Bewusstsein und die Metapher " Gott "


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"... the world population can exceed easily 8 billion by the year 2020. This was a major subject of discussion at the conference in Rio de Janeiro on the environment two years ago. It was pointed out at the conference that growth is most efficiently managed by the private sector, but regulation of the process by national governments and international bodies is also needed. And once again, United Nations can certainly be among the catalysts and coordinators of this process.”

 - David Rockefeller, Annual UN Ambassadors' Dinner Sep. 14, 1994












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Hier entsteht die Seite: Bewusstsein und die Metapher " Gott "

 



Die Autoren:

 

Prof. Dr. h.c. mult. Walter Weiss 

Dr. sc. phil. W. Berger

S. Hab Master of Science (M. Sc.) 


 

 

 ( Fußnoten 1 - 83 ff. Ziffern ohne Klammern im Text, verweisen auf Fußnoten)

 

 

Bewußtsein als Schöpfung(sakt) 

 


Was Bewußtsein ist, weiß – angeblich – niemand. Oder: Jeder glaubt es zu wissen. Jedenfalls treffen aus der ganzen Welt Philosophen, Psychologen und Mediziner zusammen, um darüber zu beratschlagen, was denn Bewußtsein eigentlich sei. Bisher ist man bei solchen Symposien auf keinen grünen Zweig gekommen. Bewußtsein? Das ist angeblich ein nicht mehr weiter hinterfragbares Phänomen – wie das Leben auch. Oder wie die Metapher "Gott". Ohne Bewußtsein aber ist …


Nichts?


Das geht freilich nicht, denn: Dem Nichts kommt Sein (im obigen Satz als Kopula „ist“ verwendet) nämlich nicht zu. Heidegger1 : „Das Nichts nichtet.“ Außerdem: Das Nichts ist ja nur ein Begriff für unsere Totalabstraktion von allem, was ist. Und: Zur Abstraktion ist immer Bewußtsein nötig, denn: In der Natur (außer in mit Bewußtsein ausgestattetem einzelnen, das wir üblicherweise „tierisches und menschliches Leben“ nennen) gibt es ja keine Abstraktion. Die Natur (= alles Da-Seiende, also alles als Vereinzeltes Existierendes) ist ja stets konkret da und niemals als abstrakter Begriff oder als eine Verallgemeinerung (Klasse, Ordnung).


Diese (Begriffe, Klassen, Ordnungen) haben ja erst wir – und zwar nur aufgrund unseres Bewußtseins – geschaffen!


Was ist jetzt also ohne Bewußtsein, wenn nichts gar nicht sein kann? Und was ist eigentlich Bewußtsein? Gott und Bewußtsein Vorerst versuchen wir es mit einer Analogie: Der erste Einleitungsabsatz bleibt vollinhaltlich gültig, wenn wir den Begriff „Bewußtsein“ mit der Metapher „Gott“ ersetzen:


 „Was Gott ist, weiß – angeblich – niemand. Oder: Jeder glaubt es zu wissen. Jedenfalls treffen aus der ganzen Welt Philosophen, Psychologen und Mediziner (hier müßten wir jetzt verändern  auf Theologen) zusammen, um darüber zu beratschlagen, was denn Gott eigentlich sei.  Bisher ist man bei solchen Symposien auf keinen grünen Zweig gekommen. Gott? Das ist angeblich ein nicht mehr weiter hinterfragbares Phänomen – wie das Leben auch. (Oder wie die Metapher Gott …) Ohne Gott aber ist … Nichts?“


Widersprüche treten bislang keine auf.


Im nächsten Absatz scheitern wir allerdings mit dem Ersetzen des Begriffs „Bewußtsein“ durch die Metapher „Gott“. Denn Gott abstrahiert ja angeblich nicht – zumindest ist aus allen Religionen nichts Einschlägiges bekannt. Gott „schöpft“ vielmehr … Und das ist ja wohl das Gegenteil von abstrahieren – oder?


1

Martin Heidegger (1889–1976), umstrittener deutscher Philosoph mit schwer verständlicher Kunstsprache und oft diskutierter Nähe zum NS-Gedankengut.


Und darüber, ob auch pflanzliches, bakterielles oder gar virales Leben Bewußtsein hat, wollen wir uns hier gar nicht verbreitern. Die Forschung darüber ist jedenfalls in Fluß – die ursprünglich (rein religiös motivierte) strenge Grenze zwischen Mensch (dieser mit „Seele“) und Tier (jenes natürlich ohne !) ist jedenfalls nicht mehr aufrechtzuerhalten.


Genau genommen, ist „Seele“ kein biblisches Konzept („nefesch“ ist der Lebensatem, den Gott dem Adam in die Nase bläst). Siehe zur Seele der Tiere daher Kohelet 3,20 f ! „Unsterbliche Seele“ ist (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ein aus Ägypten stammendes) über Pythagoras auf Platon und von dem auf uns gekommenes Konzept.


— 2 —


Erster Einwand: Abstrahieren ist nicht das Gegenteil, sondern vielmehr identisch mit schöpfen! Jeder Abstrahierende, also jeder, der vom einzelnen die alleine diese eigenen Eigenschaften abzieht oder über sie hinwegsieht, also den Akt (!)

3 und hier schreiben überzeugte Atheisten mit einem Hang zum Taoismus. 

der Verallgemeinerung (oder Begriffsbildung) vollzieht, „schöpft“ (= schafft) ja: Neues – den Allgemeinbegriff nämlich, unter den er/sie ab jetzt diesem einzelnen Ähnliches subsumiert und damit den Prozeß des Wiedererkennens überhaupt erst ermöglicht. Dieser schöpferische Vorgang wird „Klassifizieren“ der (von uns als zusammengehörig entschiedenen)

4)

einzelnen genannt. Allgemeinbegriffe
(Klassen; in der Scholastik „Universalien“ genannt) existieren aber nicht per se (also durch sich), sondern nur durch uns – und zwar aufgrund unserer Abstraktionsfähig- und -tätigkeit. Wir schaffen (oder „schöpfen“) also – zwar keine Dinge (daß wir das sehr wohl tun, darauf werden wir später in dieser Arbeit noch zurückkommen!), aber die sie bestimmenden Allgemeinbegriffe und bringen damit Ordnung in unsere Welt. 

Ohne unsere Allgemeinbegriffe
 (Klassen, Spezies, Arten) fänden wir uns in der Welt gar nicht zurecht: Unsere Umwelt, der Mesokosmos, wäre chaotisch; wir könnten gar nicht überleben, weil uns die Erfahrung (die nur möglich ist aufgrund unserer selbstgeschaffenen Ordnungen) fehlte, und wir uns auf nichts verlassen könnten: Jedes Erlebnis wäre uns neu und damit lebensgefährlich, weil wir nicht wüßten – aufgrund unserer erlernten Ordnung bzw. Klassifizierung z. B. in „angenehm“, „unangenehm“, „nützlich“, „tödlich“ –, wie wir uns jetzt verhalten sollten.


Wir wären „von allen guten Geistern“ (als Synonym für Ordnungen) verlassen. Es gibt sogar einen Namen für ein solches Verhalten. Es ist eine Krankheit: Agnosie – Nicht-Erkennen. Für Abstraktion ist daher Bewußtsein nötig, denn (und wir setzen jetzt mit dem 3. Absatz unserer Einleitung fort): „In der Natur (außer in mit Bewußtsein ausgestattetem einzelnen, das wir üblicherweise ‚tierisches und menschliches Leben’ nennen) gibt es ja keine Abstraktion. Die Natur (= alles Da-Seiende, also als Vereinzeltes Existierende) ist ja stets konkret da und niemals als abstrakter Begriff oder als eine Verallgemeinerung (Klasse, Ordnung). Diese (Begriffe, Klassen, Ordnungen) haben ja erst wir – und zwar nur aufgrund unseres Bewußtseins – geschaffen!“

Dieses Zusammengehören erfolgt durchaus willkürlich, aber aufgrund unserer Erfahrung, und ist auf unser Überleben hin ausgerichtet. Es erscheint uns sinnvoll (und „sinnvoll“ zielt letztlich immer auf Sich-in-der-Welt- Bewähren!), z. B. alle hochgewachsenen und verholzten Pflanzen als „Bäume“ zu bezeichnen. Andererseits ändert sich die botanische und auch zoologische Systematik, dem Forschungsfortschritt entsprechend, permanent. Wie verbindlich sind also Allgemeinbegriffe? Die Natur kümmert sich um sie jedenfalls nicht, indem die Evolution permanent in Fluß ist und beständig Neues (aber keine neuen Arten!) aus bereits Vorhandenem entsteht. Dieses Neue freilich klassifizieren wir wieder zu neuen „Arten“.


Sein und Nichts


Vor unserem ersten Einwand haben wir noch argumentiert, daß wir „Bewußtsein“ im weiteren nicht mehr durch die Metapher „Gott“ ersetzen könnten. Wieso eigentlich nicht? Gilt nicht seit Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), daß Gott das absolute Bewußtsein sei? 

Und wird nicht „Gott“ in allen (!) Religionen (allerdings nicht im Buddhismus und Taoismus, da beide ja keine Religionen, sondern tiefphilosophische monistische Lehren sind !) Bewußtsein zugesprochen, ja sogar ein Über-Bewußtsein mit „Allmacht“ und „Allwissenheit“? Vor allem in den drei monotheistischen Religionen? Wenn also Abstraktionsfähigkeit - bewußtseinsabhängig, ja im Grunde genommen d i e Definition von Bewußtsein überhaupt ist: Warum sollte Gott in dieser Sicht nicht (auch) abstrahieren (können) müssen? Gemäß der Bibel – man muß aber dort nicht alles wörtlich nehmen – agiert „Gott“ wie ein Übervater:

Er handelt ausschließlich (!) menschlich. Klar, denn nach Freud haben ja wir selbst uns diesen Übervater geschaffen: und zwar nach unserem (patriarchalischen) Denken und Vorbild und nicht etwa umgekehrt, wie es uns die Bibel weismachen will: Daß wir nämlich das Ebenbild „Gottes“ seien. 

Das ist freilich nicht ganz unumstritten. Manche meinen, daß auch dies eine Vorstellung aus Ägypten ist. So weit sich der Herrschaftsbereich erstreckte, war das durch Statuen („Abbilder“) des Pharao sinnenfällig gemacht. Auf die Genesis angewandt, würde das heißen: Der Mensch markiert den Herrschaftsbereich „Gottes“ – was unserem Ansatz hier ja nicht widerspricht. Jedenfalls ist „Gott“ unser idealisiertes Abbild ! 

Dieser biblische „Gott“ ist eifersüchtig, verlangt, befiehlt, straft, verzeiht, fordert, will angebetet werden (und zwar exklusiv), erwählt sich sein (!) Volk (er ist also auch besitzergreifend), schließt Bünde, verspricht – und droht vor allem. Auch beschützt und vernichtet er! Ein reiner „Machtmensch“ also! Ein Zerstörer.

Da gibt es in Österreich einen unerlösten Wiener Kardinal (mit seinem Kirche-In-Artikel), jede Menge Bischöfe, Priester, „Gläubige“ („Laien“ nennt man letztere wohl) und Machtgierige in Rom wie Benedikt XVI. derzeitiger Pontifex Maximus, Papst Franziskus, die sich einen „Sohn Gottes“ zu Ostern (und nicht nur dann) ausdenken und verehren und anbeten und um Heil anflehen … in getreuer Nachfolge des ... nein: nicht des Petrus. Diese Verirrung hatte Paulus initiiert! Petrus wäre zu dumm und zu feige dazu gewesen.

Denn es ist die Kirche des Paulus - die Paulinische Erlöservorstellung, welche die heutige Amtskirche repräsentiert.

Seither stirbt der „Erlöser“ jedes Jahr zu „Ostern“ und aufersteht nach drei Tagen wieder unter Glockengebimmel … Das ganze Jahr über aber gilt diese Transsubstantiation: Die Hostie – nein: nicht „symbolisiert“ – sondern ist, jawohl ist der Leib des „Herrn“! Zumindest für Katholen.

