




Univ. - Lektor Prof. Mag. Dr. W. Weiss
Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. F. S. Uhlmann
S. Hab, Master of Science (M. Sc.)
WIE VERNÜNFTIG IST DIE VERNUNFT?
EINLEITUNG
Der Bogen dieser interdisziplinären Analyse spannt sich von der Neurobiologie – die den evolutionären Konstruktionsfehler unseres kognitiven Apparates und die strategische Institutionalisierung von Angst entlarvt – über die Wissenschaftskritik, die das rhetorische Framing und den unfehlbaren Absolutheitsanspruch der modernen Großforschung seziert bis hin zur erkenntnistheoretischen Warnung Kants vor der Hybris eines Verstandes, welcher die Grenzen der realen Erfahrung überschreitet.
Ideale Zustände sind in einer nach Entropie strebenden Welt nicht das Normale, sondern das temporäre Resultat eines evolutionären Befreiungskampfes aus dem existenziellen Chaos. Diese mühsam erlesene homöostatische Ordnung wird jedoch im menschlichen Alltag permanent durch unser eigenes phylogenetisches Erbe bedroht. Daniel Goleman beschreibt mit dem Phänomen des Amygdala-Hijacks die neurobiologische Sollbruchstelle dieser zivilisatorischen Evolution. Bei einer vermeintlichen Bedrohung umgeht der Thalamus über einen evolutionär archaischen Short Track die kortikale Kontrollinstanz und flutet das limbische System direkt subkortikal. Diese Entdeckung der modernen Neurowissenschaften lieferte erst Mitte der 1990er-Jahre erstmals die rationale Erklärung für ein zuvor unbegreifliches Phänomen:
warum vermeintlich empathische, freundliche Individuen plötzlich zu affektgesteuerten Mördern/Straftätern werden können. Vor diesen Erkenntnissen blieb die Wissenschaft eine neurobiologische Antwort schuldig, da die akute funktionelle Deaktivierung des präfrontalen Kortex und die damit einhergehende Blockade aller exekutiven Funktionen schlicht unbekannt waren.
Was in der Urzeit das physische Überleben im evolutionären Chaos sicherte, erweist sich in der modernen, soziokulturellen Matrix somit als fataler kognitiver Konstruktionsfehler.
Die Amygdala differenziert nicht zwischen realer Lebensgefahr und psychologischer Kränkung, weshalb sie auf soziale Stressoren mit derselben destruktiven Brutalität reagiert wie auf ein "Raubtier". Ein Amygdala-Hijack wirft uns folglich in Millisekunden psychisch in genau jenes unregulierte Chaos zurück, aus dem wir existenziell herausgetreten sind. Die bewusste Top-Down-Regulation (Mentale Prozesse werden durch Vorwissen, Erwartungen oder Kontext beeinflusst, statt rein durch Reize von außen) bleibt daher unsere einzige neuroplastische Möglichkeit, die Tyrannei dieses biologischen Autopiloten im Alltag zu brechen.
Auf der Suche nach den sogenannten idealen Verhältnissen und dem täglichen Wahnsinn (Unvernunft) als Begleiterscheinung der menschlichen Existenz, in einer Welt wo der Mensch des Menschen Feind ist (alles ist Konkurrenz) und die Institutionalisierung der Angst, innerhalb moderner kapitalistischer Demokratien, als Mittel der Erhaltung der Herrschaft etabliert ist, (Franz L. Neumann, Realängste und Neurotische Ängste, Prof. Dr. R. Mausfeld - Herrschaftstechniken der Angsterzeugung) führt dieser pathologische Zustand vielfach zu institutionalisiertem Mord und Totschlag. Aus kommerzieller Sicht (Psycho-Industrie) ist die Vorstellung das Unbewusste zu pathologisieren und durch ihre Deutungssucht erst jene psychischen Konflikte zu schaffen, die sie dann therapeutisch "erfolgreich" behandeln möchte, ein Milliardengeschäft. Dabei ist die Psychoanalyse jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält; und pathologische Formen der Selbstsucht jene der Erfolgsmenschen
Prof. Dr. med. Dr. rer. soc. F. S. Uhlmann
[Amygdala-Hijack, der Begriff wurde 1995 von dem Psychologen Daniel Goleman in seinem Buch Emotionale Intelligenz geprägt & genau dieser neurobiolog. Umstand betrifft uns alle]
Ideologie wird die Naturwissenschaft dann, wenn sie – wie alle Religionen und Ideologien – mit dem Anspruch der Alleingültigkeit und Unfehlbarkeit auftritt; ein „All-Anspruch", dem die Naturwissenschaft seit der Aufklärung mehr und mehr erlegen ist. Was repräsentativ ist, ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt Wahrheiten, die nur zwischen Paaren gelten (z. B. Liebe), und Wahrheiten, die Weltreligionen speisen (Christentum), Wirtschaftssysteme sanktionieren (z. B. Kapitalismus) oder Weltbilder konstituieren (etwa das naturwissen-schaftliche).
– Vom Dualismus in der Naturwissenschaft
– Der elfenbeinerne Turm in der Wissenschaft
Univ. - Lektor Prof. Mag. Dr. W. Weiss
Der sogenannten breiten Masse bleibt oft nur das passive Dasein im kollektiven Vorurteil: Sie glaubt oft unhinterfragt, was die herrschende Meinung ihr als Wirklichkeit (Narrativ) diktiert. In diesem intellektuellen Konformismus offenbart sich das eigentliche Elend der conditio humana. Es ist die Tragik der Gegenwart, dass das Ertrinken in administrativen und technokratischen Details den Blick auf das Große und Ganze vollständig verstellt – obschon das lebendige, authentische Dasein sich gerade in diesen Details und Nuancen vollzieht.
Wie nahtlos diese Maschinerie ineinandergreift, zeigt exemplarisch der Weg moderner Schlüsseltechnologien: Da werden über Jahrzehnte hinweg unter einem vermeintlich "zivilen" Deckmantel hochpräzise Optiken für Waffensysteme wie den Kampfpanzer Leo 2 gefertigt, um diese Sparten im passenden Moment formal an den militärisch - industriellen Komplex auszugliedern. Was bleibt, ist das globale Monopol auf jene High-Tech- Lizenzsysteme der EUV-Lithographie, ohne die weltweit kein einziger moderner Mikrochip mehr gedruckt werden kann. So verhielt es sich zumindest bis Frühjahr 2025.
Während die breite Masse zum überwiegenden Teil in ihrer Kantschen Unmündigkeit verharrt und das Schautheater der Politik konsumiert, opfern die Erfolgsmenschen dieser Welt das lebendige Dasein. Als weltweiter Monopolist für Lithografiesysteme ist der holländische Monopolist stark von den USA und der EU reguliert. Verschärfte Gesetze, Zölle auf Hochtechnologie und weitreichende Exportverbote für China (einem wichtigen Absatzmarkt) dezimieren die zukünftigen Umsätze.
Getrieben vom rücksichtslosen US - Exzeptionalismus, nutzen die transatlantischen Machteliten dieses technologische Monopol als geopolitische "Erpressungswaffe". Über extraterritoriale Gesetze und das Diktat des amerikanischen MATCH Acts, zwingen sie europäische Konzerne zu kostenintensiven Exportverboten, die diese europäischen Konzerne Milliarden kosten, um unliebsame Nationen technologisch auszuhungern. Die Wissenschaftler und Konzerne unterwerfen sich in vorauseilendem Gehorsam diesen Compliance-Vorgaben und unterschreiben damit den ideologischen Treueeid auf einen globalen Kontrollapparat, der die real vorhandene Wahrheit rücksichtslos verdrängt, um die absolute technokratische Herrschaft über den Planeten zu verwalten.
Führende Ingenieure haben die obere Stufe des IG-Metall - Vertrags und liegen so zwischen EG15 und EG17 + Leistungszulagen, T - Zug usw. (15 %) das entspricht ca. 7050,00 € bis 7900,00 € im Monat. Also zwischen 100.000 € und 110.000,00 € im Jahr bei einer 35 Std./Woche

Solange die Rekordgewinne und die Gehälter im Management stimmen, besteht für die Vorstände absolut kein Interesse, das extrem riskante Wagnis einer geopolitischen Emanzipation einzugehen.
Über den US-CHIPS Act fließen hunderte Milliarden Dollar in den Bau neuer Megafabriken (Fabs) von Intel, TSMC und Samsung auf amerikanischem Boden. Jede einzelne dieser neuen Fabriken muss zwingend mit Maschinen mittels des deutsch-niederländischen Technologie-Clusters ausgestattet werden. Das Halbleiter-Cluster verzeichnet trotz massiver geopolitischer Störfeuer hohe Auftragsbestände. Die Halbleiter-Sparte ist dank des KI-Hypes und der massiven US-Infrastruktur-Investitionen von einer allgemeinen Industrieschwäche weitgehend entkoppelt.
Die "Compliance-Peitsche": Die totale rechtliche Verflechtung
Kein rein europäisches Produkt: Der Konzern aus dem holländischen Veldhoven und die deutschen Unternehmen haben massive Tochtergesellschaften und Entwicklungszentren in den USA. In den Maschinen stecken tausende US-Patente, US-Softwarekomponenten und US-Chips. (De-Minimis-Rule) Das unternehmerische Risiko, den US-Markt zu verlieren, um den chinesischen Markt zu bedienen, steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Das Risiko einer chinesischen DSA-Konkurrenz wird somit die nächste Manager-Generation betreffen.
Das Platzen der KI-Blase (The AI Bubble Burst):
In Analogie zur "Dotcom-Blase" der Jahrtausendwende, (extreme Überbewertung von Tech-Aktien ohne fundamentale Gewinne) wird das platzen der KI-Blase zum Dritten KI-Winter. (The Third AI Winter) Dies ist der historisch präziseste Name. Da es bereits zwei große KI-Winter gab (ca. 1974–1980 und 1987–1993)
Tech-Konzerne investieren Hunderte Milliarden Euro in Rechenzentren und KI-Chips (wie wir es bei der Flash-Speicherkrise sehen), aber die tatsächlichen Umsätze mit KI-Abos und -Diensten rechtfertigen diese Summen bisher bei weitem nicht. Dies führt zur mangelnden Monetarisierung. Die LLMs (Large Language Models) Entwicklung ChatGPT (OpenAI), Claude (Anthropic), Gemini (Google) und das quelloffene Llama (Meta) stößt an Daten- und Energiegrenzen. Neuere Modelle sind oft nur noch minimal besser als ihre Vorgänger, kosten im Training aber das Vielfache. Dies stellt eine infrastrukturelle Falle für Unternehmen dar; denn die haben massenhaft extrem teure Hardware gekauft, deren Auslastung im realen Betrieb oft nur bei 35 bis 55 Prozent liegt – ein massives Verlustgeschäft.
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Wie sich dieser Anspruch auf Allgemeingültigkeit der Wissenschaft in der Praxis bildet, zeigt die offizielle Laudatio anlässlich einer hochrangigen Forschungspreisverleihung. Unter dem Titel "Wetter kontrollieren und Lichtstrahlung an Bewegungen koppeln" nutzt der Text eine subtile sprachliche Ambivalenz, um zwei physikalisch unvereinbare Welten miteinander zu verschmelzen:
Die bewiesene Realität der Mikro-/Nano-Ebene: Quanten-Optomechanik ist harte, replizierbare Wissenschaft. Sie beherrscht Lichtteilchen in Mikroresonatoren im Mikrometerbereich (µm) und koppelt sie an Schwingungen auf der Nanometer-Ebene (nm).
Die ungedeckte Vision der Makro-Ebene: Die proklamierte "Vermeidung von Wetterextremen" mittels Laser widerspricht den energetischen Dimensionen der realen Physik. Ein Kurzpuls-Laser kann lokale Blitze triggern, aber niemals die Thermodynamik globaler Stürme brechen. Hierfür bedarf es kontinuierlicher Energien im massiven Gigawatt-Bereich (wobei das wegweisende Eastlund-Basispatent US4686605A die Mindestschwelle für atmosphärische Modifikationen auf 5,8 Gigawatt beziffert).
Durch das Wort "hingegen" wird das Gehirn des Lesers getäuscht: Es überträgt die wissenschaftliche Härte der Nano-Kopplung automatisch auf die makroskopische Vision der Wetterkontrolle. Es entsteht die optische Illusion einer lückenlosen Naturbeherrschung vom "Photon" bis zum Hurrikan, während das gigantische energetische Missverhältnis im Verborgenen bleibt.
Prof. J. Halpern († 2026), Cornell University, New York
„Vernunft kann niemals in all ihren theoretischen Entwürfen den Anspruch auf absolute Gewissheit erheben, wo sie die Grenzen der Erfahrung überschreitet. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind".
Immanuel Kant, Philosoph der Aufklärung, Professor der Logik und Metaphysik
(Kritik der reinen Vernunft (1781) / Prolegomena (1783)
WIE VERNÜNFTIG IST DIE VERNUNFT?
TEIL I: DIE VERNUNFT
Unbestritten dürfte sein, daß es die Vernunft ist, die den Menschen zum Menschen macht - zumindest gilt solches im westlichen Kulturkreis, wo sich seit der griechischen Philosophie der Mensch als animal rationale, als vernunftbegabtes Lebewesen vom nicht-vernünftigen, also dem Tier unterscheidet. Diese herausragende Eigenschaft des Menschen gilt freilich nur dem Abendländer als die wesentlich(st)e Unterscheidung zum Tierreich. Im östlichen Denken ist es vielmehr das Selbst, das den Menschen aus der Schöpfung herausragen läßt, wobei die Frage nach dem Selbst genauso kniffelig zu sein scheint, wie jene nach dem Wesen der Vernunft. Angesichts des offensichtlich zunehmenden Maßes an Unvernünfigkeit innerhalb des menschlichen Handelns stellt sich dem aufgeklärten Denker in der Nachfolge Aristoteles' die Frage, ob die Vernunft tatsächlich dasjenige sei, auf das der Mensch sich am meisten einbilden dürfe. Denn ganz offensichtlich besteht eine große Diskrepanz zwischen Vernunft und vernünftig. Man denke nur an Probleme wie Geheimgesellschaften, Übervölkerung, Geoengineering, Saurer Regen (Schwefel- und Stickoxide), Overkill (Militarisierung und Exeptionalismus der USA), etc.
Religion ist Unheil - bar : Braucht Gott einen Sohn? (Philosophie)
- Für Christen ist diese Frage Blasphemie, für Juden ein Gottessohn blanke Gotteslästerung, für Muslime der bloße Gedanke an einen „Sohn Allahs" zu bekämpfender Unglaube - für Dschihadisten eine auszurottende Ungeheuerlichkeit. Das Christentum hingegen betet den
„Auferstandenen" an ... Aber: Auferstehung bedeutet etwas völlig anderes als das üblich Indoktrinierte: nämlich sich seiner (eigenen) Endlichkeit bewusst zu sein (Was wäre ein Leben ohne Tod?) und daher seine Zeitlichkeit nicht mehr zu fürchten, sondern sie zu leben!
