungs - Kontinuum, dem des   eingeführten Raum - Zeit - Kontinuums vor, weil die klassische Physik -  nicht aber die Quantenphysik - vom Bewusstsein abgesehen hat: dieses kommt in der mechanistischen Physik nicht vor - wohl aber in der Quantenphysik. 


Unsere Gesellschaft bewegt sich auf der Ebene der irrationalen Metaphysik. Die Rationale Metaphysik ist das, was quasi hinter der Natur kommt. Ursprünglich die Schriften des Aristoteles, die ersten Prinzipien und  Ursachen des seins. 


Die Irrationale kostruiert Bilderbögen, die über die sinnlich körperlich - erfahrbare Welt hinausgehen ( zum Beispiel die Ideen "Gott", Freiheit, "Unsterblichkeit" ), die der erfahrungswissenschaftlichen Forschung  vorausgehen bzw. ihr zugrunde liegen !


Wahrheitsverschiebungen passieren auch in der Wissenschaft (!) - und  zwar beständig. Die wohl tiefgreifendste war jene vom Vorstellbaren zum Unvorstellbaren. Galt das physikalische Weltbild noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als durchaus vorstellbar (es war ja auch auf Vorstellbarkeit konzipiert: nämlich auf die Mechanik, dem Inbegriff des Vorstellbaren ! ; was ist simpler als ein Hebel) ?! Im Gegensatz dazu immer weniger vorstellbar wurde die Quantentheorie. (vor der sogar Einstein kapitulierte)


Selbst der Begriff der » Wirklichkeit »  ist entwirklicht worden. Galt bisher als » wirklich » , was wirkte, ist heute Wirklichkeit, was als » wirkend » erklärt wird. Quanten - und Chaostheorie haben mittlererweile gezeigt, daß vom Modell der durchgängig stringenten Kausalität, welche die Welt durchweben soll, keine Rede mehr sein kann. 


Vielmehr spricht man von »höherer» oder » geringerer »  Wahrscheinlichkeit des Eintreffens von Ereignissen und von » statistischer » des Auftretens von Phänomenen. Auch die Dimensionen sind nicht mehr ausschließlich ganzzahlige ( also vorstellbar, solange man sich auf 3 beschränkt ), sondern n-zahlige  (wobei schon die sogenannte 4. ganzzahlige als räumlich gekrümmte nicht mehr vorstellbar ist.



Die Welt: ein Fraktal menschlicher Vorstellungskraft.



Den Zeitbegriff per se unseres Zeitalters, hat der jüdisch - christliche Glauben eingeführt,... den 7 Tage Schöpfungsmythos und die Etablierung der Zeitrechnung schlechthin.


In der Antike, beispielsweise in den Augen der Stoiker, deren bedeutendster Repräsentant Zenon von Kition (340–262 v.Chr.) war, betrachtete man die Zeit weder linear noch gerichtet, sondern als ziellose, periodische Kreisbewegung. In den frühen Jahrhunderten der europäischen Geschichte war das Zeitbewusstsein vornehmlich von einer Ambivalenz zwischen Diesseits und Ewigkeit, zwischen Veränderlichkeit alles Irdischen und Orientierung auf das Jenseits bestimmt.


Die religiös geprägte Zeiterfahrung und -empfindung des Mittelalters erfuhr im Abendland dann zwischen dem 13. und dem 17. Jh. einen langsamen aber deutlichen Wandel. Nicht unwesentlich Anteil an dieser Entwicklung hatten die Klöster mit ihren Wasseruhren, Stundengebeten und Osterkalendern. Doch erst durch die Säkularisierung und naturwissenschaftliche Erkenntnis änderte sich die kollektive Sichtweise so radikal, dass sich im 17. Jh. ein neuartiges, lineares Zeitverständnis durchsetzte, welches im 18. Jh. seine bis heute bestimmende Form erreichte. Der seit dieser Zeit vorherrschende Fortschrittsglaube (Positivismus) war nur in Verbindung mit einem linearen Zeitverständnis möglich.


Die Einführung eines dynamischen Zeitbegriffes geht auf Galileo Galilei (1664–1642) zurück und wurde später von Isaac Newton (1643–1727) in seiner Formulierung der Dynamik präzisiert, in welcher die Zeit als „unabhängige Variable“ klar einen absoluten Charakter erhielt. Newtons Zeitbegriff war absolut im Gegensatz zum in eine diesseitige und eine jenseitige Komponente gedoppelten und nicht kausal geschlossenen mittelalterlichen Zeitbegriff. Die Zeit ab Newton wurde „historisch“, das Geschehen lief ab wie ein Uhrwerk. Der Zeitfluss wurde durch das Kausalitätsprinzip, die Verkettung von Ursache und Wirkung bestimmt.


Der heute weltweit verbreitete gregorianische Kalender (benannt nach Papst Gregor XIII.) entstand Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Reform des julianischen Kalenders und wurde 1582 mit der päpstlichen Bulle Inter gravissimas verordnet. Er löste im Laufe der Zeit sowohl den julianischen als auch zahlreiche andere Kalender ab. Die letzte Umstellung auf den gregorianischen Kalender erfolgte 1949 in China.

Das Wesen der gregorianischen Kalenderreform bestand darin, dass das Zählschema, das der julianische Kalender bot, verallgemeinert und damit "zukunftsfest" gemacht wurde. Der gregorianische Kalender ist nicht ein grundsätzlich anderer, sondern ein flexibilisierter julianischer Kalender. Eine weitere "Reform" von Zeittaktung, folgte dann auch noch während der Industrialisierung. 


Wissenschaftlich wird sie mit der sog. "Atomsekunde" definiert, aus den Messwerten von über 260 Atomuhren an über 60 weltweit verteilten Instituten legt das Bureau International des Poids et Mesures (BIPM) in Paris die Internationale Atomzeit (TAI) als Referenzzeit fest.


Wissenschaftlicher Standard der Zeit

Der wissenschaftliche Standard der Zeit basiert heute auf der Sekunde, welche sich auf die Rotationsperiode der Erde bezieht und von der Internationalen Astronomischen Union als 1 / 31556925,9747 des Sonnenjahres definiert wurde, welches 1899 mittags begann.

Uhren können die " Zeit " umso genauer angeben, je konstanter die Schwingung ihres Taktgebers ist. Bei Räderuhren sind dies das Pendel oder die Unruh, bei der Quarzuhr ist es ein Schwingquarz, der die Frequenz eines Quarzoszillators konstant hält. In Atomuhren macht man sich die Eigenschaft von Atomen zu Nutze, beim Übergang zwischen zwei Energiezuständen elektromagnetische Wellen einer bestimmten Frequenz abzustrahlen oder zu absorbieren.

In neueren Atomuhren arbeitet man mit thermisch abgebremsten Atomen, um die Genauigkeit zu erhöhen. In der „Caesium-Fontäne“ (engl.: Cesium fountain) werden Caesiumatome dazu stark abgekühlt, so dass sie nur noch etwa einen Zentimeter pro Sekunde schnell sind. Die langsamen Atome werden dann mit einem Laser nach oben beschleunigt und durchlaufen eine ballistische Flugbahn (deswegen der Ausdruck Caesium-Fontäne), hierdurch kann die effektive Wechselwirkungsdauer der Atome mit den eingestrahlten Mikrowellen verlängert werden, was eine exaktere Frequenzbestimmung erlaubt. Die relative Standardabweichung der Caesium-Fontäne NIST-F1 lag im Jahr 1999 bei nur etwa 
10−15, was einer Abweichung von einer Sekunde in 20 Millionen Jahren entspricht ...