Kann man als Nachaufgeklärter wirklich so etwas glauben? Die Juden lachen sich einen ab darüber, rund eine Milliarde Muslime nennen die Christen u. a. auch deswegen „ungläubig“, und die restlichen 4,5 Milliarden Erdkrustenbewohner verlieren an solche Denkkapriolen nicht einmal einen Gedanken, ja, sie kennen solche Verirrungen gar nicht …

Wahrer Glaube darf keine Denkkapriole sein! Er muss Bekenntnis und Überzeugung zu sich und seiner Verantwortung sein!

Allüren aber (welch ein armer „Gott“!) sind immer Reaktionen 5 auf das Verhalten anderer (der Menschen also) und somit Folge von Abstraktionsfähigkeit – indem von etwas, das jetzt und hier ist 6, abgesehen und Gewünschtes verlangt oder vorweggenommen (prophezeit) wird.


Es ist die klassische Wenn-dann-Konstruktion, allgemeiner bekannt als „Kausalität“. Ein „Gott“ also, der sich der Kausalität unterwirft ? Und (allgemeiner formuliert): der Konstruktion ?


Ein armer „ Gott “ !


sic „Schöpfungsakt“!


Dieser abstrahierende „ Gott “ ist somit gar keiner, sondern ein mit den Menschen Handelnder und ergo ein von ihnen Abhängiger! 

„Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!“ (Slogan der USA und ihrer Vorstellung von Demokratisierung) Ein „Gott“, der nach Willen und Tun des Menschen süchtig ist, indem er darauf reagiert! Anstatt zu agieren!


Das Alte („Erste“) Testament ist pure Gotteslästerung und somit Blasphemie! Aber auch die „Schöpfung“ (weniger pathetisch: die angebliche Erschaffung der Welt) ist reine Gotteslästerung und Folge einer (gigantischen und zwar ausschließlich menschlichen) völlig falschen Abstraktion: Denn laut Bibel wird „aus“

 

7dem Nichts alles 8  geschaffen.

5

Und nicht etwa autonome Aktionen, wie sie einem Gott eigentlich zustünden: Das wäre „würdig und recht“, um katholische Gebetsphrasen zu bemühen!


6 

Da ist er ja wieder, unser Hegel: sein Dies, Hier und Jetzt nämlich!


So behauptet es jedenfalls die Bibel und lehren es die Theologen. „Aus“ setzt allerdings Raum voraus, aus dem man etwas nehmen, oder in dem man etwas bewegen kann. Da dem Nichts aber Sein (u. a. also auch Raum) nicht zukommt, kann man „aus“ ihm nichts nehmen. Das wissen die Theologen (u. a. der Wiener Kardinal Schönborn) aber nicht – oder wollen zumindest nicht zugeben, daß sie es wissen. 


8

In dieser Diktion ist mit „alles“ natürlich nicht das monistische Ein-Alle gemeint, sondern die Welt im Gegensatz zu Gott, die Er „aus dem Nichts“ schafft, wobei Er selbst als ungeschaffen gilt. Dieser zum Widerspruch „Gottes“ mutierte Gegensatz (die Welt nämlich) hat im Monotheismus sogar eine Metapher erhalten: Es ist das Reich des „Teufels“ oder „Satans“. (Das „Reich Gottes“ ist bekanntlich nicht von dieser Welt!) Der Kampf zwischen „Gott“ und „Satan“ wogt also – aber gemäß der Apokalypse wird „Gott“ siegen. Also doch Polytheismus!
 

Welch ein „Gott“, der ein ganzes Äon lang gegen seinen Widersacher kämpfen muß – und dafür sogar seinen eigenen ( und einzigen?) Sohn schlachten läßt! 

Damit sei aber nichts gegen den Rabbi Joshua (Jesus) gesagt, der sich selbst übrigens nie als „Sohn Gottes“ bezeichnet hatte – wie denn auch: als Jude ! )


— 4 —


Die „creatio ex nihilo“ ("Schöpfung aus dem Nichts"), wie sie uns gelehrt wird, ist allerdings eine viel spätere Idee. 

Aber man hat sich zweifellos schon früh die Frage gestellt, warum etwas ist und nicht vielmehr nichts.


Damit dies „funktioniert“, muß – wenn Denkgesetze gelten sollen –, vom Nichts abgesehen (abstrahiert) werden: Das Nichts muß negiert (!) werden, was in die berühmte „Negation der Negation“ Hegels mündet, nur diesmal anders angewandt! 

Negieren bedeutet nämlich immer (!) abstrahieren: allerdings von Bestehendem, indem ich etwas nicht so haben will, wie es ist. Mit der Negation des Nichts („Gottes“ Schöpfungsakt 9 ) wird aber vom Nichts abstrahiert: Das ist freilich ein unmöglicher Akt, denn


1) 

kann Nichts nicht sein, sondern bestenfalls nichten (laut Heidegger) und:


2)

Wovon sollte man beim Nichts abstrahieren? Das geht freilich nicht zusammen. Das Nichts ist ja gar nicht und kann – laut Heidegger und jedem philosophisch folgerichtig 10 denkenden Menschen – gar nicht sein oder „bestehen“,
weil, wie wir oben bereits erkannt haben, dem Nichts Sein nicht zukommt. Wovon sollte also abstrahiert werden? Abgesehen werden kann nur von etwas – aber nicht von nichts! 

Daher
 haben die nun folgenden zwei Sätze ewige Gültigkeit, völlig unabhängig von Kultur und Zivilisation

(en), sind also so etwas wie „absolute Wahrheit“ der Philosophie, vergleichbar manchen
mathematischen Sätzen, wie etwa jenem des Pythagoras 1:


1) Sein ist nur als Seiendes.


2) Das Nichts ist unmöglich.


Zum Verständnis von 2) muß man freilich wissen, daß Seiendes nur Folge von Möglichem
sein kann: Weil nur Mögliches realisiert (besser: wirklich 1 2 

werden kann, und Unmögliches 13 eben nicht. Nur ist diese logische Folge der klassischen Junktion auf Basis des 2. logischen Axioms (dem Satz des Widerspruchs, nämlich „A ist nicht gleich B“ oder, in Form einer
Junktion: „Wenn A, dann nicht B“) den meisten Denkenden nicht unmittelbar einsichtig.


Joseph Haydn hat diesen Unfug in einem der größten Monumentalwerke der Musikgeschichte unübertreffbar in
Ton gesetzt. Wie man sieht, kann man auch Falsches und Unsinniges (dem Zug der damaligen Zeit durchaus
entsprechend) als Ausgangsmaterial nehmen und höchste Kunst daraus kreieren. Haydns Oratorium ist jedenfalls
wahre Schöpfung! In seinen darauffolgenden „Jahreszeiten“ hat Haydn sich freilich kopiert, und der Sohn von
Maria Theresias Leibarzt Gerard van Swieten, der Mozart-Förderer Gottfried van Swieten, hat dem Genie ordentliche
 Knüppel vor die Cembalotasten geschmissen …


1 0

Selbstverständlich folgen wir – einstweilen noch – der zweiwertigen, aristotelischen Logik. Mehrwertige Logiken
(die dreiwertige z. B., die auch den Wahrheitswert „vielleicht“ kennt), bauen aber auf der zweiwertigen
auf und hebeln diese nicht aus – sie erweitern bzw. ergänzen sie vielmehr! Nur das dritte logische Axiom, das
„Tertium non datur“ (eine dritte Möglichkeit außer „wahr“ und „falsch“ gibt es nicht) wird aufgehoben – und das
durchaus in der hegelschen dreifachen Bedeutung von aufheben“. Das 4. logische Axiom, das vom zureichenden
 Grund, ist ohnedies den ersten dreien aufgepfropft, aus diesen nicht ableitbar und gilt nur unter Vorbehalt!


11

Auch außerirdische höhere Zivilisationen könnten in ihrer Geometrie der Ebene nicht anders, als den Satz des
Pythagoras (a2 + b2 = c2) zu entdecken und anzuwenden: Er ist in „allen“ Universen gültig – soweit es „dort“
 Ebenen gibt!


12

Wir werden später noch auf die essentielle Unterscheidung zurückkommen!


13

„Unmöglich“ meint, daß etwas nicht realisiert werden kann. „Möglich“ muß daher heißen, daß es verwirklicht
 werden können muß!
Dieser aus den einander negativen Begriffen folgende Schluß („Wenn A, dann nicht B“) ist
 ganz wichtig für die Richtigkeit des später noch folgenden Hab´schen Gesetzes!


— 5 —


Aus dem Nichts kann gar nichts geschaffen werden – und das aus den uns bereits bekannten zwei Gründen:


1. Das Nichts nichtet und


2. „ist“ deshalb unmöglich (nicht möglich).

14
Unmögliches schafft/„schöpft“ freilich nicht einmal "Gott", auch wenn der Kalauer da lautet:
„Gott kann auch auf krummen Zeilen grade schreiben.“

 

Er kann es nicht.
Er kann auch keine Drehtüre zuschlagen und keinen Stein heben, der so schwer ist, daß Er ihn
nicht mehr heben könnte – uralte Gymnasiastenkapriolen übrigens – oder die Quadratur des
 Kreises schaffen.


Bewußtsein und Schöpfung


Auch unser Bewußtsein „schöpft“ oder schafft seine Allgemeinbegriffe nicht „aus dem
Nichts“. Wie wir bereits festgehalten haben, bilden wir unsere Klassen aufgrund der Abstraktion(
 en) von erfahren habenden (!) und erfahrbaren (!) einzelnen.

15
 „Nichts ist im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war“, dozierte schon der englische Empiriker John Locke (1632–1704), und der Deutsche Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) setzte trocken hinzu: „... außer dem Verstande selbst („nisi intellectus ipse“).“


Damit haben wir alles; wir brauchen nicht mehr. Wir müssen in diese beiden philosophiegeschichtsmächtig
gewordenen Statements nur „einsetzen“ oder besser deren Begriffe (!) ersetzen. Für Bewußtsein wären Abstraktionen gar nicht möglich, wenn nicht etwas existierte, denn: Wovon sollte denn abstrahiert werden? Was unsere Sinne reizt („ … was nicht vorher in den Sinnen war …“) ist die vitale (!)16 Voraussetzung für unsere Abstraktionstätig- und - fähigkeit.


Nur: Was ist es, das unsere Sinne reizt ?


14

Da unsere Sprache ursprünglich nur Seiendes als Grundlage hatte (vor 160.000 Jahren als unser Gehirn die Dimension und Kapazität hatte, dass Sprache sich entwickeln konnte), gibt es (auch nach Heidegger und Wittgenstein etwa) noch immer keine Möglichkeit, einen vollständigen Satz ohne Kopula zu bilden, die sich nicht auf
das Sein bezöge. Und das Heideggersche Kunstwort „nichten“ kennt keine Kopula! Daher die Anführungszeichen
bei „ist“. Daß wir mit diesem sprachlichen Rüstzeug als religiös Gläubige auch über „Gott“ sprechen, ist
 eigentlich widersinnig, da „Gott“ kein Seiendes ist. 

 

Von den „Argumenten“ der Kreationisten, Homöopathie und Horoskopgläubigen (Astrologie) gar nicht erst zu reden!


15  

Von Unerfahrbarem ist keine Abstraktion möglich. Wir können Unerfahrbares (z. B. "Gott") nur mit Eigenschaften von bereits erfahren Habenden füllen. Es ist dies die „via affirmationis“, also der „bestätigende“ oder „erhärtende Weg“ des einen Säulenheiligen der katholischen Kirche, des Thomas von Aquin (1225–1274). Man nennt das – profan – auch „Phantasie“. 

Dazu der österreichische Haus- und Hofdichter „Hofrat“ Franz Grillparzer (1791–1872): „Die Philosophie und die Theologie, sind beide Phantasie.

Die eine erfindet ihre Gestalten, die andere spielt mit den vorhandenen alten.“ Sehr gescheit, auch wenn die Philosophie nicht gut dabei wegkommt.