90 Prozent aller heutigen Kriege seien Religionskriege, 10 Prozent reduzierten sich auf Expansionsbestrebungen der USA – behaupten die einen. 99 Prozent aller Kriege sind Wirtschaftskriege, das verbleibende eine Prozent dient den jeweiligen Warlords bloß als Mannbarkeitsritual mit Kollateralschäden. Beides mag stimmen … Es kommt eben immer auf den Blickwinkel und auf das eigene Weltbild an.
Daß Religion eine Jenseitsideologie und jede Ideologie eine Diesseitsreligion ist:
Um die Wahrheit dieser Aussage zu erkennen, dazu bedarf es keines subjektiven Blickwinkels oder – je nach dem Ort der Geburt und der sich daraus ergebenden Erziehung – erworbenen Weltbildes. Das ist so.
Daß Religion auch die Ab- und Aufgabe von Eigenverantwortung ist und Delegation der Autonomie an eine „höhere" Instanz bedeutet – an die Chiffre „Gott" nämlich –, wird natürlich von jedem Religiösen vehement bestritten und entrüstet von sich gewiesen werden. Klar doch: Er hat ja bereits delegiert, …
Ideologie und Religionen haben daher stets als Bestrebungen, ihre intersubjektive Wahrheit (=Vernünftigkeit) zu einer absoluten zu machen.
Ist Religion heilbar? Ist sie unheilbar? Ist sie Unheil – und zwar bares?
Diese Frage kann man durchaus verschieden lesen. Das ist durchaus so gewollt, und die Autoren wollen da gar nicht das eine oder andere ausschließen: Für sie gelten beide Lesearten. „Heilbar oder „unheilbar" – das unterstellt freilich, daß sich zu einer Religion bekennen eine Krankheit sei(n könnte). Ob letztes nun als Indikativ oder Konjunktiv zu lesen ist – dazu wollen sich die Autoren öffentlich gar nicht äußern, obwohl natürlich der Professor, als gleich doppelter Professor, und die Co-Autoren - also „Bekennende" ihre eigenen Meinungen dazu durchaus haben. Aber man kann diese Abhandlung hier auch zwischen den Zeilen lesen. Das wäre sogar durchaus empfehlenswert.
Der Begriff der Vernunft ist nicht eindeutig. So lehnt das Christentum die Vernunft als - bringt man es auf den Punkt - "teuflisch" und dem Schöpfungsplan Gottes entgegenwirkend ab (Erbsünde als Folge des Essens vom Baum der Erkenntnis; historische Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche) und stellt den Glauben ganz eindeutig v o r das Vermögen des analytischen Denkens. Aber auch innerhalb der europäischen Philosophia perennis, also des fortwährenden Ganges des philosophischen Denkens über die Zeiten, wird der Vernunftsbegriff widersprüchlich definiert:
Dictio: Die Vernunft ist das Prinzip, nach dem die Welt (die Natur) aufgebaut ist und nach deren Regeln alle Prozesse inner- (aber auch: außer-)weltlich ablaufen. Die Anwendung der Vernunft garantiert dem Menschen, die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit so verstehen und technisch manipulieren zu können.
Contradictio: Die Vernunft ist d a s spezifisch menschliche Vermögen, die Welt so zu interpretieren, daß sie für den Menschen als widersprüchliche fass- und als widerspruchsfreie manipulierbar wird.
Conclusio: Als dritte - vermittelnde - Position könnte gelten: Die Vernunft ist e i n e s der spezifisch menschlichen Vermögen, die Welt zu interpretieren; und zwar jenes, das sie über das Auflösen ihrer scheinbaren Widersprüche für den Menschen fass- und manipulierbar macht.
Weltvernunft ja oder nein?
Die erste Position ist die des Aristoteles und all jener Denker, die ihm darin nachfolgen. Sie gipfelt in der französischen Aufklärung (Descartes: Cogito, ergo sum Voltaire; das Erhöhen der Vernunft zum quasi Gott-Ersatz) und führt in den Deutschen Idealismus mit dessen Geistesgiganten Immanuel Kant und G. W. F. Hegel. In ihrer negativen Ausprägung leitet sie über den Marxismus und die totale Machbarkeit der Welt zur Position der heutigen Naturwissenschaft mit ihrem Anspruch "Anything goes". (= "alles ist möglich")
Das moderne starke und schwache anthropische Prinzip1) und - mit Einschränkungen! - auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie bringen diese Position auf den Punkt:
Der Mensch ist quasi als "Krönung der Schöpfung" nur letztes Glied einer Entwicklung (der Evolution nämlich), als das er - im Sinne des anthropischen Prinzips - das Werden der Welt würdig abschließt. Im Sinne der Evolutionären Erkenntnistheorie hat sich das Verrechnungssystem Vernunft des Menschen "nur" an die vorgefundenen Zustände in der Natur optimal angepaßt. Die Vernunft sichert als bestmögliche Ausstattung der Spezies Homo sapiens deren Überdauern und den individuellen Menschen - zumindest auf die Dauer einer durchschnittlichen Lebenszeit - Überleben.
Die Position 2 ist jene des Existenzialismus und der Chaostheorie und findet sich mit Sokrates und einigen Sophisten bis herauf zu Erich Fromm und Viktor Frankl. Der Mensch sieht die Welt erst durch die Brille seiner Vernunft so, daß der Kosmos ihm vernunftdurchwaltet erscheint.
Die Welt selbst ist - mit Ausnahme der im Menschen wirkenden - ohne Vernunft; es herrscht nicht Kosmos sondern Chaos.
Das Vernunft-Haben des Menschen ist in dieser Sicht nur eine von vielen Möglichkeiten der Evolution. Sie (die Evolution) hätte auch nicht passieren können.

[ Ein Meteorit war Auslöser von Massensterben und "Aufstieg" der Säugetiere, vor 66 Millionen Jahren,... Aber fast drei Milliarden Jahre davor gab es einen noch heftigeren Einschlag. Da wurde die Erde von einem Objekt getroffen, das bis zu 200 Mal größer war - mit einem Durchmesser von 40- bis 60 km. - Einen Krater gibt es nicht mehr, aber Rückstände in altem Gestein - unter anderem in Südafrika,... Über den Globus rasten riesige Tsunamis, die Erde war umhüllt von Asche und Staub - alles war dunkel. Die ersten Bakterien, die Photosynthese betrieben, verschwanden. Das hätte es sein können mit dem Leben auf der Erde.
Aber: Einige Einzeller erholten sich extrem schnell, besonders Bakterien, die Eisen und Phosphor verstoffwechselten. Und das hat der Entwicklung von Leben auf der Erde wohl sogar auf die Sprünge geholfen,... ]
Die Methode der Vernunft ist die Negation - sie ist "der Geist, der stets verneint" (Goethes Faust)
,...So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element,...
Abstrahieren ist nicht das Gegenteil, sondern vielmehr identisch mit schöpfen! Jeder Abstrahierende, also jeder, der vom einzelnen die alleine diesem eigenen Eigenschaften abzieht oder über sie hinwegsieht, also den Akt (!) der Verallgemeinerung - sic „Schöpfungsakt“! (oder Begriffsbildung) vollzieht, „schöpft“ (= schafft) ja: Neues – den Allgemeinbegriff nämlich, unter den er/sie ab jetzt diesem einzelnen Ähnliches subsumiert und damit den Prozeß des Wiedererkennens überhaupt erst ermöglicht. Dieser schöpferische Vorgang wird „Klassifizieren“ der (von uns als zusammengehörig entschiedenen) einzelnen genannt. Allgemeinbegriffe (Klassen; in der Scholastik „Universalien“ genannt) existieren aber nicht per se (also durch sich), sondern nur durch uns – und zwar aufgrund unserer Abstraktionsfähig- und -tätigkeit.
[Joseph Haydn hat diesen Unfug, in einem der größten Monumentalwerke der Musikgeschichte, unübertreffbar in Ton gesetzt. Wie man sieht, kann man auch Falsches und Unsinniges (dem Zug der damaligen Zeit durchaus entsprechend) als Ausgangsmaterial nehmen und höchste Kunst daraus kreieren. Haydns Oratorium ist jedenfalls wahre Schöpfung! In seinen darauffolgenden „Jahreszeiten" hat Haydn sich freilich kopiert, und der Sohn von Maria Theresias Leibarzt Gerard van Swieten, der Mozart-Förderer Gottfried van Swieten, hat dem Genie ordentliche Knüppel vor die Cembalotasten geschmissen …]
Dieses Zusammengehören erfolgt durchaus willkürlich, aber aufgrund unserer Erfahrung, und ist auf unser Überleben hin ausgerichtet. Es erscheint uns sinnvoll (und „sinnvoll“ zielt letztlich immer auf Sich-in-der-Welt-Bewähren!), z. B. alle hochgewachsenen und verholzten Pflanzen als „Bäume“ zu bezeichnen. Andererseits ändert sich die botanische und auch zoologische Systematik, dem Forschungsfortschritt entsprechend, permanent. Wie verbindlich sind also Allgemeinbegriffe? Die Natur kümmert sich um sie jedenfalls nicht, indem die Evolution permanent in Fluß ist und beständig Neues (aber keine neuen Arten!) aus bereits Vorhandenem entsteht. Dieses Neue freilich klassifizieren wir wieder zu neuen „Arten“.
"Schöpfungsakt", lt. Bibel wird aus dem "Nichts" alles geschaffen. „Aus" setzt allerdings Raum voraus, aus dem man etwas nehmen, oder in dem man etwas bewegen kann. Da dem Nichts aber Sein (u. a. also auch Raum) nicht zukommt, kann man „aus“ ihm nichts nehmen. Das wissen die Theologen aber nicht – oder wollen zumindest nicht zugeben, daß sie es wissen,... Kommt man auf dieses Faktum zu sprechen, folgt natürlich Schweigen!,...
Dem Nichts kommt Sein gar nicht zu - also kann es nicht sein oder gar andauern, da, wie jeder Kardinal von Augustinus her weiß (siehe auch Kant), alles der Zeitmessung Unterworfene andauern muß, und ohne Veränderung des Dauernden Zeitempfinden gar nicht möglich wäre.
Um diese Fundamentaleinsicht zu verschleiern wird Gott von der Kirche zu einem Büttel der Kausalität und der Logik interpretiert.
Die „creatio ex nihilo", wie sie uns gelehrt wird, ist allerdings eine viel spätere Idee. Aber man hat sich zweifellos schon früh die Frage gestellt, warum etwas ist und nicht vielmehr nichts. Damit dies „funktioniert“, muß – wenn Denkgesetze gelten sollen –, vom Nichts abgesehen (abstrahiert) werden: Das Nichts muß negiert (!) werden, was in die berühmte „Negation der Negation“ Hegels mündet, nur diesmal anders angewandt! Negieren bedeutet nämlich immer (!) abstrahieren:
allerdings von Bestehendem, indem ich etwas nicht so haben will, wie es ist. Mit der Negation des Nichts („Gottes“ Schöpfungsakt) wird aber vom Nichts abstrahiert: Das ist freilich ein unmöglicher Akt, denn kann Nichts nicht sein, sondern bestenfalls nichten (laut Heidegger) und: Wovon sollte man beim Nichts abstrahieren? Das geht freilich nicht zusammen. Das Nichts ist ja gar nicht und kann – laut Heidegger und jedem philosophisch folgerichtig denkenden Menschen – gar nicht sein oder „bestehen“, weil, dem Nichts Sein nicht zukommt. Wovon sollte also abstrahiert werden? Abgesehen werden kann nur von etwas – aber nicht von nichts!
Daher haben die nun folgenden zwei Sätze ewige Gültigkeit, völlig unabhängig von Kultur und Zivilisation(en), sind also so etwas wie „absolute Wahrheit" der Philosophie, vergleichbar manchen mathematischen Sätzen, wie etwa jenem des Pythagoras.
1) Sein ist nur als Seiendes. („Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage", Tragödie Hamlet, William Shakespeare, Prinz von Dänemark, 3. Aufzug, 1. Szene)
2) Das Nichts ist unmöglich.
Zum Verständnis von 2) muß man freilich wissen, daß Seiendes nur Folge von Möglichem ("Quanten", Potenzialität) sein kann: Weil nur Mögliches realisiert [besser:(ver-)wirklich(t)] werden kann, und Unmögliches eben nicht. Nur ist diese logische Folge der klassischen Junktion auf Basis des 2. logischen Axioms (dem Satz des Widerspruchs, nämlich „A ist nicht gleich B“ oder, in Form einer Junktion: „Wenn A, dann nicht B“) den meisten Denkenden nicht unmittelbar einsichtig.
Selbstverständlich folgen wir – einstweilen noch – der zweiwertigen, aristotelischen Logik. Mehrwertige Logiken (die dreiwertige z. B., die auch den Wahrheitswert „vielleicht“ kennt), bauen aber auf der zweiwertigen auf und hebeln diese nicht aus – sie erweitern bzw. ergänzen sie vielmehr! Nur das dritte logische Axiom, das „Tertium non datur“ (eine dritte Möglichkeit außer „wahr" und „falsch" gibt es nicht) wird aufgehoben – und das durchaus in der hegelschen dreifachen Bedeutung von aufheben“. Das 4. logische Axiom, das vom zureichenden Grund, ist ohnedies den ersten dreien aufgepfropft, aus diesen nicht ableitbar und gilt nur unter Vorbehalt!
Wir schaffen (oder „schöpfen") also – zwar keine Dinge (daß wir das sehr wohl tun, dazu mehr später in dieser Arbeit!), aber die sie bestimmenden Allgemeinbegriffe und bringen damit Ordnung in unsere Welt. Ohne unsere Allgemeinbegriffe (Klassen, Spezies, Arten) fänden wir uns in der Welt gar nicht zurecht: Unsere Umwelt, der Mesokosmos, wäre chaotisch; wir könnten gar nicht überleben, weil uns die Erfahrung (die nur möglich ist aufgrund unserer selbstgeschaffenen Ordnungen) fehlte, und wir uns auf nichts verlassen könnten: Jedes Erlebnis wäre uns neu und damit lebensgefährlich, weil wir nicht wüßten – aufgrund unserer erlernten Ordnung bzw. Klassifizierung z. B. in „angenehm", „unangenehm", „nützlich", „tödlich" –, wie wir uns jetzt verhalten sollten. Wir wären „von allen guten Geistern“ (als Synonym für Ordnungen) verlassen. Es gibt sogar einen Namen für ein solches Verhalten. Es ist eine Krankheit: Agnosie – Nicht-Erkennen.