Es gibt gegenwärtig auch drei astronomische Methoden, Zeit auszudrücken. Die ersten beiden Verfahren basieren auf der Rotation der Erde um ihre Achse und beziehen die scheinbare Bewegung der Sonne (Sonnenzeit) und der Fixsterne (Sternenzeit) mit ein. Das dritte Verfahren der Zeitmessung beruht auf der Rotation der Erde um die Sonne und berücksichtigt u.a. die geringfügigen Änderungen des so genannten tropischen Jahres (Ephemeridenzeit).


Die Sonnenzeit spielt bei der Einstellung unserer Uhren, der Einteilung der Zeitzonen in Bezug auf die geographischen Längen und in der Navigation eine wesentliche Rolle. Die Sternenzeit ist für die Berechnung der Tag- und Nachtgleichen sowie der Jahreszeiten von Bedeutung und bildet die Grundlage für die Aufstellung eines astronomischen Koordinatensystems (Ekliptik). Die Ephemeridenzeit wird fast ausschließlich in der Astronomie zur Feststellung von Planeten- und Sternenpositionen benutzt.





Gravitation hat keine „Laufzeit“ – sie ist instantan im Raum - Veränderungs - Kontinuum.



Der Begriff „instantan“ ist für Physiker ein Reizwort – und für Kaffeepulvererzeuger die Marketingstrategie: Er bedeutet schlicht „sofort“. Nur gibt es in der Naturwissenschaft kein sofort. Alles braucht „seine Zeit“, alle Bewegung (Ortsveränderung) dauert gemäß der Formel: Zeit ist Weg durch Geschwindigkeit (t = s/v). Obendrein gilt: Es gibt keine höhere Geschwindigkeit als die des Lichtes. Und die beträgt c = 2,99792458*10⁸ m/s (per definitionem exakt!). Keine schnellere Bewegung oder Fortpflanzung ist möglich – aufgrund der Einsteinschen Relativitätstheorien nämlich.

In extremen Fällen erlaubt die ART allerdings auch Überlichtgeschwindigkeiten, und auch die sogenannten „Loop-Quantengravitation“ postuliert, daß sich „Licht“ umso schneller ausbreiten soll, je höherfrequent es ist. Letzteres ist allerdings zur Zeit noch eine bloße Hypothese, die allerdings den Vorteil hat, der Popperschen Forderung nach Falsifizierbarkeit zu entsprechen.

Damit ist sie eine echte naturwissenschaftlich relevante Hypothese – im Gegensatz zur Urknall-Mär.

Es gibt in der Physik (und auch in der Kosmologie) keine sogenannte Fernwirkung (mehr), also eine Wirkung, die über Zeit und Raum „hinweg“ instantan, also sofort wirkte. Dieses Denken ist mit den beiden Relativitätstheorien aus der Physik eliminiert worden. Es gibt seither nur mehr Nahwirkung – und dieses Denken bzw. Vorstellen ist ganz und gar dem Billardspiel verpflichtet. Jede Kraft bzw. Wechselwirkung wird durch „Kraftteilchen“ (virtuelle „Feldquanten“ in der physikalischen Fachumgangssprache genannt) übertragen: indem sie die Kraft von einem Materiequant zum nächsten „transportieren“.


Im Gegensatz dazu transportieren z. B. die von einer Lampe ausgesandten reellen Photonen die Energie von der glühenden Wendel einer Lampe tatsächlich in die Netzhaut des Angeleuchteten.

Von der Sonne in unsere Augen dauert dieser Transport übrigens acht Minuten ...


Und gemäß der Duplizitätstheorie des Lichtes (Teilchen und Welle!) im besonderen und dem Bild (!) der Nahwirkung entsprechend im allgemeinen, werden dem Gravitationsfeld auch sich mit Lichtgeschwindigkeit (!) fortpflanzende Störungen in Form von Gravitationswellen zugeschrieben. Die allgemeine Relativitätstheorie fordert nämlich, daß beschleunigte Massen Energie in Form von Gravitation abstrahlen – analog wie beschleunigte elektrisch geladene Teilchen elektromagnetische Wellen initiieren.


Nur Theorien


Würde man nicht auf dieser Ähnlichkeit oder gar Gleichheit in der Theorie der Ausbreitung der Gravitation mit den anderen drei Grundkräften beharren, wäre jeder Versuch einer Vereinheitlichung mit den „anderen“ Wechselwirkungen und das Ziel einer „Theory of Everything“ (TOE = Theorie von allem; Vereinigung aller Grundkräfte zu einer einzigen Urkraft, der Supergravitation) unerreichbar.

Bis heute sind allerdings die Allgemeine Relativitätstheorie, der ja die Idee der „Krümmung“ der Raum-Zeit entstammt, und die Quantentheorie, welche die Wechselwirkungen quantenfeldtheoretisch beschreibt, unvereinbar.

Eigentlich ein Raum - Veränderungs - Kontinuum, weil die Zeit ein Phänomen des Selbstbewußtseins ist, von dem die Physik abgesehen hat.

Ohne Bewusstsein - keine Zeit - höchstens Dauer. " Der Dualismus in der Natur - wissenschaft " --> Der elfenbeinerne Turm in der Naturwissenschaft.


„Gesetze“ sind Satzungen, also Aufgestelltes. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß die sogenannten Naturgesetze in der Natur vorkämen bzw. daß sich die Natur an sie gar halte. Vielmehr sind sie (zumeist) mathematische Formalismen, die der vom Geschehen in der Natur abstrahierende Mensch aufgestellt hat, und die mehr oder weniger gut (meistens aber brauchbar) auf die Natur anwendbar sind, deren Phänomene sich mit ihnen formal (!) gut beschreiben und (meistens) auch prognostizieren lassen.


Denn „Wirkung“ bedeutet immer die Folge einer Ursache (Kausalität). Vor allem setzt Wirkung Veränderung voraus, also Dauer – etwas, das wir, salopp formuliert, gerne und gedankenlos „Zeit“ nennen. Zeit ist ein Begriff, den die Physiker zwar verwenden, ihm in ihren Formalismen auch ein Zeichen („t“) geben, und mit dem sie rechnen; was aber Zeit ist, weiß kein Physiker. Wie denn auch: Zeit kann man nicht messen: Gemessen wird stets die Dauer einer Veränderung – aber mit der Zeit!

Aber Zeit gibt es in der Natur genausowenig, wie Ursachen und Wirkungen. Alle drei Begriffe sehen wir in die Natur nur hinein. „Unendlich“ ist eine reine Abstraktion, der keinerlei Konkretion entspricht! Sie stellt einen reinen mathematischen Grenzwert dar, dem nichts in der Natur entspricht!




„Was ist an Kants Ableitung des Verbots von lügenhaften Versprechen problematisch?“


„Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!“, So oder so ähnlich geht ein Spruch, den man vor allem als Kind oft hört. Die Aussage dieses Spruches ist, wie unschwer zu erkennen ist, dass wenn man jemandem etwas versprochen hat, dieses Versprechen bindend ist und man daher nur Dinge versprechen sollte, die man gedenkt auch einzuhalten.


“[...] ich soll niemals anders verfahren, als so, daß ich auch wollen könne, meine Maxime sollen ein allgemeines Gesetz werden.“[1] dies ist eine Form des von Immanuel Kant aufgestellten kategorischen Imperativ. Man kann diese beiden Sätze nun verbinden, sagen sie doch beide, dass ein einmal gegebenes Versprechen auch einzuhalten ist. Oder?