16 Wir sprechen nur Tieren und Menschen Sinne zu. Auf die damit verbundene Problematik bei anderem Lebendigen (höhere Pflanzen, Pilze, Flechten, Moose, Bakterien, Viren) haben wir schon zu Beginn dieser Arbeit
hingewiesen. Da diese alle auf ihre Umwelt reagieren, sollten sie doch „Sinne“ haben – oder was immer das
auch sein mag, womit sie reagieren … Wir wollen aber nicht soweit gehen, Gras beim Rasenmähen „Schmerzen“
anzudichten


— 6 —


3) Ohne Erfahrung 17 keine Klassifizierung, also auch keine Ordnung.


Leibnizens Bonmot „... außer dem Verstande selbst“ wenden wir jetzt an den „schöpfenden
Gott“ der (religiösen) Mythen an: 

Wir ersetzen allerdings den Begriff „Verstand“ (Hat „Gott“ als „Allwissender“ und „Allmächtiger“ eigentlich Verstand nötig? Verstand benötigt man zum Überleben. „Gott“ als Ewiger braucht aber nicht zu überleben. 

In welcher (Um-) Welt sollte er sich „zurechtfinden“ müssen? )18 durch jenen der „Möglichkeit“ – und liegen damit
 gar nicht einmal so schlecht, denn:


4) 

Verstand ist die Fähigkeit, aus mehreren Möglichkeiten (das Richtige) auszuwählen.19


Der „schöpfende Gott“ der Religionen „wählt“ also gar nicht aus dem Nichts (dem Unmöglichen), 

sondern aus dem Möglichen – und schafft („schöpft“) „daraus“ das Seiende.

20 
Wo wäre nun der Unterschied zu unserem Tun – und „Gottes“ Schöpfen? Der Einwand, daß
 „Gott die Welt“ schuf und wir …


Also „nicht“ wäre jetzt abermals das falsche Wort, denn was, wenn nicht unsere Welt,
schaff(t)en wir sonst mit unserem Bewußtsein? Auch der Einwand, wir schüfen nur unsere
und nicht „die“ Welt, ist falsch. Welche sollten wir denn schaffen? Ist nicht unsere Welt ohnehin
„die Welt“ für uns? Wir können uns ja gar keine andere Welt als die unsere vorstellen!
In welcher Welt leb(t)en wir sonst, außer in der unseren, eigenen, welche „die (einzig mögliche
 nämlich) Welt“ ist, die wir erleben können?


Andere hätten demnach andere Welten? Ja, natürlich! Aber auch deren Welten – die uns unsere
Mitmenschen und -tiere nur recht und schlecht mitzuteilen versuchen; es gelingt ihnen ohnedies
nicht! – sind Teil unserer Welt. Die fremden Welten erleben wir „in“ der eigenen so,
wie wir die der anderen halt verstehen. Andere Welten (= die Welten der anderen) mögen die
unsere Welt bereichern oder verhärmen – aber es ist unsere Welt, die durch jene der anderen
 beeinflußt und somit immer (!) verändert wird! Man kann gar nicht - nicht kommunizieren!

21


5) Für jeden von uns ist die eigene Welt die einzige – und somit das Ein und Alle.


17 

Erfahrung setzt sich zusammen aus Sinnesreizen und dem „intellectus ipse“ Leibnizens. Wir nennen das dann auch „Wahrnehmung“.


18

„Gläubige“ mögen bitte nicht einwenden, man könne und dürfe bei (ihrem) Gott nicht den menschlichen Verstand oder die Vernunft anwenden. Gut, „Gott“ bedarf keines Verstandes, das haben wir im Haupttext eben deduziert. Braucht Er Vernunft? Laut Hegel ist er sogar die absolute – aber Hegel ist auch nicht das Maß aller Dinge ... Vernunft ?_! Hegel war ein großer Mann - aber nicht unfehlbar.

Bedürfte er ihrer, wäre er ihr unterworfen und somit nicht mehr Gott. „Gott“ sei die Liebe? Seit wann hätte Liebe mit Vernunft zu tun? Liebe als Verein(ig)ung ist gerade das Gegenteil von Vernunft!


Vernunft trachtet immer, die Dualität, also Gegensätze oder gar Widersprüche zu überwinden

Was wäre sonst der Sinn von Koans im Zen-Buddhismus? Oder Sinn der Mystik (siehe Meister Eckehart)? Oder von Meditation? Ich-Überwindung bedeutet immer Vernunftüberwindung! Und „Gott“ als ein Ich zu verstehen (besser: Ihn als ein solches zu glauben oder gar zu lieben!) ist schon sehr mythisch (um nicht zu sagen: magisch). Wenn man bei den Katholiken an die Kreuz-Amulette, Marterln und Wallfahrtsorte denkt, tritt die Magie offen zutage („Verhandeln mit Gott“) und ist vom griechischen Götterhimmel gar nicht weit entfernt.


Der Monotheismus unterscheidet sich vom Polytheismus eben nur quantitativ, nicht aber qualitativ!


19

Dazu muß angemerkt werden, daß die Unterscheidung zwischen Vernunft und Verstand fließend ist, und beide
Begriffe von den Philosophen unterschiedlich definiert wurden und werden. Nach unserem heutigen Verständnis, hätten Locke und Leibniz besser „Vernunft“ schreiben sollen, aber die Bedeutung von Begriffen ändert sich eben mit der Zeit (siehe „Proletarier“ und „Prolet“).


20 

Die Neuplatoniker, u. a. Plotin (um 204–270), nannten das „Emanation“.
21 

Sagt ein Freund zum anderen: „Du, ich hab’ gestern deine Frau auf der Straße getroffen, aber sie hat mich
 nicht gesehen.“ „Ich weiß, sie hat mir eh davon erzählt!“ („Net amol ignorieren“...


— 7 —


Raum, Zeit (Veränderung) und Bewußtsein


Wie funktioniert eigentlich Bewußtsein? Was hat Bewußtsein mit Raum und Zeit und ergo
mit seinem Universum bzw. mit Multiversa zu tun? Was sind Raum und Zeit überhaupt? Im
Gegensatz zum Begriff des Bewußtseins ist diese Frage relativ einfach zu beantworten:

6) 

Raum ist das Auseinander von Dingen, Zeit deren Nacheinander22.
Dinge (Vereinzelte, von anderem Geschiedene also) entstehen:

1) 

naturwissenschaftlich: aufgrund der (Vereinzelungen überhaupt erst ermöglichenden)
von Universum zu Universum unterschiedlichen Elementargrößen23 der Multiversa,
 und


2)

philosophisch-physiologisch: aufgrund von Bewußtsein, das aus dem ursprünglichen
Chaos (sic!) seiner sinnlichen Eindrücke und der Verschaltung seines Gehirns („intellectus
ipse“24)

die Vereinzelungen seiner (sic!) Welt erst schafft (sic!), Wahrnehmung
 also kreiert (sic!) und daraus seine Erfahrung bildet („schöpft“).


Ob sich in anderen Universen auch Gehirne in unserem Sinn ausbilden, wissen wir nicht –
und werden bzw. können es nie erfahren. Wenn es in anderen Universen aber Bewußtsein
geben soll (und es muß es geben, wie wir noch deduzieren werden), dann muß es in den Multiversa
auch Vereinzelte geben, denn nur solche können sich erfahren und wissen. Denn Bewußtsein
kann sich nur bilden, wenn es sich als von anderem unterschieden erlebt – oder sich
 als Selbstbewußtsein
sogar weiß. 

Daher gilt:
7) Ohne Vereinzelung kein Bewußtsein!


Aber es muß auch gelten:
8)

Ohne Vereinzelung kein Universum!


Denn erst das Viele (vereinzelte) macht das Universum bzw. die Vielzahl der Universen (=  Multiversa)

 – ohne Vereinzelung herrschte Chaos.


Zeit hingegen ist gar kein objektivierbarer Begriff, obwohl die Physik sie als eine mathematische
Größe („t“) eingeführt hat und mit ihr rechnet: und zwar als Dauer der Veränderung von
 etwas.

25 

Dauer kann aber nur von Bewußtsein festgestellt werden (!) und ist abhängig von
dessen Taktung, d. h. von der Länge seines Augenblicks. Beim Menschen beträgt dieser 1/16

22

Dieses „Nach“ ist natürlich nicht ganz korrekt, denn „nach“ setzt Zeit bereit voraus. Wir können aber gar nicht
anders, als zeitlich zu formulieren – ein Beweis mehr, daß Bewußtsein Zeit i s t ! Aber darüber später mehr.

23

Elementargrößen sind quantifizierte Aspekte (Maßeinheiten) der unserer Wirklichkeit zugrundegelegten Realität
und gelten als Garant, daß unsere Welt so ist, wie sie ist. Es sind dies u. a. die Lichtgeschwindigkeit,
die Gravitationskonstante, das Plancksche Wirkungsquant und die elektrische Elementarladung. 


24 siehe weiter oben „Leibniz“!


25 „von etwas“ ist essentiell: Denn nur ein Etwas, also Dingliches (dazu gehören Körper, aber auch Gase und
Plasma) kann sich verändern. Der Raum an sich (siehe oben im Haupttext) hingegen nicht. Ihm sind ja keine
„Eigenschaften“ zu eigen. Wir erinnern: Eigenschaft ist etwas, das einem Dinglichen zu eigen ist. Und Raum ist
ja die Kontradiktion zu Dinglichem. Er ist deren Voraussetzendes – und umgekehrt: Raum und Dinge setzen
einander gegenseitig voraus. Es entsteht die Voraussetzungsproblematik „Universum und Bewußtsein“ und
 „ die Frage: was ist Gravitation“


— 8 —


Sekunde, beim Habicht 1/100 Sekunde, bei der Schnecke ¼ Sekunde. Veränderungen, die
unterhalb dieser Wahrnehmungsgrenzen erfolgen, existieren für das betreffende Bewußtsein
nicht.26 Deshalb sieht ein Habicht auch eine Gewehrkugel fliegen (und kann den fliehenden
Hasen tief unten auf dem Boden schlagen), eine Schnecke hingegen nimmt nur ein Viertel
jener Menge uns möglicher Sinneseindrücke wahr: Ihre Welt verändert sich viermal so langsam
 – allerdings nur von uns aus gemessen. 

Ein die Schnecke zertretender Fuß existiert für diese gar nicht – er bewegt sich zu schnell. Allerdings ist die Schnecke danach tot. Der Fußtritt wirkt also, aber ohne auf das Bewußtsein der Schnecke gewirkt zu haben!


Wir können einer Pistolenkugel übrigens auch nicht ausweichen …
Unterschiedlich getaktete Bewußtseine nehmen also unterschiedliche Welten oder (umgekehrt
formuliert) d i e Welt unterschiedlich wahr: Letztere allerdings nur, wenn wir die Existenz
einer bewußtseinsunabhängigen Welt überhaupt postulieren.


Die Naturwissenschaften tun das – zu Recht? Wie diese Arbeit zeigen wird, zu Unrecht.

 

All - Mögliches und Multiversa


Im Monismus (z. B. dem Zen-Buddhismus oder Taoismus) gilt das Ein-Alle als das Eine 27 des
Allen, ist also die monistisch-philosophische Umschreibung für das Uni- (=eine) versum
(= alles), das ja alles umfaßt: als All, als Kosmos, als Geordnetes – im Unterschied zum Ungeordneten,
dem Chaos, mit unseren Worten dem All-Möglichen. Dieses All-Mögliche wird
von den monotheistischen Religionen gerne als „Allmacht“ oder „Omnipotenz“ „Gottes“ bezeichnet
– nicht ganz zu Unrecht übrigens, wenn man damit bloß das meinte, was Omnipotenz
 philosophisch bedeutet: Daß nämlich aus der stets unbekannten

28

Vielzahl der Möglichkeiten
zu einem gegebenen Zeitpunkt nur ganz bestimmte realisiert werden (können). Weil
die Umstände andere Realisierungen gar nicht zulassen. Alle Evolutionen folgen diesem
Grundgesetz! Übrigens auch wir in unserem täglichen Leben: Wir können nicht alles, was
 möglich wäre – jetzt – verwirklichen.