Für Abstraktion ist daher Bewußtsein nötig, denn: „In der Natur (außer in mit Bewußtsein ausgestattetem einzelnen, das wir üblicherweise ‚tierisches und menschliches Leben’ nennen) gibt es ja keine Abstraktion. Die Natur (= alles Da-Seiende, also als Vereinzeltes Existierende) ist ja stets konkret da und niemals als abstrakter Begriff oder als eine Verallgemeinerung (Klasse, Ordnung). Diese (Begriffe, Klassen, Ordnungen) haben ja erst wir – und zwar nur aufgrund unseres Bewußtseins – geschaffen!“
Weiter als einige Tage vorauszuplanen (und dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, daß auch eintritt was wir vorhaben!) vermögen wir faktisch nicht. Ebensowenig sind wir in der Lage weitere Räume als unsere nächste Umgebung, also Wohnung, Haus, Gut, unsere kleine Firma etwa, befriedigend zu überschauen und ihre Probleme sinnvoll zu bewältigen. Alles weiter darüber Hinausgehende sinkt in seiner Prognostizierbarkeit weit unter die 50 % Wahrscheinlichkeitsmarke, ist also eher blindes Hoffen als zielstrebiges Handeln. Die Nicht-Prognostizierbarkeit von Politik und Wirtschaft, auch die Kurzlebigkeit wissenschaftlicher Theorien, beweisen diesen Ansatz.
Wir müssen untersuchen, ob die Bedingungen der Vernunft diese überhaupt in die Lage versetzen, allgemeingültige und über unser unmittelbares Erfahren hinausgehende Aussagen treffen zu können. Dabei wollen wir unter allgemeingültigen Aussagen solche verstehen, die über den nahen räumlichen und zeitlichen Bereich, den wir mit unserer Vernunft letztlich nur mehr oder weniger befriedigend bewältigen können, hinausweisen. Denn sinnvoll ("vernünftig") umgehen mit unserer Vernunft können wir ja ohnedies nur innerhalb eines für uns praktisch beeinflußbaren Rahmens.
Diese Einschränkungen nimmt der abendländische Geist allerdings nicht gerne hin:
Sind wir doch als Kinder der Aufklärung (und der aristotelischen Logik) gewohnt, A l l - e s mit unserer Vernunft zu untersuchen und zu bewerten. Die Anwendung der Mathematik (Immanuel Kant) als Paradebeispiel "reinster Vernunft" bei fast allen Problemen (Einstein: "Gott würfelt nicht") weist darauf hin.
Dagegen verwenden Glauben und Mythos ausschließlich anthropomorphe Bilder!, in denen die menschliche Gestalt in Form von Göttern, Dämonen (Engeln)wiederkehrt. Von Unerfahrbarem ist keine Abstraktion möglich. Wir können Unerfahrbares (z. B. Gott) nur mit Eigenschaften von bereits erfahren Habenden füllen. Es ist dies die „via affirmationis", also der „bestätigende“ oder „erhärtende Weg“ des einen Säulenheiligen der katholischen Kirche, des Thomas von Aquin (1225–1274). Man nennt das – profan – auch „Phantasie“.
Erfahrung setzt sich zusammen aus Sinnesreizen und dem „intellectus ipse“ Leibnizens. (Gottfried Wilhelm Leibniz) Wir nennen das dann auch „Wahrnehmung“.
„Gläubige“ mögen bitte nicht einwenden, man könne und dürfe bei (ihrem) Gott nicht den menschlichen Verstand oder die Vernunft anwenden. Gut, „Gott“ bedarf keines Verstandes, das wurde hier im Haupttext deduziert. Braucht Er Vernunft? Laut Hegel ist er sogar die absolute – aber Hegel ist auch nicht das Maß aller Dinge, bedürfte er ihrer, wäre er ihr unterworfen und somit nicht mehr Gott. „Gott" sei die Liebe? Seit wann hätte Liebe mit Vernunft zu tun? Liebe als Verein(ig)ung ist gerade das Gegenteil von Vernunft! Vernunft trachtet immer, die Dualität, also Gegensätze oder gar Widersprüche zu überwinden. Was wäre sonst der Sinn von Koans im Zen-Buddhismus? Oder Sinn der Mystik (siehe Meister Eckehart)? Oder von Meditation?
Ich - Überwindung bedeutet immer Vernunftüberwindung!
Wenn man bei den Katholiken an die Kreuz-Amulette und Wallfahrtsorte denkt, tritt die Magie offen zutage („Verhandeln mit Gott") und ist vom griechischen Götterhimmel gar nicht weit entfernt. Der Monotheismus unterscheidet sich vom Polytheismus eben nur quantitativ, nicht aber qualitativ!
Dazu muß angemerkt werden, daß die Unterscheidung zwischen Vernunft und Verstand fließend ist, und beide Begriffe von den Philosophen unterschiedlich definiert wurden und werden. Nach unserem heutigen Verständnis hätten Locke und Leibniz besser „Vernunft" schreiben sollen, aber die Bedeutung von Begriffen ändert sich eben mit der Zeit (siehe „Proletarier" und „Prolet").
Parallelen (oder Analogien oder gar Gleichheit?) tun sich da auf zwischen dem All-Möglichen des Chaos und unseren Möglichkeiten: In beiden Fällen („im" Chaos und in unserem Suchen und Aufstellen von Ordnungen innerhalb unserer Umwelt – Mesokosmos) wird aus einer endlichen (!) Anzahl von Möglichkeiten realisiert bzw. verwirklicht. Es ist eben nicht alles möglich, sonst wäre der Begriff des Unmöglichen obsolet! Was möglich bzw. unmöglich ist, ist – mit Ausnahme der oben angeführten allgemeingültigen Gesetze – immer nur praktisch überprüfbar …
Warum das „im“ unter Gänsefüßchen gesetzt ist? Weil das Chaos raum- und veränderungslos ist und es daher auch kein „im“ als Ortsangabe gibt. Orte sind immer raumbezogen! Daher hat „Gott“ auch keinen Ort – und der „Himmel“ für Seinen „Wohnort“ ist natürlich Schwachsinn pur. Womöglich noch „oben“, „über den Wolken“ (sic „Himmelfahrt Jesu“ auch „Christi Himmelfahrt genannt“) - der überwältigenden Mehrheit ist ohnehin nur noch der „Feiertag“ bekannt, wie auch immer der heißen möge ... oder die Ortsangabe „unten“ für die „Hölle“ („Sturz Luzifers“ – man kann immer nur nach unten stürzen, niemals nach oben).
Als ob das Chaos (das All-Mögliche) ein Oben oder Unten „kennte" …
(klingt bizarr, ist aber die Konjunktivform von "kennen",... = Möglichkeitsform)
Natürlich konstruieren auch die Naturwissenschaften ihre Ursachen – aber überprüfbare! Ihre Erklärungsversuche (= Konstruktionen!) sind somit dem Hadern, Glauben und Hoffen entzogen – obwohl jeder Experimentator auch hadert, glaubt und hofft:
an das Gelingen seines Experimentes nämlich. Das aber ist etwas ganz anderes als das Hoffen auf die „Gnade“ eines Übervaters! (Sigmund Freud) Werden überprüfbare (!) Hypothesen aufgestellt (eine Konstruktion!) und bewähren sie sich im Experiment, gelten sie als Theorie. Albert Einstein (1879–1955) hat das Photon als kleinstes Lichtteilchen übrigens nicht etwa ge- sondern erfunden! Es ist seine ureigenste Konstruktion.
Elektromagnetische Wellen sind ebenfalls eine Konstruktion – der deutsche Physiker Heinrich Rudolf Hertz (1857–1894) war der erste, der damit experimentiert hat; als theoretische Konstruktion stammen sie vom schottischen Physiker James Clerk Maxwell (1831–1879). Niemand hat je ein Photon noch (z. B.) eine Radiowelle gesehen, und was wir messen – die im Oszillographen sichtbaren Frequenzen und Amplituden nämlich –, ergeben nur auf dem Bildschirm ein wellenähnliches Gebilde.
Was das, was diese für uns sichtbare Kurve verursacht, „wirklich“ ist“ oder gar wie es „aussieht“, weiß niemand. Radiohören kann man jedenfalls mit Radiowellen, und die Duplizitätstheorie des Elektromagnetismus (je nach erhofftem Nutzen einmal als Teilchen, einmal als Welle beschrieben) ist eine sehr erfolgreiche und experimentell abgesicherte – und sie funktioniert. W a s Licht aber eigentlich (dieses Wort paßt jedenfalls besser als „wirklich“) ist, weiß kein Mensch. Radiowellen als ein ganz bestimmtes Spektrum der elektromagnetischen Wellen „sehen" überhaupt nicht „aus".
Vielmehr sehen wir mit Hilfe der elektromagnetischen Wellen – oder eben mit Hilfe der Photonen. Daher „schaut" auch ein Photon nicht „aus". Wie auch!
Auch die von den Naturwissenschaftlern behauptete Realität (die in dieser Abhandlung verworfene „objektive" eine Welt) ist bloß eine aus derzeit vorherrschenden Hypothesen und Theorien rekonstruierte! Man nennt diese vorherrschenden Theorien auch „Paradigmata“: nach dem amerikanischen Wissenschaftstheoretiker und -historiker Thomas Kuhn (1922–1996).
Das Bild des Urknalls entstand nicht zufällig in unserer Zeit der vielen Explosionen ... Hat man in der Aufklärung den Menschen noch als Maschine verstehen wollen, das Gehirn mit dem Aufkommen von Computern mit diesen verglichen, ist man heute bereits wieder davon abgekommen. Zur Zeit wird in der Kosmologie der Urknall bereits wieder abgeschafft – die neue Generation von Physikern glaubt nicht mehr an diesen Schwachsinn, denn:
Auch bei Wissenschaftlern geht es nur ums Glauben (oder eben Nichtglauben)! Peinlich nur, daß von den meisten Naturwissenschaftlern und den mit ihnen kooperierenden Medien diese verkündeten Theorien als tatsächliche Realität ausgegeben werden, und das völlig unberührt von der Tatsache, daß sich die Paradigmata laut Thomas S. Kuhn rund alle 50 Jahre ändern – und somit die angeblich „objektive“ Realität mit ihnen. (z. B. die eher populär gehaltenen Magazine „Bild der Wissenschaft“ und „Spektrum der Wissenschaft“. Freilich erliegt auch das renommierte „Nature“ diesem Denkfehler … könnte es sich dabei um ein rein finanzielles Motiv handeln?!)
Aber auch in allen Versuchen, den naturwissenschaftlichen Grenzbereich des ebenfalls Nicht - Erfahrbaren vorstellbar zu machen, treten Bilder auf - diesmal allerdings in moderner Verkleidung aus der Welt der Mathematik und Geometrie: Krümmungen, punktförmige Ladungen (durchaus im Sinne von "etwas tragen"), also substanzielle, aber auch akzidentielle (zufällige) Attribute.
Wellen ohne Substrat, Elementarteilchen ohne Ruhmasse!!! etc. dazu kommen Bilder von Impulsen als Stöße (Austausch von Kraftteilchen), dem Spin (als "Drehimpuls"), von asymptotischen (nicht zusammenfallenden) Annäherungen, Singularitäten - näher erläutert: also ein Punkt, in dem der analytische Ausdruck für eine physikalische Größe unendlich wird und/oder die bekannten physikalischen Gesetze ihre Gültigkeit verlieren. Anschaulich: in der Kosmologie (Astrophysik, Astronomie) sind Singularitäten die "entarteten Punkte" im Raum - (Zeit) Veränderungs - Kontinuum.
Unstetigkeiten (Quatensprünge) und die Quanten selbst, sowohl als diskrete als auch als virtuelle! (also genau abgepackte "kleinste" Energiemengen - ein Quant ist die kleinste Menge einer physikalischen Entität. [Interferenz (- muster)]
E = mc². Diese mathematisierte Form der "Energie-Gleichung" drückt üblicherweise dualistisches Denken aus:
Es werden beide Seiten der Gleichung gleich gesetzt. In monistischer Interpretation handelt es sich um den Ausdruck untrennbarer Einheit. Das widerspricht im Prinzip nicht der naturwissenschaftlichen Sicht: E und m sind auch in der Relativitätstheorie nicht wirklich trennbar, sondern zwei Ausprägungen desselben Einen.
Physikalisch bedeutet dies:
Qualitatives (im allgemeinsten: Energie) äußerst sich nur als Existierendes (Dingliches, Dauerndes) bzw. an ihm (Veränderung!). Es entspricht diese Einheit dem aristotelischen "geformten Stoff", wobei es weder "stoffreie Form" geben, noch "formloser Stoff" existieren kann, wie es der Dualismus !!! vorsieht. Eine dualistische Trennung "beider" ist nicht möglich, also auch nicht wirklich. Leider passiert dies in der Theorie der Bindungsteilchen im Rahmen der Elementarteilchenphysik.
Was ist das kleinste, unteilbare Teilchen? Ein Teilchen muß - schon aufgrund des Begriffes "Teil" - teilbar sein. Erst ein Un- Teilchen wäre unteilbar. Sind es tatsächlich die Quarks? Nach einer der neuesten Theorien (Superstrings) nicht. Auch der Umstand, daß sich die 6 bzw. 12 Quarks in ihren Massen um den Faktor 10000 unterscheiden, spricht dagegen. Als hypothetische Unterstruktur gelten die " Rishonen". Wie sinnvoll ist es, weiter zu teilen?
Bis zu jenem Punkt, an dem die Energie, die zur Teilung aufgewendet werden muß, so groß wird, daß sie das Teilchen ungeteilt vernichtet und als neues, identisches Teilchen wieder entstehen läßt (materialisiert).
Wie verhält es sich mit Photonen und Elektronen? Photonen haben keine Ruhmasse, repräsentieren also - weil nicht träge, weder beschleunigbar noch abbremsbar, ergo nicht veränderbar - keine vereinzelten, konkretisierten Existierende. Elektronen haben nach der Heisenbergschen Unschärferelation keinen gleichzeitig bestimmbaren Ort und Impuls. Sind sie noch vereinzelte, konkrete Existierende? Nein. Man spricht auch heute eher von "verschmierter Elektronenwolke" mit Wahrscheinlichkeitszuständen.
Photonen gibt es allerdings erst seit Albert Einstein (1879-1955), der sie schlichtweg er-funden und nicht etwa ge-funden hat. In seinem Aufsatz über die Erweiterung des Quantensatzes von Max Planck wofür er später (1921) den Nobelpreis erhalten sollte.
Einstein hat für sein Teilchencharakteristikum den "Impuls" genommen weil der lichtelektr. Effekt (Photoeffekt) mit der damals gängigen Wellenvorstellung nicht zu erklären war. Mit dem Teilchen - bild ließ es sich, wie Einstein zeigte - besser beschreiben, wie bei sehr schwachen Lichtquellen, die auf einem Film nur einzelne Punkte belichten, sich diese "Punkte" allmählich zu einem Interferenzmuster verdichten.
Aber! Dass sich Licht als Teilchenstrom (Photonen) und manchmal als Welle (Kugelwelle) mir der Lichtgeschwindkeit c verhält kann so nicht stimmen. In zweierlei Hinsicht bemerkenswert ist, dass in der klassischen (= mechanisch argumentierenden Physik bzw. bei Experimenten im Mesokomos (= unserer Realität) stört bzw. beeinflußt eine Messung das System nicht wesentlich bzw. stellt die Messung den Zustand dieses Systems nicht erst her.