Wenn man ein falsches, lügenhaftes Versprechen gibt, so ist man, wenn man nach dem von Kant postulierten Imperativ geht, damit einverstanden, dass, nach Verallgemeinerung der dahinter stehenden Maxime alle Versprechen lügenhaft sind und es daher unmöglich wäre etwas wahrhaftig zu versprechen.

Diesem Problem geht Birnbacher nach indem er feststellt welcher Maxime der „Lügner“, der zum Beispiel aus großer Not heraus ein falsches Versprechen gibt, nachgeht.


Ist es wirklich diese:


„Ich nehme mir vor, in allen Situationen, in denen ich etwas verspreche, lügenhafte Versprechen abzugeben.“[2]

Oder dreht es sich vielmehr um eine, laut Birnbacher realistischere Form der Maxime, nämlich:

„Ich nehme mir vor, in allen Situationen, in denen ich in Not bin, lügenhafte Versprechen abzugeben, wenn dies dazu dienen kann, mich aus der Notlage zu befreien.“[3]


Aus der ersten dieser beiden angenommenen Maxime folgt sicherlich, dass die Institution des Versprechens in sich zusammenbrechen würde, doch geht man nach der zweiten Möglichkeit sieht man, dass nur dann die Versprechen lügenhaft sind, wenn man sich wirklich in einer Notsituation befindet und durch ein falsches Versprechen aus dieser misslichen Lage entkommen kann.


[1] Kant, Immanuel (1983): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: Werke in zehn Bänden, Band 6, Sonderausgabe. Herausgegeben von Wilhelm Weischedol. Darmstadt: Wissenschaftl. Buchgesellsch. S. 28

[2] Birnbacher, Dieter. Analytische Einführung in die Ethik. DeGruyter Studienbuch. S. 147

[3] Ebenda



Du sollst nicht lügen!, diese etwas veränderte Auslegung des 8. Gebotes der Bibel ist als moralischer Grundsatz jedem bekannt. Bereits Kindern wird frühzeitig erklärt, dass die Lüge etwas Negatives ist, wie die italienische Kinderbuchfigur Pinocchio mit seiner beim Lügen wachsenden Nase verdeutlicht. Auch viele Redewendungen, wie Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! oder Lügen haben kurze Beine! zeigen auf, dass Lügen in der Gesellschaft unerwünscht ist.


Doch trotzdem sind Unwahrheiten etwas Alltägliches. Im Durchschnitt lügt jeder Mensch am Tag circa 200 Mal (vgl. Langer, Demmer 1994, S. 61), möglicherweise aus Scham, als Zwecklüge oder Notlüge.


Ein berühmter deutscher Philosoph des 18. Jahrhunderts äußerte eine sehr strikte Meinung zum Lügen, indem er in seiner Schrift Ü ber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen aus dem Jahre 1797 ein uneingeschränktes Lügenverbot aussprach. Dieser Verfasser, Immanuel Kant, der vom deutschen Philosophen Karl Jaspers neben Plato und Augustinus zu den drei größten Denkern der Geschichte gezählt wird, sorgte mit diesem Werk für viele kontroverse Diskussionen (vgl. Ludwig 2009, S. 20).


Da bereits im Kindesalter das Lügen eine große Rolle spielt, wird in dieser Arbeit das Thema aus der Perspektive Kants als Grundlage für den Sachunterricht betrachtet. Im Rahmenlehrplan und im Perspektivrahmen des Sachunterrichts des Landes Brandenburg ist das Thema Lüge und Wahrheit nicht direkt verankert, jedoch bildet es eine gute Grundlage für das Philosophieren mit Kindern, welches in diesem Fach praktiziert werden kann.


In dieser Arbeit wird Immanuel Kants Schrift hinsichtlich seiner Argumentation analysiert und dabei vor allem auf die Frage eingegangen, inwiefern sich der Autor bei diesem Werk auf den Grundsatz des kategorischen Imperativs bezieht. Dazu werden zu Beginn einige Begriffe definiert, deren Bedeutung für Kant und vor allem in der, in dieser Arbeit analysierten, Schrift von entscheidendem Wert sind. Nach der Analyse des Textes hinsichtlich der Leitfrage werden das Potential der Themen Lüge und Lügenverbot zur Umsetzung im Rahmen des Sachunterrichts untersucht. Dazu wird auf das Philosophieren mit Kindern eingegangen.

Begriffserklärungen

Immanuel Kant verwendet in seinen Schriften häufig bestimmte Begriffe, die für ihn eine besondere Bedeutung haben. Darum sollen im Folgenden einige, für die in dieser Arbeit analysierte Schrift Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen, relevante Begrifflichkeiten aufgegriffen und hinsichtlich Kants Definitionen erläutert werden.

Lüge

Für Immanuel Kant ist die Übertretung der Pflicht der Wahrhaftigkeit eine Lüge, wodurch nicht nur eine unwahre Aussage, sondern auch das Verschweigen als Lüge gilt. Sogar das Wiedergeben einer Aussage, über deren Wahrheit man sich nicht ganz sicher ist, zählt für ihn dazu. Er ist der Auffassung, dass die Menschheit sich damit selbst verletzt und seine Menschenwürde vernichtet (vgl. Eisler 1989, S. 335).

Wahrhaftigkeit

Dieser Begriff ist von großer Bedeutung für das in dieser Arbeit analysierte Werk. Vor allem die Abgrenzung zum Begriff Wahrheit ist für Immanuel Kant entscheidend.

Dass eine Aussage wahr ist, kann ein Mensch nicht immer garantieren, da er sich auch irren kann, doch dass sie wahrhaft ist, das liegt in der Macht des Menschen, da er dies durch seinen Verstand und sein Gewissen prüfen kann. Damit ist die Wahrhaftigkeit die subjektive Wahrheit einer Person. Für Kant ist es ein uneinschränkbares Gebot in allen Aussagen wahrhaft zu sein (vgl. Eisler 1989, S. 358).

Metaphysik

Der Metaphysik galt Kants Interesse und sie ist die übergeordnete Kategorie dessen, womit er sich hauptsächlich beschäftigt. Diese Begrifflichkeit stammt einer Legende nach aus dem antiken Griechenland, ca. 70 Jahre v.Chr., und wurde von Andronikos von Rhodos geprägt, der versuchte, die Werke des Philosophen Aristoteles zu ordnen. Die Reihenfolge beinhaltete zuerst die philosophischen Bücher, die sich auf die Natur bezogen (griechisch: physis), und danach (griechisch: meta) die philosophischen Bücher, die darüber hinausgingen und sich mit dem Seienden befassten. Sie wurden meta ta physika genannt, da sie nach den Naturbezogenen Werken kamen.

„Metaphysik ist schlichtweg die klassische Grundform der abendländischen Philosophie.“ (Ludwig 2009, S. 13). Sie beinhaltet das Wissen über das Seien, indem es nach dem Grund für Denken, Erkennen, Seien und Wesen fragt. (vgl. Ludwig 2009, S. 12-15; Eisler 1989, S. 354-364).

der Kategorische Imperativ

Kant unterscheidet den Imperativ in zwei Arten - den hypothetischen und den kategorischen Imperativ. Der hypothetische Imperativ gilt nur für denjenigen, der mit einer möglichen Handlung einen bestimmten Zweck erreichen will (vgl. Eisler 1989, S. 267). Der kategorische Imperativ hingegen soll für jedermann gültig sein. Kant formulierte diesen folgendermaßen: „Der kategorische Imperativ ist also ein einziger, und zwar dieser: handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß [sic!] sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (vgl. Eisler 1989, S. 268).