29 

Wir können nicht einmal all das verwirklichen, was
jetzt möglich wäre, sondern müssen uns für eine einzige Möglichkeit entscheiden. Die wird
 dann verwirklicht. Geschichte wäre anders gar nicht denkbar!

26

Allerdings hat sich in unser Bewußtsein schon eingeprägt, daß es Veränderungen in geologischen „Zeiträumen“
gibt, wenn auch nicht (nur) durch unmittelbare Sinneserfahrung, sondern durch zusätzlichen Einsatz des
 Verstandes.


27

Man könnte auch „Einheit“ formulieren – wenn damit nicht Quantität gemeint ist, also einzelnes von mehrerem; oder eine Maßeinheit! Messen bedeutet immer quantifizieren. Das Ein-Alle aber ist absolute Qualität, sprich: Es gibt nur ein Alles. Denn: Gäbe es „mehrere Alle“ (ein grammatikalischer Unfug übrigens), wäre Alles nicht alles. Nur menschlich gedacht? Wie sollten wir sonst denken? Ein Gedanke, der in allen Multiversa gültig sein muß? Ein philosophischer „Satz des Pythagoras“?


28 

Aus diesem philosophischen Grundsatz (auch „Gesetz“) „zaubern“ die Theologen die „Allwissenheit Gottes“ …

was auch so falsch nicht wäre, würde man die Betonung nicht auf das Wissen legen. Ein Gott braucht nichts zu wissen: Er „ i s t “ das All - Mögliche – wenn man „Ihn“ (die Feministinnen mögen uns verzeihen) überhaupt braucht, um das Phänomen und die philosophische Notwendigkeit des All - Möglichen einzusehen. Monistisch denkende Philosophen brauchen „ Ihn “ nicht! Sie haben es nicht nötig, das All - Mögliche zu personalisieren!


29

„Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Doktorat.“ Oder: „Wer seinen Doktor nicht selber macht, muß eine(n) heiraten.“ Im Zeitalter von Dissertations - Plagiaten u. U. hilfreich.


— 9 —


Übrigens: Auch der Gott der Religionen kann Seine „Entscheidungen“ nicht mehr rückgängig machen. Was „geschöpft“ worden ist, ist da. Und zwar so und nicht anders. Wer anderes behauptet, ist unseriös.


Vergleichen wir einmal: einerseits Kosmos30 als das (von uns!) geordnete Daseiende, andererseits Chaos, das, weil noch nicht realisiertes, ergo nicht erfahrbares und daher von uns auch nicht ordenbares All-Mögliche! ( z. B. beim Messen (!) von Quantenzuständen, wo sich der Experimentator just zum Zeitpunkt der Messung, für eine Möglichkeit entscheidet, indem er mißt)

31 

Nur Möglichkeiten innerhalb des bereits Realisierten, zwischen denen wir aufgrund unserer Erfahrung und den daraus resultierenden Ordnungen

32 

wählen können, sind (eventuell) verwirklichbar: wenn die dazu nötigen Kriterien stimmen. Welche Kriterien das sind, versuchen wir aufgrund unserer Erfahrung („Geschichte“, allgemeine und persönliche) zu entdecken: meistens durch Versuch und Irrtum (Experimente), manchmal aber auch durch bloßes Denken (z. B. Kantens synthetische Urteile a priori) zu erschließen. Fast immer ist dazu aber Intuition (Kreativität, schöpferisches Agieren, Genie etc.) nötig. Wir nennen das Entdecken dieser Kriterien oder Auffinden von allgemeingültigen Gesetzen, (z. B. mathematischer Axiome)

33 

oder philosophischer Grundeinsichten34) dann „Erkenntnis“ oder (technischen) „Fortschritt“ …


Parallelen (oder Analogien oder gar Gleichheit?) tun sich da auf zwischen dem All-Möglichen
des Chaos und unseren Möglichkeiten
: In beiden Fällen („im“ Chaos35 und in unserem Suchen
und Aufstellen von Ordnungen innerhalb unserer Umwelt – Mesokosmos) wird aus einer
endlichen (!) Anzahl von Möglichkeiten realisiert bzw. verwirklicht. Es ist eben nicht alles
möglich, sonst wäre der Begriff des Unmöglichen obsolet! Was möglich bzw. unmöglich ist,
ist – mit Ausnahme der oben angeführten allgemeingültigen Gesetze – immer nur praktisch
 überprüfbar … 

In der Philosophie spricht man daher vom Primat des Praktischen. Die direkte
Überprüfbarkeit beschränkt sich allerdings auf den Mesokosmos, wird aber von den Naturwissenschaften
 (ohne naturwissenschaftlich haltbare Begründung übrigens!) auch auf den Mikro- (Quantenwelt) und 

Makrokosmos (unser Universum) ausgedehnt. Spekulative Kosmologen wenden unsere aufgestellten 

Ordnungen (= Naturgesetze) sogar auf andere Universen (Multiversa) an …


30

In der Kosmologie beschränkt man sich heute nicht mehr nur auf unseren Kosmos, sondern postuliert Multiversa. Unser Universum ist demnach nur eines unter vielen möglichen (hier schimmert unser All-Mögliches durch!) mit seinen nur ihm eigenen Elementargrößen, die es aus der Vielzahl der Möglichkeiten anderer Kombinationen von Elementargrößen eben so und nicht anders realisiert haben lassen.


31

Der monotheistische Kalauer: „Der Mensch denkt, und Gott lenkt“, ist nicht einmal so falsch – wenn das All - Mögliche dem im Monotheismus personifizierten „ Gott “ äquivalent gesetzt wird. Nicht Ordenbares (Chaotisches; wir meinen damit aber nicht das Chaos im Kinderzimmer; das ist natürlich sehr wohl ordenbar!) ist mit
 unseren Ordnungen eben nicht zu fassen und zu verstehen. Siehe auch: 

 

Update_Entropie

 

Man braucht – und kann – es auch nicht verstehen – wozu auch? Hauptsache man weiß, daß es das Voraussetzende der (durch es – und nicht durch Ihn!) vorausgesetzten Multiversa ist. Die Voraussetzungsproblematik ist somit gerichtet: vom Möglichen zum Wirklichen, auch „Akt“ oder „Agens“ genannt. Umgekehrt geht es nicht. Die Physiker nennen diesen Umstand übrigens „Zeitpfeil“ – ein Unbegriff, weil Zeit nichts Objektives ist. Darauf kommen wir in dieser Arbeit noch zu sprechen.


32 

Auch die Naturgesetze sind nicht naturgegeben, sondern von uns aufgestellt. Wir versuchen damit, mathematische
 Ordnung in unsere Erfahrung zu bringen. Weil die Elementargrößen (Naturkonstanten) unseres Universums aber nicht einmalig oder zufällig sein können (etwas das einmalig ist, muß unveränderlich sein; die Veränderung ist aber tägliche Erfahrung!), muß es auch andere Universen (Multiversa) geben.


33 

z. B. das Parallelenaxiom in der euklidischen Geometrie.


34

z. B. die (nicht nur monistische) Grundwahrheit, daß Alles nur Eines sein kann, weil Alles-plus dem Begriff  des „Allen“ widerspräche und ihn obsolet machte.


35 

Warum das „im“ unter Gänsefüßchen gesetzt ist? Weil das Chaos raum- und veränderungslos ist und es daher auch kein „im“ als Ortsangabe gibt. Orte sind immer raumbezogen! Daher hat „ Gott “ auch keinen Ort – und der „Himmel“ für Seinen „Wohnort“ ist natürlich Schwachsinn (Oligophrenie) pur. (par excellence)

Womöglich noch „oben“, „über den Wolken“ (sic „Himmelfahrt Jesu“) oder die Ortsangabe „unten“ für die „Hölle“ („Sturz Luzifers“ – man kann immer nur nach unten stürzen, niemals nach oben). Als ob das Chaos (das All-Mögliche) ein Oben oder Unten „kennte“ … (die flektierte Form von kennen)


— 10 —


Multiversa sind für uns aber prinzipiell unerfahrbar: Weil unser Bewußtsein der Raum-Zeit
(besser: Raum-Veränderung) unseres Universums unterliegt bzw. die Raum-Veränderung
unseres Universum erst schafft (dies zu zeigen ist Absicht dieser Arbeit). Andere Universen
gründen auf anderen Elementargrößen oder Naturkonstanten und haben daher andere Vereinzelte
(Körper, Dinge) und die sie trennenden Räume. Allen gleich ist aber die Veränderung
der Vereinzelten:


9)

Veränderung ist unveränderlich.
Was sollte sich an der Veränderung auch verändern?
Daraus folgt:


10)

Das alle Multiversa Einende (All-Eine) ist die Veränderung.
Und nicht der angeblich „ewig in sich ruhende Gott“, der als ein solcher ein späteres philosophisches
Konstrukt ist, das seinen Ursprung wohl bei Aristoteles „unbewegtem Beweger“ hat.
Das ursprüngliche biblische Gottesverständnis war vielfältiger und dynamisch, was man an
der – richtigen – Deutung des Gottesnamens ablesen kann: Jahwe bedeutet nämlich nicht (wie
man es immer liest): „Ich bin der ich bin“, sondern (etwa): „Ich werde da sein als der, als der
ich mich erweisen werde.“


Nur Vereinzeltes (Dinge, Körper, aber auch Flüssigkeiten, Gase und Plasma – alles Existierende
eben, das Eigenschaften hat) verändert sich. Die sie trennenden Räume selbst sind eigenschaftslos
und unveränderlich!36 Unveränderliches ist aber unerfahrbar! Daher erfahren
wir nur die sich verändernden Körper (z. B. über deren Abstände voneinander), niemals aber
den Raum direkt. Die den Raum aufspannenden Abstände der Körper kreieren aber wir selbst,
indem wir die Dinge (Körper) aufgrund unserer Erfahrung und Abstraktionsfähigkeit erst vereinzeln.

37 

Somit ist Bewußtsein stets an die von ihm geschaffenen Vereinzelungen – und den
die Vereinzelten trennenden Raum – gebunden. Bewußtseine „über die Räume (= Multiversa)
hinweg“ sind somit nicht kompatibel!
Wir können übrigens auch nicht in das Bewußtsein unserer Mitmenschen wechseln. Mehr als
eine Analogie?


Die Konstruktion von Welten und Phantasien
Es wird aufgezeigt werden, daß das Postulat einer von Bewußtsein unabhängigen Welt ziemlich
kühn ist und sogar unserer Erfahrung widerspricht – übrigens auch folgerichtigem38 philosophischen
Denken. Wir werden uns darauf beschränken, von einer Vielzahl von Welten, und

36

Sie können sich daher auch nicht ausdehnen, wie uns der Urknall-Mythos über die angebliche Rotverschiebung
der von uns „fliehenden“ Galaxien weismachen will; oder „gekrümmt“ sein, wie die Allgemeine Relativitätstheorie Einsteins immer falsch zitiert und verstanden wird.


37

Wir sehen in einem Haus ein einzelnes. Das aber besteht aus Mauern und Zimmern – jeweils einzelne. Die
Mauern bestehen aus einzelnen Ziegeln oder Fertigteilelementen, und diese aus … Wir vereinzeln also nach
Bedarf, z. B. den einzelnen Wald in eine Vielzahl von einzelnen Bäumen und jene in die Vielzahl ihrer Nadeln
oder Blätter … Von der Vereinzelung in – erfundene! – Elementarteilchen gar nicht zu reden …

38

„Folgerichtig“ meint, keine logischen Axiome verletzend … Das beschränkt sich aber nicht auf die zweiwertige
Logik!