Der Widerspruch aber zu Anton Zeilingers Arbeit (Wien) entsteht dadurch, daß die Info-Übertragung ("Beamen") nichts mit der Verschränkung zu tun hatte. Wenn Verschränkung instantan ist, die Übertragung aber "nur" lichtschnell (= 300x10³km/sec), kann die richtige Antwort auf die Frage: Warum ist das so ? nur sein, weil in der Versuchsanordnung das "Beamen" mit der Verschränkung gar nichts zu tun hat. Univ. Prof. Dr. Anton Zeilinger, der am 23. Januar 2006 im Wiener Rathaus (Wiener Vorlesungen) offenherzig verkündete:
"Teleportation wird es nie geben!" - folgt diesem Anspruch.
Das Kunstwort "Superposition" beweist es. Es drückt aus, was realiter gar nicht sein kann. "Beide" Teilchen des verschränkten "Photonenpaares" haben die Möglichkeit, sowohl vertikal als auch horizontal oder auch zirkulär polarisiert zu werden! Aber nicht zu sein; aus einer möglichen "Superposition" (Potentialität) in eine reale Polarisation, die eindeutig eine Erscheinung (und damit Veränderung) in unserem Raum - Veränderungs - Kontinuum ist. Die Realisierung findet in unserem Mesokosmos statt.
Zufälle unterliegen den beschränkten Möglichkeiten (durchaus im Sinne von Potentialität) ihres Auftretens und sind niemals "blind":
Zufälle gibt´s nämlich nur in der Bandbreite der jeweiligen Streuung des Möglichen einer Klasse oder Art, und beruhen auf mangelnder Erkenntnisfähigkeit des Menschen.
Vergleichen wir einmal:
einerseits Kosmos als das (von uns!) geordnete Daseiende, andererseits Chaos, das, weil noch nicht realisiertes, ergo nicht erfahrbares und daher von uns auch nicht ordenbares All-Mögliche! Nur Möglichkeiten innerhalb des bereits Realisierten, zwischen denen wir aufgrund unserer Erfahrung und den daraus resultierenden Ordnungen wählen können, sind (eventuell) verwirklichbar: wenn die dazu nötigen Kriterien stimmen. Welche Kriterien das sind, versuchen wir aufgrund unserer Erfahrung („Geschichte“, allgemeine und persönliche) zu entdecken: meistens durch Versuch und Irrtum (Experimente), manchmal aber auch durch bloßes Denken (z. B. Kantens synthetische Urteile a priori) zu erschließen. Fast immer ist dazu aber Intuition (Kreativität, schöpferisches Agieren, Genie etc.) nötig. Wir nennen das Entdecken dieser Kriterien oder Auffinden von allgemeingültigen Gesetzen (z. B. mathematischer Axiome - z. B. das Parallelenaxiom in der euklidischen Geometrie - oder philosophischer Grundeinsichten) dann „Erkenntnis" oder (technischen) „Fortschritt" …
Parallelen (oder Analogien oder gar Gleichheit?) tun sich da auf zwischen dem All-Möglichen des Chaos und unseren Möglichkeiten: In beiden Fällen („im“ Chaos und in unserem Suchen und Aufstellen von Ordnungen innerhalb unserer Umwelt – Mesokosmos) wird aus einer endlichen (!) Anzahl von Möglichkeiten realisiert bzw. verwirklicht. Es ist eben nicht alles möglich, sonst wäre der Begriff des Unmöglichen obsolet!
Was möglich bzw. unmöglich ist, ist – mit Ausnahme der oben angeführten allgemeingültigen Gesetze – immer nur praktisch überprüfbar …
In der Philosophie spricht man daher vom Primat des Praktischen. Die direkte Überprüfbarkeit beschränkt sich allerdings auf den Mesokosmos, wird aber von den Naturwissenschaften (ohne naturwissenschaftlich haltbare Begründung übrigens!) auch auf den Mikro- (Quantenwelt) und Makrokosmos (unser Universum) ausgedehnt. Spekulative Kosmologen wenden unsere aufgestellten Ordnungen (= Naturgesetze) sogar auf andere Universen (Multiversa) an …
In der Kosmologie beschränkt man sich heute nicht mehr nur auf unseren Kosmos, sondern postuliert Multiversa. Unser Universum ist demnach nur eines unter vielen möglichen (hier schimmert das All-Mögliche durch!) mit seinen nur ihm eigenen Elementargrößen, die es aus der Vielzahl der Möglichkeiten anderer Kombinationen von Elementargrößen eben so und nicht anders realisiert haben lassen.
Die Voraussetzungsproblematik ist somit gerichtet:
vom Möglichen zum Wirklichen, auch „Akt“ oder „Agens" genannt. Umgekehrt geht es nicht. Die Physiker nennen diesen Umstand übrigens „Zeitpfeil" – ein Unbegriff, weil Zeit nichts Objektives ist. Auch die Naturgesetze sind nicht naturgegeben, sondern von uns aufgestellt. Wir versuchen damit, mathematische Ordnung in unsere Erfahrung zu bringen.
Weil die Elementargrößen (Naturkonstanten) unseres Universums aber nicht einmalig oder zufällig sein können (etwas das einmalig ist, muß unveränderlich sein; die Veränderung ist aber tägliche Erfahrung!), muß es auch andere Universen (Multiversa) geben.
Wir re-konstruieren uns immer „die" sogenannte Realität, die wir dann als „objektiv" gültig behaupten („Gott", Quanten, physikalische Felder), und mit der wir uns die Phänomene (Folgeschäden der Radioaktivität, Funktionieren von GPS, Handystrahlung, Licht, aber auch Wärme, Magnetismus, Elektrizität etc.) erklären.
Auch die Wissenschaft erklärt das direkt nicht Erfahrbare mit aus unserer Erfahrung stammenden Vorstellungen (und zwar bevorzugt mit Wellen oder Teilchen … tertium (angeblich) non datur!) bzw. Hypothesen und den daraus abgeleiteten (wenn die Hypothesen einmal durch Experimente erhärtet worden sind) Theorien.
Muß das prinzipiell Unerfahrbare („Gott" z. B., aber auch die Quanten des Mikrokosmos) mit unserer Phantasie gefüllt werden? Nein! - Aber es wird!
Quanten sind nichts Reales, sondern nur Bilder möglicher (elementarer) - Zustände! und selbst diese Zustände werden von den Meßoperatoren erst in deren Meßapparaturen realisiert.
Wir haben keinerlei experimentellen Zugriff auf „Information“, die nicht den Bedingungen des Raum-Veränderungs-Kontinuums unterliegt.
Damit sind die Grenzen des naturwissenschaftlichen Denkens erreicht ...
Überlichtgeschwindigkeit als Signalübertragung kann es gar nicht geben: im Raum-Veränderungs-Kontinuum nicht, weil Einstein sie verboten hat (natürlich nicht deshalb, sondern weil c von ihm absolut gesetzt wurde!), und in der Quantenwelt nicht, weil es dort überhaupt keine Geschwindigkeit gibt, da Geschwindigkeit folgende Voraussetzungen hat:
- Dingliches, also Ausgedehntes,
- Ortsveränderung, also Bewegung
- und Beobachtung, also Bewußtsein.
Auch der Faktor Entfernung (Abstand) zwischen Experiment(ator) mit A und C und jenem mit B (wohin C nicht verbracht worden ist! Man kann nicht oft genug darauf hinweisen!) kommt als räumliche Distanz erst zwischen den beiden Meßgeräten zum Ausdruck. Da Quanten keine Ausdehnung haben, ununterschieden sind, somit auch nicht als vereinzelte vorgestellt werden dürften (aber werden: siehe das „Teleportations"-Experiment!) und sich nur Unterschiedliches (also realisiertes einzelnes) voneinander unterscheidet, haben sie weder ein Auseinander, noch Raum und somit auch keinen Ort, von dem weg sie verbracht werden könnten.
[ Auch die Lichtgeschwindigkeit c (nach der sich Photonen mit ca. 300 000 km/sec „bewegen“) erscheint nur uns im Raum-Veränderungs-Kontinuum als zeitlich andauernde Veränderung ihres Ortes. Photonen „selbst“ bewegen sich gar nicht: Laut Einstein repräsentiert das Licht das Absolute, Fundamentale – was wäre das für ein Absolutes und Fundamentales, das sich veränderte?
Vielmehr verändern („bewegen“) wir uns (relativ) zum Licht – aber das nur so nebenbei ... ]
Fazit
Die von Wissenschaftlern erfundenen verschränkten Quanten, welche jene den aufgespalteten Lichtstrahlen zuschreiben, sind weder dem Raum (als Nicht-Ausgedehnte), noch der Zeit (als sich Nicht-Verändernde) unterworfen.
In ihrer „Welt" gibt es weder Raum noch Zeit – und auch keine Veränderung. Was sich verändert, ist unser Meßgerät:
Es transformiert Photonen (was immer diese auch sein mögen – es ist in diesem Zusammenhang auch egal!) aus einer möglichen „Superposition" in eine reale Polarisation (vertikal, horizontal oder auch zirkulär), die eindeutig eine Erscheinung (und damit Veränderung) in unserem Raum-Veränderungs-Kontinuums ist:
Die Realisierung findet in unserem Mesokosmos statt. „Die Quanten“ haben sich nicht verändert (wie denn auch!) – ihre zufällige Möglichkeit (= Superposition) ist aber durch unsere Messung zur eindeutigen Realität geworden:
allerdings nicht als (unentschiedene) Superposition (was ja dem im Mesokosmos gültigen 3. logischen Axiom widerspräche), noch als (entschiedene) Position, sondern als eindeutige Polarisation am (!) Meßgerät.
Das Kontinuum des Mikrokosmos ist ort-, veränderungs- und (weil ohne Selbstbewußtsein) auch zeitlos – also ewig. Sollte David Bohm mit seiner S-Matrix-Theorie das gemeint haben? Dann wäre er seiner Zeit voraus gewesen.
Durch die sinnvolle Konstruktion von Apparaten ist es möglich, in unserem Raum-Veränderungs-Kontinuum instantan die Realisierung einer ursprünglichen Quantensuperposition (einer verschränkten, also unentschiedenen bzw. zufälligen Möglichkeit) in Form einer eindeutigen Messung an einem Ort hervorzurufen, der vom Ort der Herstellung dieser Superposition – theoretisch – beliebig weit entfernt sein kann.
Diese scheinbare „spukhafte Fernwirkung“ (OT = "Off Topic" Albert Einstein) ist gar keine,
da es in der Welt der Superpositionen (= Welt des Möglichen, der aristotelische Potentialität) weder Ort, noch Veränderung, noch Zeit gibt.
Erst die Realisierung (= Materialisierung) möglicher Quantenzustände unterliegen räumlichen und dinglichen Parametern (Variablen) bzw. schaffen diese erst!
Völlig inadäquat ist es daher, bekannte Variablen unseres – realisierten – Meso- und Makrokosmos auf den Mikrokosmos „übertragen“ zu wollen, da der Mikrokosmos die Welt des Noch-nicht-Realisierten und rein Möglichen ist. Wenn es ein Kontinuum gibt, dann ist es der Mikrokosmos. Da wir aber diskontinuierlich denken, können wir uns das Kontinuum nicht vorstellen.
Bohr hatte mit seinem Ausspruch völlig recht: „Wer von der Quantenphysik nicht schockiert ist, der hat sie nicht verstanden.“
Quintessenz
Beamen – das Teleportieren von Materie – ist unmöglich: weil unser Mesokosmos diskontinuierlich ist.
- Quanten sind reine Möglichkeit (= Potentialität), die von uns aber als dinglich vorgestellt werden. Daher hat der Wiener Physiker Erwin Schrödinger (Schöpfer der Wellenmechanik 1926), auch seine Wellengleichungen aufgestellt, nach denen Quanten keine Partikel sondern Funktionen von Wahrscheinlichkeitswellen seien. Außerdem haben Quanten ihre "Zustände" nicht per se, sondern diese zeigen sich erst in den jeweiligen Meßgeräten, wenn sie durch sie realisiert werden! Das Denken in "entweder Teilchen oder Welle" wurde auf alle elementaren Kräfte (heute: Wechselwirkungen, wie bereits oben erläutert) übertragen.
Das Photon, ist zwar ein theoretisch vereinzelbares "etwas" , hat aber keine Ruhmasse. (es gibt außer dem Photon nichts Vereinzelbares, das nicht Ruhmasse hätte, da Masse Trägheit innewohnt und Trägheit der Inbegriff von "Materie" ist.
Was das Photon daher "wirklich" ist, ist widersrüchlich und Widersprüche sind in der Naturwissenschaft verboten! Aber es ist denknotwendig (im System der Relativitätstheorie logisch schlüssig!!!), daß ein Photon keine Ruhmasse haben darf, es könnte sonst nicht mit der Lichtgeschwindigkeit c "reisen" - 299.792,458 km/s (1,08 Mrd. km/h), da seine Masse sonst ins Unendliche ginge und aus Trägheitsgründen nicht die Geschwindigkeit c erreichen könnte.
Das (nicht erlebbare!!!) Objektive ist also die Welt der Physik heute. Und selbst diese Welt füllen wir mit Produkten unserer Vorstellung und Phantasie: da werden punktförmige Ladungen als "Teilchen" oder "Welle" (Analogie des Partikels und der Schwingung) erklärt.
Die schwache und die starke Kernkraft "besteht" aus Vektor-Bosonen und Gluonen (vom Englischen to glew = zusammenkleben), die ebenfalls als Feldquanten gelten. Alle diese Feldquanten werden selbst als Elementarteilchen (Bindungs-Teilchen) verstanden, die mit anderen Elementarteilchen (Materie-Teilchen) wechselwirken und ausgetauscht werden können (Wechsel - wirkungsquanten). Siehe Quantenfeldtheorie.
Die vier Kräfte werden unter dem weitläufigen Begriff der Energie (in diesem Fall: Feldenergie) zusammengefaßt. Die Definitionen "Energie ist gleich Arbeit in der Zeiteinheit" oder "E = mc²", sind nur zwei willkürlich herausgegriffene Formalismen von vielen. Was Energie "wirklich" ist, weiß niemand, wobei der Begriff "wirklich" schon ausdrückt, was etwas (z. B. Licht als ein Spezialfall der elektromagnetischen Feldenergie) für uns nur sein kann: das nämlich, als was es auf uns wirkt.
Wird naturwissenschaftlich Unanschauliches mit Anschaulichkeit beladen, entstehen inadäquate Bilder; diese bilden nur eine Abstraktionsebene ab - die mathematische nämlich. Aber die selbst ist auch nur ein Modell, und zwar ein rein formales, das auf zweiwertiger Logik basiert. Und die ist bestenfalls eine von vielen Logiken und schon aus diesem Grund mit Sicherheit nicht der Zugang, um ein adäquates Wissen von der Welt zu vermitteln. Dies zu ermöglichen ist allein der rationalistischen Metaphysik vorbehalten,... (Kant möge verzeihen)
Wahrheitsverschiebungen passieren auch in der Wissenschaft (!) - und zwar beständig. Die wohl tiefgreifendste war jene vom Vorstellbaren zum Unvorstellbaren. Galt das physikalische Weltbild noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als durchaus vorstellbar (es war ja auch auf Vorstellbarkeit konzipiert: nämlich auf die Mechanik, dem Inbegriff des Vorstellbaren!; was ist simpler als ein Hebel)?!