Den Kategorischen Imperativ hat Kant in seinem Werk Grundlegung zur Metaphysik der Sitten erarbeitet. „Dieser stellt das oberste moralische Prinzip dar […] an der wir unser moralisches Handeln ausrichten können.“ (vgl. Frey/ Schmalzried 2013, S. 79). Der Leitgedanke des kategorischen Imperativs ist, dass wir unsere eigenen Handlungen nach den gleichen Maßstäben beurteilen, die wir auch an die Handlungen anderer anlegen würden. Um also zu unterscheiden, ob eine Handlung moralisch ist oder nicht, sollte man darüber nachdenken, ob man möchte, dass jedermann in derselben Lage sich genauso verhalten würde (vgl. Frey/ Schmalzried 2013, S. 79).

Menschenliebe

Unter dem Begriff Menschenliebe als eine Tugend, welcher bereits im Titel der in dieser Arbeit analysierten Schrift vorzufinden ist, versteht Kant ein wechselseitiges tätiges Wohlwollen, welches nach dem Prinzip der Gleichheit jede Person miteinschließt. In Kants Werk Die Metaphysik der Sitten wird sie als „(…)Fertigkeit der Neigung zum Wohlthun überhaupt (…)“ definiert (Grünewald 2008, S. 153). Es beinhaltet die Pflichten der Wohltätigkeit, Dankbarkeit und Teilnahme in dem Maße, welches trotz anderer Pflichten möglich ist, was eine große Bedeutung für diese Arbeit hat. Für Kant ist auch die Wechselseitigkeit von Bedeutung, indem er davon ausgeht, dass sich jeder Mensch in einer Notsituation wünscht, dass ihm geholfen wird, und darum auch anderen helfen muss, um dies auch selbst zu erfahren (vgl. Eisler 1989, S. 330; Grünewald 2008, S. 153).

Die Lüge und die Pflicht

Hintergrund zur Schrift

Um den kategorischen Imperativ zu begründen zeichnete Kant drei Beispiele „für die rechtlichen und ethischen kategorischen Imperative“ (vgl. Oberer 1986, S. 7) auf. Diese werden im Folgenden kurz aufgezeigt:

1. „[D]as rechtliche Gebot der bedingungslosen Vollstreckung der Todesstrafe für Mörder […]“. (vgl. Oberer 1986, S. 7)


2. „[D]as bedingungslose und uneingeschränkte ethische Verbot des Selbstmords […]“. (vgl. Oberer 1986, S. 7)
3. „[D]as bedingungslose ethische und rechtliche Verbot der Lüge […]“. (vgl. Oberer 1986, S. 7)

Das genannte letzte Beispiel bildet die Grundlage um die bedeutende Auseinandersetzung zwischen Immanuel Kant und Benjamin Constant aufzuzeigen. Hierzu muss erwähnt werden, dass die Kontroverse zwischen Kant und Constant nicht erst im 18. Jahrhundert erfunden wurde. Geschichtlich gesehen ist die moralische Betrachtung über Erlaubtheit und Unerlaubtheit der Lüge ein uralter Topos (vgl. Oberer 1986, S. 7). Für Oberer allerdings stellt der Disput zwischen dem Philosophen Kant und dem Politiker und Schriftsteller Constant ein Extremfall dar (vgl. Oberer 1986, S. 7). Somit existiert wohl kaum eine moralphilosophische Ansicht, die so viele Widersprüche erfahren hat, wie die in Immanuel Kants veröffentlichtem Aufsatz Ü ber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen aus dem Jahr 1797. In diesem verteidigte Kant seine Ansicht, „man müsse in seinen Aussagen immer und unter allen Umständen wahrhaftig sein und nicht einmal die Absicht, durch eine Lüge ein Verbrechen zu verhindern, könne eine Unwahrhaftigkeit rechtfertigen.“ (vgl. Grünewald 2008, S. 149). Mit dieser Schrift richtete er sich gegen Benjamin Constants Schrift Des r é action politiques1  von 1797 in der sich Constant gegen ein absolutes Lügenverbot ausspricht (vgl. Campagna 2003, S. 75). Constant nahm in seinem Aufsatz Anstoß an den Aussagen und im Speziellen an dem Mörder-Beispiel2, eines deutschen Philosophen. Kant selbst konnte sich nicht erinnern in welcher seiner Schriften er das von Constant angeführte Beispiel angebracht hatte, identifiziert sich selbst aber mit dem von Constant erwähnten deutschen Philosophen (vgl. Oberer 1986, S. 12) und reagierte entsprechend mit seiner Schrift Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen auf den französischen Politiker und Schriftsteller.


Constant stellt zu keinem Moment in Frage, dass die Wahrheit zu sagen eine Pflicht sei, doch lässt sich für ihn dieses abstrakte Prinzip nicht auf die allgemeine Wirklichkeit zu jedem Zeitpunkt anwenden (vgl. Campagna 2003, S. 78). „Dieses Prinzip ist, für sich genommen, unanwendbar. Es würde die Gesellschaft zerstören. Verwirft man es aber, geht die Gesellschaft nicht minder zugrunde, denn alle Grundlagen der Moral würden damit hinfällig werden.“ (vgl. Constant 1797, S. 24). Von dieser Aussage ausgehend würden wir uns also in einem Dilemma befinden, denn sowohl der Gebrauch als auch der Nichtgebrauch einer Lüge würde zwangsläufig zum Untergang der Gesellschaft führen (vgl. Campagna 2003, S. 78). Um aus dem hier dargestellten Dilemma einen Ausweg zu finden empfiehlt Constant den Rückgriff auf ein verhandelndes Prinzip, indem man sich dazu verpflichtet, denjenigen die Wahrheit zu sagen, die auch ein Anrecht darauf haben. Unter diesem Gesichtspunkt wurde das Prinzip mit der Realität vermittelt und verwendbar gemacht (vgl. Campagna 2003, S. 79).

Sowohl Kant als auch Constant pochen „auf die Notwendigkeit von Prinzipien“ (vgl. Campagna 2003, S. 84) nur glaubt Constant im Gegensatz zu Kant, dass erst durch den Rückgriff auf spezifische Regeln die konkrete Anwendung von allgemeinen Regeln ermöglicht wird (vgl. Campagna 2003, S. 84)


1 dt. „Über politische Reaktion"

2 „B kommt an die Tür von A, der gerade seinen Freund C bei sich hat, und fragt, ob dieser, den er offensichtlich ermorden will, im Hause sei. Auf die scheinbar ebenso klare und einfache Doppelfrage, ob A, wenn er seine Antwort mit Ja oder Nein nicht vermeiden könne, den B aus Menschenliebe (in Bezug auf C) zu belügen berechtigt (Frage I) oder sogar verpflichtet (Frage II) sei, gibt Kant in einer kleinen Arbeit Ü ber ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen die klare Antwort einer bedingungslosen Verneinung […]“ (vgl. Geismann 1988, S. 293, vgl. auch Kapitel 2.2)



„Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen“, so tadelte schon Aristoteles die Unwahrhaftigkeit. Dass Lügen uns ohne Umwege in die Verdammnis führten, wusste Jean Jacques Rousseau, der einmal von sich gab: „Wenn nur die Lüge uns retten kann, so ist es aus, so sind wir verloren.“ Die Verachtung für die Lüge war den allermeisten Philosophen – von Aristoteles bis Hannah Arendt – gemein, auch wenn sie in anderen Aspekten grundsätzlich verschiedene Auffassungen vertraten. Diese weitgehende Übereinstimmung ist aber nicht sehr verwunderlich: Da die Philosophie die Suche nach der Wahrheit ist, steht die Lüge dem philosophieren logischerweise im Weg, denn sie versucht die Wahrheit zu kaschieren. Die Lüge ist sozusagen der größte Feind der Philosophen. Dieses selbstgenügsame Kriterium reicht aber natürlich nicht aus, um die Lüge als endgültig verwerflich zu deklarieren. Im Hauptteil wird deswegen ausführlich auf die wichtige und komplexe Argumentation Kants gegen die Lüge, bzw. deren Einsatz, eingegangen.