— 11 —


zwar jener von Bewußtseinen („subjektiven39 Welten“) zu sprechen, und die Existenz einer
objektiven

40

Welt als bloße Konstruktion oder gar unzulässige Spekulation zu verwerfen.
Was passiert eigentlich für ein Bewußtsein (wie immer es getaktet ist) unterhalb seiner Wahrnehmungsschwelle?
Richtig: nichts. Die Folgen dieses „Nichts“ kriegt es aber gegebenenfalls
zu spüren … (sic Schnecke, sic Pistolenkugel). Also kann dieses „Nichts“ nicht nichts sein.

41
Gibt es (besser: existiert 42) also für Bewußtseine dennoch „etwas“

43

obwohl sie es gar nicht
wahrnehmen können? Offenbar schon, denn sonst gäbe es keine Erschossenen oder radioaktiv
Verseuchte – denn für radioaktive Strahlung fehlt uns jedes Sensorium; die 300.000 Toten in
Hiroshima beweisen, wi e Radioaktivität wirkt, ohne daß sie wahrgenommen wird. Andererseits
sind die Begriffe „geben“ und „existieren“ nur sinnvoll, wenn sie etwas meinen, was
tatsächlich erfahren, also erlebt (oder woran geglaubt) werden kann. Radioaktive Verseuchung
wird erlebt – aber erst nach der Verstrahlung.

44 Prinzipiell unerfahrbare Begriffe (wie
„Gott“ z. B. oder alle anderen Phantasieprodukte wie der Pegasus, der Zyklop, das Einhorn)
sind hingegen immer leer

45

werden aber gerne mit Teilen von bereits Erfahrenem gefüllt:
„Gott“ z. B. erhält einen Bart und „ist“ ein alter Mann, der Pegasus ein geflügeltes Pferd; der
Zyklop ist ein Mensch mit nur einem Auge, das Einhorn wird als Pferd mit Horn dar- und
vorgestellt usw.


Aber auch für die Radioaktivität wird ein Bild entworfen: das der kürzestwelligen elektromagnetischen
Strahlung nämlich. Aber auch Teilchen (Partikel) werden zu ihrer Erklärung konstruiert
(α-, β-Strahlung). Für die γ-Strahlung wird das Bild einer sehr kurzwelligen elektromagnetischen
Strahlung entworfen; somit verhält sie sich wie das sichtbare Licht, dessen Wellenlänge
„bloß“ als längere vorgestellt wird. Auch mit der alltäglichen Erfahrung der Gravitation
gehen wir ähnlich um: Sie wirkt (= setzt sich fort) – zumindest nach dem (noch) vorherrschenden
naturwissenschaftlichen Denken – via Teilchen („Gravitonen“) oder Wellen („Gravitationswellen“).
Pech für die Wissenschaft, daß man bei der Gravitation bislang weder das
eine noch das andere experimentell nachweisen hat können …46


39 „Subjektiv“ setzt ein Ich voraus. Ob Tiere ein solches haben, soll nicht Gegenstand dieser Arbeit sein. Was
sonst als Bewußtsein sollten (zumindest höhere) Tiere haben, wenn sie sich verteidigen? Wen verteidigten sie
denn, wenn nicht (s)ich? Auch hier ist die – verantwortungsvolle – Philosophie in Fluß, und ist der Seelen-
Glaube am Ende!


40 besser: von Subjekten unabhängig, noch besser: intersubjektiv. Was aber tun mit Bewußtseinen, denen wir das
Subjektsein absprechen?


41 

Wir haben ja schon weiter oben festgehalten, daß dem Nichts Sein nicht zukommen kann …
42 

„Existieren“ tut Vereinzeltes, „geben“ tut es weit mehr: Gesetze, Formeln, Gefühle z. B.; und für „Gläubige“
Gott. 

Für Atheisten übrigens auch: aber als bloße Negation eines leeren Begriffs! Die exakte Unterscheidung
zwischen den beiden Formen des Seins (existieren und geben) ist sehr nützlich. Nach ihr gibt es zwar Gott (als
Begriff und durchaus geschichtsmächtig gewordene Konstruktion nämlich), aber Er existiert nicht als ein Einzelnes
und somit in der Raum-Zeit. Religiöse sollten sich diese Differenzierung zu eigen machen, sie lebten
komfortabler …


43

Ein Etwas muß immer ein Vereinzeltes und von anderem unterschieden sein: weil es Eigenschaften hat, die
andere Wesensgleiche (also Raum-Zeitliche und somit Existierende) nicht haben. Hat „Gott“ Eigenschaften
(gütig, verzeihend, liebend … „Jesus loves you!“)? Welch entbehrliche Frage! Welches wesensgleiche (!) andere
zu Gott, von dem Er sich durch Seine Eigenschaften unterschiede, gäbe es denn? Ach ja, den Teufel … von
wegen Monotheismus! Und die Wesensgleichheit des Teufels mit Gott wird sofort jeder Theologe bestreiten!
Was wäre Gott also eigen?


44

Was uns zu den weiter unten noch zu behandelnden re-konstruierten Ursachen führen wird!

45 

In Anlehnung an Kantens Merksatz: „Eine Theorie ohne Praxis ist leer, eine Praxis ohne Theorie nichts wert“,
ist der Begriff „Gott“ nicht nur leer, sondern auch nichts wert.


46 

Details darüber in „Das Rätsel Gravitation“, a. a. O.

— 12 —


Fazit: Wir re-konstruieren uns immer „die“ sogenannte Realität, die wir dann als „objektiv“
gültig behaupten („Gott“, Quanten, physikalische Felder), und mit der wir uns die Phänomene
(Folgeschäden der Radioaktivität, Funktionieren von GPS, Handystrahlung, Licht, aber auch
 Wärme, Magnetismus, Elektrizität etc.) erklären. 

Auch die Wissenschaft erklärt das direkt
nicht Erfahrbare mit aus unserer Erfahrung stammenden Vorstellungen

47 bzw. Hypothesen


und den daraus abgeleiteten (wenn die Hypothesen einmal durch Experimente erhärtet worden
sind) Theorien. Muß das prinzipiell Unerfahrbare („Gott“ z. B., aber auch die Quanten des
Mikrokosmos) mit unserer Phantasie gefüllt werden? Nein! Aber es wird!
Dazu ein kleiner Exkurs, den wir diesmal nicht in einer Fußnote verschwinden lassen wollen:
Unser abendländischer, monotheistischer „Gott“ ist bloß ein schaler, anthropomorpher48 Abglanz
 dessen, was die Großen der östlichen Philosophie schon vor 2600 Jahren erkannt hatten,

49 

und entstammt – jeder halbwegs Gebildete weiß es – natürlich nicht dem Judentum, das
ja ursprünglich polytheistisch war, sondern dem (damals) reform-ägyptischen Kult des Echnaton

50 

… Und daß das Christentum ein Schößling, ein Trieb aus der Wurzel Judentum ist, sollte
 auch allmählich Allgemeinwissen geworden sein …
Der von seiner Überzeugung durchdrungene
Rebell Rabbi Joshua (Jesus) wollte niemals eine neue Religion gründen – das blieb dem
unseligen (er ist natürlich von der Ecclesia heiliggesprochen worden!) Konvertiten Paulus
vorbehalten. Jesus wollte (bloß) das damals durch die korrupten Sadduzäer51 relativ verkommene
Judentum reformieren.

52 

Daß ihm dies nicht wohlbekommen ist, verdankt er der damaligen
römischen Besatzungsmacht, wie heute jeder Christ wissen sollte … nur wird seine
Kreuzigung noch immer „den Juden“ in die Schuhe geschoben. Daß man ihm auch „Auferstehung“
und „Gottessohnschaft“ angedichtet hat, ist hingegen eine andere Geschichte und
gehört nicht in diese Arbeit …
Erklärungen, Bilder und Re-Konstruktionen...,
Zurück zum für das Bewußtsein Unerfahrbaren, aber auf es Wirkenden.

53 

Die Lösung dieser
Aporie

54

wie unter der Wahrnehmungsschwelle Liegendes auf den/die Wahrnehmenden wirken
kann, lautet: Konstruktion und reichlich Phantasie. Jedes Bewußtsein konstruiert sich
(s)eine „Erklärungen“ für alles, was passiert. Je ausgeprägter die Abstraktionsfähigkeit eines
Bewußtseins ist, desto elaborierter oder rational (also nachprüf- und prognostizierbar) und in
 erhöhtem Maße zutreffend55 werden seine Hypothesen, die später dann – wenn sich die An-

47 

und zwar bevorzugt mit Wellen oder Teilchen … tertium (angeblich) non datur!

48 

menschgestaltig; dem Menschen entsprechend.

49

in der Jasperschen „Achsenzeit“; Karl Jaspers, deutscher Philosoph, 1883–1969 .

50

Für das hier erwünschte Verständnis ausreichende Information über den Religionserneuerer Pharao Echnaton
siehe unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Echnaton. Sogar die christliche Trinität könnte auf die Reformation
dieses Pharaos zurückgeführt werden. Könnte … Trinitäten oder Triaden sind uraltes Philosophengedankengut
und reichen bis zum Tao Lao Tses, der die Identität des Tao (des All-Einen) durch Yin und Yang „definiert“.
Jede Identität ist übrigens eine Trinität: z. B. „Ich bin ich“ faßt die – untrennbare! – Trinität des Ich-Sagenden
und des Ich-Meinenden Ich zusammen!


51

… zu denen auch die Hohenpriester gehört haben dürften. Die immer wieder genannten Pharisäer waren viel
zu fromm (und zu gesetzesneurotisch), als daß sie in Summe hätten korrupt sein können.

52

… wie heute das Christentum durch die römische Gerontokratie (Ben 16) arg beschädigt wird.

53

Zur Begriffsklärung: „Gott“ ist zwar auch unerfahrbar, wirkt aber nicht – es sei denn, ich bilde es mir ein. Er
ist ein reines Konstrukt!

54

In der Philosophie eine ausweglose Situation, die nur durch Praxis gelöst werden kann; im Prinzip also ein
durchschlagener Gordischer Knoten.

55

Was ist schon „zutreffend“? Das präzise Eintreffen eines prognostizierten Ereignisses (einer Sonnenfinsternis
z. B.). Welches Ergebnis ist „signifikant“ (bei einer Wahlvoraussage z. B.)? Wer entscheidet über die „richtige
Richtung“ (Politiker verwenden neuestens gerne diese Unphrase)? Eben.


— 13 —


nahmen bewährt haben – zur Theorie erweitert werden (in der Philosophie eher „Modelle“
 genannt).


Wie sich Hühner oder Haushunde ihr regelmäßiges Gefüttert-Werden „erklären“, wissen wir
nicht. Sie gewöhnen sich jedenfalls daran und nehmen es offenbar als gegeben. Wir wissen
nur, daß sich Hühner mit ihrer Gewöhnung irren: Ihr „Vertrauen“ in die sie fütternde Hand
wird letztlich immer enttäuscht: Sie werden nämlich von derselben Hand schlußendlich geschlachtet
(Russell´sches Huhn56).


Atheisten oder Skeptiker vertrauen nicht mehr (wie Christen etwa in die „Liebe Gottes“),
sondern suchen nach überprüfbaren Erklärungen für das So-sein von etwas. Im Laufe unserer
Geschichte haben wir unsere Welt allerdings höchst unterschiedlich erklärt – und meistens
irrational. Die Weltbilder unserer Kulturen sind vielschichtig, mitunter unterhaltsam (z. B.
alle Schöpfungsmythen, einschließlich des Urknallmythos
) und reichen von den die Natur
angeblich regierenden Ahnen über die Schar von Dämonen oder Göttern (Magie, Mythos und
primitive Religionen) bis zu unseren drei monotheistischen Hochreligionen, wobei man über
deren Naivität trefflich argumentieren könnte. 