Im Gegensatz dazu immer weniger vorstellbar wurde die Quantentheorie (vor der sogar Einstein kapitulierte) Auch scheint das Leben per se akausal (= unbegründbar) abzulaufen, ebenso die Evolution; so daß für den ursprünglichen von uns so breit angesehenen Bereich der kausalen Wirklichkeit - oder Wirksamkeit (= Welt unserer Praxis) nur ein schmaler Grat an Beobachtbarem übrig zu bleiben scheint, den sich die Naturwissenschaft als ihr Gebiet reserviert hat:
Optik, Mechanik, Akustik, und Elektromagnetismus.
Nicht mehr exakt kausal hinterfragbar ist die Elektronik und schon gar nicht mehr die Kybernetik (Computerwissenschaften): Da geht viel mehr nicht als tatsächlich geht, trial and error triumphieren.
Das Leben als Allgemeines wird und vergeht nicht: Hingegen werden und vergehen die einzelnen Lebewesen - wie auch einzelne Sonnen. Die Erde gehört zur (unvergänglichen) " Klasse " der Planeten und ist einer jener Abermilliarden Wandelsterne, die im Universum um ihre Muttersonne kreisen. Beide - einzelne Sonnen und einzelne Planeten - Exoplaneten (extra-solarer Planet (erdähnliche), kommen und vergehen wie die Maikäfer - das aber notwendig!
Die zehn Gebote der Vernunft
Die Methode der Vernunft ist die Negation - sie ist "der Geist, der stets verneint" (Goethes Faust).
Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht; drum besser wär's, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.
Johann Wolfgang von Goethe
Vernunft räumt Widersprüche aus, negiert also eine von zwei Tatsachen und schafft damit beständig neue Widersprüche. In diesem permanenten Negieren von Zuständen ist sie jenes Vermögen des Menschen, das sich im Laufe seiner Evolution über Anpassung, Versuch und Irrtum, Selektion und Erfahrung als bewährtes Mittel für das tägliche Überleben innerhalb des praktischen Lebensraumes der einzelnen Kreatur und seiner Gruppe herausgebildet hat. Den daraus resultierenden technischen Erfolg im Zuge der Anpassung -auch der Natur an den Menschen - nennt man Fortschritt.
Die Vernunft geht dabei folgendermaßen vor:
1) Die Methode der Vernunft ist die Analyse, das Zerteilen des Ganzen (=EINEN) in beobachtbare und verstandesmäßig fassbare Ausschnitte. Das spätere Zusammensetzen zu einem Wieder-Ganzen (Synthese) macht dagegen logische Schwierigkeiten: Weil mathematisch (also totalabstraktiv) das Ganze nur die Summe seiner Teile sein kann. Aus unserer nicht-rationalen Erfahrung wissen wir aber, daß das Ganze (ein System) stets mehr ist, als die Summe seiner Teile! (Eine Gruppe benimmt sich anders, als sich die fünf Gruppenmitglieder einzeln benehmen würden!)
2) Eine Analyse sucht nach Antworten auf ein Warum, nach einer Erklärung für ein Phänomen. Dem vorausgesetzt ist ein Weltbild, das nach Erklärungen fragt und die Ereignisse (die Welt) nicht als bloß gegeben annimmt, die Einheit (das Sosein) der Welt also negiert.
3) Eine Analyse muß stets raum-zeitlichen Inhalt haben, also Ereignisse betreffen, die in die Raumzeit eingebettet oder einbettbar sind. Anderes ist nicht analysierbar, wie z. B. Liebe, Glaube, Hoffnung, Vertrauen, aber auch jede Meditation sind es nicht.
4) Analysen folgen kausalen Verknüpfungen. Von einem Ereignis wird im vernunftvollen Denken immer nach einer Ursache geforscht, bzw. wird von einem Ereignis aus der Erfahrung auf eine erwartete Wirkung induziert.2)
5) Handlungen innerhalb der Vernunft enthalten stets eine finale Komponente, sind also zweckgerichtet. Ohne Ziel (oder Absicht) ist eine Operation ohne Vernunft. Die Gegenposition dazu wäre (und steht damit auch außerhalb der Vernunft) die Aussage: Der Weg ist das Ziel. Diese Aussage verletzt das 2. logische Axiom, weil Weg und Ziel in der Logik kontradiktorische Begriffe sind (siehe nächster Punkt).
6) Ein vernunftvoller Gedanke muß logisch sein:
Er darf keinem der vier Axiome der zweiwertigen (!) Logik widersprechen. Und diese Axiome lauten:
a) Etwas muß mit sich identisch sein (A=A)
b) Etwas kann nicht gleichzeitig etwas anderes sein (A non est B)
c) Eine Aussage kann gleichzeitig nur wahr oder falsch sein, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht
(tertium non datur)
d) Eine Aussage muß einen zureichenden Grund haben
7) Vernunftvolles muß daher stets eine Aussage sein, d. h. ein Subjekt sagt über ein Objekt etwas aus (Prädikat). Ohne diese Subjekt-Objekt-Trennung ist ein Gedanke außerhalb der Vernunft (was z. B. für jede meditative Erfahrung, aber auch für Akte des Glaubens, Hoffens, Liebens und/oder Vertrauens gilt!)
8) Eine vernunftvolle Aussage muß mitteilbar, also intersubjektiv sein (meditative "Inhalte" sind dies nicht). Dazu bedarf es kommensurabler Systeme, wie Sprache, Gestik, Mimik etc. und kommunizierbarer Systeme, egal welchen Abstraktionsgrades (vom Rauchzeichen bis zu Bits und Bytes).
9) Vernunftvolle Aussagen müssen nach- oder überprüfbar sein. Dazu bedarf es Konventionen, was gilt und was nicht. Alle Experimente fallen unter diesen Voraussetzungspunkt. Hierher gehört auch Poppers Falsifikationstheorem, nach dem eine Hypothese (eine Theorie) nur dann als wissenschaftlich (und somit als vernunftdurchwoben) gilt, wenn sie auch falsifizierbar (also experimentell widerlegbar) ist.
10) Aussagen mit Vernunftanspruch müssen Voraussagen ermöglichen. Ohne Prognostizierbarkeit kein Wirken von Vernunft. In diesem Punkt liegt abermals jene die Vernunft an ihre Grenzen verweisende Problematik der Induktion (hier die Philosophie betreffend) vergraben wie der sprichwörtliche Hund.
Dieses Zehnpunkteprogamm zeigt, daß die Vernunft in dieser Bestimmung natürlich nicht welt-konstituierend, sondern nur mensch-konstituierend ist. Vor allem über die Kausalität, die Finalität, die Logik und die Raumzeit läßt sich das widerspruchsfrei einsehen.
Bei sogenannten Zufallsgeneratoren ist der Zufall hingegen anders definiert:
nämlich als Fehlen jeder Art von erkennbarer - Ordnung. Aber im Grunde genommen ist diese Definition falsch: Denn wenn partout keine Ordnung herrscht, ist das durchaus auch Ordnung, jene nämlich, die dafür sorgt, dass keine andere entsteht! Und es ist eine hochkomplexe Metaordnung die jene darunterliegende Ordnung unterdrücken kann! Erst diese "darunter liegende" Ordnung ist dann so definiert, dass sich z. B. auf einer Zahlenreihe - keine Zifferngruppen wiederholen. Doch auch hier ist das Kriterium die Beobachtbarkeit: Wenn ich über einen beliebig langen Zeitraum hinweg keine geordnete Ziffernfolge erkennen kann, mag man von "zufällig" sprechen können.
Extrapoliert auf eine hypothetisch unendliche Beobachtungszeit ist die Ordnung der Nichtwiederholbarkeit nicht aufrecht zu erhalten.
Zufälle sind also stets Bewußtseinsabhängig !
Das mag ein wichtiger Zugang zu den PSI - Phänomenen sein, die stets nur in Bezug auf Bewusstsein auftreten! Zufälle unterliegen den beschränkten Möglichkeiten (durchaus im Sinne von Potentialität) ihres Auftretens und sind niemals " blind": Zufälle gibt´s nämlich nur in der Bandbreite der jeweiligen Streuung des Möglichen einer Klasse oder Art.
Denn Zufall ist ja nur eine Metapher für:
"Ich kann keine kausale Verknüpfung erkennen" und hängt damit von zwei Prämissen ab:
vom Glauben an die unbedingte Gültigkeit der Kausalität und von der Erkenntnisfähigkeit des Urteilenden.
Zufall ist also nie etwas an sich seiendes, etwas das es außerhalb menschlichen Denkens bzw. Begreifens gäbe, sondern nur Ausdruck der Beschränktheit menschlicher Erkenntnisfähigkeit.
Die Naturwissenschaft hat sich in ihr eigenes Korsett gezwängt. Alles was Ihrem selbstauferlegten Kriterium nicht entspricht, gilt als nicht naturwissenschaftlich. Alles, was nicht auf die vier Grundkräfte des Standardmodells zurückgeführt werden kann, ist nicht wahr - besser, ist für die Naturwissenschaft nicht erklärbar und damit nicht existent.
Alles was nicht auf Nahwirkung zurück geführt werden kann, gilt für die Natur - wissenschaft nicht.
Paranormale (ASW- oder PSI-)Phänomene sind z. B. n i c h t beliebig wiederholbar; ihr abermaliges Eintreffen ist n i c h t prognostizierbar. So lassen sich Telepathie- und Hellseheffekte nicht beliebig abrufen und gezielt einsetzen!
Die Kausalität
Ursachen werden nicht erfahren, sondern konstruiert. Ursachen bestehen nicht losgelöst vom wertenden und auswählenden Bewußtsein, sondern werden von diesem geschaffen. In der naturwissenschaftlichen Sprache bedeutet dies, daß der Forscher eine Ursache vermutet und über sein gewähltes Modell (seine Theorie) experimentell untersucht, ob diese Ursache mit der Natur im Einklang steht.
(Es ist die Quintessenz der kopernikanischen Wende Kantens, der in seiner "Kritik der reinen Vernunft" die Forderung erhebt, die Natur mit Hilfe unserer Vernunft zu nötigen, auf unsere Fragen zu antworten.)
Ursachen sind also stets Entwürfe unseres Bewußtsein, mit denen wir je nach unserem finalen Anliegen in den Fluß des Notwendigen (in das natürliche Geschehen) Zäsuren ritzen, an denen wir eine Kausalkette beginnen bzw. enden lassen.
Alles, was zwischen Subjekten (zwischen Bewußtseinen, üblicherweise also zwischen Menschen) kommuniziert wird, steht in der Alternative von wahr (oder richtig) und falsch: "wahr" , wenn es sich um eine Überzeugung handelt, "richtig" , wenn es um Systemkonformität geht !!!
Alles was Menschen aussagen, sind letztlich Wertungen (auch "Kalküle" oder "Urteile" genannt). Alle Glaubensinhalte, Ideologien und Naturwissenschaften - ursprünglich subjektiven - Theorien werden erst dann gültig, wenn sie von einer, repräsentativen Gruppe als wahr anerkannt sind.
Werte sind daher niemals unabhängig (= objektiv) Wahres, sondern stets nur transportierte! Bilderbögen, die von Bewusstsein(en) (grob: Gehirn) via Reizübertragung = elementaren Zustände entworfen werden. Angesichts solcher Konstrukte, drängen sich Analogien mit irrational Metaphysischem (dem nicht direkt Erfahrbaren. Aber wer hat schon je ein W - Boson direkt erfahren?
Kant, der die Möglichkeit von Metaphysik als Wissenschaft verneinte und damit im Denken der Neuzeit eine tief greifende Zäsur verursachte. Die Rationale Metaphysik ist das, was quasi hinter der Natur kommt. Ursprünglich die Schriften des Aristoteles, die ersten Prinzipien und Ursachen des seins.
Die Irrationale Metaphysik kostruiert Bilderbögen, die über die sinnlich körperlich - erfahrbare Welt hinausgehen (z.B. die Ideen Gott, Freiheit, Unsterblichkeit), die der erfahrungswissenschaftlichen Forschung vorausgehen bzw. ihr zugrunde liegen!
Die Natur der Fehler liegen auf der Hand. - Sie liegt im Konstruieren von Bildern, wo Bilder nichts verloren haben. Und wenn sich Naturwissenschaft und irrationalistische Metaphysik voneinander unterscheiden, dann nur in der Qualität der von Ihnen verwendeten Bilder.
Warum gilt aber dem "aufgeklärten Geist" des logisch - kausalen denkenden Rationalisten das rationalistisch Metaphysische als obskur oder zumindest unwissenschaftlich, das Naturwissenschftliche aber als "richtig" , "zeitgemäß" und "wahr" und als die Welt in ihrem sosein ( = Objektivität) zutreffend beschreibend?
Herrschen hier nicht Willkür oder gelinde gesagt - Ignoranz vor, wo doch zwar im Bereich der irrationalen Metaphysik gravierende Vorstellungs Fehler begangen werden, nicht aber im Denkgebäude der rationalistischen Metaphysik - wohl aber in der popularisierenden Naturwissenschaft?
Verkommt die irrationalistische Metaphysik zu einer durchaus anschaulichen aber mit inadäquaten Bildern erfüllten Welt eines "Jenseits", plagt sich der Wissenschaftsgläubige mit ebensolchen inadäquaten Bildern aus einer mathematisierten Modellwelt des Abstrakten.
Nur die rationalistische Metaphysik - und der kluge Physiker ! - begehen den Fehler des Abbildens nicht. Die Ideen Platon´s sind keine Bilder. Nach Platon ist vielmehr unsere reale Welt nur ein Quasi - (Ab-) bild der Ideen in unvollkommener Konkretion, der an sich idealen Ideen.
Deren Wesen könnte am besten mit "Allgemeinbegriffe" in die heutige Sprache (und in heutiges Verständnis) übersetzt werden.
Da jede Änderung eine Abfolge verlangt (ändern kann sich nur etwas, wenn ein Zustand einem anderen folgt), kommt es zum Phänomen der fortschreitenden Entwicklung (=Evolution). Fortschreiten ist immer eine Abfolge, unabhängig von der Orts- oder Zeitrichtung! Beobachtet Bewußtsein dieses Forschreiten, kommt der Faktor Zeit hinzu:
Die Folge von Zuständen wird zum Vorher, Jetzt und Nachher, wobei auch das Jetzt niemals statisch sein kann. Die (unumkehrbare) Aufeinanderfolge von Zuständen heißt in der Physik Zeitpfeil: das in einer einzig möglichen Richtung Fortschreiten des Geschehens. Daher ist jeder Gedanke an eine "Umkehrung" der Zeit, absurd. Auch bei "Zeitumkehr" folgte ein Zustand (Ereignis) auf den (das) andere, und es erschiene uns normal (=kausal unbedenklich), daß auf Scherben eine intakte Vase folgte!