Doch zunächst gilt es zu klären: Was ist die Lüge überhaupt? „Exagerer n´est pas mentir“ – Übertreiben ist nicht gleich lügen, so lautet ein französisches Sprichwort und es impliziert die definitorische Schwierigkeit, die „das Lügen“ mit sich bringt. Ist das bloße Verschweigen dem Lügen gleichzusetzen? Wie verhält es sich mit Höflichkeitslügen? Eine gängige und noch heute sehr brauchbare Definition der Lüge brachte Augustinus: „Die Lüge ist eine Aussage mit dem Willen, falsch auszusagen.“[1] Er verschrieb sich einer erstmalig umfassenden Kritik der Lüge, die mit religiösen Argumenten arbeitet. Da Gott die Wahrheit sei, könne die Lüge mit Gottesmord verglichen werden.


In dieselbe kategorische Verneinung der Lüge reiht sich Kant ein. Nach seiner Auffassung ist „die Lüge ... bloß als vorsätzlich unwahre Deklaration gegen einen andern Menschen definiert, [sie] bedarf nicht des Zusatzes, dass sie einem anderen schaden müsse.“[2] Und ähnlich wie Augustinus fordert Kant die absolute Unterlassung von Lügen, egal in welcher Notlage man sich gerade befinde. Allerdings beruft sich Kants Rechtfertigungsstruktur nicht auf göttliche Autorität sondern zielt rein auf die ratio des Menschen ab und appelliert an seine Vernunftbegabung. Diese erlaubt Lügen selbst nicht in Extremfällen, wie einer von ihnen im Folgenden geschildert wird.

Das Lügenverbot bei Kant – in der Schrift „Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen“

Vorstellung der Problematik

In seinem Aufsatz „Über ein vermeintliches Recht aus Menschenliebe zu lügen“ bezieht sich Immanuel Kant auf den französischen Philosophen Benjamin Constant. Dieser vertrat in der Schrift „Über politische Reaktion“ die Hauptthese, dass das Moralprinzip, immer und unter allen Umständen die Wahrheit zu sagen, bei einer konsequenten Anwendung „für sich genommen, unanwendbar [ist]. Es würde die Gesellschaft zerstören.“[3] Bei seiner Argumentation griff Constant auf ein prominentes Beispiel zurück, das nun erläutert werden soll:

Eine Person (B) wird nach dem Aufenthaltsort ihres Freundes (O) gefragt.[4] Der Befragte B hatte O kurz zuvor in seinem Haus Zuflucht gewährt und weiß daher genau Bescheid, wo sich O befindet. Diese zunächst harmlose und alltägliche Situation wird dadurch so brisant, dass der Fragende ein Mörder (M) ist, mit der Absicht, O zu töten. B ist auch über diese Tatsache informiert und kann, aus welchen Gründen auch immer, „einer Beantwortung mit Ja oder Nein nicht ausweichen.“[5] Das bedeutet, der Befragte muss sich entscheiden, ob er die Wahrheit sagt, oder ob er lügt und vorgibt, den Aufenthaltsort von O nicht zu kennen.


Dieses Szenario illustriert einen Extremfall, der sich darin äußert, dass sich B in einer Zwangslage befindet und das Schicksal des O (zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit) von B’s Aussage abhängt.[6] Auch kann man in dem Szenario einen Pflichtenkonflikt erkennen: Die Pflicht, nicht zu lügen, widerstrebt offenbar nach der vorherrschenden allgemeinen Meinung der Pflicht, anderen in der Not zu helfen oder der Pflicht, seine eigene Würde zu verteidigen.[7] Diese Zugespitztheit trug nicht minder dazu bei, dass nicht nur Constant und Kant vehement Stellung bezogen und ihre jeweiligen Positionen verteidigten, sondern auch selbst zum Gegenstand einer großen Debatte wurden. Doch zurück zu der zentralen Frage: Wie soll B handeln?


Nach Constant braucht B nicht die Wahrheit zu sagen. Zwar betrachtet Constant die Wahrheitsaussage als eine Pflicht, aber nur „denjenigen gegenüber, die ein Recht auf Wahrheit haben.“[8] Im speziellen Fall bestünde dieses Recht für M nicht, da die Wahrheit O schaden würde.

Kant widersetzt sich dieser Feststellung. Um seine Position zu verstehen, ist es nicht unerheblich zu wissen, dass Kant das Problem – wie er schon in dem Titel seines Aufsatzes zu verstehen gibt – als ein Rechtsproblem betrachtet und so die politische Praxis beleuchtet[9], „während das moralische Problem (die Tugendpflicht zur Wahrhaftigkeit) ausgeklammert wird.“[10] Für ihn gibt es unter keinerlei Umständen einen Rechtsanspruch zur Lüge.


Hätte B aber in dem konkreten Fall nach Kant gehandelt, und hätte seine Aussage den Tod von O zur Folge, so könnte B nach heute geltendem Strafrecht wegen ‚Beihilfe zum Mord durch Eventualvorsatz’ schuldig gesprochen werden.[11] Welche Argumente bringt Kant nun für sein absolutes Lügenverbot vor? Wie lässt es sich rechtfertigen? Im weiteren wird versucht, Antworten auf diese Fragen zu geben.

Die kantischen Gründe für das absolute Lügenverbot

Das positiv-rechtliche Argument

Im Gegensatz zur heutigen juristischen Auslegung leitet sich für Kant aus einer pflichtgemäßen Wahrheitsaussage keinerlei Verantwortlichkeit für deren Konsequenzen ab: „Bist du ... strenge bei der Wahrheit geblieben, so kann dir die öffentliche Gerechtigkeit nichts anhaben; die unvorhergesehene Folge mag sein, welche sie wolle.“[12] Dagegen würde B von der Rechtssprechung zur Verantwortung gezogen werden, wenn aufgrund einer (selbst gutgemeinten) Lüge O ermordet würde.[13] Es zeigt sich, dass der Befragte für genau identische Folgen (beide Male ist das der Tod von O) nach Kant einmal haftbar gemacht und das andere Mal von jeglicher Schuld entlastet werden kann. Warum?



[1] Zitiert nach: Baruzzi, Arno: Philosophie der Lüge. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1996, S. 45.

[2] Kant, Immanuel: Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen, in: Karl Vorländer (Hrsg.): Kleinere Schriften zur Geschichtsphilosophie, Ethik und Politik. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 1973, S. 202.