Zur Zeit halten wir Modernen beim nachaufgeklärten Weltbild unserer der Aufklärung entstammenden Naturwissenschaften. Diese rationale Weltsicht erfährt allerdings gegenwärtig einen Rückschlag durch Esoterik und Re- Evanglisierung, vor allem durch sogenannte evangelikale Gruppen, die nichts anderes als von der Amtskirche frustrierte Sekten sind. Man denke nur an die New Age-Bewegung, den auch in Europa erstarkende Kreationismus, den – man glaubt es ja wirklich kaum – wieder salonfähig gewordenen Aberglauben (Astrologie z. B.), Amulette, Geisterbeschwörung, Exorzismen.


57 

und ähnliches Grausliches und die „Alternativmedizingläubigkeit“.


Allen diesen Weltbildern (sic: Bild; ein Bild hat aber mit der Realität nichts zu tun. Bilder sind nur unsere Sicht dessen, was wir sehen können – oder wollen!) ist aber eines gemeinsam:


Sie suchen nach einer Erklärung für Phänomene – und Erklärungen sind immer (wir haben
bereits darauf hingewiesen) kausal, verlangen also nach einer Ursache für das, was ist, das
damit zur (Aus-)Wirkung dieser (behaupteten) Ursache wird. Ursachen sind aber immer von
uns konstruiert – egal jetzt, ob wir als „Ursache“ für etwas „Gott“ annehmen oder z. B. die
Gravitation. Der Unterschied zwischen „Gott“ und der Gravitation liegt freilich in der Überprüf-
und Voraussagbarkeit letzterer. Mit Gott kann nur gehadert – oder an ihn geglaubt und
auf seine Liebe gehofft werden. Bei einem tiefen Fall auf harten Boden bricht einem die durch
die Gravitation hervorgerufene Wucht beim Aufprall die Knochen. Hoffen nützt da nix.

58
Der Unterschied zwischen hadern, glauben, hoffen und zutreffend (!) prognostizieren ist allerdings
fundamental, schließt sich gegenseitig aus (entweder man hofft oder weiß!), wird
aber von Religiösen in diesem Widerspruch gelebt: Sie glauben, daß beides hilft …59


56 

Bertrand Russell (1872–1970): amerikanischer Mathematiker, Physiker, Philosoph und Religionskritiker


57 

Es gibt sie wirklich noch, und sie sind von der Kurie anerkannt und empfohlen. Ben 16 war nicht vergeblich
 vor seinem Pontifikat Hüter der Glaubenskongregation gewesen, der offiziellen Nachfolgerin der Inquisition.


58 

Sie kennen den? Ein auf Gott Vertrauender und in seiner Panik am 11. September 2001 vom (Schwelbrand) brennenden World Trade Center in die Tiefe Springender hofft, als er beim 3. Stockwerk vorbeifällt: „Also bis jetzt ist ´s ja gut gegangen.“


59

Lourdes wäre im Falle einer unheilbaren Krankheit ein guter Tip. Der Glaube hat ja angeblich schon Berge
versetzt. Aber von den bislang rund 60 Millionen nach Heilung lechzenden nach Lourdes Gepilgerten sind nur
knapp über ein Hundert von der Kirche als „wundergeheilt“ anerkannt. Es entfällt also auf 600 000 Fälle ein
 „Wunder“ – wahrlich ein erbärmlicher Schnitt und einer anderen Erklärung wohl würdig! 

Arme „Gläubige“ und mit der Gnade oder Liebe „Gottes“ Genasführte! Die Zahl derer, die sich als geheilt (via Placebo-Effekt) bezeichnen, wird schon höher sein. Die Kirche legt bei Heilungen sehr strenge Maßstäbe an; einem sich für geheilt haltenden Kranken kann es allerdings egal sein, ob die Kirche seinen Fall als „Wunder“ anerkennt oder nicht …


— 14 —


Natürlich konstruieren auch die Naturwissenschaften ihre Ursachen – aber überprüfbare! Ihre
Erklärungsversuche (= Konstruktionen!) sind somit dem Hadern, Glauben und Hoffen entzogen
– obwohl jeder Experimentator auch hadert, glaubt und hofft: an das Gelingen seines Experimentes
nämlich. Das aber ist etwas ganz anderes als das Hoffen auf die „Gnade“ eines
Übervaters! Werden überprüfbare (!) Hypothesen aufgestellt (eine Konstruktion!) und bewähren
 sie sich im Experiment, gelten sie als Theorie. 

Albert Einstein (1879–1955) hat das Photon
als kleinstes Lichtteilchen übrigens nicht etwa ge- sondern erfunden! Es ist seine ureigenste
 Konstruktion. 

Elektromagnetische Wellen sind ebenfalls eine Konstruktion – der deutsche
Physiker Heinrich Rudolf Hertz (1857–1894) war der erste, der damit experimentiert hat; als
theoretische Konstruktion stammen sie vom schottischen Physiker James Clerk Maxwell
 (1831–1879). 

Niemand hat je ein Photon noch (z. B.) eine Radiowelle gesehen, und was wir
messen – die im Oszillographen sichtbaren Frequenzen und Amplituden nämlich –, ergeben
nur auf dem Bildschirm ein wellenähnliches Gebilde. Was das, was diese für uns sichtbare
 Kurve verursacht, „wirklich“ ist“

60 

oder gar wie es „aussieht“61, weiß niemand. 

Radiohören
kann man jedenfalls mit Radiowellen, und die Duplizitätstheorie des Elektromagnetismus (je
nach erhofftem Nutzen einmal als Teilchen, einmal als Welle beschrieben62) ist eine sehr erfolgreiche
 und experimentell abgesicherte – und sie funktioniert. 

W a s Licht aber eigentlich
 (dieses Wort paßt jedenfalls besser als „wirklich“) ist, weiß kein Mensch.


Auch die von den Naturwissenschaftern behauptete Realität (unsere oben verworfene „objektive“
 eine Welt) ist bloß eine aus derzeit vorherrschenden Hypothesen und Theorien

63 rekonstruierte!
Das Bild des Urknalls entstand nicht zufällig in unserer Zeit der vielen Explosionen.
Hat man in der Aufklärung den Menschen noch als Maschine verstehen wollen, das
Gehirn mit dem Aufkommen von Computern mit diesen verglichen, ist man heute bereits
wieder davon abgekommen. Zur Zeit wird in der Kosmologie der Urknall bereits wieder abgeschafft
 – die neue Generation von Physikern glaubt nicht mehr an diesen Schwachsinn,


denn: Auch bei Wissenschaftern geht es nur ums Glauben (oder eben Nichtglauben)! Peinlich
 nur, daß von den meisten Naturwissenschaftern und den mit ihnen kooperierenden Medien

64
diese verkündeten Theorien als tatsächliche Realität ausgegeben werden, und das völlig unberührt
von der Tatsache, daß sich die Paradigmata laut Kuhn rund alle 50 Jahre ändern – und
 somit die angeblich „objektive“ Realität mit ihnen.


Was früher etwa der „Fluch der Götter“ war, mag heute ein Bakterium65 sein, das eine Epidemie
auslöst. Der Unterschied? Dem „Fluch der Götter“ war man ausgeliefert (eigentlich
nicht wirklich: Man hat die Götter ja seit eh und je durch Opfer bestochen – und tut das bis
 heute; im Monotheismus etwa durch Wallfahrten …), gegen das Bakterium kann man sich


60 

Auch hier spreizt sich die Sprache: „Wirklich“ kommt von wirken. Aber gerade das, was wir oben mit „wirklich
ist“ bezeichnet haben, wirkt ja nicht als das, was es ist, sondern so, wie wir es empfinden. Wie aber mit
unserer Sprache, die nur auf Erscheinendes abzielt, das, was die Erscheinungen (die Bilder) hervorruft, beschreiben?
Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889–1951) dazu: „Die Grenzen unserer Sprache sind
 die Grenzen unserer Welt.“ Kürzer und treffender geht es nicht mehr!


61 

Radiowellen als ein ganz bestimmtes Spektrum der elektromagnetischen Wellen „sehen“ überhaupt nicht
„aus“. Vielmehr sehen wir mit Hilfe der elektromagnetischen Wellen – oder eben mit Hilfe der Photonen. Daher
 „schaut“ auch ein Photon nicht „aus“. Wie auch!


62 

eben: „beschrieben“! Eine Beschreibung ist aber niemals das Beschriebene!


63 

Man nennt diese vorherrschenden Theorien auch „Paradigmata“: nach dem amerikanischen Wissenschaftstheoretiker
 und -historiker Thomas Kuhn (1922–1996).


64

z. B. die eher populär gehaltenen Magazine „Bild der Wissenschaft“ und „Spektrum der Wissenschaft“. Freilich
erliegt auch das renommierte „Nature“ diesem Denkfehler …
65 Robert Koch (1843–1910), deutscher Mediziner und Nobelpreisträger, Entdecker des Tuberkulosebakteriums,
ist hiefür ein gutes Beispiel. Er wurde heftigst angegriffen. Zu seiner Zeit wurde die Existenz von Bakterien von
 der „alten Schule“ der Mediziner noch häufig angezweifelt.


— 15 —


aber mit Medikamenten – in den meisten Fällen erfolgreich; die zunehmende Zahl an Resistenzen
ernüchtert freilich wieder ein wenig – wehren. Effizienter und unser Leben nachhaltig
erleichternder ist also die sogenannte Schulmedizin oder – allgemein – die (Natur-) Wissenschaft
 und als ihre Folge unsere moderne Technik.


Warum gibt es dann aber noch immer Dank- oder Bittgottesdienste für gute Ernten oder gegen
Schlechtwetter? Warum schwören Abergläubische auf die seit 200 Jahren auf der Stelle
tretende Homöopathie, die nachweislich (!) keinerlei Effekte aufweisen kann – es sei denn,
man schreibt diese ihr zu, sollten solche schlußendlich doch auftreten: Dann aber sicherlich
(und über Doppelblindstudien nachweislich!) nicht aufgrund der Einnahme von Globuli oder
einer „dementsprechend“ aufbereiteten alkoholischen Lösung! Warum befragt man die Sterne
nach einem Prozeß- oder Heiratstermin, oder den Mond nach dem richtigen (?) Zeitpunkt des
 Haarschnitts?


Fortschritt? Aufklärung?
Konstruktionen sind und bleiben Konstruktionen. Die einen (die naturwissenschaftlich basierten)
sind aber zweifelsfrei erfolgreicher (weil das Eintreffen von Ereignissen prognostizierbar
ist) als jene, die auf „Offenbarungen“ oder unnachprüfbaren Behauptungen (Horoskope)
gründen. Wer freilich sogar dieses Faktum leugnet, schafft sich eine dritte Konstruktion: diejenige
nämlich, nach der das Unüberprüfbare gegenüber dem Überprüfbaren vorrangig sei.
 Einem solchen ist wahrlich nicht zu helfen.


Fazit


Wie also die Konstruktionen des unter oder über unseren Wahrnehmungsschwellen Liegenden
– sei es aufgrund unseres so und nicht anders getakteten Bewußtseins, sei es aufgrund
seiner Kleinheit (Mikrokosmos) oder seiner schieren Größe (Makrokosmos) – bewerten? Was
ist das „hinter“ unseren Konstruktionen Liegende „wirklich“ – egal jetzt, ob wir religiöse (also
magische, mythische und mystische) oder rationale Weltbilder anwenden? Was ist es, das
 „die Welt im Innersten zusammenhält“?


Tatsache ist, daß eine Realität nicht existiert. Es gibt vielmehr genau jene Vielzahl an sogenannten
Realitäten, wie es deren Konstruktionen gibt – man sollte daher auch besser nicht von
„Realität“ sprechen66, sondern von Wirklichkeiten. Wir sollten (müßten) daher auch in zwei
„Wirklichkeiten“ differenzieren: Solche, die wir mit Hilfe unserer Sinne wahrnehmen können
– und solche, die zwar Auswirkungen auf unseren Organismus haben, die wir aber sinnlich
 nicht wahrnehmen können.