In einem All ohne sich - in Lebewesen - manifestierenden Bewusstsein, gäbe es keine Zeit und keine Bewegung, wohl aber Dauer und gerichtete Veränderung. Und Folge wäre auch dann unumkehrbare Folge.
Das » "t" » der Physik meint, genau genommen, auch nie » "die Zeit" » als etwas vom Bewußtsein Unabhängiges, sondern stets nur jene relative Spanne einer stattfindenden Veränderung, soweit sie beobachtbar (=bewußt) und damit zeitlich interpretierbar ist. Die Vorstellung der absoluten Zeit Newtons ist ja bekanntlich aus Gründen der Beobachtbarkeit (» Signalübertragung» ) durch Einstein fallen gelassen worden, bzw. stellt die absolute Zeit nur den Sonderfall dar, das gesamte All als ein Inertialsystem zu betrachten.
-Ein Inertialsystem ist ein gleichförmig, also nicht beschleunigtes, i. e. "unverändert" bewegtes, hypothetisches, rechnerisches Bezugssystem, das quasi den Beobachtungsraum des Beobachters umfaßt. Die physikalische Bezeichnung dieses Beobachtungsraumes ist Lichtkegel, jener beobachtbare Raum, der innerhalb der Reichweite der möglichen Signalübertragung (der Lichgeschwindigkeit c) liegt. Die Beobachtung (das Bewußtsein) fließt in der modernen Physik immer mit in den Formalismus ein.
Dies wird in der modernen Kosmogonie durch die Einführung eines hypothetischen Hyperraumes, in den die "vierdimensionale Raumzeit eingebettet" ist, vollzogen. Es wird damit über die theoretisch unendlich vielen Zeiten der unterschiedlich bewegten und beobachtenden Physiker (Zwillingsparadoxon) eine "absolute Hyperzeit" konstruiert, Newtons Idee also von hinten herum wieder eingeführt!
- eine dualistische Konstruktion, die in den unendlichen Regreß führt - denn auch die Hyperzeit müßte "fließen".
Hinfällig daher alle mehr oder weniger feinsinnigen kosmologischen Überlegungen nach zeitlicher Fixierung des Urknalls und ebensolcher des Big Crunch, des postulierten Zusammenstürzens unserer Welt. Urknall und Big Crunch werden dabei als Singularität(en) begriffen, als "ereignislose Zustände" , "in" "denen" jede Unterscheidungsmöglichkeit fehlt. Sie "existieren" nicht als Einzelereignisse in Raum und Zeit und sind daher weder lokalisierbar noch zeitlich bestimmbar. Was bestimmbar ist, sind die ersten bzw. letzten Ereignisse, die stattfinden, sobald bzw. solange es "die Raumzeit" gibt und mit ihr Dinge (vorerst nur bzw. noch als Elementarteilchen) existieren.
Den Begriff "Singularität" als Zustand kosmischer Nichtbeschreibbarkeit zu pluralisieren ist allerdings grammatikalisch genau so falsch, wie das Nichts "sein" zu lassen.
Big Bang und Big Crunch sind daher nur im Dualismus unterschiedene Singularität(en): Sie "trennen" zirka 30 Milliarden Jahre Weltgeschehen, also ein Äon oder Weltalter.
In der dualistisch arbeitenden Naturwissenschaft wird daher dieser unvorstellbare Raum als "vorstellbare" Summe von "Feldern" beschrieben und damit - weil jetzt quantifiziert durch Feldlinien und - quanten - manipulierbar. Zu dieser "Vorstellbarkeit" gehören alle Darstellungsversuche, etwa jene der trichterförmigen Netzstrukturen, um die "Einsenkung" von Massen im "Gravitationsfeld" zu demonstrieren. Auch die Einsenkung von Massen und Schwarzen Löchern in die "vier-dimensionale" Raumzeit wird gerne so - unter Zuhilfenahme eines "flachen Hyperraums" - dargestellt.
Schon Aristoteles hat in seinem "Dritten Menschen" auf den unendlichen Regreß einer solchen Voraussetzungsproblematik ad infinitum hingewiesen: die Voraussetzung der Voraussetzung der Voraussetzung...
Die angewandte Voraussetzungsproblematik ergibt weder Sinn noch Lösung und bleibt im quantitativen Denken hängen. Notwendig bedeutet, ein Zustand ergibt sich zwingend aus einem anderen. Die Notwendigkeit wird als Kausalität interpretiert, wenn das Bewußtsein eine Ursache-Wirkungs-Verknüpfung konstruiert, indem sie zwei oder mehrere Zustände miteinander in Beziehung setzt. Kausalnexi werden vom Bewußtsein nur vermutet und an der Natur erst durch Experimente überprüft. Vielfach stellen sich dabei solche Ursache-Wirkungs-Ketten als falsch heraus - es kommt zu Theorienwechseln. In der Natur gibt es nur Wahres.
Teilbar ist nur Wesensgleiches: das Messer teilt die Butter - und beides sind Materielles. Wesensungleiches ist ergo nicht trennbar. Nur im Dualismus ist "Gott" von "seiner" Welt getrennt und schließt er mit seinem "auserwählten" Volk etwa einen Bund - eine Absurdität!
Ordnung (=definierte Gesetzmäßigkeit) ist immer Leistung von Vernunft als eine Methode von Bewußtsein: Sie entsteht aus Vergleichen und Hierarchisieren von Beobachtetem. Strukturen, die unabhängig von Bewußtsein bestehen, werden von der Vernunft als Ordnung(en) interpretiert. Es ist letztlich die Leistung der Naturwissenschaft, Gesetze aufzustellen, die in ihrer Ordnung (=mathematisiert in Form von Gleichungen) den vorgegebenen Strukturen maximal (aber eben niemals optimal) entsprechen, sie aber nie komplett erklären können!
Die Welt als Ganze [ = All(es) ] könnte nur einem oder etwas ihr Entgegengesetztem gegenüber beginnen oder enden. Was wäre dem All(em) aber außerhalb? - In der Religion gibt es dafür die Bezeichung "Gott" , den aber kennt die Naturwissenschaft nicht, von "ihm" (Feministinnen mögen verzeihen) hat sie schon vor 300 Jahren abgesehen, nämlich mit dem Beginn der Aufklärung.
Läßt "Gott" den Zufall zu, ist "Gott" nicht allmächtig. Es pfuschte Ihm ja der Zufall beständig in seine "Schöpfung" und wäre somit eigentlicher Herr. Im Christentum wird dieser Pfuscher übrigens mit "Teufel" oder "Luzifer" ( = Lichtträger) bezeichnet, womit ein mythischer Begriff durchaus Naturwissenschaftliches umschriebe - Lichtträger sind
Photonen, die Quanten der elektromagnetischen Kraft. Und Quanten sind per se unverursacht, weil spontan in ihrer Entstehung, und somit - zumindest vordergründig - bzw. vorläufig: zufällig!
Der Interpretationsmodus der Kausalität sei an einem Experiment erläutert:
Frau/Mann hält ein Stück Kreide mit zwei Fingern über einer Tischplatte und läßt das Kreidestück fallen. Der vernunftvolle, durch seine Erfahrung gewiefte Beobachter wird wissen: Weil Frau/Mann die Finger öffnet, fällt das Kreidestück hinunter. Gesehen wird dieses "weil" nicht. Was gesehen wird ist folgendes: Frau/Mann hält die Finger geschlossen - Frau/Mann öfffnet die Finger - das Kreidestück fällt zu Boden. Der Beobachter sieht eine (zeitliche) Auf-einanderfolge, nicht aber eine (logische) Aus-einanderfolge. Erst das Anwenden und Verknüpfen zweier Vernunftsmodi (den Modus des Raum-Zeitlichen mit der Schlußlogik) ergibt die kausale Ursache-Wirkungs-Abfolge.
Fazit:
Aus Beobachtung kann Kausalität nicht abgeleitet werden; sie ist ein Vernunftsmodus, der uns - nach Kant, aber auch nach Rupert Riedl - a priori mitgegeben ist.
Kausalität ist immer zeitgerichtet und primär eindimensional. Erst in Verbindung mit Finalität, also mit unseren - durchaus willkürlich gewählten! - Zielen, wirkt die kausal erwartete Wirkung sekundär auf die kausal bestimmte Ursache zurück.
Beispiel:
Das Ziel (final) eines Gymnasiasten ist das Abitur oder die Matura. Um dieses Ziel (auch: Zweck, telos) zu erreichen muß der Schüler eine ganze Reihe kausaler Ursache-Wirkungs-Ketten durchlaufen: Er muß lernen (Ursache), um bei der Prüfung (Wirkung) durchzukommen. Weil er aber weiß (sic!), daß er ohne bestandene Prüfungen (Wirkungen) nicht zum Abitur respektive zur Matura (Telos, Ziel) kommen wird, wirkt dieses Ziel auf die Ursachen (das Lernen) zurück: Ist es einem Schüler mit dem Abitur bzw. der Matura ernst, wird er ausreichend lernen. Wobei dieses "ausreichend", bei beständig sinkendem Niveau seit mehreren Dekaden, immer relativer wird. Man vergleiche hierzu die Abiturprüfungen der 70er und 80er Jahre mit jenen ab Millenniumwechsel (Jahr 2000) bis heute. Das Abitur, ist heute definitiv keine Reifeprüfung mehr!
Die Finalität
Es ist kühn, die Kausalität zum Weltprinzip zu erheben, wie es Karl Marx mit der Dialektik macht, die in ihrer Abfolge These - Antithese - Synthese ja nichts anderes ist als ein großräumig angewandter Kausalitätsentwurf mit Finalitätsaspekt! Ziele und Zwecke sind nicht objektivierbar.
Der Lauf der Menschheitsgeschichte ist der praktische Beweis, wie Ziele (Interessen) und Zwecke (Intentionen, Machtansprüche, etc.) von Staaten einander widersprechen. Es gibt nur subjektive Ziele. Ihre Verwirklichung auf der Basis der - meist erzwungenen - Intersubjektivität ist der Grundtenor jeder Politik, von der Despotie bis zur Basisdemokratie. Was wechselt, ist nur die Methode der "Einigung", sei es via Willkür und Terror (Absolutismus, Tyrranei, Kampf gegen den Terror!) oder über das Abstimmungsritual einer parlamentarischen (unserer) repräsentativen (!) Demokratie (Kompromiß). Nur die freiwillige Einigung in Liebe (Konsens) fällt aus diesem Schema: Konsens und Liebe sind jenseits der Vernunft.
Die Natur hat keine Ziele, keine Interessen, keine Zwecke.
Nur wenn wir solche sehen wollen, sehen wir sie (vergleiche auch "Conturen", III/9, S 9, Heinz-Otto Peitgen: "Wenn ich ... an Ordnung interessiert bin, dann suche ich ... Phänomene, in denen Ordnungseigenschaften ... erkennbar sind ... Wenn ich ein Auge für chaotische Phänomene entwickle, dann scheint die ganze Natur mehr vom Chaos bestimmt zu sein.") Sinngleiches würde auch für die Natur vulgo "Gott" gelten, was immer man unter letzterem Begriff verstehen mag.
Eines verfolgt "er" ("sie", ES) sicherlich nicht:
Ziele, Interessen, Zwecke. Diese sind menschliche Antriebe, die aufs Überleben des einzelnen (und/oder der Art) gerichtet sind. Die Natur oder "Gott" braucht bekanntlich nicht zu "überleben", letzterer gilt sogar als ewig.3)
Die Logik
Die Logik ist laut Aristoteles ein Werkzeug (organon) der Vernunft. Mit ihrer Hilfe stellt sie gültige ("wahre") Verknüpfungen her, räumt also Widersprüche ("falsches") aus. Da die aristotelische Logik - die bis heute für die Vernunft als gültig ("wahr") angesehen wird - nur zwei Zustände kennt (nämlich wahr und falsch), wird sie auch als zweiwertige Logik bezeichnet (siehe 3. logisches Axiom).
Bereits im täglichen Leben zeigt es sich, daß wir fast nie nach dieser ausschließenden Zweiwertigkeit handeln. Viel eher sagen wir "vielleicht", "man wird sehen", "mag sein", "möglich", etc. In der Praxis ziehen wir Zwischenlösungen vor, schwarz-weiß gemalt wird nur in Diskussionen mit dem (politischen) Gegner oder vor dem Richter im Streitverfahren. Diesem pragmatischen Umstand des menschlichen Entscheidens, das durch das Hinzukommen eines Unbestimmtheitsgrades einen dritten Wert erhält (dreiwertige Logik), versucht die erfundene Fuzzy logic in Computersystemen zu entsprechen.
Im östlichen Denken ist die dreiwertige Logik (der dritte Wert heißt dort mju oder my) bereits ein alter Hut. Sie entspricht der täglichen Erfahrung; den 3. Wert aus dem Entscheidungsprozeß der Vernunft auszuklammern ist in der Praxis nicht einzusehen. Für den Fortschritt der Technik ist freilich die zweiwertige (Widersprüche auflösende) Logik essentiell: ohne sie stünde unsere Zivilisation auf der Stufe des Rades und der menschlichen bzw. der Tierkraft. Nur: Ist die Welt, wie wir sie als natürliche erleben, zweiwertig? Wo existiert in der Natur Falsches? Wo existieren Widersprüche?
Der wesentliche Unterschied zwischen westlichem und östlichem Denken besteht darin, daß der östlich Denkende im gegensätzlich Erlebten das Polare, der westlich Denkende aber das Widersprüchliche sieht! Selbst das Gegensätzliche ist nur als Erlebtes gegensätzlich, an sich aber nicht! Um Gegensätzliches als solches zu erfahren, bedarf es des beobachtenden Bewußtseins und der Kategorien des Denkens. Selbst der Voraussetzung fürs Gegensätzliche, dem Unterschiedlichen, ist schon beobachtendes Bewußtsein vorausgesetzt! Ohne beobachtendes Bewußtsein gibt es weder Unterschiedliches, noch Gegensätzliches, noch Widersprüchliches, noch Polares. Alle sind sie Interpretationen einer beobachtenden Vernunft, die analysierend das Ganze (=EINE) zerlegt.
In der Natur agiert nur Wahres als unzerlegt Eines. Wir allein sind es, die wertend an die Natur herangehen und im Sinne unseres Nutzens (Utilitarismus) von "Wahrem" (="Gutem", uns Nützlichem) und "Falschem" (="Bösem", "Schlechtem", uns Schadendem) sprechen und Hand an die Natur legen, um sie uns "untertan" zu machen (Genesis). Die Natur ist weder zweiwertig-logisch, noch dreiwertig-logisch noch überhaupt logisch.
Aber, frei nach Peitgen:
Wenn wir die Natur logisch sehen wollen, hindert uns nichts und niemand daran es zu tun. Nur eines sollte uns daran hindern: unsere Vernunft nämlich, die einsehen muß, daß ihre Kriterien nicht jene der Natur sind!