[3] Constant, Benjamin: Über politische Reaktion, in: Geismann, Georg/Oberer, Hariolf (Hrsg.): Kant und das Recht der Lüge. Würzburg: Könighausen und Neumann, 1986, S. 24.

[4] „B“ steht hier für den Befragten, „O“ für das (potentielle) Mordopfer. Diese Abkürzungen werden auch im weiteren Verlauf der Arbeit verwendet.

[5] Kant: Über ein vermeintes Recht zu lügen, 1973, S. 202.

[6] Vgl. Wagner, Hans: Kant gegen ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen’, in: Kant und das Recht der Lüge, 1986, S. 97.

[7] Vgl. Babic, Jovan: Die Pflicht nicht zu lügen – Eine vollkommene, jedoch nicht auch juridische Pflicht, in: Kant-Studien, 91. Jahrg., S. 436.

[8] Constant: Über politische Reaktion, in: Kant und das Recht der Lüge, 1986, S. 24.

[9] Vgl. Höffe, Otfried: Immanuel Kant. (3. Aufl.), München: C. H. Beck, 1992, S. 185.

[10] Ebd. S. 195

[11] Vgl. Kim, Jong-Gook: Kants Lügenverbot in sozialethischer Perspektive, in: Kant-Studien, 95. Jahrg., S. 227.

[12] Kant: Über ein vermeintes Recht zu lügen, 1973, S. 203.

[13] Kant skizziert einen derartigen Fall in seiner Schrift „Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen.“


Einwand zur Position Immanuel Kants

Tatsächlich nehme ich an, dass Kant hier an einer entscheidenden Stelle einen Logikfehler begangen hat. Der Kategorische Imperativ verbietet nach seiner eigenen Definition nur Hand­lungen, die in sich widersprüchlich wären, wenn alle sie immer ausführen würden. Nun zeich­nen sich ausgerechnet Notlügen aber dadurch aus, dass sie letztlich nicht alle immer, sondern nur vereinzelt in konkreten Notsituationen, ausführen. Das Argument enthält also einen ent­scheidenden Übertragungsfehler: Statt „ein allgemeines Gesetz, in Notsituationen zu lügen“ fügt Kant in seine Formel „ein allgemeines Gesetz zu lügen“ ein. So erhält er als Ergebnis, dass der Kategorische Imperativ Lügen verbietet, aber was er zum Thema Notlügen sagt, ist nicht Teil der Argumentation.

Werfen wir einen Blick auf das zentrale Argument: Wenn der Kategorische Imperativ Notlügen verbietet, dann sind sie in sich widersprüchlich. In der ersten Prämisse wird sichergestellt, dass die einzige Bedingung für das Verbot einer Handlung durch den Kategorischen Imperativ laut Kant die innere Widersprüchlichkeit der Handlung ist. Wenn Notlügen nun in sich wider­sprüchlich sind, dann können alle sie immer ausführen. Diese zweite Prämisse besagt, dass nur Handlungen als in sich widersprüchlich gelten können, die auch alle immer ausführen kön­nen. Notlügen aber können nicht alle immer ausführen. Als dritte Prämisse meines Arguments fungiert die Tatsache, dass Notlügen, also Lügen mit dem Zweck, sich selbst aus einer unan­genehmen Situation zu befreien, nicht durch alle immer ausgeführt werden können. Das folgt a priori allein aus der Begriffsdefinition. Kant selbst beschreibt die Situation sogar mit der For­mulierung „wenn ich im Gedränge bin“, die bereits sehr stark impliziert, dass sich eben nicht jeder Mensch immer im Gedränge befindet.

Also: Notlügen sind nicht in sich widersprüchlich. Die Zwischenkonklusion folgert aus der zwei­ten und dritten Prämisse, dass Notlügen nicht in sich widersprüchlich sein können. Der Kate­gorische Imperativ verbietet Notlügen also nicht. In der Konklusion wird schließlich mithilfe der ersten Prämisse und der soeben gefolgerten Zwischenkonklusion sichergestellt, dass der Ka­tegorische Imperativ Notlügen nicht verbietet. Streng genommen kann der Kategorische Im­perativ sogar gar keine Aussage zum Thema Notlügen tätigen, da sich diese ja gar nicht ver­allgemeinern lassen, weil sie sich eben dadurch auszeichnen, nicht immer durch alle ausge­führt zu werden.

Ganz praktisch und verallgemeinernd lässt sich auch sagen: Eigentlich befinden wir uns in einer Welt, in der Menschen sehr oft in Notsituationen lügen. Trotzdem nimmt das aber nicht solche Ausmaße an, dass ich tatsächlich bei jeder einzelnen von mir im Alltag getätigten Aus­sage davon ausgehen muss, dass mir Menschen wahrscheinlich nicht glauben, weil Aussagen dadurch allgemein keinen Wert mehr hätten


Einwände gegen diesen Einwand

Gegen den von mir vorgetragenen Einwand lässt sich mit der These argumentieren, dass man sich vielleicht durchaus eine mögliche Welt vorstellen könnte, in der alle Aussagen eines jeden Menschen immer Notlügen wären. In dieser Welt würden sich Notlügen dann nicht dadurch auszeichnen, dass nicht alle sie immer, sondern nur vereinzelt in Notsituationen, ausführen können, womit die dritte Prämisse entkräftet wäre. Vielmehr wären sie dann sogar die Regel. Dieses Szenario jedoch mutet allein aufgrund des Begriffs „Notlüge“ bzw. der Beschreibung der Situation als „wenn ich im Gedränge bin“ schwer vorstellbar an. Schließlich impliziert dieser Begriff bereits als logische Wahrheit, dass er nur in Notsituationen vorkommt, und eine Welt, in der sich jeder Mensch dauerhaft im Gedränge befindet, erscheint ebenfalls nicht logisch vorstellbar. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes analytisches Urteil a priori, wie es auch in der theoretischen Philosophie Kants selbst vorkommt.

„Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch benötigte und nicht auf den ers­ten Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis gebe. Man nennt solche Er­kenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori, nämlich in der Erfahrung, haben. “

- Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, Riga 1787 Ein solches analytisches Urteil a priori ist immer zwingend notwendig. Genauso, wie man sich keine Welt vorstellen kann, in der Junggesellen verheiratet sind, kann man sich also auch keine Welt vorstellen, in der Notlügen immer durch alle Menschen ausgeführt werden. Deshalb kann dieses Gegenargument nicht greifen.

„Findet sich also erstlich ein Satz, der zugleich mit seiner Notwendigkeit gedacht wird, so ist er ein Urteil a priori;“

- Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, Riga 1787 Befürworter von Kants Position könnten außerdem das Dammbruchargument gegen meinen Einwand anführen. Sie könnten sagen, dass im Falle einer moralischen Akzeptanz von Notlü­gen die Hemmschwelle für Menschen schnell geringer würde, dann zunächst auch in Situati­onen zu lügen, die gar keine so starke Notsituation darstellen, und schließlich auch in Momen­ten, in denen man es eigentlich gar nicht müsste, es aber schlicht aus Gewohnheit weiterhin tut. Dieser Einwand gehört jedoch zu den konsequentialistischen Argumenten und kann daher nur sehr schwer von Kant intuiert sein, da solche mit den Grundsätzen seiner deontologischen Ethik nicht vereinbar sind.


Richtig ist allerdings, dass mit der Widerlegung der Tatsache, dass das angeführte Beispiel einen Beweis für den Kategorischen Imperativ darstellt, nicht gezeigt ist, dass die Formel nicht gilt oder es gar kein Beispiel gibt, dass man für die Einführung verwenden könnte. Grundsätz­liche Befürworter des Kategorischen Imperativs müssen also im Zweifel gar keinen Gegenein­wand, sondern lediglich ein neues, besser passendes Beispiel ausfindig machen.