Letztere sind die wohl gefährlicheren (Radioaktivität, Religionen, Ideologien und so …)
Wie wir diese „letzteren“ „erklären“ – vor allem: wie dieses uns sinnlich nicht Wahrnehmbare
auf uns wirkt –, ist von unserer zeitadäquaten Erfahrung (Geschichte; Weltbild) abhängig.
 Glaubten die Neandertaler (nehmen wir zumindest an) und glaubt man in gar nicht so weni-

66 … wie wir das in unseren bisher veröffentlichten Büchern auch immer getan haben. Allerdings haben wir
anfänglich von nur einer Realität geschrieben, aber wie sagte schon der legendäre deutsche Bundeskanzler Konrad
Adenauer (und sein österreichische Amtskollege Bruno Kreisky hat ihn später plagiiert)? „Es kann mich
 niemand daran hindern, klüger zu werden!“ 

 

 
"Ich kann mit den religiösen Mythen grundsätzlich nichts anfangen, schon weil sich die Mythen der verschiedenen Religionen widersprechen. Es ist doch reiner Zufall, daß ich hier in Europa und nicht in Asien geboren bin, und davon kann doch nicht abhängen, was wahr ist, also auch nicht, was ich glauben soll. Ich kann doch nur glauben, was wahr ist." S. 280.
Zitiert nach Werner Heisenberg: "Positivismus, Metaphysik und Religion" 1952, in: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. München: Piper, 1969. S. 279–295.
Paul Adrien Maurice Dirac
8.8. 1902 Bristol – 20.10. 1984 Tallahassee (Florida); britischer Physiker
1933 Nobelpreis für Physik zusammen mit Erwin Schrödinger
"Wenn man ehrlich ist – und das muß man als Naturwissenschaftler doch vor allem sein – muß man zugeben, daß in der Religion lauter falsche Behauptungen ausgesprochen werden, für die es in der Wirklichkeit keinerlei Rechtfertigung gibt. Schon der Begriff »Gott« ist doch ein Produkt der menschlichen Phantasie. Man kann verstehen, daß primitive Völker, die der Übermacht der Naturkräfte mehr ausgesetzt waren als wir jetzt, aus Angst diese Kräfte personifiziert haben und so auf den Begriff der Gottheit gekommen sind. Aber in unserer Welt, in der wir die Naturzusammenhänge durchschauen, haben wir solche Vorstellungen doch nicht mehr nötig. Ich kann nicht erkennen, daß die Annahme der Existenz eines allmächtigen Gottes uns irgendwie weiterhilft. Wohl aber kann ich einsehen, daß diese Annahme zu unsinnigen Fragestellungen führt, zum Beispiel zu der Frage, warum Gott Unglück und Ungerechtigkeit in unserer Welt, die Unterdrückung der Armen durch die Reichen und all das andere Schreckliche zugelassen hat, das er doch verhindern könnte. Wenn in unserer Zeit noch Religion gelehrt wird, so hat das doch offenbar nicht den Grund, daß diese Vorstellungen uns noch überzeugten, sondern es steckt der Wunsch dahinter, das Volk, die einfachen Menschen zu beschwichtigen. Ruhige Menschen sind einfacher zu regieren als unruhige und unzufriedene. Sie sind auch leichter auszunützen oder auszubeuten. Die Religion ist eine Art Opium, das man dem Volk gewährt, um es in glückliche Wunschträume zu wiegen und damit über die Ungerechtigkeit zu trösten, die ihm widerfährt. Daher kommt auch das Bündnis der beiden großen politischen Mächte Staat und Kirche so leicht zustande. Beide brauchen die Illusion, daß ein gütiger Gott, wenn nicht auf Erden, so doch im Himmel die belohnt, die sich nicht gegen die Ungerechtigkeit aufgelehnt, die ruhig und geduldig ihre Pflicht getan haben. Ehrlich zu sagen, daß dieser Gott nur ein Produkt der menschlichen Phantasie ist, muß natürlich als schlimmste Todsünde gelten." S. 120-121
"Ich kann mit den religiösen Mythen grundsätzlich nichts anfangen, schon weil sich die Mythen der verschiedenen Religionen widersprechen. Es ist doch reiner Zufall, daß ich hier in Europa und nicht in Asien geboren bin, und davon kann doch nicht abhängen, was wahr ist, also auch nicht, was ich glauben soll. Ich kann doch nur glauben, was wahr ist." S. 121
Beides zitiert nach Werner Heisenberg: "Erste Gespräche über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion" 1927, in: Der Teil und das Ganze. Gespräche im Umkreis der Atomphysik. München: Piper, 1969. S. 116–130.


— 16 —


gen heutigen Kulturkreisen (z. B. auch in Japan!) noch an Dämonen, glauben nachaufgeklärte
Wissenschafter und Rationalisten an Wellen und Elementarteilchen (Partikel) 67

In beiden
Fällen re-konstruieren wir aus unserer (leider zum Großteil auch nur geglaubten68

Wirklichkeit,
die (ebenfalls nur geglaubte) sogenannte objektive Realität. Aber: Was immer es auch
ist, das von unseren Sinnen nicht wahrgenommen wird, aber Auswirkungen auf unsere Wirklichkeit
hat: Es kann nicht nichts sein. Der alte Kalauer: „Aus nichts wird nichts“, ist eine
 tiefe philosophische Weisheit.


Wir haben weiter oben das Chaos angesprochen und es als All-Mögliches bezeichnet. Dieses
 All-Mögliche ist aber geradezu das Gegenteil des unmöglichen Nichts:

11)

Das All-Mögliche ist alles, was möglich und ergo realisierbar sein muß.
 Wie es sich verwirklicht (bzw. „realisiert“) ist abhängig:

1) vom jeweiligen Universum und


2) vom seinem jeweiligen Bewußtsein.


Nun drängt sich (vorerst) die Vermutung (und am Ende dieses Fazits) die Einsicht auf, daß
Universa und Bewußtseine gar nicht getrennt werden können, weil das eine das andere – und
 zwar vice versa – voraussetzt. Bedenken wir:


12) Kein Universum ohne Bewußtsein.


13) Kein Bewußtsein ohne Universum.


12) Von uns nicht Wahrgenommenes existiert für uns nicht.69 Existenz ist aber immer nur
für uns! Für wen sonst auch? „Gott“ „existiert“ nicht, haben wir erkannt. Auch ein nicht
wahrgenommenes Universum existiert nicht. Wir erinnern uns: Es ist immer das Bewußtsein,
das aus dem Chaos seiner Eindrücke vereinzelt und die Dinge – über seine Begriffsbildung –
zu dem macht, was sie dann letztlich (für uns) sind. Unnachvollziehbar? Ein Gedankenexperiment
 möge da helfen:


Teil 1: 

Ein außerirdisches Bewußtsein – sagen wir auf dem Mars, mit einer Taktung (Augenblick)
von knapp über einem Erdenjahr – würde unseren Planeten gar nicht wahrnehmen können:
 Weil die Erde ein irdisches Jahr lang braucht, einmal die Sonne zu umkreisen.

70 (Erinnert
sei an den die Schnecke zertretenden Fuß.) Ein Bewußtsein mit einer Taktung von über 15
Milliarden Jahren würde (gemäß der unseligen „Theorie“ des Urknalls) unser ganzes Universum
 nicht wahrnehmen können. Dessen kosmische Evolution erfolgte ja innerhalb der be- 67 

Nur ganz nebenbei: Das herrschende physikalische Weltbild (das aus mehreren sogenannten „Standardmodellen“
besteht, z. B. das Standardmodell der Teilchenphysik) wird von der jungen Generation von Physikern bereits
 heftig hinterfragt. Klar: 50 Jahr sind um, und Kuhn läßt grüßen!


ad 68 

Was mehr als „Glaube“ ist es, wenn jemand seine „Heilung“ auf Globuli zurückführt? Oder seine Errettung
aus irgendeiner mißlichen Situation dem Eingreifen (Welch absurder Gedanke! DAS ist wahre Gotteslästerung!)
„Gottes“ zuschreibt? Oder auf Wellen und Partikel? Auch den „Zufall“ dafür verantwortlich zu machen, ist nicht
viel besser. Diesen gibt es nämlich gar nicht … Ihn gibt es – per definitionem – nur, wenn wir keine passende
 Kausalkette konstruieren können.


69 Man erinnere sich: Was nicht in den Nachrichten ist, passiert nicht. Oder: Was ich nicht weiß, macht mich
 nicht heiß.


70 Wohl könnten dies aber, von diesem Bewußtsein konstruierte, feinjustierte Apparate. Auch wir nehmen ja z.
B. die Braunsche Molekularbewegung (übrigens eine Konstruktion!) nur über Apparate wahr – erleben sie aber
 als Wärme! Die Bewegung der Moleküle ist für uns sinnlich (= Bewußtsein) nicht erfahr- und erlebbar.


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haupteten 15 Milliarden Jahren und somit unterhalb des „Augenblicks“ dieses überkosmischen
 Bewußtseins.


Teil 2: 

Ein Bewußtsein (egal jetzt „wo“71) mit einer extrem kurzen Taktung (sein Augenblick
dauere nahe 0 Sekunden) nähme – Achtung! – ebenfalls nichts wahr, weil es de facto keine
Veränderung des Wahrzunehmenden mehr gäbe und die Welt erstarrte. Wie jeder Mediziner,
Physiologe, Psychologe und ernstzunehmender Philosoph aber bestätigen werden, ist Wahrnehmung
nur aufgrund von Bewegung (Veränderung) möglich. Wir nehmen sinnlich nur Unterschiedliches
 wahr

72, niemals aber Gleichbleibendes oder sich Nicht-Veränderndes.

73 Also
wäre gar keine Wahrnehmung … aber deswegen dennoch nicht Nichts, denn: Nichts kann ja
 nicht sein!


Was ist also?


ad 13) 

Da jedes Bewußtsein (siehe die oberen zwei Absätze) nur wahrnimmt, wenn es sinnlich
gereizt wird, bedarf es „etwas“, das seine Sinne stimuliert. Was aber ist das? Nichts kann
es nicht sein, „etwas“ aber auch nicht, da ein Etwas ja erst Folge der durch das Bewußtsein
vorgenommenen (der „intellectus ipse“ Leibnizens) Auswahl aus der „rohen Flut sinnlicher
Eindrücke“ (Kant) ist – was allerdings wieder abhängig von seiner Taktung ist. Was ist es
 daher, das diese Sinnenflut hervorruft?


Wir sollten es schon kennen: Es ist das Chaos oder das All-Mögliche. Dieses muß aber unstrukturiert
sein (weil ja erst die Taktung des Bewußtseins Struktur schafft), also auch undinglich,
will heißen: Es gibt im Chaos keine einzelnen. Vor allem muß es zeitlos sein, da es
ja erst das Bewußtsein ist, das aufgrund der Veränderung von einzelnem und aufgrund seiner
Taktung Zeit generiert. Das All-Mögliche muß auch unveränderlich sein, da Veränderung
(Bewegung ist der Sonderfall der Ortsveränderung) erst aufgrund von Vereinzelungen real
 und als Folge der Taktung von Bewußtsein (als Bewegung) wirklich wird.


Zeitlosigkeit heißt aber seit jeher „ewig“, obwohl vielfach „ewig“ mit „unendlicher Zeit“ mißinterpretiert
wird. Es gibt keine unendliche Zeit – übrigens auch keine endliche. Zeit ist vielmehr
 zeitlos

74, aber das Voraussetzende dafür, daß wir die Dauer von sich Veränderndem erfahren
 können und – z. B. mit Uhren – messen und dies dann „Zeit“ nennen.


14) Zeit und Bewußtsein sind nicht voneinander zu trennen. Sie bedingen einander.
 Es gilt gemäß dem eben Deduzierten natürlich auch:


71 

Warum die Gänsefüßchen? Weil ein Wo immer raumbezogen ist. Bei Multiversa?


72

Aus diesem Grund zittern ja auch unsere Augen beständig: Um unsere Retina immer wieder mit neuen Reizen
(aus mikroskopisch kleinen Einfallwinkeländerungen des Wahrgenommenen) zu reizen. Schneeblindheit ist
 bloße Folge des Fehlens solcher unterschiedlichen Reize (weiß auf weiß) auf unsere Retina.