Die Raum-Zeit
Die Erfahrung des Raumes und der Zeit (der "Raum-Zeit") gehört wohl zu den ursprünglichsten Erlebnissen eines jeden von uns: die des Raumes angefangen vom Freud'schen Geburtstrauma über den Mund-Urraum und die ersten Greifversuche des Säuglings bis zur Wissenschaft der Astronomie und Kosmologie. Die Erfahrung der Zeit mag eine ähnliche Entwicklung durchlaufen:
von den mütterlichen rhythmischen Herztönen, die wir schon im Mutterleib registrieren und die wohl eine erste Art von Taktfrequenz-Empfinden darstellen, über unser regelmäßiges und ungestümes Verlangen nach Nahrung und die Erfahrung von Tag und Nacht bis zu Newtons absoluter und Einsteins relativer Zeit.
Beide Phänomene, sowohl der Raum als auch die Zeit, haben noch keinen Philosophen unberührt gelassen:
von Augustinus ("Was tat Gott, bevor er die Zeit schuf?" - "Er hat Höllen geschaffen für Leute, die so blöde Fragen stellen!") über die Kant'sche Theorie der Anschauungsformen bis zur heute allgemein gültigen (?) vierdimensionalen Raum-Zeit mit Urknall- und Inflationstheorie.
Mit den Erkenntnissen der Relativitätstheorie war Vorstellbarkeit passe´. Die ist nämlich auch nur eine Theorie und deshalb nur innerhalb ihres eigenen Systems wahr, aber dieser Umstand wird gerne vernachlässigt. Vielmehr wird sie - im Sinne der Verallgemeinerung (= Ideologisierung) und damit der Wahrheitsverkürzung - gerne verabsolutiert. Was einer bildlichen (natürlich immer Fehl-) Interpretation der Bemühungen ist, die Relativität der Zeit zu beschreiben;
als zweite Interpretations - Möglichkeit läßt sich auch der Parameter der Längenverkürzung in Bewegungsrichtung einführen. Die Rechenergebnisse sind die gleichen. Es ist dabei tatsächlich eine delikate Frage, mit welchem Bild die Vorstellung weniger Schwierigkeiten hat: mit der prinzipiell unvorstellbaren 4. (fälschlicherweise als gekrümmt interpretierten) Dimension, mit der vielmehr die Zeit bezeichnet wird, oder der vorstellbaren, aber der Erfahrung zuwiderlaufenden Längenkontraktion in Bewegungsrichtung.
Paradoxerweise hat sich die Unvorstellbarkeit des 4- D - Raumes in der Fach - und Populärliteratur durchgesetzt.
Gerade das Beispiel Kant zeigt die Schwierigkeiten, die sich bei den Phänomenen Raum und Zeit für unser Bewußtsein (unsere Vernunft) ergeben: Kant spricht von Raum und Zeit sowohl als objektiv gegebene als auch als Anschauungsformen, also dem Menschen mitgegebene Fähigkeiten, Raum und Zeit erkennen zu können. Dabei hat es seine doppelte Schwierigkeit:
denn weder den Raum, noch die Zeit können wir tatsächlich wahrnehmen. Vielmehr nehmen wir beim Raum das Auseinander der Dinge (Körper) wahr und bei der Zeit das Nacheinander von Ereignissen. Ein Ding erscheint uns als sinnlich erfaßbar durch seine physikalischen Eigenschaften wie Gewicht, Form, Farbe, Geruch, Aggregatzustand, spez. Gewicht, Ladung, Impuls), ein zeitliches Ereignis e b e n s o .
Nur kommt beim Zeit"empfinden" die Leistung unseres Gedächtnisses dazu. Wir erleben dank unseres Gedächtnisses ein Nacheinander von Ereignissen und messen dieses Nacheinander über die Dauer einer Bewegung als Zeit. Um Zeit erleben und messen zu können, bedarf es für uns also der Bewegung. Diese erleben wir als Ortsveränderung eines Dinges. Ortsveränderung wird uns abermals nur durch das gedächtnismäßig abgespeicherte Nacheinander von örtlich als verschieden registrierten Ereignissen bewußt! Nirgendwo ein direktes Empfinden von Raum und Zeit.
Sehr schön illustriert diese Verknüpfung von Zeit und Bewegung das Märchen vom Dornröschen. Zum gleichen (relativitätstheoretisch betrachteten!) Zeitpunkt, zu dem sich Dornröschen mit der Spindel sticht, will der Koch seinem Küchenjungen eine Ohrfeige geben. Durch den Spindelstich bleibt aber die Zeit (relativitätstheoretisch nur im Schloß!) stehen. Draußen (in einem anderen System) vergehen hundert Jahre, bis der Prinz kommt, die inzwischen wildwuchernde Hecke überwindet und Dornröschen wachküßt. Was jetzt passiert ist phänomenal:
Gleichzeitig mit dem Erwachen Dornröschens kriegt der Küchenjunge seine Watsche. Für Dornröschen, den Koch und den gefotzten Küchenjungen ist de facto überhaupt keine Zeit vergangen:
Durch den Stillstand aller Bewegung innerhalb des Systems Schloß gab es keine Möglichkeit zur Zeitmessung, respektive verfloß überhaupt keine Zeit!
Kant wollte durch Splittung des e i n e n Phänomens Raum-Zeit in die objektive Raum-Zeit und in deren Anschauungsform(en) Raum und Zeit "erklären".
Im täglichen Überlebenskampf unterscheiden wir aber nicht zwischen Anschauungsformen und "objektiver" Raum-Zeit; wir erleben Raum als eng oder weit und Zeit als kurz oder lang. Und zwar als für uns absolut - egal ob diese subjektive Absolutheit relativ zu anderen ist oder nicht. Wir haben kein Sensorium für die Relativität von Zeit (und Raum?).
Für uns sind Raum und Zeit subjektive Absolutheiten - daher übersteigt jede Aufsplittung in subjektive Absolutheit und objektive Relativitäten unseren Verstand und damit auch unsere Vernunft.
Wir "steigen" beim Zwillingsparadoxon4) "aus". Auch bei Begriffen wie Zeitumkehr5) oder Zeitschleife6) müssen wir passen.
Wieder wäre bei Peitgen nachzulesen:
Natürlich können wir in die Welt Zeit hineinsehen. Wir werden etwas, das wir mit diesem Begriff benennen, wohl auch finden ("vierdimensionale, relative Raumzeit"). Sie als objektiv gegeben anzunehmen ist natürlich kühn - und im Falle der Raumzeit gleich im doppelten Maße: weil Raum und Zeit nicht nur Produkte der Vernunft sind. Sie sind - im Unterschied zu Kausalität, Finalität und Logik - auch Phänomene, die (wenn auch nicht als vernunftmäßig fassarer "Raum" und vernunftmäßig fassbare "Zeit") offensichtlich seinskonstituierend sind. Sie haben "mit der objektiven Welt etwas zu tun":
und zwar der Raum als die Körper auseinander haltende Kraft und die Zeit als Veränderung oder Werden der Dinge. Dies sind natürlich Begriffe, mit denen die Vernunft nur indirekt umgehen kann. Der Kraftbegriff ist in der Physik bis heute nur nahwirkend (über den "Billard-Effekt" der Feynmann-Diagramme)7) als Wechselwirkung vorgestellt; und mit dem Werden mühen wir uns ohnedies vergeblich ab: weil unsere Vernunft - aus evolutionsbedingten Gründen - nur mit dem erfahrbaren Raum und der erfahrbaren Veränderung zurande kommt. Alles für uns darüber Hinausgehende (die endliche Teilbarkeit von Dinglichem, die Grenzen des Räumlichen und Beginn und Ende des Zeitlichen) ist für unsere Vernunft jedoch unfassbar und für unseren Verstand unvorstellbar.
TEIL II: VERSTAND, VERNUNFT UND DAS (UN-)VERNÜNFTIGE
Die Zweiteilung in Vernunft und Verstand geht auf Platon zurück, dem Begründer der dualistischen, idealistischen abendländischen Philosophie. Er unterscheidet in Nous (Vernunft"seele" ), von der die Ideen (eine Erfindung Platons, die bereits sein Schüler Aristoteles verworfen hatte), "erkannt" werden, und in Dianoia, die sinnliche Verstandeserkenntnis, die diskursiv, also Schritt für Schritt vorgeht, von einer Vorstellung zur anderen logisch fortschreitet, das Ganze aus seinen Teilen aufbaut und sich stets auf die sinnliche Erfahrung bezieht. Seither gilt der Verstand allgemein als das Vermögen zu denken, zu erkennen und zu urteilen, soweit sich auf die sinnliche Anschauung bezieht, die er mittels der Begriffe zu einer Einheit zu ordnen versucht. Die Vernunft hingegen "bezieht sich auf den Verstand, leitet, regelt und ordnet die Verstandestätigkeit bzw. die Verstandeserkenntnis; sie setzt dem Verstand seine Grenzen ... Der Verstand bedarf also einerseits der sinnlichen Anschauung (des sinnlichen Materials), andererseits der leitenden, regelnden und zielsetzenden Tätigkeit der Vernunft... (Lexikon der philosophischen Begriffe)
Das ist natürlich sehr lexikalisch und eher verwirrend als erläuternd. Die Unterscheidung in Verstand und Vernunft ist ja selbst eine Tat der Vernunft: weil sie analytisch (also zerlegend) vorgeht. Aber schon an dieser Analyse erkennt man, wie die Vernunft arbeitet: sie vermag das Ganze nur in zerlegter Form - in "Portionen" zu verkraften. Nur die vielen kleinen Schritte, die sich aufgrund der vom Verstand (nach den Regeln der Vernunft) zusammengeknüpften Sinnesdaten zu kleineren und größeren Einheiten zusammenfügen lassen, bringen der Vernunft Erkenntnis. Ob diese Unterscheidung in Vernunft und Verstand überhaupt nötig ist, ist die Frage: verwirrt das Problem der Vernunft und ihrer Beschränktheit doch nur, anstatt die Vernunft ganz einfach als jenes Vermögen des Menschen zu bezeichnen, das sich diskursiv, also logisch, kausal und final von der Welt ein Bild macht: und zwar eben genau dasjenige, das wir das rationale Weltbild oder rationales Denken nennen.
Schon Aristoteles unterschied daher "nur mehr" in aktive und passive Vernunft. Unter "aktiver Vernunft" meinte er jene Vernunft, die allen Menschen zukommt - also die Fähigkeit, abstrakt, kausal, final und logisch denken zu können. Sie macht den Menschen zum Menschen (animal rationale). Wie sehr (und ob) es dem einzelnen nun gelingt, diese angelegte (angeborene; bei Kant: a priori) Fähigkeit auch umzusetzen, nennt Aristoteles passive Vernunft (was also das allgemeine Vermögen der Vernunft der Spezies Mensch durch die einzelne Kreatur "erleidet"). Da dieses Ge- oder Mißlingen ein höchst persönliches ist, geht es auch mit dem Tod verloren. Nicht verloren geht das Vernunfthaben der gesamten Art: jeder Mensch, der geboren wird hat ja - kraft seines Menschseins - Vernunft.
Heute gipfelt diese aristotelische Sicht der Vernunft nur wenig verändert im Paradigma der modernen Naturwissenschaft, das nicht nur aristotelisch sondern auch stoisch ist:
In der Stoa ( ab 300 v. Chr.) wurde nämlich erstmals der Begriff der Weltvernunft geprägt, die sich in der Gesetzmäßigkeit des Kosmos manifestiere und an der der Mensch - beschränkt - Anteil habe. Die beiden modernen anthropischen Prinzipe (aber auch zum Teil die Evolutionäre Erkenntnistheorie) greifen auf dieses Denken zurück.
Ähnlich wie die Stoa argumentierte rund ein Jahrtausend später Thomas von Aquin, indem er die Vernunft in intellectus, eine Art "geistige Schau", in der die Prinzipien (= die Ideen Platons) eingesehen werden, und in ratio, das trennende, aber auch verbindende und abstrahierende Verstandesvermögen, unterteilt: Platon war, christlich verbrämt, wiederauferstanden. Sein Denken gipfelt schließlich in der mittelalterlichen Sicht, daß der Mensch an der "göttlichen" Vernunft nur beschränkt teilhaben könne... Der Mensch würde die Welt nie verstehen, Gottes Ratschlüsse blieben für ihn uneinsichtig, die Vernunft zu schärfen sei vergebliche Liebesmüh', ja sogar des „Teufels"...
Die Aufklärung lehrte dann - in Opposition zur Kirche -, der Mensch vermöge kraft seiner Vernunft alles zu erkennen: die Vernunft sei auf den Menschen und die Welt bezogen und nichts Jenseitiges oder gar Göttliches mehr. Auch zwischen Vernunft und Verstand wurde nicht mehr strikt unterschieden.
Diese Trennung führte erst Kant wieder ein:
indem er in reine Vernunft und Verstand (und als Drittes auch in "Urteilskraft") unterschied. Die reine Vernunft sei dabei in uns a priori, also "von vorne herein" angelegt. Sie entspricht damit in etwa der aktiven Vernunft Aristoteles', basiert nicht auf sinnlicher Erfahrung, sondern ist die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis schlechthin. Dazu bedient sie sich des Verstandes und seiner Regeln, sammelt seine Erkenntnisse und richtet sich auf das Ganze der Erfahrung, die Einheit und Totalität aller Erkenntnis. Damit ist der Kant'sche Vernunftbegriff gegenüber unserem, in diesem Aufsatz relativ eng gefaßten, erweitert:
er beinhaltet auch die Intuition oder, wie Kant sie nennt, die Anschauung, also jene Erkenntnisform, die das rein Logische, Kausale, Finale (in unserer begrifflichen Bestimmung: das Rationale) übersteigt: Im Kant'schen Vernunftsbegriff ist auch das Absolute (das Unbedingte, dasjenige, das ohne Bedingungen bzw. Ursachen besteht; Gott etwa, die "Seele" und die Welt als gesamtes) sein Forschungsgegenstand.
Hegel "hebt" dann völlig "ab":
seine Vernunft übersteigt den auf sinnliche Anschauung angewiesenen Verstand und hebt in der dialektischen Bewegung die vom Verstand festgestellten Gegensätze (=Widersprüche) auf. Dadurch gelangt die Vernunft in hegel'scher Sicht "zum wahren, begreifenden Erkennen".
Hegel: "Was vernünftig ist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig." Damit wird die Vernunft zum alles umwaltenden Weltenprinzip ("Absolutes", "Weltgeist") und vollendet sich in Hegel sogar selbst(!).
Damit erhält - wie bei Plato - die Vernunft göttliche Attribute:
die Trennung zwischen Weltvernunft und persönlicher Vernunft ist zwar "aufgehoben", die Vernunft aber zum ALL-EINEN Prinzip, das sich dialektisch äußert und vom menschlichen Verstand als solches begriffen wird, erklärt. Hegels Philosophie wird daher von seinen Gegnern als spekulativ bezeichnet: als monumentales Gebäude sei sie in keiner Weise mehr falsifizierbar, stehe daher nicht mehr in der Alternative von richtig ("wahr") und falsch und ist somit reine Glaubenssache...