Schluss

Alles in allem lässt sich also sagen, dass Immanuel Kant ein sehr uneindeutiges Beispiel zur Einführung des Kategorischen Imperativs gewählt hat. Während es vielleicht auf den ersten Blick passt, stellt sich bei genauerem Hinsehen doch heraus, dass in der Konstruktion viele Unebenheiten vorhanden sind. So muss er für die Aufstellung seiner Formel ein Beispiel ver­allgemeinern, zieht dazu aber eines heran, dass sich nicht ohne weiteres verallgemeinern lässt.


Gegenargumente gegen den Einwand sind entweder nicht mit Kants theoretischer Philoso­phie, also seiner kritizistischen Erkenntnistheorie, oder dem Rest seiner praktischen Philoso­phie, vornehmlich der deontologischen Moraltheorie, vereinbar. Trotzdem lässt sich das je­doch nicht als allgemeines Argument gegen den Kategorischen Imperativ werten, da es mit Sicherheit auch Beispiele gibt, die problemlos in die Formel passen würden und mit denen man sie besser einführen könnte.



Von Untertanen und Duckmäusern



Wenn der eine oder andere Mainstream-Journalist, der die Hintergründe seiner "Informationsbeschaffung", seine dubiosen Informationsquellen, die Motive der Tippgeber und Lobbyisten nicht verraten kann und es auch gar nicht will, von Lesern oder Kollegen dann noch fälschlicherweise als "investigativer Journalist" geadelt wird, widerspricht er ungern und sieht sich als Gesandter einer vierten Gewalt (fast schon, wie in der Physik die 4. Dimension kolportiert und verkauft wird), deren theoretische Macht er längst für ein paar Linsengerichte verscherbelt hat. Aber wenigstens der Mainstream hält ihn noch für einen tollen Hecht.


- Anders ausgedrückt: Obrigkeitsgläubigkeit, Untertanengeist und Duckmäusertum – oder blanker Opportunismus – zahlen sich immer noch aus.

Journalisten, die eine solchermassen gleichgeschaltete Presse anstössig finden, können seit einigen Jahren aufs Internet ausweichen und hier Artikel über Themen veröffentlichen, die von den Mainstream-Medien aus den bereits angedeuteten Gründen ignoriert werden.

Die meisten echten investigativen Journalisten publizieren inzwischen vorzugsweise im Internet.


Neuerdings riskieren allerdings immer häufiger auch Mainstream-Journalisten einen Blick ins World Wide Web, auch W3C genannt, um hier nach Themen noch nicht korrumpierter Kollegen zu forschen, die sie eventuell aufgreifen und mainstreamgerecht aufbereiten könnten. Das Internet ist inzwischen auch für sie zu einer wichtigen Informationsquelle geworden.

Sie bedienen sich dabei der grossen Suchmaschinen-Monopolisten wie Google und Yahoo, die nahezu unbemerkt dabei sind, die freiheitlichen und demokratischen Grundideen des Internets auszuhebeln...

Was hat man von Unternehmen wie Google und Yahoo sonst noch zu erwarten? - Macht verführt zu Missbrauch. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Internet-Suchdienste wie Google und Yahoo sich als "gott" - "ähnlich" sehen und ausserhalb jeglicher gesetzlichen Kontrolle Presse-Zensur auch in Deutschland betreiben. Dass Google und Yahoo Zensur betrieben haben, ist hinlänglich bekannt und wird international bereits seit Jahren kritisiert.

Bei Google-Eingabe der Schlagwörter "Google" und "Zensur" werden inzwischen über 80000 Suchergebnisse gemeldet, von denen allerdings nur – wie bei Google und Yahoo üblich – maximal 1000 eingesehen werden können.

Bekannt geworden sind vor allem einige spektakuläre Fälle: So haben sich Google und Yahoo mit der Regierung in Peking auf eine Zensur bei Eingabe bestimmter Schlagworte – etwa "Freiheit", "Demokratie" oder "Menschenrechte" – eingelassen, nachdem China die Suchmaschinen der beiden US-Unternehmen vorübergehend abgeschaltet hatte. Um im Geschäft mit dem riesigen Zukunftsmarkt im Reich der Mitte bleiben zu können, verpflichtete sich Yahoo schon 2002 gegenüber dem chinesischen Staat, von der Regierung als subversiv eingestufte Seiten zu filtern.

Auch die von Google betriebene chinesische Suchmaschine "baidu" arbeitet mit Filtern, die auf bestimmte Signalwörter anspringen und entsprechende Websites blockieren.



Technisch ist eine für Aussenstehende kaum erkennbare Zensur von Informationsprodukten im Bedarfsfall ein Kinderspiel. Bereits mit dem seit Jahren schon vorhandenen Zensur-Potential im weitgehend undurchsichtigen Software-Dschungel mit seinen Milliarden gespeicherten Daten ist Zensur nur schwer nachweisbar, aber leicht durchzuführen, da Unternehmen wie Google oder Yahoo nicht nur über die jeweils neuesten Software-Entwicklungen verfügen, sondern – (noch wichtiger) ihre Orwell’sche Technik ( George Orwells Roman 1984) mit juristisch unangreifbaren und nicht aufzubrechenden Geschäftsbebedingungen verbinden und absichern, die jede Analyse einer möglichen Zensur extrem zeitaufwändig und unökonomisch macht.

Am Ende ist Zensur sowieso nur selten eindeutig zu belegen, da die Unternehmen schliesslich immer noch behaupten können, dass hier oder da auf dem Globus an irgendeiner Stelle im globalen Datennetz oder Software-Dschungel ein vorübergehendes technisches Problem aufgetreten sei, das von keinem Aussenstehenden auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft werden kann.


Nicht umsonst verweigern Google wie auch Yahoo die Preisgabe bestimmter Informationen sowie jegliche Kontrolle ihres Unternehmens und der Geschäftspolitik, während die Firmen gleichzeitig ungestraft die ganze Welt ausschnüffeln und manipulieren dürfen – mit ausdrücklicher Billigung jeder US-Regierung.



Full Spectrum Dominance: 


Der Plan des Pentagons zur Kontrolle des Internets - zu der Strategie, die das Pentagon selbst als » Full Spectrum Dominance « bezeichnet, gehören nun auch Pläne, die Internet-Kommunikation zu kontrollieren. Der Plan ist Teil der sogenannten » Information Operations «. Wenn es gelingt, die Pläne in die Tat umzusetzen, würde das Leben auf der Erde mit einem Schlag viel stärker kontrolliert. Der Krieg gegen den Terror wird zur Rechtfertigung einer wahrhaft Orwell’schen Version der Gedankenkontrolle herangezogen, die viel ominöser ist als eine normale Zensur. Wir sind in diesen Blasen, der Algorithmus vermisst uns und das wird weiterhin so gehen und die Algorithmen werden immer besser.


In unserer schnelllebigen Zeit findet eine exakte Kommunikation selbst bei elementaren Themen kaum noch statt.


Wie aber wollen wir verhindern, dass der viel zitierte Karren noch komplett im Morast des verfehlten Systems versinkt, wenn wir offenbar nicht einmal klar und konstruktiv miteinander sprechen?