73 

Sogenannte Deprivationsversuche müssen daher immer nach einer gewissen Zeit abgebrochen werden, da die
Versuchsperson sonst zu halluzinieren beginnen würde, sich also Reize imaginiert. Nach einer gewissen Zeit
nützte auch das nichts mehr, und der Delinquent würde wahnsinnig und stürbe daran … Stephan Zweig hat dieses
Phänomen in seiner „Schachnovelle“ meisterlich angedacht … Moderne Deprivationsversuche finden in
körpertemperierten Soletanks statt, in denen man „floatet“. Auf diese Weise werden auch daktile Reize minimiert
bzw. ganz ausgeschlossen. Man kann sich so einen Salztank sogar mieten, und manche Manager verbringen
 ihre Mittagspause dort … um sich zu regenerieren.


74 

Für scharf Mitdenkende: Es kann die Zeit nicht als Voraussetzendes (= also das sie Bestimmende) die Zeit (als
Vorausgesetzte!) haben. Es muß vielmehr „etwas“ (sic: die Begrenztheit unserer Sprache! „Hier“ gibt es kein
 Etwas mehr!) anderes sein! Klar: unser Bewußtsein! Was sonst auch?

 

— 18 —


15) Veränderung und Vereinzelung sind nicht voneinander zu trennen. Sie bedingen
 einander.


Das All-Mögliche (oder Chaos) ist für uns prinzipiell nicht erkennbar75. Aber es ist das Bewußtsein,
das aufgrund seiner Taktung aus dem Chaos, das ja nicht nichts ist, über die Sinne
 seiner Körperlichkeit die Dinge (= Vereinzelte, Körper) schafft.

76 Daraus folgt:

16) Vereinzeln bedeutet, Zeit zu kreieren (= schöpfen).
 Daraus folgt aber auch:


17) Es gibt keine absolute Zeit.


Daraus wieder folgt:


18) Das Universum hat/Die Multiversa haben keinen „Beginn“ („Urknall“, „Big bang“)
 und kein „Ende“ („Big crunch“).


Folge dieser Evidenz ist:
 19) Multiversa sind ewig, weil zeitlos!


Das gleiche gilt aber auch für Bewußtsein:


20) Bewußtsein „beginnt“ und „endet“ nicht.
Vielmehr ist es Bewußtsein, das Beginn und Ende von etwas (!) erkennt und gegebenenfalls
 auch mißt (z. B. unser Selbstbewußtsein).


Da Multiversa und Bewußtsein somit völlig gleich bestimmt sind, folgt daraus zwingend:
21) Multiversa und Bewußtsein sind identisch.
Quod erat demonstrandum.
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Anhang
 (für Fortgeschrittene)


Die Folgen aus den obigen Erkenntnissen sollten nachhaltig sein:


22) Es gibt keine Schöpfung eines „Gottes“.


75 

Immanuel Kant (1724–1804) hat hier in einem Anflug von „Schau“ der obigen ewigen Wahrheit vom „Ding
an sich“ gesprochen, das ja auch unerkennbar sei. Hätte er auch noch vom Ding abgesehen, hätte er ins Schwarze
 getroffen!


76 

Unsere Sinne sind also dasjenige, das die Brücke zwischen dem Kantschen „Ding an sich“ (quasi identisch mit
dem All-Möglichen, dem „Jenseits“ der Monotheisten) und unserer dinglichen (= körperlichen) Vereinzelung
 aus eben diesem All-Möglichen herstellt.


— 19 —


23) Es existiert kein „Gott“.


24) Jedes Bewußtsein schöpft sich seine eigene Welt.


Erklärung tut not.


Die von Physikern gemessenen Elementargrößen (= Naturkonstanten) unseres Universums
sind eben nur eine realisierte Möglichkeit des All-Möglichen. Da aufgrund des All-Möglichen
aber auch andere Universa möglich und ergo realisiert sein müssen 77, muß es diese auch geben
 – mit (besser: als) ihnen adäquate(n) Bewußtseine(n).


Dies bedarf seinerseits einer (hoffentlich nachvollziehbaren) Erklärung:
Gäbe es nur eine Möglichkeit, wäre diese keine Möglichkeit, sondern einmaliges (F)Aktum.
Keine Veränderung wäre in oder durch dieses Unikat „möglich“, weil es die Möglichkeit zu
 anderem, also zu Vielem, nicht gäbe …


25) 

Keine Veränderung (des Einen) bedeutet(e) keine Vereinzelung und somit auch keine
Zeit – also nichts.
 Nichts ist aber nicht möglich – und zwar aus zwei Gründen: Den ersten kennen wir schon:


26)

Nichts kann nicht sein, weil ihm Sein nicht zukommt.
 Der zweite ist delikater:


27) 

Die einzige Möglichkeit (Negation) zum Einen ist das Viele (Alles) – und nicht das
Nichts.
 Daraus folgt wie von selbst:


28)

Das Eine muß sich (kann sich nur!) als Vieles verwirklichen.
Diese monistische Ur-Einsicht (Tao) haben die monotheistischen Religionen freilich schon
immer dualistisch mißverstanden und gelehrt:
 Es gibt nur Einen78 (Gott)79 – 

und der hat die Welt geschaffen.
Sie haben die obere tiefe monistische Einheit gespalten: in einen „Gott“ und ihm dann in Seinem
willkürlichen Schöpfungsakt „die“ Welt (als einzige80 übrigens!) gegenübergestellt. Dies
 zeigt, daß vom Wesen des Monismus (den nur der originäre Taoismus

81 

und Zen-Buddhismus


77 

Verweise in diesem Zusammenhang auf das von mir aufgestellte und von Prof. Oberleitner als vortrefflich bezeichnete Habsche Gesetz („Universum und Bewußtsein“), demzufolge alles, was möglich ist, auch realisiert werden muß, genauer: „Alle möglichen Allgemeinbegriffe (= alle Klassen) müssen sich als Einzeldinge oder
 -ereignisse realisieren.“ Um dies zu ermöglichen, sind auch unterschiedliche Universen (mit unterschiedlichen Naturkonstanten) notwendig.


78 

Eigentlich müßte es ja „Eines“ heißen. Was will man aber von bronzezeitlichen Patriarchen anderes erwarten?


79 

Dieser „Gott“ entstammt eben … na ja: bronzezeitlichen Gehirnen …


80 

… und nicht eine …


81 

Der Vulgärtaoismus, wie er in China und Taiwan unter Anbetung einer Vielzahl von Göttern in überladenenTempeln gepflogen wird, hat sich von Lao Tses tiefen Einsichten mindestens genausoweit entfernt, wie die römische Kurie vom Wort Christi. Das Gleiche gilt für die Vielzahl buddhistischer Tempel. 


— 20 —

83


(bis heute in seiner reinsten Form kultivieren) überhaupt nichts begriffen worden ist. Vielmehr
 ist der philosophisch nicht haltbare monotheistische Dualismus (Judentum, Christentum, Islam) daraus geworden – mit seiner Heerschar von „Gläubigen“, die an ein Jenseits und an den „Vater im Himmel“ glauben.


Offenbleiben muß die Antwort auf die Frage, ob alle mathematisch möglichen Variationen an
Kombination von Naturkonstanten auch Vereinzelungen – also die Voraussetzung für die Bildung
von Bewußtsein – zur Folge haben. Wir können das natürlich nie überprüfen, da intermultiversale
Kommunikation aufgrund der unterschiedlichen Raum-Zeit-Struktur(en) 82 unmöglich
 ist.


Damit stehen wir freilich vor einem philosophischen und naturwissenschaftlichen Problem:
Nach dem österreichischen Philosophen Sir Karl Popper (1902–1994; in späteren Jahren britischer
Staatsbürger und als solcher geadelt) gilt nur Falsifizierbares als naturwissenschaftlich
relevant. Da z. B. der Urknall nicht durch Überprüfung (= vulgo Experiment) falsifizierbar ist,
 kann er weder als Hypothese und schon gar nicht als Theorie durchgehen, ist also nicht naturwissenschaftlich! Ob das die ihn verkündenden Kosmologen auch wissen?


Multiversa sind ebenfalls nicht falsifizierbar: weil sie prinzipiell nicht erfahrbar sind. Somit
entziehen sie sich recte jedem naturwissenschaftlichen Zugriff. Auch dem philosophischen?
Wie die vorliegende Arbeit (hoffentlich) gezeigt hat, nicht. Sind sie deswegen Spekulation,
wobei unter „Spekulation“ üblicherweise eine unüberprüfbare Behauptung gemeint ist? Wir
behaupten: nein, weil die Überlegungen, die zur Notwendigkeit (!) von Multiversa führen,
 dreiwertig-logisch einwandfrei sind und keine Denkgesetze („Evidenzen“) verletzen.

83
Diesmal danke ich gleich zwei meiner Freunde für die Durchsicht (und Korrektur) meines
geistigen Vorpreschens: Dr. sc. phil. W. Berger, Dr. rer. pol. R. Mangold

Beide haben diese Arbeit akribisch überprüft: W. Berger aus theologischer
Sicht, und Richard aufgrund seines naturwissenschaftlichen Wissens. Das Ergebnis ist
das vorliegende „nihil obstat“. Was beide bemängelt hatten, ist in der vorliegenden Version
 bereits ausgebügelt.


Nur im Zen wird die tiefe Einsicht in die Einheit noch gepflogen und durch Ich-Überwindung (das Ich ist die Basis jeden dualistischen Denkens) mit Hilfe der Meditation (Versenkung) angestrebt. Ziel ist das „Satori“, das Einswerden mit der
Einheit (Mystik). Im Europa der Scholastik hat dies Meister Eckhart (1260–1327) auf Basis des Christentums
erfolgreich praktiziert. An dieser Stelle will Ihr Autor nicht davor zurückscheuen und anmerken, daß Christus
 diese Einheit gelebt haben könnte – wenn es ihn so gegeben hat, wie berichtet wird. 

Der Theologe Franz Josef
 Bauder läßt Mirjam von Magdala in seinem Buch sagen: 

Sein Denken und Fühlen, sein Herz, Gemüt und Denken gehörte der Herrschaft des Herrn – wenn in
deiner Bibel vom „Reich Gottes“ die Rede ist, dann ist das eine krasse Verharmlosung. ER lebte und verkündete
so – mehr durch die Art, wie ER lebte und wie ER den Menschen begegnete als durch seine Worte – die Herrschaft
des Herrn. Das war es, was ihn antrieb, was ihn Tag und Nacht beschäftigte. Die Herrschaft des Herrn,
die dadurch näherkomme, daß kein Mensch sich zum Herrn über einen anderen Menschen mache, daß alle Brüder
und Schwestern und Kinder des einen Vaters seien. In ihm selbst ist sie angebrochen, die Herrschaft des
Herrn. Kann man die Einheit der Vielfalt – literarisch – schöner ausdrücken? Was wäre die Welt auch ohne
 Literatur? Vieles läßt sich besser literarisch ausdrücken.


82 

Sogar die Mehrzahlbildung ist unstatthaft. Multiversa können niemals „viele“ sein, weil sie nicht abzählbar
sind! Abgezählt werden kann immer nur innerhalb einer eingeführten Raum-Zeit! Und eine Hyper-Raum-Zeit der gibt es aus demselben Grund nicht.


83 

Es ist zwar evident, daß das Leben mit dem Tod endet. Warum Religiöse dennoch an ein Weiterleben glauben,
ist angesichts solcher Eindeutigkeit schleierhaft. Aber wir haben ja schon weiter oben argumentiert: Gegen Konstruktionen welcher Art auch immer ist niemand gefeit, Evidenzen her oder hin

 

Ob nun – trotz der obigen Erkenntnisse – jemand in seinem Weltbild einen personalen Gott hat, einen nicht personalen oder gar keinen, ist somit jeweils nur Teil seines interpretatorischen Konstrukts von Welt, deckt aber möglicherweise persönliche Bedürfnisse ab.


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