Folgerichtig wenden sich die späteren Philosophen von solcher Spekulation ab und beschränken die Vernunft - wie in dieser Arbeit - lieber auf's Instrumentelle. Nach Th. W. Adorno und M. Horkheimer richtet sich die Vernunft auf technische Verfügbarkeit und Beherrschung der Natur allein aus. Da eine solche Vernunft (laut dieser Autoren) damit in die "Barbarei" führt ("Anything goes", siehe auch heutige Umweltproblematik), bedarf es zu ihrer Zähmung der Kommunikation und intersubjektiven Argumentation, die als kommunikative Vernunft zum intersubjektiven Konsens führen soll.
Der Konsens liegt aber bereits außerhalb der Vernunft! Über die Vernunft alleine kann die Welt nicht gelebt werden, denn leben umfaßt mehr als umgehen (=feststellen und negieren) von Widersprüchlichem. Nur der sinnvolle Umgang mit ihnen (nämlich ihre zielführende Eliminierung) kann verstanden werden. Nur das heißt verstehen! Also kann die Welt als Ganzes mit Hilfe der Vernunft gar nicht verstanden werden, da:
1) aufgrund des Gesetzes vom immerwährenden Widerspruch mit jeder Lösung eines Widerspruchs sofort mehrere neue auftreten. Und
2) außerhalb der Vernunft überhaupt nicht(s) verstanden werden kann. Verstehen beschränkt sich ja auf das erfolgreiche Zusammenspiel von kausalem und finalem Denken. Allerdings gibt es auch andere Arten von Denken: so z. B. irrationales (=mystisches) und holistisches (=ganzheitliches) etwa, in denen Gegensätze nicht als Widersprüche, sondern als Polaritäten gesehen werden (=östliches Denken).
Außerhalb der Vernunft können sehr wohl Gegensätze (z. B. als sich ergänzende Polaritäten) bestehen bleiben. Es ändert sich allerdings der Umgang mit ihnen: sie werden nicht negiert, sondern bejaht! In diesen Denkarten wird ergo dessen geglaubt, geliebt, gehofft und vertraut werden. Dies mag zwar unwissenschaftlich sein, ist aber zutiefst menschlich und macht das Leben erst lebenswert!
Das (Un-)Vernünftige
Wir haben bisher den Begriff des (Un-)Vernünftigen mit Absicht und gutem Grund vermieden: denn Vernunft und (Un-)Vernünftiges sind zweierlei.
Vernunft und Verstand sind Theorie und Praxis jener Weltsicht, die sich der Methoden der Vernunft bedient und verstehend (und nicht etwa glaubend, vertrauend, hoffend und liebend) einen Sachverhalt allgemein gültig erklärt.
"Vernünftig" und "unvernünftig" sind hingegen Begriffe, die nicht allgemein gültig, also "objektiv", sondern höchst subjektiv (bestenfalls: intersubjektiv) sind und eine erklärende Kausalitäts-Finalitäts-Verknüpfung meinen, der nur ich (oder meine Gruppe) zuzustimmen brauche(n) - oder auch nicht. Erscheint mir (oder meiner Gruppe) eine Erklärung als schlüssig, so halte ich (oder hält meine Gruppe) diese Aussage für vernünftig; erscheint mir (oder meiner Gruppe) die Erklärung als unschlüssig, so verwerfe ich (verwirft meine Gruppe) sie als unvernünftig.
Diese Unterscheidung ist wichtig, liegt in ihr doch die Lösung des Rätsels, wieso der Homo sapiens soviel - angeblich oder tatsächlich? - Unvernünftiges im Verlaufe seiner Geschichte produziert hat. (Un-)Vernünftiges wird dabei stets durch die Brille der Utilitarisms gesehen:
Was mir nützt ist vernünftig, was mir schadet ist es nicht. Diese fürs Erste überraschend simpel erscheinende Definition führt auf die ursprüngliche Aufgabe der Vernunft zurück: Ist Vernunft doch jenes Mittel, das primär mein Überleben garantiert.
Sie hat damit im Zuge der Evolution den Instinkt abgelöst und den Menschen aus der Unbedingtheit seines Lebens (=Paradies) befreit. Damit hat er sich auch aus seiner ursprünglichen ökologischen Nische ("von den Baumkronen") befreien können und ist heute auf der Welt omnipräsent. So gebunden das Instinktive ist (z. B. der Schlüsselreiz), so frei vasziert die Vernunft durch Raum und Zeit - aber nur durch sie! Diese Freiheit der Vernunft bringt es aber mit sich, daß unterschiedliche Menschen (unterschiedliche Gruppen) Verschiedenes als für sie nützlich (im weitesten Sinn: "ihr Überleben sichernd") bewerten.
(Un-)Vernünftiges ist also immer ein Wert. Werte sind aber stets subjektiv, sie gelten nur für den einzelnen oder (über Moral oder Gesetze) innerhalb einer bestimmten Gruppe, nie aber als allgemein verbindlich.
Selbstverständlich gibt es immer Bestrebungen, solche subjektiven oder intersubjektiven Werte für allgemeinverbindlich zu erklären: man spricht dann von Ideologien oder - vermischen sie sich mit Mystischem - von Religionen (wobei keine Ideologie ohne Mystik auskommt und keine Religion ohne Vernunft!).
Ideologie und Religionen haben daher stets als Bestrebungen, ihre intersubjektive Wahrheit (=Vernünftigkeit) zu einer absoluten zu machen.
Absolute Vernünftigkeit ist aber gleichzusetzen mit absoluten Vernunft, weil im Absoluten [Definition des Absoluten: das "Losgelöste" (d. h. von allem Widersprüchlichen)] keine Widersprüche mehr bestehen können. Vielmehr sind in ihm alle Widersprüche aufgehoben - womit wir wieder bei Hegel wären. Alle Religionen und Ideologien fordern aber Absolutheitsanspruch ein:
indem sie vorgeben, im alleinigen Besitze der EINEN Wahrheit (=alleinige Vernünftigkeit als absolute Vernunft) zu sein. Damit werden alle Ideologien und Religionen zu wahrheitsverkürzenden Spekulationen, um die sich der vernunfthabende Mensch gar nicht zu kümmern bräuchte: Eine Vielzahl von behaupteten "Absolutheiten" (wie sie ja die Menge an Ideologien und Religionen darstellt!) ist ja tatsächlich widersprüchlich, da das Absolute per definitionam nur EINES, nicht aber vieles (mehreres) sein kann!
Genau an dieser Stelle bricht auch die Differenz (schon wieder ein Widerspruch!) zwischen Vernunft und Vernünftigkeit auf: Es ist bar jeder Vernunft und widerspricht auch den Regeln der Vernunft, sich mit mehreren Absolutheitsansprüchen auseinanderzusetzen. Es mag aber durchaus vernünftig zu sein, als Anhänger einer solchen krausen Absolutheitsideologie (wieder ein Widerspruch: eine Ideologie kann niemals absolut sein, sondern steht selbstverständlich beständig im Widerspruch zu anderen Ideologien!) diese vehement zu vertreten:
aus schierem Machtanspruch (=Utilitarismus) mit dem Ziel der (Welt-)Herrschaft. Die Ideologien des Kommunismus, des Kapitalismus, des Katholizismus und jedes Faschismus bezeugen die jeweilige Vernünftigkeit, sich zu ihnen zu bekennen, solange man daraus Nutzen zieht.
In diesem Bestreben, das subjektiv für richtig (=wahr, vernünftig) Gehaltene zum objektiv Richtigen ("Absoluten") machen zu wollen, liegt die Ursache für jede Auseinandersetzung: vom kleinlichen Nachbarstreit um das jeweilig "Rechte", bis zum Weltkrieg; vom nebensächlichen Rechthabenwollen bis zum prinzipiellen Kampf diametraler Weltwirtschaftssysteme, in dem - vorläufig! - der Marxismus unterlegen ist.
Eine weitere Dimension erhält das Problem von Vernunft und (Un-)Vernünftigkeit, wenn das Mittel der Vernunft und ihre Methoden in Bereichen zur Anwendung kommen, die prinzipiell außerhalb der methodenadäquaten Anwendbarkeit der Vernunft liegen: Wenn also mit der Methodik der Vernunft Glaubensinhalte8) "erklärt", die Liebe "bewiesen", das Kunstwerk "verstanden", das Vertrauen "überprüft" und das Hoffen "abgewogen" werden. Gott mit der Taschenlampe suchen zu wollen erscheint jedem als inadäquates Mittel; warum nicht auch jeder Versuch, z. B. das Mysterium des Christentums mit kausalen und finalen Methoden (also eindeutigen Vernunftsmethoden!) "verständlich" machen zu wollen?
Genau wegen jenes Unterfangens wird ja heute die Scholastik und ihre Versuche, urmystisch Christliches über die - aristotelische - Vernunft aufzubereiten und widerspruchsfrei zu machen, so negativ beurteilt.
Ähnliches betreibt die Ideologie der Naturwissenschaft9), wenn sie mit Hilfe des Allgemeingültigkeits-Anspruchs der von ihr er-fundenen (und nicht ge-fundenen) Naturgesetze das Sosein der Welt erklären möchte. Sie vergißt dabei, daß die Vernunft
a) nur im Menschen, und nicht in der gesamten Welt wirkt:
b) im Zuge der Evolution nur jenes Mittel ist, den Menschen überleben zu lassen und daher nur ausreicht, die menschliche Um- oder Mitwelt zu manipulieren, nicht aber das ganze Universum zu erklären.
In dieser Beschränktheit der Vernunft liegt auch begründet, daß wir mit ihrer Hilfe sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos an die gleichen Grenzen der Vernunft stoßen:
an die Unauflösbarkeit und vor allem an die Unanschaulichkeit der Grenzbegriffe des Raum-Zeitlichen. Sowohl die Suche nach den kleinsten Bausteinen der Materie (Quarks und ihre vermuteten Substrukturen) als auch die Frage nach der Grenze des Kosmos stellen (werden sie konsequent kausal-final betrieben) die Vernunft vor unlösbare Fragen. Gleiches passiert ihr bei der Frage nach dem Beginn (Urknalltheorie) und dem Ende unserer Welt (Inflationstheorie).
Die Vernunft ist für die Beantwortung dieser Fragen nicht ausreichend ausgestattet. Antworten auf solche Fragen zu geben führt stets in Unanschaulichkeit und Unverständigkeit. Mikro- und makrokosmische Grenzfragen übersteigen sowohl die Sinnlichkeit des Verstandes als auch die Schlüssigkeit von Logik, Kausalität und Finalität, da alle drei Denkmethoden vom sinnlich Faßbaren (also vom Vorstellbaren) abheben. Sie werden damit zu Leermethoden ohne jeden praktischen Aspekt, wirken plötzlich nicht mehr (über das Bewußtsein des Menschen) in der Welt, sondern lassen die Welt in ihnen wirken.
Logik, Kausalität und Finalität werden auf diese Weise zu einer Trinität des Absoluten mit religiösen Ansprüchen: so ist es! Selbstverständlich gilt für eine solche Absolutsetzung das gleiche, wie für jede Religion oder Ideologie: Absolutes ist nicht strukturiert und in sich unterschiedlich; es ist EINES.
Resumé:
Wichtigste Aufgabe des Philosophen - aber auch des Naturwissenschafters und Religiösen - ist es daher, die Vernunft dort zu belassen, wohin sie gehört: als Medium innerhalb der praktischen (und damit technischen) Lebensbewältigung. Wo jede Falsifizierbarkeit (vor-popperanisch: jede Verifizierbarkeit) endet, hat die wissende Vernunft ausgedient und muß der auf Wahrheit vertrauende Glaube ansetzen. Dieser Glaube muß aber transkonfessionell sein, da er sonst sofort in Ideologie erstarrt.
Fußnoten
1) Darunter versteht man ein Denken, demzufolge das Universum nur "deswegen" existiert, um in seinem Da- und Sosein durch den Menschen erkannt und verstanden werden zu können (starkes anthropisches Prinzip). Unter seiner "schwachen" Ausprägung versteht man - fast identisch mit dem Inhalt der Evolutionären Erkenntnistheorie -, daß der Mensch als "Kind" ebendieses Kosmos in den Stand gesetzt sei, Kraft seiner Vernunft das Sosein und Warum des Universums begreifen zu können.
2) Die Induktion ist ein kniffeliges philosophisches Problem. Es ist nämlich logisch gesehen überhaupt nicht einzusehen, warum die Sonne, bloß weil sie seit 4,5 Milliarden Jahren tag-täglich aufgeht, auch morgen wieder aufgehen sollte. Wohl glauben wir das und halten es für höchstwahrscheinlich, allein: durch Logik ist es nicht ableitbar!
3) Alle Ansätze "Gott" mit rationalen (=raum-zeitlichen) Begriffen zu fassen suchen, sind zum Scheitern verurteilt, weil damit Inkommensurables aus den Bereichen der Vernunft und des Glaubens vermengt werden. Da nützen auch nicht begriffliche (Kunst)-Schöpfungen wie All-Mächtigkeit, All-Wissenheit und All-Gegenwärtigkeit, da trotz des Vorsetzens der Silbe "All" vom ursprünglich raum-zeitlichen Begriff stets mißverständliche Teile "mit"transportiert werden (wohin eigentlich?).
4) Ein mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde wegreisender und zurückkehrender Zwilling altert weniger als sein auf der Erde zurückbleibender Bruder.
5) Beim implodierenden Weltall (nach der hypothetischen Umkehr der Expansion) wird eine "negative Zeit" vorgestellt; der Zeitpfeil kehrt sich um. Nach den neuesten Forschungen Stephen Hawkings soll dies aber nicht mehr aufrecht zu erhalten sein.
6) Weltlinien können sich bei starker Raum-Zeit-Krümmung (z. B. an einem Schwarzen Loch) überschneiden ("zeitartige Kurven"); dabei sollte man in die eigene Vergangenheit gelangen können...
7) Kraft wird als "Austausch" von Elementarpartikeln verstanden (Bosonen, Mesonen, Photonen und Gravitonen); letztere sind hypothetisch.
8) Unter Glaubensinhalten sind hier nicht - immer willkürlich gesetzte - Dogmen von Konfessionen gemeint, sondern wird das tief empfundene, freiwillig (autonome) Für- wahr-Halten von Irrationalem, also jenseits der Vernunft Liegendem, verstanden: das Mystische. Dieses setzt sich gegen alle Heteronome ab und ist letztlich nur meditativ erfahrbar. Der deutsche Mystiker Meister Eckehart ist dafür ein gutes Beispiel.
9) Ideologie ist Naturwissenschaft dann, wenn sie - wie alle Religionen und Ideologien - mit dem Anspruch der Allein-Gültigkeit und Unfehlbarkeit auftritt, ein All-Anspruch, dem die Naturwissenschaft seit der Aufklärung mehr und mehr erlegen ist.


























