Die vermeintlich entscheidungsbefähigten Personen der Wissenschaft oder Politik scheinen eher nicht bemüht zu sein, weitgehend interpretationsfrei zu argumentieren. Im Gegenteil. Damit würden sie sich klar positionieren, anstatt sich alle Türen für einen Rückzug offen zu halten.

Eine exakte Definition von Begriffen ist jedoch eine unverzichtbare Grundlage für eine konstruktive Kommunikation. Stattdessen aber werden bestimmte sinnvolle Vokabeln mit „geistigen Viren“ belegt, um ihren aufklärenden Charakter zu vernebeln. Diese Bezeichnung stammt aus der MEM-Forschung und beschreibt eine tendenziöse oder sogar falsche Zuordnung des Sinnes bestimmter Worte. Durch diese Fehlbestimmungen kann man (sachlich betrachtet) vernünftige Vokabeln virusartig so in die Bevölkerung infiltrieren, dass sie nicht nur ihren Sinn verlieren, sondern sogar einen regelrechten Negativ-Reflex beim Empfänger auslösen, so wie das von Mainstream - Medien in Bezug auf stigmatisierende und kontroverse Themenkomplexe parktiziert wird.

Uns fällt auf, dass in Talk-Shows, Bundestagsdebatten, Medienveröffentlichungen, selbst in alternativen Internet-Blogs usw. permanent mit diesen „Vokabel-Waffen“ gearbeitet wird, um „Gegner“ zu diskreditieren. Ein von der CIA ins Leben gerufener Begriff, nämlich der des "Verschwörungstheoretikers", ist eine dieser Keulen mit der derzeit derjenige bearbeitet wird, der sich mit vermeintlich kontroversen Themen auseinandersetzt.



Literatur


Aristoteles: IV. Buch der Physik in: Werke. (Hrsg.v.I.Bekker). Berlin 1831–1870. Augustinus, Aurelius: Bekenntnisse (Confessiones), 11.Buch. Entst. um 400; ED Straßburg um 1470 (?); dt. 1672; Freiburg i.Br. 1959. Davies, Paul: Die Unsterblichkeit der Zeit (About Time. Einstein's Unfinished Revolution. New York 1995). Darmstadt 1996. Einstein, Albert: Zur Elektrodynamik bewegter Körper. Ann.der Physik 1905. Ders.: Die Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie. Ann.der Physik 1916. Gribbin, John: Die erste Genesis (In Search of the Big Bang). Santa Fee 1986; dt. Essen, München 1995. Gumin, Heinz / Meier, Heinrich (Hrsg.): Die Zeit. München 1989. Hawking, Stephen W.: Eine kurze Geschichte der Zeit. Hamburg 1988. Heidegger, Martin: Sein und Zeit. Halle, 1927. JÜNGER, ERNST: Das Sanduhrbuch. Frankfurt a.M. 1954. Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft. Riga 1781. Müller-Koch, Uta in: Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. 1993–1998. Planck, Max: Das Weltbild der neuen Physik. Leipzig 1929. Platon: Der Staat (Politeia ). Entst. vor 347 v.Chr.; Ed lat. Florenz o.J. (ca. 1482–84); griech. Venedig 1513; dt. 1572; Platons Staatsschriften. Hrsg.v. O.Spann, erläut.v.W.Andrae. Jena 1925. Ders.: Timaios. Entst.vor 374 v.Chr.; Ed lat. Florenz o.J. (ca. 1482–84), griech. Venedig 1513; dt. 1795. Russell, Bertrand: Das ABC der Relativitätstheorie. München 1970. Spinoza, Baruch de: Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes (Tractatus de intellectus emendatione). Amsterdam 1677; dt. Hamburg 1785.

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Was Bewußtsein ist, weiß – angeblich – niemand. Oder: Jeder glaubt es zu wissen. Jedenfalls treffen aus der ganzen Welt Philosophen, Psychologen und Mediziner zusammen, um darüber zu beratschlagen, was denn Bewußtsein eigentlich sei. Bisher ist man bei solchen Symposien auf keinen grünen Zweig gekommen. Bewußtsein? Das ist angeblich ein nicht mehr weiter hinterfragbares Phänomen – wie das Leben auch. Oder wie die Metapher Gott. Ohne Bewußtseinaber ist … Nichts?


Das geht freilich nicht, denn: Dem Nichts kommt Sein (im obigen Satz als Kopula „ist“ verwendet) nämlich nicht zu. Heidegger1: „Das Nichts nichtet.“ Außerdem: Das Nichts ist ja nur ein Begriff für unsere Totalabstraktion von allem, was ist. Und: Zur Abstraktion ist immer Bewußtsein nötig, denn: In der Natur (außer in mit Bewußtsein ausgestattetem einzelnen, das wir üblicherweise „tierisches und menschliches Leben“2 nennen) gibt es ja keine Abstraktion. Die Natur (= alles Da-Seiende, also alles als Vereinzeltes Existierendes) ist ja stets konkret da und niemals als abstrakter Begriff oder als eine Verallgemeinerung (Klasse, Ordnung).


Diese (Begriffe, Klassen, Ordnungen) haben ja erst wir – und zwar nur aufgrund unseres Bewußtseins – geschaffen!


Was ist jetzt also ohne Bewußtsein, wenn nichts gar nicht sein kann?
Und was ist eigentlich Bewußtsein? Gott und Bewußtsein Vorerst versuchen wir es mit einer Analogie: Der erste Einleitungsabsatz bleibt vollinhaltlich gültig, wenn wir den Begriff „Bewußtsein“ mit der Metapher „Gott“ ersetzen:


„Was Gott ist, weiß – angeblich – niemand. Oder: Jeder glaubt es zu wissen. Jedenfalls treffen aus der ganzen Welt Philosophen, Psychologen und Mediziner (hier müßten wir jetzt verändern auf Theologen) zusammen, um darüber zu beratschlagen, was denn Gott eigentlich sei. Bisher ist man bei solchen Symposien auf keinen grünen Zweig gekommen. Gott? Das ist angeblich ein nicht mehr weiter hinterfragbares Phänomen – wie das Leben auch. (Oder wie die Metapher Gott …) Ohne Gott aber ist … Nichts?“ Widersprüche treten bislang keine auf.
Im nächsten Absatz scheitern wir allerdings mit dem Ersetzen des Begriffs „Bewußtsein“
durch die Metapher „Gott“. Denn Gott abstrahiert ja angeblich nicht – zumindest ist aus allen
1 Martin Heidegger (1889–1976), umstrittener deutscher Philosoph mit schwer verständlicher Kunstsprache und oft diskutierter Nähe zum NS-Gedankengut.


2 Darüber, ob auch pflanzliches, bakterielles oder gar virales Leben Bewußtsein hat, wollen wir uns hier gar nicht verbreitern. Die Forschung darüber ist jedenfalls in Fluß – die ursprünglich (rein religiös motivierte) strenge Grenze zwischen Mensch (dieser mit „Seele“) und Tier (jenes natürlich ohne!) ist jedenfalls nicht mehr aufrechtzuerhalten.


Genau genommen, ist „Seele“ kein biblisches Konzept („nefesch“ ist der Lebensatem, den Gott dem Adam in die Nase bläst). Siehe zur Seele der Tiere daher Kohelet 3,20 f! „Unsterbliche Seele“ ist (wahrscheinlich ein aus Ägypten stammendes) über Pythagoras auf Platon und von dem auf uns gekommenes Konzept
.




FORTSETZUNG FOLGT - TO BE CONTINUED _